La Scimmia scrive nello Zucchero

Gestern habe ich zwei Entschlüsse gefasst. Zum einen soll die Diss bis Ende September fertig werden, zum anderen will ich wieder mehr bloggen. Ich weiß nicht, welcher der beiden utopischer ist. Zumindest für die Diss habe ich einen Zeitplan und Notizen, für den Blog habe ich lediglich einen Zettel auf dem steht „mehr bloggen“. Mehr ist mir nicht eingefallen und sogar dafür musste ich mich anstrengen.

Nachdem ich hier gestern seit einer gefühlten Ewigkeit wieder etwas geschrieben habe, habe ich mich noch eine ganze Weile durch das Archiv geklickt, habe mir das gesamte Jahr 2009 durchgelesen und irgendwie hat es mich glücklich gemacht. An viele der Einträge konnte ich mich gar nicht mehr erinnern, an andere wiederum sehr genau; meist wenn mir einfiel, wie schlecht und überflüssig ich sie seinerzeit fand. Vieles von dem, was mir damals so nutzlos und inhaltsleer vorkam, hat gestern allerdings Gedanken und Gefühle aufleben lassen, die einen nostalgischen Wert für mich hatten, den ich so nicht erwartet habe.

Als ich diesem Blog irgendwann im letzten Jahr einen neuen Look verpasst habe, hatte ich vor, stilisierte Texte zu veröffentlichen – bloß nicht zu persönlich, bloß nicht zu sehr den Eindruck eines Tagebuchs erwecken. Mit Wortspielereien und Metaphern auf die Kacke hauen, am besten sogar in ästhetisch ansprechenden Texten. Geschrieben habe ich von da an natürlich kaum noch was.

Scheiß drauf, hab ich mir gestern gesagt, sogar mein Latein-Gejammer aus 2009 hat mich gut unterhalten. Never change a winning team, diesdas – Ich werde niemals aufhören, mich leer zu fühlen und es gibt immer noch genug, über das ich jammern kann. Warum das Schreiben sein lassen, nur weil ich Angst habe, dass irgendwer auf mich zukommt und sagt: „Ey, Limbo, was haste da jetzt wieder für einen Scheiß geschrieben?“ (und bevor jemand diesen Satz gleich als Kommentar bringen will: mach dir keine Mühe, ist einkalkuliert.)  Ich muss mich davon frei machen. Ich bin keiner, der hier den Poeten spielen will, ich bin erst recht keiner, der seine politischen Ideale in die Welt hinaus schreit. Und was ich dann erkennen musste, glaubst du mir nie: ich will das alles ja auch gar nicht sein. Manchmal habe ich eine Eingebung, meist jedoch ist alles ohne Konzept und verdammt noch mal: ich bin wie ich bin. Ich will nörgeln und mich dabei in pathetischer Melancholie wälzen, ich will Metaphern von Sternenhimmeln benutzen und die traurige Welt anklagen. Nicht, weil ich denke, dass daraus Kunst wird, sondern weil das Dinge sind, die ich mag.

Und wenn ich es beschissen finde, dann weiß ich, dass es mich in irgendeiner Sommernacht 2025 eventuell abholen wird. Hallo Zukunfts-Ich: fühl dich gedrückt, du kleiner Knuffel!

Und außerdem will ich aufn Arm.

Mit Schinken schminken

Ich muss mal wieder etwas schreiben, das denke ich mir seit Tagen schon. Einfach um des Schreibens willen. Natürlich habe ich keine Idee, also mache ich es intuitiv.

