Archiv für den Monat Juli 2008

Voici L`Idiot oder: Ein kleiner Abschied- Die Actionvariante

In mir keimte schon immer der Verdacht, dass ich ein absoluter Vollidiot sein könnte, heute habe ich es mir endgültig selbst bestätigt indem ich, zwei Tage vor dem Auszug, fast den Balkon abgefackelt hätte. Dabei fing der Tag eigentlich relativ entspannt an…

Nachdem ich heute wieder fleißig gepackt habe bin ich, insbesondere im Abstellraum, auf allerhand Sachen gestoßen, die ich unmöglich mitnehmen möchte, geschweige denn in naher Zukunft auch nur irgendwie besitzen will. Es war eine Menge Kram, den ich einfach auf dem Boden zwischengelagert habe um ihn morgen im Restmüll zu entsorgen. So weit so gut. Aber als es mich dann vor knapp 20 Minuten etwas langweilte und mein Blick auf das knapp 40 cm große Plüsch- Schaf fiel, das mir traurige Augen machte, kam ich auf eine ganz fantastische Idee. Auf dem Balkon steht ein Grill, meine Kamera ist gerade frisch aufgeladen. Wäre ein netter Zeitvertreib mal wieder ein kleines Actionvideo zu drehen. Schaf in Flammen, oder so. Da ich ein regelmäßiger Gucker sämtlicher N24- Dokus bin war mir aber auch klar, dass Plüschtiere gerade was den Brandschutz angeht enormen Kontrollen unterstehen, was wohl dazu führen würde, dass das Ding ein wenig vor sich hin schmoren würde, stinken würde und dann total unspektakulär wieder verlöschen würde. Mit Action hat das wenig zu tun. Aber ein Idiot muss nicht lange überlegen, wie er irgendwas ganz fantastisch abfackeln kann und ihm fällt natürlich auch direkt der halbe Liter Reinigungsbenzin ein, der auch noch im Abstellraum steht.

Jetzt kommt der Don`t try this at home, Kids!- Teil:

Das Schaf also aufrecht im Grill positioniert, reichlich in Benzin getränkt. Das waren die Vorbereitungen. Schnell noch gecheckt ob die Flamme des Feuerzeugs groß genug ist um auf Abstand gehen zu können. Sie war es. Ich hätte es wohl so oder so probiert, aber Streichhölzer waren nicht im Haus. Das Feuerzeug in der Linken, die Kamera in der Rechten schritt ich also auf den Grill zu. Ich weiß, dass ich Marco gegenüber noch meine Überlegung geschildert habe direkt vorher schon mal die Dusche anzustellen, unter die ich gleich flüchten könnte, sollte ich in Flammen stehen. Ich habe es allerdings gelassen. Kamera an, Feuerzeug an und mich langsam auf den Grill zu bewegt. Um es kurz zu machen: das Video wurde gerade einmal drei Sekunden lang, da ich aus Schreck vor der riesigen Stichflamme wohl irgendwie erneut auf den Auslöser gekommen bin. Hier trotzdem die kurze Impression (ich empfehle den Sound aufzudrehen, dann kommt meine Unfähigkeit, vor lauter Aufregung das Feuerzeug nicht anzubekommen und der Zündungssound noch besser):

