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Soweit der Juli

Nach einer anstrengenden Woche neigt sich mal wieder ein Semester seinem Ende zu. Wenn alles nach Planung verläuft, war es das Vorletzte für mich. Ähnlich wie vor dem Abi damals spüre ich schon jetzt, dass der Abschied von der Uni von Melancholie geprägt sein wird. – Doch darum soll es vorerst überhaupt nicht gehen. Letzte Woche Freitag ging es los. Gerade als sich ein kleiner Gewittersturm über dem schwül-heißen Bonn ergoss saß ich im Seminarraum der Linguistik und hielt stammelnd ein Referat, dass ich lustlos und gelangweilt noch am Tag zuvor hingerotzt habe. Anschließend die Erleichterung mal wieder einen Punkt auf der Liste abhaken zu können.

Am Samstag hatte ich dann um 11 Uhr im Maritim zu sein. Schon wieder mal nicht ausgeschlafen. Es galt an die Vorbereitungen für die Euro Conference 2009 zu gehen, die die Uni Siegen hier ausgerichtet hat und bei der ich eine Stelle als studentische Hilfskraft ergattern konnte. Vorbereitung hieß in diesem Fall sich durch die Räumlichkeiten führen zu lassen und anschließend Taschen für die Seminarteilnehmer zu packen. Da kann man jetzt meinen, dass das keine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist, doch für 10 Euro die Stunde mache ich (zumindest noch so lange ich Student bin) so ziemlich jeden scheiß. Um 14 Uhr war das dann auch erledigt. Also den Katzensprung rüber in die Rheinaue gewagt und mir doch die Rheinkultur angetan. Wie so ziemlich jedes Jahr, gab es auch dieses Mal nur eine Band, die mich wirklich interessierte- Get Well Soon. Sie haben die Warterei aber mehr als entschädigt. Die Liveshow eines Paares mitten in der Menge war dabei das amüsante Sahnehäubchen und veranlassten mich kurzzeitig zu der Überlegung mit doch einen Youtube- Account einzurichten- worauf ich aber bisher verzichtet habe. Obwohl wir schon um 10 gingen waren Busse und Bahnen natürlich wieder so überfüllt, dass zumindest ein Fußmarsch bis zum Hauptbahnhof anstand.Gegen vier Uhr habe ich dann endlich schlafen können, wenn auch nur für vier Stunden, denn am Sonntag musste ich bereits um halb 10 wieder auf dem Münsterplatz stehen. Besser: vor der Kamera stehen.

Laurent und Pascal die nun schon seit Jahren an ihrem Monster- Trash- Film „Brutaloras“ arbeiten, hatten mich eine Woche zuvor gebeten die Rolle eines russischen Soldaten (genauer: einer russischen Klonarmee) zu übernehmen. So verbrachte ich meinen Sonntag also damit bei gefühlten 50 Grad, mit Stahlhelm, dickem Sowjetmantel und Springerstiefeln auf dem Münsterplatz mit einer Kalaschnikow auf eine Greenscreen zu schießen. Zumindest haben jetzt wieder viele Chinesen zu erzählen wie bescheuert die Deutschen sind. Gegen drei Uhr waren wir fertig. Zeit für mich in mein 7- Stunden- Wochenende zu starten, indem ich mir die ersten drei Rambofilme angeschaut habe.

Am Montag hieß es um fünf Uhr in der früh aufstehen, mich um sechs in den Bus zu quälen, zwischen all die Menschen, die früh morgens noch frustrierter aussehen als ohnehin schon. So verliefen dann auch Dienstag und Mittwoch. Insgesamt 31 Stunden habe ich in den drei Tagen auf der Konferenz gearbeitet. Wobei man wirklich sagen muss, dass ich eines dabei gelernt habe: Rumsitzen kann verdammt ermüdend sein. Es gab wirklich nicht viel zu tun, war auch nicht anstrengend, die Leute waren nett. Die Vorträge habe ich mangels tiefer gehender Mathekenntnisse überhaupt nicht verstanden, aber nach zwei Mal 12 und ein Mal 6 Stunden ist man froh wenn es vorbei ist. Am Dienstagabend bin ich bereits um halb 10 eingeschlafen, trotzdem fiel das Aufstehen am Mittwoch so schwer, dass ich dachte, ich würde mich nicht einmal bis zum Bus auf den Beinen halten können. Diese Zeit ist einfach nichts für mich.