Ich hatte mal eine klasse Idee für ein YouTube-Video. Daraus ist nichts geworden, aber die Idee steht auf einem Post-It, das neben meinem Monitor klebt. Mit einer einzigen Idee machste halt kein YouTube. Sowieso ist YouTube eher für die jungen Menschen. Die haben noch Ideen. Oder zumindest Energie. Ja, Energie haben diese jungen Menschen. Junge Menschen gehen auch ständig tanzen. Die können drei Tage durchsaufen und haben nichtmal dicke Augen. Ich hab schon dicke Augen, wenn ich drei Stunden am Stück meine Kontaktlinsen trage. Ich war auch schon ewig nicht mehr tanzen. Ich bin viel zu müde zum Tanzen. Manchmal hätte ich Lust zu tanzen, dann fallen mir aber diese ganzen jungen Menschen ein. Die tanzen alle viel schneller als ich, da kommste in meinem Alter gar nicht mehr mit. Sowieso wirkst du einfach nur deplatziert, wenn du jetzt plötzlich wieder tanzen gehst. Stehst müde im Club und wirkst wie so ein Hängengebliebener. Golf Club, okay – aber du kannst doch am Wochenende nicht einfach rausgehen und dich betrunken an 20jährigen reiben. Was für früher noch ganz charmant war, wirkt ab einem gewissen Punkt nur noch eklig und verzweifelt. Wie diese Kerle, die ihre Midlife-Crisis auf Twitter ausleben. Du weißt ja auch gar nicht, was du mit den jungen Menschen besprechen sollst. „Bachelor, aha. Ja, davon habe ich mal gehört.“ Dann redest du doch und merkst, wie du die ganze Zeit von früher erzählst, als du in deren Alter warst. Deine besten Jahre. Das war, bevor du jeden Morgen deine Haare aus dem Ausguss prökeln musstest und bevor deine Geheimratsecken in der Sonne so lustig geglänzt haben. Noch ein paar Jahre und du fährst im Sommer dein Cabrio spazieren – einen schönen Sonnenbrand auf der Platte. Aber erstmal so weit kommen. Erstmal raus aus dieser Konversation, raus aus diesem Club, ab nach Hause und rein in die Jogginghose. Die schauen dich hier alle schon so komisch an. Merken, dass deine Augen schon müde werden, weil die Kontaktlinsen zu lange drin sind. Du bist wie Cinderella, nur in kläglich. Schnell raus hier, bevor jemand merkt, wie fertig du bist. Zu Hause ist immer Zeit für ein Schläfchen, zu Hause sieht niemand, wie erschöpft du bist. Zu Hause könntest du ein YouTube-Video machen. Das geht schnell, das kannst du schneiden. Zwischendrin ein Nickerchen und keiner bemerkt den Schwindel.

Nur ein paar mehr Ideen für YouTube-Videos und meine Internet-Karriere könnte so richtig durchstarten. Ich wäre immer präsent, die Leute würden mich um meinen Lifestyle beneiden und niemand würde jemals die Wahrheit erfahren. Ich würde in der Abendsonne ein Bier trinken und einfach gar nicht erwähnen, dass ich anschließend Mortadella aus der Packung gegessen habe. Ich würde den Leuten nur den ganzen geilen Scheiß zeigen, würde eine irre Show abziehen und wenn die Kamera dann aus ist, kann ich mit gutem Gewissen zusammenbrechen, ohne dass es jemand weiß. Das ist, was mir am Internet am allerbesten gefällt: du kannst authentisch sein und trotzdem lügen, dass sich die Balken biegen. Aber es ist keine richtige Lüge, weil du es einfach nicht erzählst. Das Display verzerrt nichts, aber es ist trotzdem zu deiner Maske geworden, hinter der du all deine Verachtung verstecken kannst. Wie ein großes Familienfest, auf dem man nur das Beste erzählt. Und das fanden wir doch schon immer geil, oder nicht?

Mantra, Mantra!

Du dachtest immer es würde sonst was passieren wenn die Welt untergeht, aber so ist es nicht. Alles ist still und statisch, alles geht weiter wie gehabt. Für die meisten ändert sich gar nichts. Der Mond hängt immer noch da oben als wäre nichts geschehen.

Du stehst am Fenster und schaust auf die Straße. Irgendwann sind dann die Zigaretten alle, also gehst du ins Bett. Liegst eine Weile reglos da und wirst wütend, weil dieser Fleck an der Decke die ganze Zeit vor deinen Augen tanzt. Drehst dich aber nicht um, sondern schaust weiter hin, bis es dir irgendwann so vorkommt, als würde er dich anstarren.

Und machst du dann die Augen zu, sind da keine Bilder. Kein Gedanke, der dich tröstet und kein Ort an den du dich flüchten kannst. Da ist nichts. So viel Nichts, dass es dir Angst macht. Du wirst erst unruhig, dann panisch, weil du nicht weißt, ob du schon gestorben bist. Vielleicht hast du einfach vergessen zu atmen. Was ist, wenn das schon alles war? Dieses Bett in diesem Zimmer, diese Leere, dieser Fleck. Und was, wenn es dem Mond egal ist, was mit dir passiert, weil er weiß, dass er ewig dort hängen wird? Fühlst dich mitunter so klein, wie du einfach dahin treibst in seinem Licht, das gar nicht für dich bestimmt ist, obwohl nur du ihn so siehst.