Ich hab es dann noch gemerkt, wollte die Aufnahme auch fast noch mal neu starten, als mir auffiel mit welchem Zunder das arme Schaf da brannte. Als erstes hab ich mich nur gefragt, was die Nachbarn wohl denken und ob sie eventuell die Feuerwehr rufen würden, denn es erhellte schon ein erhebliches Stück der Umgebung. Dann jedoch fiel mir auf, dass die Flammen über zwei Meter hoch waren und schon am Balkondach züngelten. Das Dach seinerseits ist leider aus diesem Wellplastik- kennt man ja. Da ich in Chemie eigentlich nicht schlecht war- damals zumindest, bevor ich zum Idioten wurde, wusste ich natürlich was mit Plastik passiert wenn Feuer darauf trifft. Zum Glück stand noch mein Putzeimer auf dem Balkon und ich bin darüber sehr froh, denn ich wollte ihn heute Nachmittag schon fast einpacken, so dass ich ihn mir direkt schnappen konnte und damit zwei Schritte ins Bad machen konnte (das erste Mal, dass ich auch wirklich glücklich mit diesem seltsamen Schnitt der Wohnung, den Balkonzugang vom Badezimmer aus zu legen, war). Eimer mit Wasser befüllt, zurück auf den Balkon, Wasser in den Grill. Zugegeben, es waren nur zwei Liter, aber es half gar nichts. Wieder zurück, wieder Wasser rein- auf die vollen 10 Liter wollte ich nicht warten- wieder raus, wieder rüber, wieder keine wirkliche Verbesserung. Aber Minimal war zu erkennen, dass die Flammen nur noch 1, 50 Meter hoch waren. Diesmal den Eimer voller laufen lassen, wieder rüber damit, der Grill schwappte schon über und es wurde ein wenig besser. Immer noch ein Feuer, dass einen Grundschüler beim Kokeln in die Hände klatschen lässt, aber keine Gefahr mehr, dass gleich der ganze Balkon in Flammen steht. Nun konnte ich auch mal einen Blick in die Nachbarschaft riskieren, wo sich die Nachbarn von gegenüber schon im Garten versammelt hatten. „Alles in Ordnung“, rief ich in heiterer Resignation, ich glaube ich habe sogar einen Daumen in die Luft gestreckt. „Ok!“ antworteten sie und zumindest der Mann verschwand wieder um die Ecke und nahm auf der Bank platz. Die Frau blieb noch eine Weile. Hat aber nicht mehr hochgeguckt. Es hat mich dann noch drei oder vier weitere Eimerladungen gekostet bis das Feuer endgültig aus war. Ich hab sogar das Schaf noch einige Male unter Wasser gedrückt um das Risiko eventueller Nachzündungen zu vermeiden- ich glaube das macht man so. Dann erst ist mir aufgegangen wie sehr verbrannte Plüschtiere stinken. Und dass ich mir meinen Daumen ein klein wenig verbrannt habe. Da ist mir aber auch schon schlimmeres beim Abwaschen passiert.

Fazit: Das war eindeutig das Dümmste, was ich in diesem Jahr angestellt habe (bisher), alles stinkt, im Grill und auf dem Balkon schwimmt jetzt eine ekelhafte Brühe und da das Schaf nicht vollkommen verbrannt ist, darf ich jetzt also doch noch mal zur Mülltonne rennen. (Natürlich erst morgen früh. Bis dahin bleibt es noch in seinem Wasserbad liegen.)

Aber das hat das Schaf jetzt davon:

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Ein kleiner Abschied oder: Pathetisch- Sentimentaler Kitsch

Es ist Zeit Abschied zu nehmen- auch weil das so herrlich pathetisch klingt. Abschied von einer Vertrauten Umgebung, von vertrauten Wegen, von kalkulierbaren Ereignissen- vom Altbekannten. Eine Veränderung steht an, auch wenn es nur ein Umzug ist- und dann auch noch einer in der gleichen Stadt. Veränderungen machen das Leben interessanter, abwechslungsreicher, wer weiß, vielleicht sogar intensiver.

Ich mag keine Veränderungen, bin ein Mensch der seine Routine mag, sie auch in gewisser Weise braucht. Der Gedanke an eine Veränderung treibt mir immer Schauer über den Rücken, auch wenn man sich am Ende dann doch viel schneller an das Neue gewöhnt hat, als man anfangs denkt. Es macht mich nervös und ich kann nicht behaupten kein bisschen Angst davor zu haben. Viele Dinge sind zu erledigen und besonders diesmal kommt es mir stressiger vor, als jemals zu vor- und ich bin wirklich nicht selten umgezogen. Da ging jetzt wirklich so viel durcheinander, dass es mehr als nur ein einzelnes klärendes Gesprächs erfordert hat. Es hätte alles so schön klappen können, mit Wohnungsübernahmen, Vertragsübernahmen usw. aber dann ging doch einiges in die Hose. Da wurde umgezogen, dann wieder nicht, dann wieder nur halb, es wurde hier eine provisorische Lösung vorgeschlagen, dort eine andere. Und so kommt es mir grad vor, als lägen die Nerven aller blank, auch wenn es sich keiner anmerken lässt. Das alles en Detail zu erläutern, wäre zu komplex, zu verworren, als das es ein Außenstehender irgendwie begreifen könnte (oder es ihn interessieren könnte). Aber ich glaube so richtig entspannen kann sich jeder erst, wenn bei jedem alles unter Dach und Fach ist.