Nach Feierabend dann noch schnell das Referat für heute vorbereitet. Die letzte Tat in diesem Semester. Die Seminararbeit, die in knapp zwei Monaten abgegeben werden muss, werde ich mit links schreiben und die letzten Stunden bis zur vorlesungsfreien Zeit auf einer Arschbacke absitzen. Vier Wochenstunden im nächsten Semester trennen mich jetzt noch vom greifbar nahen Ende des Studiums. Das sind zwei Veranstaltungen in der Woche. Das ist weniger als ich jemals zu tun hatte. Das ist nur noch ein halber Schritt entfernt davon, dass wieder ein Lebensabschnitt beendet ist. Verdammt- ich sollte dringend wieder mehr saufen.

Und weil jetzt schon fast wieder Herbst wird noch ein bisschen Melancholie zum Mitnehmen:

Ohne Worte

Marco findet die Alte toll und hat mir vor einiger Zeit mal vorgeschlagen, dass wir darüber schreiben könnten. Was ich jetzt tue- und was mir schwer fällt. Was soll man schon über jemanden schreiben, der so verdammt langweilig ist, dass es keine Worte mehr dafür gibt? Der Charakter ist mit Mascara aufgetragen, ansonsten wirkt sie wie ein in rosa Plüsch eingehüllter Dauerlutscher.
Diese gespielte Niedlichkeit, die aus jedem Blick, jeder Geste und der gesamten Prosodie hervorsticht kotzt mich an. Als könnte sie es in ihrem tiefsten Innern nicht verkraften älter auf Fünf geworden zu sein.
Nach dem dritten „Haaaaaaaalloooooooooo“ zu Beginn eines jeden Videos (was schon fast wieder so etwas wie ein Running- Gag ist) habe ich das Bedürfnis aus dem Fenster zu springen.
Ich werde an dieser Stelle noch ein paar Videos verlinken aber mehr Beachtung wird es nicht geben. Einen Platz in der Hall Of Fame für die dümmsten Menschen im Internet bekommt sie noch von mir. Damit ist die Sache für mich erledigt. 6.700 Abonnenten, kein Wunder, dass alles den Bach runter geht. Danke für die Aufmerksamkeit!

In Tehran

Aus gegebenem Anlass…

100_5499Kennt ihr die Simpsons- Folge „Die sich im Dreck wälzen“ in der es sich Homer mit den Müllmännern von Springfield verscherzt, woraufhin diese seinen Müll nicht mehr abholen? Das endet in einem unglaublichen Chaos, in dem die ganze Stadt mit Müll und kurzerhand um ein paar Kilometer versetzt wird.

So, oder so ähnlich, scheint sich das die Uni Bonn jetzt auch gedacht zu haben und hat beschlossen den Müll im Innenhof nicht mehr weg zu schaffen. Statt an angewandte Verhaltensforschung glaube ich hier jedoch  eher an (weitere) Sparmaßnahmen. Oder man versucht schlichtweg alle Studenten und Besucher zur Reinlichkeit zu erziehen.

Mal sehen, wie lange es dauert bis wir im Müll ersticken. Vielleicht bringe ich auch morgen einfach einen Besen mit. (Take this, Establishment!)

100_5500

It´s Infotime!

Mal wieder was neues! In Anbetracht der ganzen Debatten um Internetsperren, Spieleverbote etc. brannte es mir unter den Nägeln noch einen Artikel zum Thema “Zensur in Deutschland” zu verfassen.  Während der Erste es noch auf die Startseite geschafft hat, habe ich den neuen in den geistigen Abfall verfrachtet. Augrund von Angst und Wut ist er nicht ganz so sachlich geblieben. Wer ihn dennoch lesen möchte, kann dies hier tun.

Neues

Neue Kurzgeschichte “Der Holzmann” online.

Origo

Manchmal stehst du in dieser Welt und fühlst dich deinen Mitmenschen völlig fremd. Nicht, weil du sie nicht verstehst, sondern weil sie sich alle in Zeitlupe zu bewegen scheinen. Sie stehen im Weg herum, halten dich auf, ziehen dich runter.

Dann wieder sind sie dir zu schnell: alles um dich herum rennt, schreit, blitzt und wabert- in deinem Kopf wird es zu einem einzigen Brei aus Stimmen, Gemurmel und huschenden Schatten.

Du kannst dich nicht anpassen, kannst dich nicht mitreißen lassen, kannst kein Teil davon werden. Du bist das Fett, das oben schwimmt- die Zentrifugalkraft der Erde kann dich nicht einmischen.