Aber der Mond scheint nur symbolisch und du kannst dich genau so gut der Illusion hingeben, dass auch der Fleck an Decke nur in deinem Kopf existiert. Dass er tanzt als eine Erinnerung, als eine Vision von der Zukunft, als Angst vor dem Ungewissen. Du kannst seine Aufforderung annehmen und dem Mond wird es egal sein, weil er ewig dort hängen wird, ganz gleich, ob du tanzt oder nicht. Vielleicht hast du nur vergessen zu atmen.

Nach dem Abspann

Es ist dieser Moment in Film, in dem der Held beginnt, an sich selbst zu glauben. Es wird funktionieren, todsicheres Ding. Er schnippt die Zigarette aus dem offenen Fenster, steigt aus der Karre und prüft, ob die Eier richtig sitzen. Es kann gar nichts schief gehen. Er tritt durch die Tür: Ein Restaurant, mindestens Mafiahochburg, vermutlich noch schlimmer. Doch er ist Testosteron pur, Rage-Mode, Bullet Time, die Beretta durchgeladen. Feinde links, Feinde rechts – bäm-bäm. Keine Kompromisse. Noch mehr Feinde, noch mehr bäm. Kein einziger Kratzer. Und dann sie, dieses Mädchen, für die er die ganze Scheiße in Kauf nimmt. Steht in der Ecke zwischen zerberstendem Glas. Ihre Augen funkeln im Neonlicht. Ein Kerl mit Shotgun, grob und gewaltig, prescht in den Raum, schießt, lädt durch, stürmt auf sie zu. Eine Rolle nach vorne, die Haare gerichtet und eine Kugel genau zwischen die Augen. Der Kerl geht zu Boden, hinterlässt den Geruch von Blut in der Luft.

Der Held steht auf, prüft noch mal die Eier, geht auf sie zu, schließt sie in die Arme. Zwischen „Alles wird gut“ und „Wir haben’s geschafft“ drückt sie ihre Wange auf seine Brust. Ein Kuss bevor die Cops eintreffen und ein kitschiges Schlusswort vorm Großstadtpanorama während am Horizont die Sonne aufgeht. Die bösen besiegt und das Mädchen gekriegt. Bäm-bäm.

Wenn der Film vorbei ist und alle das Kino verlassen haben, bleibt nur sein schweres Atmen und ihr Seufzen in seiner Gegenwart. Nun ist sie eine leere Wohnung und ein eiskaltes Bett. Sie ist eine Erinnerung in der sie ewig weiter lebt und in der er allmählich stirbt. Davon, wie alles mal war, wie es hätte sein können und davon, wer er gewesen wäre.

Medusa

Er wandert umher, immer nur so unruhig, dass es keiner sieht. Bleibt stehen und fragt sich, wo er denn hingehen soll. Steht in der Ecke und wartet, weiß nicht auf was. Schweigt, obwohl er reden will und mag den Gesprächen nicht zuhören. Zeit verstreicht. Er schaut auf die Finger. Irgendwo fällt ein Blatt auf die Erde. Er kann es nicht hören und doch ist es passiert. Menschen gehen vorbei, alle so langsam. Er schaut ihnen nach, denkt nichts. Nicht wirklich. Schaut wieder auf die Hände, schaut zurück auf die Menschen. Sie sind gleich, auch er. Gleich gültig. Ein vages Gefühl. Der kleine Junge ist alt geworden. Geht weiter, zögernden Schrittes. Vielleicht westwärts oder wenigstens irgendwo hin. Gerät ins taumeln, schwankt. Nichts zu greifen, kein Halt, fällt hin und bleibt liegen. Er rollt sich zusammen. Menschen gehen weiter. Nur ein Blatt auf der Erde. Wer hat es gehört? Der Mensch ist elektrisch. Während er daliegt, zieht jemand den Stecker. Seit Jahrhunderten schon halten sie die Bestie in Stein gefangen. Aus ihrem Kopf wächst eine Rose, zum Sterben verdammt.