Die letzen Tage dieses Monats verbringe ich jetzt zwischen Kartons, 13 Stück sind es bisher, mindestens vier weitere werden noch folgen. Ich habe mich sehr an diese Wohnung gewöhnt, auch wenn es einiges zu bemängeln gibt (oder vielleicht auch gerade deswegen) wird sie mir bestimmt fehlen. Zumindest in der ersten Zeit. Der Spruch „Auf zu neuen Ufern!“ hat für mich momentan viel weniger Kraft und Bedeutung, als er eigentlich haben sollte. Die Zeit in der ich so etwas spannend fand ist wohl vorbei, oder es ist gerade alles ein wenig zu unwirklich, als dass ich einsehen kann, dass es jetzt wirklich passiert. Es ist schon komisch irgendwie. Besonders lange war ich auch nicht hier, dennoch haften eine Menge Erinnerungen in diesen Wänden, die zum Teil vermutlich verschwinden werden, wenn sich die Tür das letzte Mal hinter mir geschlossen hat. (Weil auch das so schön pathetisch klingt). Weil sich alles ändert, wenn sich die Umgebung ändert. Weil sich Menschen durch sie ändern. Vielleicht nicht viel, aber dennoch genug um das Alte verblassen zu lassen. Und da ich pathetisch begonnen habe möchte ich auch ganz pathetisch enden. Die Erinnerungen leben weiter in diesen Wänden, ich lasse ein paar von ihnen hier, streife sie ab und gebe sie weiter. Wer sie nicht haben möchte kann sie einfach überpinseln, doch irgendwo darunter bleiben sie bestehen, bis die Farbe zu bröckeln beginnt und sie zu Neuem erwachen. Vielleicht nicht für mich, sogar ganz bestimmt nicht für mich, aber vielleicht für jemand anderen, für den sie zum Hier und Jetzt werden.

Es ist doch mal wieder einfach nervig

Da hat Last.fm mal wieder die Codes geändert um die Wochencharts im Blog einzufügen. Und wie schon zuvor mit den Playern klappt es wieder nicht. Entweder ich bin wirklich zu dämlich, oder es geht wirklich nicht. Und die alten Wochencharts Codes sind wohl nicht mehr gültig. Zumindest wurde bisher immer noch nichts aktualisiert. Ärgerlich.

Who´s Got The Funk?

Ich bin der Typ, der den Gina Lisa- Porno immer noch nicht gesehen hat, aber dem viel davon erzählt wurde, ich bin der Typ, der Dienstag Nacht irgendwo in Endenich auf einer Europalette gepennt hat, in schwarzem Anzug und einem orangen Rüschenhemd, der, der später orientierungslos durch Bonn gelaufen ist und den Weg trotzdem ohne Probleme gefunden hat, ich bin der, der heute mal wieder stundenlang im Hofgarten gesessen hat und euch die Studiengebührenbefreiung klar gemacht hat. Ich bin der, der will das Grillmeister ein Ausbildungsberuf wird, um auf allen möglichen Veranstaltungen (Fleisch) auflegen zu können. Ich wünsche einen schönen Tag- aber gehen wir das ganze jetzt noch mal in Ruhe an.

Was mussten meine trüben Augen da am Montag feststellen? Karadzic haben sie gefasst. Wow! Ich konnte mich noch ganz dunkel erinnern, den Namen in meiner Jugend schon mal gehört zu haben. Doch darüber möchte ich nichts schreiben. Nicht, weil es mich nicht interessieren würde, sondern weil ich politischen content hier vermeiden möchte. Aber nicht etwa das waren die häufigsten Google- Suchen und WordPress Beiträge, viel interessanter schien der Gina Lisa- Porno zu sein. Unfassbar. Ich will hier keinem zu nahe treten, aber es gab schon viele abgeranzte Tussis, die irgendwann mal ihre Fresse in die Kamera gehalten haben, mit ihren abgeranzten Typen abgeranzte Videos gedreht haben die dann „zufällig“ an die Öffentlichkeit geraten sind. Currywurst- und- Fritten- Porn für eine Currywurst- und- Fritten- Gesellschaft, oder wie soll ich das verstehen? Mir treibt es wirklich die Kotze hoch, wenn ich sowas sehe. Mir wurde berichtet, man bekommt nicht mal anständig was zu sehen, außer einem grunzenden Typen über 30 mit Wampe und ein paar Titten. Darauf hat die Welt gewartet.

Das sind zumindest die Momente, in denen ich mich frage, wann die Apokalypse kommt um uns allen die Scheiße aus dem Hirn zu jagen.