Du bist daran gewöhnt alles zu bekommen, wann du es willst und wie du es willst.  Ein Song, ein Video, eine Erinnerung. Du willst fressen und ficken und am besten beides gleichzeitig. Auch dafür wird es sicherlich eine Nische geben. Du bist es nicht mehr gewöhnt zu warten. Du bist das Zentrum der Welt- deiner Welt. Du bist dieses kleine etwas, um das sich alles dreht. Du bist der Mittelpunkt, der Scheitelpunkt, die Drehtür und die Angel.  Prinzipiell könntest du dich ein Jahr zu Hause einschließen und würdest rein gar nichts verpassen. Ruhe von den Menschen, die selber alle Mittelpunkte sind und sich auch so verhalten. Menschen die es gewohnt sind, alles zu kriegen, wann sie es wann sie es wollen und wie sie es wollen. Die so schnell oder langsam sind, wie es ihnen gerade passt. Denn sie sind- jeder für sich genommen- die Punkte um die sich alles dreht. Und daraus entsteht der Sog, der uns nicht mit sich reißen kann, sondern uns stetig voneinander entfernt.

Am besten wäre es, wir würden am Montag alle zu Hause bleiben. Aber irgendwer muss ja das Geld ranschaffen.

The_Wonder_YearsAls Kind der Neunziger hat man es manchmal nicht leicht. Von Fernsehmüttern behütet sind wir in einer Welt aufgewachsen, die mit rosa Zuckerguss überzogen war. Alles was wir aus dem Fernsehen kennen war so furchtbar simpel- und gut. Es war eine einfache Welt, die unsere Hirne in Watte gelegt hat. Da ist es kein Wunder, das man irgendwann durchdreht, wenn man in die Wirklichkeit zurück gespült wird. Sehe ich Roseanne, die Familie Tanner, die Cosbies, die Walshes und wie sie alle hießen vor mir ist es eigentlich kein großes Wunder, das ich so ein intolerantes Arschloch geworden bin. Und auch wenn sie aufgeschlossen und freundlich zu einfach jedem waren, haben sie mir ein abgeschlossenes System vermittelt, in dem es keine Menschen gab, die auf einer Wiese mit neonfarbigen Keulen jonglieren, in Ballonhosen Capoeira üben, oder in ihren Fairtrade- Säcken einfach zum Kotzen aussehen.

Meine Toleranzgrenze ist sehr niedrig, was das angeht.

Natürlich bin ich selber ein Nerd- als Kind der 90er kommt man nicht daran vorbei zu vernerden. Nicht, wenn man sämtliche Cartoons aufzählen kann die bei Tele5 liefen, wenn einen die Trennung von Brenda und Dylan mehr mitnimmt als die Scheidung der Eltern und wenn man manchmal immer noch aufwacht und sich fragt wo die alte He- Man Figur eigentlich abgeblieben ist. Und es mag auch sein, dass die Grenzen zum Freaksein fließend sind, aber wenn ich Freaks in der Öffentlichkeit sehe läuten bei mir sofort die Alarmglocken.

Ich glaube es ist ein ganz normaler Trieb des Menschen lästern zu wollen, so mache ich mir auch keine allzu großen Sorgen über mein Verhalten, denke nicht zu viel über das nach, was ich über sie sage, wenn ich sie im Hofgarten sehe. Lieber einen Feind mehr, als eine gute Pointe verpassen, heißt es ja so treffend. Um mehr geht es dabei nicht. Ich will keinen Zorn sähen, ich will keine Feinde: alles was ich will ist unter einer Kuppel zu wohnen, die aus Zuckerguss besteht- manchmal zumindest.

Und manchmal geht man nachts um zwei durch menschenleere Straßen und denkt daran zurück wie einfach damals alles schien. Heute habe ich manchmal das Gefühl, dass viele von uns es vergessen haben. Es einfach gegen das Erwachsensein eingetauscht haben. Viele von euch habe ich schon am Boden gesehen, viele von euch habe ich weinen gesehen- und jedes Mal wünschte ich, es wäre so einfach wie im Fernsehen. Ein kleiner Witz, ein Wort der Aufmunterung und am Ende der Folge liegen sich alle in den Armen.

Doch so einfach ist es leider nicht und mir ist auch klar, dass es nie wieder so leicht werden wird, wie in der Kindheit. Das einzige was man tun kann um sich einen Funken davon zu bewahren ist sich an die Nostalgie klammern, ein wenig verharren und es einfach gut sein lassen.

Denke ich an die frühen 90er zurück ist es jedes Mal, als würde ich in den Urlaub fahren. Ein Urlaub von mir selbst, von der Welt da draußen, von allem was schlecht ist. Ich bin wieder sechs Jahre alt und warte auf den Beginn dieser einen Serie. Ich höre mich meine Mutter rufen, die mir den Titel vorlesen muss, nachdem der Abspann vorbei ist, weil ich selber noch nicht schnell genug lesen kann.