F1M5Chc

Die wahrscheinlich verrückteste Geschichte, die du je gelesen hast

Das Schicksal hat mich heute mal wieder nach Lengsdorf geführt, diesen kaum wahrgenommenen, fast vergessenen Teil Bonns, in den niemand geht und aus dem auch einfach niemand zu kommen scheint. (Ich zumindest habe in den mittlerweile fast 10 Jahren, die ich in Bonn lebe, noch nie irgendwen sagen hören, dass er in Lengsdorf wohnt oder dort jemanden besuchen fährt. Ich kannte zwar mal jemanden, der dort arbeitet, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte) ‚ Schicksal‘ ist vielleicht auch ein etwas übertriebener Begriff, denn das Schicksal heißt eigentlich GLS, die mal wieder den hinterletzten Paketshop beliefert haben, den sie kennen .

Wie dem auch sei: ICH WAR HEUTE IN LENGSDORF! Und zwar wieder hier. Und ich muss gestehen, dass ich schon ein wenig nervös war, ob es wieder zu einem kleinen Psychospiel zwischen mir und dem Köter kommen sollte. Das letzte Mal, als ich dort war, lief zwar glatt, aber man sollte immer auf mögliche Katastrophen eingestellt sein.

Zu meiner Erleichterung lag er aber ganz entspannt auf der Straße und zeigte keinerlei Regung, als ich an ihm vorbei lief. Vermutlich ist er mittlerweile auch alt und träge, vermutlich auch fast blind und im Grunde ist es auch egal, denn er rührte sich nicht und ich konnte mein Paket abholen.

Jetzt überlegt der geneigte Leser vermutlich: „Wie geht diese irrsinnige Höllenfahrt wohl weiter? Welchen Kniff hat er auf Lager, der mir gleich völlig die Schuhe auszieht?“ Und tatsächlich habe ich noch einen Trumpf auf der Hand, sonst würde ich mich ja nicht hinsetzen und mir die Zeit nehmen, einen Blogeintrag zu verfassen. Mittlerweile haben sich nämlich die Betreiber des Paketshops (die hauptgeschäftlich Gartenbedarf verhökern) einen Hund zugelegt[!]: Ein monströses, fettes und vor allem grimmiges Vieh, das natürlich direkt aufbellte, als ich schwitzend den Laden betrat. („Fucking hell, das darf doch nicht wahr sein!“) Die Besitzerin hat ihn dann zurückgerufen, aber er knurrte noch einige Minuten weiter, bis ich mit meinem Paket den Laden verließ. Das war schon echter Stress!

Worum es aber eigentlich gehen soll: Lengsdorf. Und davon wollte ich schon die ganze Zeit erzählen, denn dort war ich schließlich heute. Bin dann mit meinem Paket in der Hand die kleinen Straßen entlangspaziert und habe mich plötzlich wie im Urlaub gefühlt. Das soll man jetzt nicht falsch verstehen: nicht, wie in einem coolen Urlaub, sondern eher wie auf einer Klassenfahrt, in der man plötzlich im hinterletzten Kaff festhängt. Tatsächlich habe ich sogar noch mehr Menschen dort gesehen, als ich erwartet hätte, dies waren aber vorwiegend sogenannte „rüstige Rentner“ auf dem Weg zum Einkaufen oder vom Einkaufen wieder nach Hause. Es gibt dort auch keinen klitzekleinen Gemüseladen, in dem Eier aus eigener Haltung verkauft werden und Schnittblumen. Fast wäre ich rein gegangen, weil ich das ja doch sehr charmant finde. War mir dann aber auch zu blöd, schwitzend und mit meinem Paket unter dem Arm, außerdem habe ich noch ein ganzes Paket Eier zu Hause und nur wenig Bedarf an Schnittblumen.

Lengsdorf auf jeden Fall ist eine verdammt öde Gegend, in der jeder Lebenswille wie eingefroren scheint. Hier geht man hin, um sich den gemütlichen Dingen zu widmen und vielleicht lasse ich mich irgendwann einmal dort nieder. In diesem Sinne: vielen Dank, GLS für dieses einmalige Erlebnis!

XOXO, euer Limbo.

P.S.: Ach ja, ich habe noch dieses schöne Bild von ganz vielen Hummeln gemacht.

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Back to the roots, bitches!

Ich könnte ja gerade nur noch jammern. In Selbstmitleid zerfließen, mir einen Klappstuhl über den Schädel ziehen und anschließend stumpf in irgendeine Ecke kotzen. Das Problem: ich habe keinen Klappstuhl und außer einem leicht feuchten Würgen krieg ich einfach nichts raus.