Meine persönliche Apokalypse, als Reinigung von dem ganzen Mist sozusagen, habe ich mir dann am Dienstag einfach selber verpasst. Nachdem ich mir am Samstag bereits ein fesches Outfit für die anstehende Funk- Party zugelegt habe, habe ich mich also in Schale geschmissen. Schwarzer Anzug mit Bootcut, oranges Rüschenhemd und eine dicke Silberne Kette mit Kreuzanhänger. Eine Afro- Perücke konnte ich leider nicht mehr auftreiben, was aber auch gut war, denn, wie ich später feststellen musste, wäre ich damit absolut overdressed gewesen. Der Abend begann mit ein paar Bier, hin und wieder ein Schluck Wodka zwischendurch. Soweit so gut. Was ich nicht bedacht hatte war, dass ich an diesem Tag recht wenig gegessen hatte, was sich mit dem dreifachen Wodka, den ich mir dann genehmigte nicht so gut zu vertragen schien. Wie ein Schlag in die Fresse kam die Wirkung dann auch über mich. Und eigentlich wollte ich nur mal kurz an die frische Luft gehen, mir ein wenig die Beine vertreten, den Magen beruhigen. Also bin ich ein wenig durch Endenich spaziert und gejoggt, aber es wollte nichts helfen. An einer Ecke saß ich dann einen Stapel mit Europaletten, auf denen ich mich niederließ. Das Aufstehen danach machte allerdings alles noch mal ein wenig schlimmer, so dass ich es dann vorgezogen habe mich eine Weile hinzulegen. Früher, so mit 17, 18, habe ich das öfter mal gemacht, aber irgendwie war der Witz weg. Aus dem Haus hörte ich von meinem Platz aus noch die Musik und habe mich dafür verflucht mich so abzuschießen. Es half alles nichts, ich dachte nur noch daran mir meine Tasche zu holen und nach Hause zu gehen. Da war es gerade mal halb 2. Ich habe es bewusst vermieden irgendwem Auf Wiedersehen zu sagen, nur Roman habe ich noch im Flur getroffen, der mich auch direkt mit: „Scheiße, siehst du fertig aus“, ansprach. Ich glaube ich habe ihm dann noch irgendwas erzählt, dass ich ja am nächsten Tag früh raus müsse um dies und jenes noch zu erledigen. Das stimmte zwar auch, zumindest war das der Plan den ich hatte, aber irgendwie habe ich auch da schon angenommen, dass ich wohl nicht früh genug wieder fit sein würde. Als ich in die kalte Nachtluft trat, wusste ich vorerst gar nicht so genau, wo ich eigentlich bin, aber irgendwie habe ich es ohne Probleme nach Hause geschafft. Ich habe mich weder verlaufen, noch auf die Schnauze gepackt, noch bin ich irgendwo gegen gerannt. Nur meine Füße waren lädiert, da die Anzugschuhe nach einigen Kilometern dann doch anfingen unter dem Knöchel zu scheuern.

Als ich am Mittwoch dann schon um 9 Uhr aufwachte wusste ich schon, dass es ein Böses Ende nehmen würde. Wenn man getrunken hat und früh aufwacht ist das immer ein schlechtes Zeichen. So wollte der Kaffee, den ich mir genehmigte, nicht dort bleiben, wo ich ihn gerne gehabt hätte. Irgendwann habe ich es dann geschafft für eine Stunde einzuschlafen, habe geträumt die Uni würde in der Mitte durchbrechen- danach ging es mir besser. Einen weiteren Kaffee mit reichlich Zucker- Versuch habe ich gestartet und diesmal blieb er auch drin. Mir war immer noch flau, aber ich war wieder einigermaßen bei Kräften.

Bin dann erstmal in die Uni gegangen, aber natürlich war das Dekanat da schon zu. Die Zeit so irgendwie rumgebracht und dann ging es auch schon ans Einkaufen für das anstehende Grillen. In einen Supermarkt zu gehen, wenn sich einem beim bloßen Gedanken ans Essen der Magen umdreht ist wahrlich keine gute Idee, aber leider notwendig. Wir haben es aber sogar geschafft noch einen Kasten Bier zu kaufen und zum Poppelsdorfer Schloss zu transportieren. Rückblickend bin ich auch froh darüber mir doch noch ein Steak gekauft zu haben.

Nachdem wir dort den Grill angeschmissen hatten und ich die Empfindlichkeit meines Magens mit einem trockenen Stück Baguette getestet hatte hat mir selten etwas so gut geschmeckt wie das Steak im Anschluss. War dann auch ein ganz netter Abend. Das Bier hat keiner angerührt, weil alle noch unter den Nachwirkungen der Funk- Party zu leiden hatten.