Auch bei mir verblassen die Erinnerungen von Tag zu Tag, aber ich versuche sie frisch zu halten. Vielleicht ist das der Grund, warum ich heute alles sammele, das mich in einigen Jahren an das Hier und Jetzt erinnern könnte. Vermutlich kaufe ich daher auch diese alten Serien noch einmal. Und vielleicht wird das der Grund sein, warum ich auf ewig dieses intolerante Arschloch bin, das im Hofgarten sitzt und verächtlich über jeden lacht, der in seinen Stoffhosen auf einer Wiese Diabolo spielt.

Es scheint eine Menge Leute da draußen zu geben, an denen das Fernsehprogramm der frühen 90er anscheinend vorbei gezogen ist. Es gibt wohl noch mehr Leute, denen es schlichtweg egal ist. Es gibt wohl auch welche, die meinen ich sei ein schlechter Mensch, weil ich rede wie ich rede- weil ich bin wie ich bin. Und wenn es nach mir geht, sind das alles Arschlöcher.

Rhine In Flames

3168_77119249204_748399204_1772559_215005_nGestern mal wieder bei Rhein in Flammen gewesen. Voll war es- das war zu erwarten. Und sonnig- das war anders angekündigt. Seit 2006 habe ich es gemieden dorthin zu gehen. Zu viele Menschen, zu viel Kirmes- Flair, zu schlechte Musik, zu viele Fahrgeschäfte. An 2006 habe ich wenige Erinnerungen, was unter anderem daran liegt, dass ich ziemlich betrunken war. Als einziges Highlight von damals bleibt wohl immer die Brötchen- Schlacht mit David und Marie in meinem Hinterkopf.

Dieses Jahr war es entspannter. Getrunken habe ich nichts nicht viel. Bewegt habe ich mich auch nicht. Wir saßen in der Sonne und haben gegrillt. Nachdem ich es aufgegeben habe dort zu versuchen etwas zu lesen war ich auch sofort entspannter. Der Tag war ein einziges Warten auf das Abschlussfeuerwerk. Als es um 23 Uhr endlich losging hätte ich auch kein Problem damit gehabt schon vor zwei Stunden nach Hause gefahren zu sein, als dann jedoch der Himmel  auf leuchtete und Nebelschwaden über den Rheinauensee zogen fühlte ich mich, aufgrund des Vietnamfeelings, wie man es aus Apocalypse Now kennt, entschädigt. Natürlich war im Anschluss nicht daran zu denken die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, so folgte ein entspannter Spaziergang, den Rhein endlang, in Richtung Innenstadt. Unterwegs Alkoholleichen- über zwei haben wir gelacht, mit einer haben wir uns unterhalten und eine andere wurde von der Feuerwehr im Rhein gesucht.

Eine Viertelstunde vor Eintreffen des Nachtbusses erreichten wir den Hauptbahnhof. Leider füllte es sich im Laufe dieser 15 Minuten bedenklich. Als der Bus endlich kam, versuchten wir uns hinein zu kämpfen, was sich jedoch als müßig erwies. Irgendwann gingen die Pöbeleien los. Einer rief: „Lass doch mal die Frau einsteigen!“ woraufhin der Angesprochene mit einem Schlag auf dessen Nase reagierte. Wäre Nummer eins wieder aus dem Bus herausgekommen, wäre es wohl noch ganz lustig geworden. Wir entschieden uns dann ein Taxi zu nehmen. Doch natürlich war keins zu kriegen. Also vom Hauptbahnhof zu Fuß weiter nach Endenich. Mit der Pause am Hauptbahnhof haben wir, glaube ich, knapp eineinhalb Stunden gebraucht, noch mal schnell bei der Tanke vorbei geschaut und dann ab ins Bett.- Genauso läuft es nämlich.

Was kann ich also rückblickend sagen? Ich hasse diese Großevents einfach. Vielleicht weniger, weil ich Menschen hasse, als vielmehr aus dem Grund, dass ich Menschen in Gruppen hasse. Hätte man das Feuerwerk auch vom Hofgarten aus gesehen, wäre es bestimmt lustiger gewesen.

Doch im Endeffekt ist das alles auch gänzlich egal. Man muss sich nur in sich selbst zurückziehen, sich auf etwas Bestimmtes konzentrieren, dann kann man alles Äußere ausblenden. In meinem Kopf lief gestern Abend Postrock, als sich der Funkenregen über uns verteilte.

