Hätte man mir gesagt, dass die erste Rezension, die sich hier finden wird, zu einem Metallica- Album sein wird hätte ich gelacht. Nun ist es doch passiert.
Es entwickelt sich, es stampft, es grölt; dann, urplötzlich, wird das Chaos durchbrochen und eine zarte Melodie steigt hervor. So pathetisch das klingen mag: kurzweilig verspürt man eine Melancholie in sich hinauf steigen, hervorgerufen durch diese Melodie, die sich sofort selbst wieder vorantreibt, immer tiefer in einen gewaltigen Sog der sogar körperlich zu spüren ist.
Der Song Suicide & Redemption, ein knapp 10- minütiges Instrumental, der nunmehr dritte Durchlauf von Death Magnetic. Und immer noch fällt es mir schwer das Album zu beurteilen, so gewaltig ist es, mal wieder. Keiner der zehn Tracks kürzer als fünf Minuten, die meisten bewegen sich nahe an der Acht- Minuten- Marke. Es ist viel, dem man sich da ausgesetzt sieht, will man das Album nicht nur erfühlen, sondern begreifen. Aber so ist es dieser Song, der sinnbildlich für das steht, was dieses Album aussagen will. Der Tod zieht uns an, ist immer bei uns, wir können nicht entkommen. Ein Blick ins Booklet bestätigt das. Ein Loch klafft in jeder Seite, sogar vor den Texten wurde nicht Halt gemacht.
Auch ist dieser Song charakteristisch für das Album selbst. Eine Mischung aus einem Schlag in die Fresse und Melancholie, Arschtritt und Resignation, Hoffnung und Aufgabe irgendwo zwischen ihren eigenen Wurzeln und der Moderne.
Es klingt nicht unentschlossen, aber immer in der Waage. The Day That Never Comes und Unforgiven III bilden für mich zwei weitere Höhepunkte des Albums, auch wenn sie nicht so recht dazu passen wollen, zu dem rohen, brachialen Rest. Vielleicht sind sie die Kompromisse, die gemacht wurden, um Metallica auch weiterhin am Ufer des Mainstreams zu halten, vielleicht aber auch sind sie auch nur Momente des Luftholens, in dem Sog in den man gezogen wird und der in der Apokalypse (My Apocalypse) endet. Die Anziehungskraft des Todes als Konzept. Mit dem Ende beginnt es und mit dem Ende hört es auch auf- es ist unabdingbar.
All Nightmare Long klingt in seinem Intro als stamme es noch aus Load/ Reload- Zeiten, doch wird diese fixe Idee, die man bekommt, mit einem Schlag zerstört, wenn sich das Tempo erhöht, alles fortgerissen wird. Es scheint als wollten sie an dieser Stelle darauf hinweisen, dass sie nicht mehr so klingen. Auf einmal steht man wieder irgendwo zwischen …and justice for all und St. Anger. Es versprüht eine unglaubliche Energie und der Refrain reißt mit.
Schwachpunkte des Albums sind für mich That Was Just Your Life und Cyanide. Zu monoton, zu unmelodisch, uninspiriert und irgendwie langweilig. Sie rocken zwar, doch der Funke will nicht ganz überspringen.
Jetzt der vierte Durchlauf, wieder diese Melodie mit der alles begonnen hat und am Ende bleibt die Erkenntnis, dass es keine Erkenntnis gibt. Dass das Album Fragen stellt, die unbeantwortet bleiben, dass Metallica sich selbst zwar zitieren, aber auch neu variieren. Aus frühen Zeiten und den letzten Alben entsteht etwas neues, etwas druckvolles, mit Kraft, mit Elan. Dennoch merkt man dem Album diesmal auch irgendwie an, das man jedem zufrieden stellen wollte. Die Fans alter Tage zurückerobern, ohne die Mainstream- Fans gänzlich zu vergraulen. Damit ist ihnen ein solides Album gelungen, das zwar ein paar schwache Momente hat, diese jedoch mit einigen Perlen wieder ausgleichen kann. Der Rest bewegt sich im guten Spielfeld, dass eine erfahrene Band wie Metallica einfach als Grundniveau voraussetzt.
Insgesamt: 7/ 10