Heute bin ich dann früh aufgestanden, zum Dekanat marschiert, habe alle (endlich komplett) unterschriebenen Papiere abgeholt und bin weiter zum Studentensekretariat gegangen. Natürlich hatte es zu. In was für einem Land leben wir eigentlich, in dem um 11.30 schon Mittag gemacht wird? Das hat also erstmal wieder bedeutet, die Zeit bis 13.30 herum zu kriegen. Zuerst durfte ich mich damit beschäftigen noch einmal die Telefonnummer der Firma aufzutreiben, bei der wir für gestern die Bierbänke- und Tische geliehen haben, damit diese wieder abgeholt werden konnten. Es war wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, aber irgendwie habe ich es dann geschafft. Den Rest der Zeit im Hofgarten gesessen und dann wieder zum Studentensekretariat gelaufen. Die Sonne brannte derweil schon recht heftig, so dass ich nicht behaupten kann, mir hätte nach dem Weg kein Schweiß auf der Stirn gestanden.

Im Studentensekretariat dauerte es dann wenigstens noch drei Minuten und alles war erledigt. Wieder zurück in den Hofgarten, dann Einkaufen, Wäsche aufhängen, Essen und nun ist erstmal Ruhe. Morgen soll es ja noch mal richtig heiß werden, ich hoffe jedoch darauf, das der Wind so bleibt, wie er heute war, dann könnte es sogar ganz erträglich sein.

Ich bin der Typ, der sich jetzt seine Gitarre schnappen wird, der sich einfach zurück lehnen wird und früh ins Bett gehen wird. Ich wünsche euch einen schönen Abend, das war` s fürs erste.

Montag- wie üblich.

Heute bin ich endlich mal wieder dazu gekommen ein wenig Gitarre zu spielen, einen Song aufzunehmen, im Rahmen meiner begrenzten Möglichkeiten, und es fiel mir zunehmend auf, dass ich dringend wieder in einer Band spielen möchte.
Die Semesterferien haben noch gar nicht richtig begonnen, irgendwie ist noch so viel zu erledigen- und ich befürchte, dass es im Laufe der nächsten Monate auch nicht abreißen wird. Das Wetter ist derweil herbstlich geworden, keine Sonne mehr, nur Regen und kühl ist es.
Aus der Perspektive war der Samstag noch eine echte Wohltat. Bei recht angenehmen Temperaturen saßen wir bei Ali auf dem Balkon und mussten feststellen, dass man dort immer auf das absolute Klischee einer Stundentenparty trifft. So hat man es sich immer vorgestellt. Jedes Zimmer steht offen, überall tummeln sich Leute, Musik dröhnt dumpf bis auf die Straße, in jedem Zimmer mindestens zwei Kästen Bier. Rückblickend waren wir uns einig, dass wir uns alle das Studieren viel mehr wie in einem Teeniefilm vorgestellt haben. Ein bisschen so ist es ja auch. Nur eben auch ein bisschen anders. Schon dort waren wir uns jedoch einig, dass es auch ein wenig langweilig war. Es wurde zunehmend kälter da draußen, drinnen entsprechend voller, es waren viel zu wenig bekannte Gesichter da und wir nicht annähernd betrunken genug um neue Freundschaften zu knüpfen. Also sind wir früh gegangen und mir ist mal wieder aufgefallen, dass Bonn auch genug versiffte Ecken zu bieten hat, die eine schöne Foto- Story mit dem Titel „Abschaum“ ergeben könnten. Vielleicht wäre das noch ein Projekt, das ich angehen könnte.
Mich hat es dann noch auf eine andere Party verschlagen. Noch vor ein paar Monaten hätte ich mich gar nicht mehr breit schlagen lassen, wäre froh gewesen wieder zu Hause zu sein, noch schnell etwas zu essen und dann zu schlafen, aber nicht an diesem Samstag. Nachdem Mr. Johnny D. und ich uns also noch eine Weile in einem fremden Hausflur aufgehalten haben, dort ein Bier tranken, eine rauchten, sind wir dann doch die Treppen hinauf gestiegen und auf der für mich zweiten seltsamen Party des Abends gelandet. Bis auf Roman kannten wir dort keine Sau, die Musik war mehr als dürftig, die Gäste alle jenseits der Schmerzgrenze. Wodurch man jedoch sofort wie ein alter Freund begrüßt und in ein Gespräch verwickelt wurde. Eigentlich hatten wir nicht vorgehabt länger als eine halbe Stunde zu bleiben, aber es wurde dann doch wieder vier Uhr bis ich im Bett lag, immer noch nichts gegessen hatte und nur die Dinge im Kopf hatte, die heute noch zu erledigen waren.
Das war vorerst die Zettel unterschreiben zu lassen, die mir und den restlichen Fachschaftlern die Befreiung von den Studiengebühren sichern sollen und diese dann im Dekanat abzugeben. Das jedoch ist gar nicht mal so leicht wie man denkt. Nachdem ich bereits letzte Woche mehrfach von einer Stelle zur anderen geschickt wurden bin, schickte man mich heute wieder zurück. Wenigstens gab es heute dann ein Einsehen und so bekam ich die Zettel noch unterzeichnet. Leider nicht mehr rechtzeitig, denn im Dekanat der Uni Bonn arbeitet ab 14.30 Uhr keiner mehr. Ich soll dann morgen noch mal wieder kommen.
Anschließend einen Kaffee trinken gewesen und vollkommen die Sprechstunde vergessen, zu der ich mich am Freitag noch angemeldet hatte. Jetzt ist der Zug bis Mitte September erstmal abgefahren. Danach schnell einkaufen gewesen und um halb sechs endlich wieder zu Hause eingetroffen.
Ich mag es, wenn Texte (oder Lieder, oder Filme) mit ihrem Anfang enden. So möchte ich noch einmal betonen, dass ich diesen heutigen, viel zu kalten, Regentag dann damit verbracht habe ein wenig auf der Gitarre zu klimpern, dabei die Wassertropfen am Fenster gezählt habe und jetzt ernsthaft überlege mir einen Tee zu machen. Um den Herbst einzuweihen. Aber sie sagen am Mittwoch soll es wieder besser werden.