Gegen halb drei wollten wir gehen, eigentlich eine gute Zeit um aufzubrechen. Es hatte den ganzen Tag geregnet und war erst seit einigen Stunden wieder trocknen, die Luft hatte sich abgekühlt und am Himmel zeigten sich jetzt vereinzelt die Sterne.

Wenn das der Anfang für die einzige Anekdote ist, die ich aus dem letzten Monat zu berichten habe, merkt man, dass das Wetter allmählich besser wird. Ich liege viel im Hofgarten herum, bewegungslos und beobachte Menschen, rede Müll- es gibt eben Dinge die verändern sich wohl nicht. Es ist auch sonst nichts passiert. Man tut dies, man tut das und am Ende bleibt die Erkenntnis, dass man eigentlich gar nichts getan hat, nichts geschafft hat.

An besagtem Abend also war mal wieder Funk- Party. An die letzte habe ich keine guten Erinnerungen, also hatte ich mich dazu entschieden, mich zurückzuhalten was den Alkohol angeht. Nüchtern bleiben tut jedoch keiner Party gut, woraus auch der recht frühe Aufbruch resultierte. Als wir uns in der Dunkelheit zu orientieren versuchten erkannte ich schnell, dass es wohl etwas länger dauern würde bis ich nach Hause kommen würde. Die Bauarbeiten am Nachbarhaus waren scheinbar seit letztem Jahr abgeschlossen, Europaletten gab es keine mehr, doch in ähnlicher Position wie ich damals, lag jetzt Anne auf dem noch nassen Boden und kotze sich die Seele aus dem Leib. Kann ja mal passieren- doch leider war sie keinen Zentimeter zu bewegen. Eine gute halbe Stunde kämpften wir mit ihren schlaffen Gliedern, doch war nicht abzusehen, dass sie sich in naher Zukunft wieder bewegen würde- und das obwohl sie uns mehrfach versprach, dass es ihr in fünf Minuten besser gehen würde.

Wir besorgten eine Decke, damit sie nicht komplett unterkühlte und warteten. Ein Blick in die Zigarettenschachtel verriet mir, dass wir ziemlich lange warteten, bis wir auf die Lösung des Problems kamen. Noch mal drei bis vier Zigaretten später hatten wir einen Einkaufswagen organisiert, in den ich Anne legte, die Decke um ihre Schultern schlang und sie darin nach Hause schob. Für die Menschen die unseren Weg kreuzten muss es ein lustiges Bild abgegeben haben, zu sehen wie ich diesen Einkaufswagen schiebe in dem Anne liegt und heraus kotzt. Das seltsame ist, dass dieses Bild, zumindest so in der Art, das ist, was ich schon immer unter Rock ´n Roll verstanden habe- passt eigentlich gar nicht zu einer Funkparty.

Ich verspürte eine gewisse Erleichterung als ich den Wagen ums Haus herum durch das nasse Gras schob und auf der Terasse parkte. Jemand öffnete die Tür und es kostete mich einige Überwindung, bis ich Anne aus dem Wag hob und in ihr Bett legte. Danach war alles egal, also wischte ich ihr auch noch die Kotze aus dem Gesicht, stellte ihr einen Eimer neben das Bett und ging. Als ich nach Hause kam war es vier. Die Party wurde dadurch nicht besser, aber mein Leben um eine Anekdote reicher. Ich habe dann auch direkt geschlafen und eine Menge wirres Zeug geträumt.

Letzter Lerntag

Morgen also noch mal die mündliche Prüfung, dann ist mit dieser elenden Lernerei erstmal Schluss. Mittlerweile kann ich mich kaum noch erinnern, wie es ist einfach gar nichts zu tun. Eigentlich ist es sogar ein ganz gutes Gefühl mal durchgängig was zu tun zu haben, wenn nicht irgendwann immer dieser Zeitdruck aufkommen würde. Die Angst zu versagen, sich zu blamieren oder sonst was. Froh bin ich allemal, wenn ich es morgen hinter mir habe, wenigstens drei Wochen frei- bis aufs Arbeiten. Ich hab mich glaube ich noch nie so sehr auf ein wenig Freizeit gefreut wie jetzt. Und so ziemlich zum ersten Mal kann ich auch wirklich behaupten, dass ich mir diese Freizeit redlich verdient habe. In den letzten Monaten habe ich sogar einen für mich seltsamen Ehrgeiz entwickelt. Ich lerne nicht mehr nur um durchzukommen, es geht darum was gutes dabei raus zu holen. Auch wenn es egal ist. Bei Latein war es ein gutes Gefühl, für das was man getan hat belohnt zu werden, ich hoffe diesmal geht es auch so. Im Moment habe ich das Gefühl nicht gut genug vorbereitet zu sein, die Zeit war knapp. Dennoch kann ich spekulieren, dass es doch gut läuft. Wenn ich kein Blackout habe, wenn ich mich nicht verfranse. Im Prinzip kann ich alles, lediglich die Fachtermini bringen mich hin und wieder noch in Straucheln. Ich muss einfach optimistisch da rein gehen, den Kopf frei machen und es einfach durchziehen. Das musste ich mir eben noch von der Seele schreiben, demnächst dann wirklich kein Lern- Content mehr hier (zumindest vorerst).