Ich kann auch nicht mehr vernünftig schreiben, deswegen kriegt dieser Blog jetzt mein Diss-Gejammer ab.

In den letzten Wochen bin ich so fürchterlich unausgeglichen, dass nicht mal Sport in irgendeiner Form helfen kann, die Laune dauerhaft zu verbessern.

Im Wesentlichen dreht sich mein Leben nur noch um zwei zentrale Punkte: Arbeit und Diss (also noch mehr Arbeit). Und es kotzt mich so dermaßen an, dass ich es nur schwer in Worte fassen kann. Es laugt aus und zerrt so sehr an meinen Nerven, dass ich allmählich das Gefühl habe, keinen einzigen Schritt weiter gehen zu wollen. Ich will mich hinlegen, zusammenrollen und solange ausharren, bis sich die Dinge von alleine gefügt haben. Leider bin ich nicht ganz so dumm, wie ich es gerne wäre, also ist mir bewusst, dass ich selbst etwas dafür tun muss, aber verdammte Scheiße: ICH KANN EINFACH NICHT MEHR! Ich will abgeholt werden, ich will aufn Arm und ich will ne kalte Cola trinken, bevor mich jemand zudeckt und mir sagt, dass alles gut wird. Dann will ich erstmal schlafen und aufwachen, ohne daran denken zu müssen, was noch zu tun ist. Die Fähigkeit, ohne einen einzelnen Gedanken meine Zeit zu vertun, war immer einer der Wesenszüge, die ich an mir selbst sehr zu schätzen gewusst habe. Das hat mich vor ein paar Jahren natürlich auch nicht wirklich glücklich gemacht, heute fehlt mir die Fähigkeit, weitab von allen Pflichtgefühlen einfach vor mich hinzuvegetieren manchmal sehr. Versuche ich heute zu entspannen, sitzt mir mein Verantwortungsbewusstsein im Nacken, wie ein kleiner Affe, der kontinuierlich auf mich herabscheißt. Schön ist das nicht.

Ich stelle fest, dass ich mittlerweile wegen der banalsten Dinge an die Decke gehe. Ich kann mich in Sachen hineinsteigern, kann schreien und keifen und habe 10 Minuten später überhaupt keine Ahnung mehr, worum es eigentlich ging. Das hilft aber auch nicht wirklich gegen die Unausgeglichenheit sondern führt nur dazu, dass ich mich selbst total ätzend finde und noch unzufriedener werde.

In Gedanken habe ich die Diss allein heute schon fünf Mal einfach hingeworfen, wissend, dass ich auch so bescheuert gar nicht sein kann. Aber wie schön es wäre, einfach alle Bücher und Notizen in einen Karton zu schmeißen und abzufackeln.

Long story short: ich hoffe inständig, dass das gerade nur „so eine Phase“ ist, die sich wieder legt, wenn….keine Ahnung. Endlich mal wieder irgendwas gutes passiert.

Ich hab nicht mal einen netten Song zum Abschluss, weil ich Musik gerade auch total scheiße finde. Obwohl, doch: nehmt Bubble Butt einfach, weil das Video so großartig ist (und ich mag wie aggressiv diese drei Tänzerinnen sich bewegen):

Ob es an der Zeitumstellung liegt?

Wen solls interessieren, wenn du weggehst? – Die Kassierin im Kaisers vielleicht? Es interessiert dich ja selbst nicht.

Einfach nicht mehr da sein von heute auf morgen.

Einfach weggehen und dort bleiben.

Wirklich kennen tuste eh keinen. Leute zum Reden aber keinen zum Zuhören und Liebe ist auch nur ein Gerücht.

Und sowieso macht das alles von Tag zu Tag weniger Sinn. Machst einfach weiter, weil es wohl so sein muss. Schenkst dir selbst weniger Beachtung.

Am Ende schaffst du alles – und dann? Dann bleibt dir nicht mal mehr der Traum.

Stehst jeden Morgen auf und gehst abends wieder schlafen. Die Stunden dazwischen vergehen irgendwie.

Gibt nicht viel zu sagen und das war schon immer egal.

Sie haben die Stadt verwüstet, diese Kinder, als sie plötzlich kamen und sich alles nahmen, was sie haben wollten, uns nichts mehr ließen, nichtmal die Ruhe, die wir brauchten, weil wir uns an sie gewöhnt hatten. Überall war Krach und der Geruch von Rauch, der Geschmack von Tränen und das Klatschen der Fäuste auf Kiefer und das Geräusch von knackenden Knochen. Sie hinterließen Blut auf den Straßen und zersplittertes Glas, sie zerstörten die Erinnerungen an das, was mal war, als es noch still war und friedlich und schön.