Warten. Und besichtigen. Und wieder warten.

Ein Hin und Her ist das, kaum auszuhalten. Da hat man eine Wohnung, entspannt sich innerlich, dann hat man sie wieder nicht, und auf mal wird die Zeit wirklich knapp. Heute bin ich jedoch wenigstens nicht ohne einen Mietvertrag nach Hause gegangen. Soweit so gut. Allerdings muss ich mir das ganze jetzt noch mal gründlich durch den Kopf gehen lassen, bis ich dann morgen Mittag eine endgültige Entscheidung treffen kann.

Mir war heute danach Krawatte zu tragen, also habe ich das auch getan. Während ich also krawattiert vor dem Haus auf den Vermieter gewartet habe näherte sich mir ein älterer Herr, der mich auch sofort ansprach. „Entschuldigen`se. Sagen se…wohnen sie hier?“ Fast hätte ich geantwortet: „Nä, du?“ Habe ihm dann aber doch nur erklärt, dass ich gleich einen Termin für eine Besichtigung habe. Er teilte mir dann mit, dass er die Anzeige ebenfalls im Internet gesehen hatte und sich das Haus mal angucken wolle. Wir haben dann zusammen auf den Vermieter gewartet. Im Moment wohne er noch in Frankreich, hat er mir erzählt, bräuchte aber etwas Kurzfristiges für die Wintermonate, die er wieder in Deutschland verbringen wolle.

Vielmehr hat mich jedoch die ernorme Anzahl Haare beeindruckt, die ihm aus der Nase wuchsen. Haare in einer Vielzahl, Dicke und Länge wie ich es noch nie erlebt habe. Die Wohnung hat er sich dann noch mit angeguckt, hat sie mir jedoch überlassen- er hatte ja auch keinen Termin. So viel dazu.

Jetzt stehe ich wieder vor der brennenden Frage, ob ich einen zweiten Eintrag für heute erstellen soll, oder einfach einen sehr komplizierten Themenwechsel vollziehe. Ich glaube, schon indem ich dies jetzt schreibe ist die Entscheidung getroffen.

Eine kleine Abschweifung zur Bürokratie soll es erstmal werden. So bin ich heute unzählige Stufen empor gestiegen, habe noch mehr Zeit damit verbracht vor dem Büro des Kustos zu verharren, der sich aber leider nicht zeigte. Habe ihm jetzt einfach mal eine Mal geschrieben, Montag kann ich zu ihm kommen. Und das alles nur für eine (gut, genauso genommen sind es zehn) Unterschrift(en). Bevor es zum Dekan geht, als erst noch zum geschäftsführenden Direktor, der schickt einen jedoch weiter zum Kustos, nervig das ganze. Aber gut…dann isses ja bald erledigt.

Das was ich jetzt eigentlich noch schreiben wollte, eine kleine Abhandlung über das Warten und die Zeit, das innere und äußere Ich werde ich, glaube ich, lieber in einer Kurzgeschichte verpacken. Dahin krieg ich jetzt den Dreh überhaupt nicht mehr. Auch wenn eine Überleitung da wäre.

Also heute doch erstmal nur was für die „Nonsens“- Abteilung.

Einen schönen Abend wünsche ich

Falsch hier?

Das tolle an meinem Umzug von Myblog zu WordPress ist, dass die Statistiken hier viel umfangreicher sind. Nicht nur, dass ich hier sehen kann, wer über welchen Link auf diese Seite hier gekommen ist, sondern auch über welche Google- Suchen jemand hier her gelangt ist.