Blog für Zwischendurch

Manchmal denke ich mir, dass Menschen abartige Dinge tun, und das ohne etwas Bestimmtes zu meinen.

Jubiläum

Vorgestern vor einem Jahr also der erste Eintrag auf dieser Adresse. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist.

Wie angekündigt nun also meine letzte Stellungnahme zum Thema Latein, die ich einfach mal so stehen lassen möchte.

EINS KOMMA DREI!

Ach was soll´s…

… jammer ich eben doch nochmal vorher!
Im Moment bin ich in einem Gefühl irgendwo zwischen Angst, Panik und Euphorie. Ich bin heute um 7.30 aufgewacht, nicht aus Panik, sondern weil ich gestern Abend erschreckend gut und erschreckend früh eingeschlafen bin. Habe mich eben noch satte zwei Stunden im Bett rumgelümmelt. Als ich eben meinen ersten Schluck Kaffee (in Anbetracht eines Tippfehler von vor ein paar Wochen möchte ich auch hier darauf hinweisen, dass der neue Ausdruck dafür ab jetzt Fakkee zu sein hat) getrunken habe überkam mich die Angst. Ich werde jetzt gleich in die Uni fahren, dort warten, mich wahnsinnig machen, in mich gehen, auf Konzentration hoffen und beten.
Euch allen, da draußen wünsche ich einen schönen Tag.

Domi non disco

Mittlerweile habe ich die Bibliothek zum Lernen wirklich schätzen gelernt, mal sehen, ob es was gebracht hat.

So schnell kann also die Zeit vergehen. Der Sonntag neigt sich dem Ende zu und morgen um 14.30 ist es soweit. Ich hoffe, dass wird der vorerst letzte Eintrag sein, den ich zum Thema Latein verfassen muss. Niemals vorher war ich mir so unsicher, was das Bestehen einer Klausur angeht, niemals stand so viel auf dem Spiel. Was ich jetzt schon sagen kann ist, dass ich mein Bestes getan habe. Wenn es jetzt nicht reicht, ist es schade und ärgerlich, aber leider nicht zu ändern, aber alles andere liegt in der Hand der Götter- in manu deorum, wenn mich jetzt nicht alles täuscht. Die Zeit zum Erlernen einer Sprache war durchaus knapp bemessen, aber noch schöpfe ich alle Hoffnung daraus, dass eine überaus faire Klausur gestellt wird.

Zur Feier des Tages habe ich mir, nach Abschluss der heutigen Lerneinheit in der ULB, im Nachrichtentreff das Tagesspezial genehmigt: Schmetterlingssteak mit Pilzen, Pellkartoffel, Quark und einem gemischten Salat. Als Henkersmahlzeit der bevorstehenden Klausur sozusagen.

Drückt mir morgen zwischen 14.30 und 16.30 die Daumen, wenn alles gut läuft kann das Gejammer hier auch wieder aufhören.

Und jetzt lehnt euch zurück, macht euch gegebenenfalls eine Zigarette an, dreht den Ton auf, gebt euch das Video und genießt den Sonntagabend!