Die Kinder blieben und mit ihnen die Zerstörung und irgendwann war alles normal und es war wie die Ruhe, so still und so schön. Dann kam der Krieg und mit ihm kehrten die Toten zurück unser Gedächtnis, in die Erinnerungen und in das Bewusstsein. Nur ein wenig mehr Zeit, nur noch ein wenig, schienen sie zu fordern, von uns, die wir doch nur auf die Ruhe versessen waren und nicht sehen wollten, wie Tote die Kinder, während sie kämpften, zerfleischten und aßen. Münder, die nach Liebe schrien, blutverschmiert und Tränen auf ihren Wangen.

Und irgendwann waren auch die Toten normal, die herumirrten, wie Treibholz in Flüssen, durch die Straßen, durch die Wälder, durch die Erinnerungen, durch die Nacht.

Und alles was irgendwann blieb waren wir. Die traurigen Kinder, an Fenster gebunden, zum Zuschauen verdammt, mit nichts in den Händen als Erinnerungen und Zigaretten, wenn wir denn noch rauchen würden. Wir sehen zu und merken wie Zeit die verfliegt, nicht stillsteht, auch wenn man möchte und hofft, dass alles so endlos bleibt, wie die Kinder, die irgendwann kommen und die Stadt verwüsten und die Toten zurückholen, die wir auf unserem Weg vergessen haben.

Opa erzählt von später

Den ganzen Sommer lang habe ich auf den Herbst gewartet. Ich hatte keine Lust mehr auf die schwüle Hitze, auf zwei gute Tage und danach Gewitter. Keine Lust auf die Schlappheit und auf Schwitzen. Keine Lust auf diese Trägheit im Schädel und keine Lust auf lange Tage.

 Jetzt, wo der Herbst allmählich kommt und mit ihm das Geräusch von Blättern, die der Wind über den Asphalt treibt  und Luft, die frühmorgens schon nach Eis riecht, wird mir bewusst, dass ich eine entscheidende Sache nicht bedacht habe. Mit dem Herbst kommt immer auch mein Geburtstag. In den letzten Jahren war das keine große Sache, ein Tag wie jeder andere, ganz angenehm sogar und nur noch Erinnerung an das emotionale Loch, in das ich fiel, als ich 25 wurde. Sogar die 30 habe ich im vergangenen Jahr sehr gut weg gesteckt.  In diesem Jahr jedoch wird mir schon schlecht wenn ich nur daran denke. Vielleicht, weil die 30 dann hinter mir liegt, plötzlich jung erscheint. 31 ist die Hölle. Plötzlich liegen die 20er nicht mehr nur ein paar wenige Monate, sondern ein ganzes Jahr zurück.

Ich fange wieder an daran zu denken, wo ich stehe. Mit der Diss, mit nem Job, und wo ich im Leben bin. Wo verdammt habe ich eigentlich erwartet zu sein? Und eigentlich – das ist das Paradoxe – bin ich sogar zufrieden, aber irgendwie auch nicht. Die Dinge könnten doch immer irgendwie noch runder laufen, vielleicht noch besser sein. Und auch wenn ich bewusst keinen Druck spüre, der auf mir lastet, niemand der mir sagt: „Tu dies, tu das, du solltest doch mittlerweile eigentlich…“, stelle ich fest, dass ich jeden Tag angespannter aufwache. Der Magen verkrampft sich mir bei dem Gedanken, einfach immer älter und älter zu werden, ein Strudel, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Du könntest jetzt noch ein paar Jahre genau so weiterleben und damit zufrieden sein und eines Tages wachst du auf und bist dann 40. Was, wenn ich momentan an einem Punkt in meinem Leben bin, in dem ich mir eigentlich selbst in den Arsch treten sollte? Dinge tun, auf die ich keine Lust habe, die mich noch nichtmal besonders reizen? Was wenn jetzt die Gelegenheit ist, die Weichen für das zu stellen, das mich vielleicht nicht heute aber in 10 Jahren glücklich macht?  Ich habe mir jetzt jahrelang eingeredet, dass das, was einen glücklich macht automatisch das richtige ist. Aber was, wenn dieses zufrieden-in-den-Tag hinein leben eine Sackgasse ist, für die ich mich irgendwann mal verfluche.