So waren die Top- Suchen bisher unter anderem: „Limbo“, „couch hopping“ und (mein absoluter Favorit übrigens) „ich kotz jetzt erstmal ins Treppenhaus“. Sehr schön. Warum jemand so etwas googelt ist mir ein Rätsel, aber lustig ist es allemal.

Nun habe ich mir gedacht, dass die Leute garantiert etwas anderes gesucht haben und mehr durch Zufall hier her geraten. Nichtsdesto wäre es doch eine feine Geste von mir, ihre Wünsche irgendwie zu bedienen. Zwar kann ich das nur nachträglich machen, aber vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen weiter. Ansonsten bleibt es ein schöner Zeitvertreib zur eigenen Belustigung. Vorallem, da ich nicht weiß, was sie tatsächlich gesucht habe lässt es viel Spielraum für Kreativität.

Heute waren es die Suchen nach einer Schule des Schreibens in Paddington. In Paddington nichts gefunden, aber in Westminster gibt es eine für journalistisches Schreiben. Zu finden hier.

Eine Kurzgeschichte mit dem Titel „London Eye“ habe ich nicht gefunden. Aber wenn man die einfach selber liest, braucht man auch nicht nach einer Inhaltsangabe googeln.

Kommen wir zum abschließenden und interessantesten Punkt. Sofern nicht wirklich jemand nach meiner Kurzgeschichte „Pornos“ gesucht hat, kann es sich bei „Limbo Porno“ eigentlich nur um das hier handeln.

Das waren dann meine guten Taten für heute.

Gehabt euch wohl.

Eine kleine Abhandlung über die Musik

Es gibt Songs die hört man eine Weile, dann verschwinden sie wieder. Es gibt Songs, die werden zu Erinnerungen, weil man sich zusammen mit ihnen an Orte, Personen, Erlebnisse erinnert. Es gibt Songs, die beschreiben Phasen. Und dann gibt es Songs, sicher wenige, die begleiten einen auf Ewig. Schwer ist es, diese zu erkennen- aber kann man das überhaupt?

Um die Musik zu beschreiben, welche Wirkung sie entfalten kann, kommt man nicht umhin weit auszuholen, abzuschweifen und einige Anekdoten hervor zu holen.

Als ich 16 war habe ich die Onkelz gehört. Da wo ich herkam hat mit 16 jeder Kerl, der sich für besonders hart gehalten hat die Onkelz gehört. Wenn man da richtig drin steckt ist das mehr als nur Musik. Die Onkelz werden zur Religion, wie sie es selber immer so schön beschrieben haben. Tatsache ist, dass ich damals überhaupt gar nichts anderes mehr gehört habe. Tagein, tagaus nur die Onkelz. Ich hielt sie wirklich für Poeten, konnte jeden Text im Schlaf, konnte mich damit identifizieren. Und genauso funktionieren die Onkelz auch. Man nehme einen Haufen platter Parolen, ein paar Zitate von Hesse und Henry Miller und fertig ist der perfekte Onkelz- Song. Mit 16 dachte ich, ich hätte schon alles gesehen, was es zu sehen gibt, hätte alles erlebt, wäre ganz tief unten gewesen und ich- ja nur ich- wäre es gewesen, der sich daraus befreit hat. Zeig der Welt den Mittelfinger, liebe dich selbst und alles ist gut! So einfach ist das. Natürlich motiviert das, natürlich kann sich so ziemlich jeder damit identifizieren- aber im Grunde ist es nichts als Müll. Einer der traurigsten Tage war der, als mir das aufgegangen ist. Ich muss so 18 oder 19 gewesen sein, ein neues Album erschien („Dopamin“ war es, um genau zu sein). Da machte es Klick. Irgendwas ist in dem Moment in mir geschehen. Das waren die Onkelz, die Band, die ich so vergöttert habe? Es war auf einmal alles so furchtbar banal. Schlimmer wurde es dann, als mir aufging, das Stephan Weidners Lyrikperlen teils nur stumpfe Entlehnungen (obwohl- ich will ihm nicht zu Nahe treten, ich sage einfach mal „Hommagen“) waren. So beginnt der Onkelz- Song „So geht`s dir (deine Hölle)“ mit den Worten: „Der Tag ist vergangen, wie Tage vergehen. Du hast ihn getötet, hast ihn nichtmal gesehen.“ (Böhse Onkelz- Schwarzes Album. 1993. Text:Weidner). Irgendwann kam dann der Tag, an dem ich Hermann Hesses „Steppenwolf“ las. Harry Hallers Aufzeichnungen beginnen dort mit den Worten: „Der Tag war vergangen, wie eben Tage so vergehen, ich hatte ihn herumgebracht, hatte ihn sanft umgebracht, mit meiner primitiven und schüchternen Art von Lebenskunst(…)“. Das war damals wahrlich ein Tritt in die Eier. Als ich dann noch herausfand, dass die Metapher des vergifteten Pfeils, der den Geist in Bewegung setzt ebenso wie der „Weltraum meiner Seele“ (gerne und häufig auch in Onkelz- Texten verwendet) aus Henry Millers „Sexus“ übernommen wurde, war es endgültig vorbei. So werden Legenden zerstört. Ich habe dann ein paar Jahre gar keine Onkelz mehr gehört. Die CDs (19 Alben besitze ich- immer noch) sind in Kästen verschwunden, so als wolle ich sie verbannen, war wirklich schwer beleidigt. Und alles was mir aus in den Jahren als Onkelz- Zitat in Erinnerung geblieben ist war: „120 auf`m Tacho- ins Nirwana mit Karacho!“ („Immer auf der Suche“- Adios. 2004. Text: Weidner) Denn natürlich musste ich mir das Abschiedsalbum noch kaufen.