März- die Erste

In letzter Zeit sagen mir die Leute immer wieder, es sei so melancholisch was ich schreibe. Abgesehen von der Tatsache, dass ich auch immer seltener schreibe, mag das sogar stimmen. Dies hat zum einen damit zu tun, dass momentan auch einfach alles melancholisch ist. Bis auf den Frühling, der sich in großen Schritten nähert. Man hört wieder Vögel in den Bäumen, die Luft ist milder, die Temperaturen größtenteils zweistellig. Heute wurde die letzte Woche meiner Lateinvorbereitung eingeleitet, der Endspurt. In sieben Tagen um diese Uhrzeit werde ich hoffentlich mit einem guten Gefühl den Hörsaal verlassen. So oder so werde ich dann mit dieser Sprache abgeschlossen haben. Entweder in tiefer Verzweiflung oder mit dem Gefühl, dass sich die ganzen Mühen des letzten Monats ausgezahlt haben. Momentan jedoch, habe ich noch immer ein ungutes Gefühl. Die Angst, dass man nicht immer für die Anstrengungen belohnt wird, die man unternimmt, dass vielleicht doch nicht immer alles irgendwie klappt. Dennoch versuche ich mich aufzumuntern, indem ich mir sage, dass die Welt doch gar nicht so schlecht ist, wie es manchmal scheint, dass alles seinen Sinn hat und das die Anstrengung ihre Belohnung findet. Wenn nicht, werde ich erstmal eine Weile resignieren, das steht schon mal fest. Mir Gedanken machen, in Erinnerungen die Zeit zurückdrehen- wie man es immer macht, wenn man weiß, dass man durch eigenes Versagen gescheitert ist, niemanden sonst dafür verantwortlich machen kann. Natürlich werde ich Nischen suchen in denen ich nach anderen Schuldigen suchen kann, das verlangt alleine das Ego von einem. Aber scheiß drauf, irgendwie wird es schon laufen, es muss!

Weil mir einfach kein besserer Titel einfallen will und weil dieser Eintrag sowieso nur als Einschub gedacht ist.

Überall an meinem Schreibtisch hängen momentan Post- its. Post- its mit Notizen, Terminen und Plänen darauf. Nach und nach wird das alles abgearbeitet, aber sie machen mich wahnsinnig. Lassen alles unordentlich aussehen, sitzen mir im Nacken, weil sie mich daran erinnern, was noch alles zu tun ist. Weil sie mich daran erinnern, was ich tun könnte, eigentlich tun sollte, aber heute habe ich wirklich keine Lust mich aufzuraffen. Am liebsten würde ich mich wieder ins Bett legen. Einen Film gucken, vielleicht ein Buch lesen. Es ist Sonntag, verdammt. Bisher habe ich mich geschickt davon abgehalten etwas Sinnvolles zu tun, indem ich mir Bilder von Sharon Tate angesehen habe, anschließnd sämtliche Artikel in der Wikipedia über die Manson- Family gelesen habe und ein wenig an einer Kurzgeschichte geschrieben habe, die mir schon seit Wochen im Kopf herumspukt. Aber wenn ich mir selbst schon nicht in den Arsch treten kann, erledigen das wenigstens die Post- its für mich, wie sie mich anstarren mit ihrem widerlichen Gelb und dieser hässlichen Handschrift auf sich. Ekelhafte kleine Scheißer!

Ein Freitag

Immer wenn Freitag der 13. ist, bin ich gespannt, was der Tag so bringt. Ob er seinem Ruf gerecht wird, oder ob es auch nur ein Tag in der Kette all der anderen Tage ist. Das ein schlechtes Karma auf ihm lastet liegt wohl eher an den schlechten Erwartungen, die wir an ihn knüpfen.

Um sieben Uhr stehe ich auf, die Luft draußen ins klirrend kalt, fühlt sich an den Händen an, als wolle sie sie zerreißen wollen, es ist noch dunkel, die Straßen vom Berufsverkehr überflutet. Ich gehe zur Haltestelle und setze mich in den Bus. In der vergangenen Nacht habe ich recht gut geschlafen und trotzdem fallen mir die Augen zu. Morgens im Bus zu sitzen, zwischen all den anderen hat seine ganz eigene Art. Morgens ist noch niemand richtig da. Blickt man in die Geschichter, sieht man Schatten unter den halboffenen Augen, das Leben in Trance. Als würden Zombies in eine Kleinstadt verfrachtet werden um dort auf Nahrungssuche zu gehen- Willenlos und träge.

Arbeit verläuft gewohnt monoton, danach wie üblich zur Uni, mit dem Ziel gegen 16 Uhr wieder zu Hause zu sein, noch eine Stunde zu schlafen, zu duschen, mich umzuziehen. Daraus jedoch wird nichts. So sitze ich mit David zuerst im Göttlich, wo wir uns über die Trostlosigkeit unseres Daseins unterhalten, um dann im Schneeregen in den Nachrichten- Treff zu wechseln. Der Name ist nicht besonders, aber das Ambiente, sowie die Inneneinrichtung vermutlich das Beste (oder zumindest unter den Top 5) was Bonn zu bieten hat. Was mich auch dazu veranlasst den Werbeslogan „Wo sie auch sitzen, sie sitzen irgendwie allein“ zu texten. In der Tat wahrt dieser Laden die Privatsphäre- irgendwie zumindest, auch wenn man zwischen einem Haufen anderer Leute sitzt. Ich glaube ich werde ab jetzt öfter dort hingehen.