Das sind die Gedanken, die mich in den letzten Wochen begleiten. Dazu die Tatsache, dass ich zu viel arbeite, um Fortschritte bei der Diss. zu sehen und zu wenig, um zu sagen, dass das jetzt anscheinend mein neues Ding ist. Und nebenher fangen die Leute an zu fragen, was ich denn an meinem Geburtstag mache. Ich sage, ich weiß es nicht – und ich weiß es auch nicht, will mir keine Gedanken darüber machen.  Ich freue mich über ein paar nette Worte, von Menschen die ich gerne habe und der Rest ist mir egal. Am liebsten hätte ich, dass mich jemand in den Arm nimmt und mir mal wieder sagt, dass alles gut ist, dass die Dinge richtig sind, wie sie laufen, dass es sich lohnt diesen Weg zu gehen, dass die Zeit schon alles richten wird. Ich will den Nacken gekrault kriegen und dabei gedankenlos wegpennen, diesen Tag einfach friedlich überstehen. Kein großes Procedere, das mich nur immer wieder daran erinnert, was ich mir selbst für ungreifbare Vorstellungen von einer Zukunft mache.

Ich will im Laub liegen und den Herbst angucken, ich will das Eis in der Luft schmecken und die Augen schließen. Ich will schlafen und mit dem Gefühl aufwachen, das alles gut ist wie es ist. Vielleicht muss man nur dran glauben.

Herr L.

Mir kam der Gedanke dieses Blog als Blog zu reaktiveren, keine Videos mehr. Zumindest nicht ausschließlich – und vor allem nicht nur alle paar Monate.

Zunächst habe ich den Einfall ebenso schnell verworfen, wie er gekommen war. Heute war er wieder da und eh ich mich versehe, habe ich ein Word-Dokument offen und tippe. Irgendwas, scheißegal.

Ich befürchte ja, dass ziemlich viel pathetischer Quatsch dabei herauskommen wird, aber auch das soll mir jetzt egal sein. Sollen die Texte ruhig triefen wie Frittenfett, mir ist gerade danach. Die letzten Tage sitze ich viel herum. Ich höre Musik, starre vor mich hin, manchmal nicke ich weg. Der Zustand stört mich nicht einmal. Es ist nicht langweilig und es kommt mir nicht dröge vor. Mich langweilen so viele andere Dinge: Internet, Fernsehen, weggehen, reden. Über allem liegt das Gefühl der Sinnlosigkeit, das ich eigentlich nur aus tristen Herbsttagen kenne. Es ist, als wenn sich eine Leere in mir breit macht, die mir die Freude nimmt, den Schwachsinn zu tun, den ich eigentlich sehr gerne tue. Dabei ist es noch nicht mal eine traurige Leere. Es ist mehr ein melancholisches Gefühl, das es sich gemütlich macht und mit dem ich sehr gerne alleine bin. Das Gefühl, dass irgendwo noch mehr wartet. Etwas von dem ich noch gar nichts weiß und dass ich noch nicht einmal denken kann, weil es noch keine Idee von etwas ist. Alles was ich tue oder nicht tue steht in seinem Schatten und während ich dasitze und nachdenke, versuche ich es zu ergründen, aber da ist keine Antwort. In den guten Momenten denke ich, dass ich mich vielleicht mal wieder verlieben will und mir das selbst nur noch nicht wirklich eingestehen möchte. In den schlechten frage ich mich, ob es sich eventuell so anfühlt, wenn man innerlich vor sich hin stirbt. Gelange ich an einen Punkt, an dem es mir schlichtweg egal ist, irgendwann noch irgendwas für irgendwen zu fühlen? Schlimmerweise bin ich mir noch nicht sicher, welche der beiden Varianten die attraktivere für mich ist. Mittlerweile bin ich in der Lage meine Gedanken umherziehen zu lassen und sie völlig emotionslos zu betrachten, so als wären es die Spinnereien eines anderen. Sie schweben wie Seifenblasen vor mir her und ich versuche sie mit Bildern zu füllen. Mit Bildern die nicht kommen, oder nur dann, wenn ich sie provoziere. Sie haben keinen Bestand. Und wenn ich diese Worte noch mal lese erscheinen sie mir ganz und gar wie die Spinnereien eines anderen.