David muss dann los nach Köln, um sich mesopotanischen Jazz rein zuziehen, mich treibt es erstmal orientierungslos durch den Schneeregen. Ich treffe Tom gegen acht an der Uni. Wir haben noch eine halbe Stunde, bis wir die vorbestellten Karten im Kino abholen müssen (siehe Review). Also ein kurzer Abstecher in die dritte Kneipe des Tages, die Brasserie, und dann weiter zum Kino.

Eine nervige halbe Stunde im Wartesaal, bis der Film beginnt, danach weiter nach Endenich. Privatparty. Mir ist seltsamerweise überhaupt nicht nach Trinken und das, obwohl ich besten Grund hätte mal alles, was mich beschäftigt, aus dem Hirn zu spülen. Doch mit jedem Schluck Bier, jedem Schluck Wodka, wird mir schlechter, ohne dass ich betrunken werde. Es wirkt immer fremd sich dann die anderen anzuschauen. Ich fühle mich wie ein Außenseiter, der nicht Teil des Geschehens ist, sondern irgendwie darüber schwebt und still beobachtet. Mag sein, dass ich keine Partymaschine bin, mag sein, dass ich den Stress nicht abschütteln kann. Wer bei lautem Electro auf einem Sofa sitzt und die O- Deklination im Kopf durchgeht, kann nicht mehr ganz normal sein. Trotzdem bleibe ich bis 5 Uhr. Roman bittet mich noch kurz auf ihn zu warten, um gemeinsam den Heimweg anzutreten. Ich gehe schon mal nach draußen und rauche eine Zigarette, er will sich oben noch umsehen, ob er jemanden mit nach Hause nehmen kann. Ich halte ihn für verrückt, nicke aber anerkennend, als er dann tatsächlich in Begleitung nach unten kommt. Ich hätte alleine gehen sollen, denke ich mir, dann wäre die Situation nicht so verdammt seltsam. Aber was soll ich tun? Nochmal fünf Minuten in der Kälte stehen, um den beiden Vorsprung zu geben? So versuche ich etwas Abstand zu halten, trotzdem ist es befremdlich und irgendwie auch trostlos. Mittlerweile bin ich seit 22 Stunden wach, meine Augen brennen und ich fühle mich schwach- habe Hunger. An der Tanke hole ich mir Kippen und eine Thunfischpizza, schaffe es jedoch nicht sie zu essen, falle in mein Bett und schlafe- es ist 5.30. Ich stelle mir jedoch den Wecker um nicht vom Lernpensum abweichen zu müssen. Nach sechs Stunden wache ich von alleine wieder auf und koche Kaffee.

Den ganzen Morgen schon geht mir ein Zitat von Frédéric Beigbeder im Kopf herum:

„Die ganze kleine Welt bumst, vögelt, bläst, leckt Sperma, reibt sich die Klitoris, pumpt an Schwänzen, spritzt auf Gesichter, malträtiert Mösen, peitscht sich die Brüste, bepisst sich, schwuchtelt und wichst in Freude und Entspannung.“- Dem möchte ich hinzufügen: Und ich kleiner Penner sitze hier, lerne Latein, verliere mein Leben, die Lust und blicke auf Leute, mit Neid und Enttäuschung. Die Tage sind trist und alles ist so sinnlos.

Ich hasse glückliche Menschen einfach.

Schon wieder ist es Monatsmitte und schon wieder ist kein einziger Beitrag dazugekommen. Das einzige, was mich ein wenig tröstet ist, dass auch die anderen nichts schreiben. Immerhin habe ich noch die Ausrede, momentan kein Leben zu haben. Außer arbeiten und lernen ist nicht viel los. – Und ich frage mich, ob es für die Leute die mich kennen, genauso seltsam ist, so einen Satz von mir zu lesen, wie für mich ihn zu schreiben.

Semesterferien- normalerweise wäre ich jetzt seit drei (oder mehr) Tagen nicht mehr draußen gewesen, hätte mich nur mit Mühe mal aus dem Bett gequält, würde den ganzen Tag Filme gucken und Chips von meinem Bauch essen. Jetzt freue ich mich schon, wenn ich mal bis 9 Uhr schlafen kann. Was ist trostloser? Ich weiß es nicht.

Das einzige, auf das ich mich momentan konzentriere ist Latein, das Ziel diese beschissene Klausur im März zu bestehen, nicht auf Bachelor wechseln zu müssen. 120 Wörter- das ist weniger als dieser Text. Vitae, non scholae discimus. Oder war es doch andersrum?

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