Erst in letzter Zeit habe ich dann mal wieder Lust gehabt Onkelz zu hören. Also die alten CDs herausgekramt und in Erinnerungen geschwelgt. Was blieb war ein fader Nachgeschmack. Die Texte haben an Klasse und Wirkung verloren. Sind wirklich so platt, wie ich sie im Gedächtnis behalten habe. Das jedoch, was geblieben ist ist Erkenntnis. Wäre ich der, der ich jetzt bin, hätte ich damals keine Onkelz gehört? Wäre ich ohne sie, dort wo ich bin. So platt es klingt, sie haben tatsächlich Kraft gegeben, haben mir die Arschtritte verpasst, die ich so oft brauchte. Habe mich durch die Schule gebracht, durch Trennungen, mir über den Frust hinweg geholfen. Natürlich kann ich heute nur noch darüber schmunzeln, wie ich damals gedacht habe schon alles zu wissen. Genauso wie ich später einmal darüber lachen werde, was ich heute gedacht habe. Nichtsdestotrotz beschreiben die Onkelz eine nicht unbeachtliche Phase meines Lebens, waren sie doch ein wichtiger Eckpfeiler meiner musikalischen Entwicklung. Ohne die Onkelz hätte ich wohl nicht angefangen Gitarre zu spielen, hätte ich mit meinen Freunden wohl keine Band gegründet.

Heute sind sie leider nichts mehr als Erinnerungen. Schöne Erinnerungen, an Zeiten die, rückblickend, so viel einfacher und befreiter schienen, was sie keineswegs waren.

Erst viel zu spät eigentlich habe ich dann meine Liebe zu Pink Floyd, den Beatles, den Kinks und wie sie alle hießen entdeckt. Ich habe immer Pink Floyd und Hendrix gehört, wenn ich in der Sonne gelegen habe, damit hat es angefangen. Als kurze Phase, wie ich dachte, Sommermusik. Aber dann kam der Herbst. Mangels Plattenspieler habe ich dann angefangen die alten Platten meiner Mutter auf CD nachzukaufen. Als ich diese alle hatte kamen die, die ich noch nicht kannte. Und sie haben sich bei mir eingenistet. Laufen immer noch, und werden es wohl auch noch für lange Zeit tun. Es gibt diese Songs, die sind zeitlos. Warum das so ist, weiß ich nicht. Man hört ihnen an, dass sie in die Jahre gekommen sind, und doch spürt man, dass sie ihrer Zeit voraus waren. Texte über die Liebe und das innere Befinden werden sowieso niemals an Bedeutung und Tragweite verlieren.

Es war so um die Zeit nach dem Abi. Ein Sommer, der dem davor bei weitem nicht das Wasser reichen konnte. 2003 war perfekt, 2003 war mein persönliches Woodstock. Dann jedoch kam 2004. Das Ende der Schulzeit hat mich doch melancholischer gestimmt als ich jemals erwartet hätte. Auf einmal war alles anders. Und dem Punk- Rock von Offspring, Greenday und Co., den ich früher so gerne gehört habe, vor allem da gerade diese beiden Bands 1994 mit ihren Alben „Smash“ und „Dookie“ bekehrt haben (weg vom Eurodancefloor, hin zu den Gitarren!) musste etwas entgegen gesetzt werden, dass zur meiner derzeitigen Stimmung passte. Ich selber war gar nicht bewandert, was ruhigere Musik anging, also fragte ich einen Kumpel, der sich damit schon besser auskannte. Ich wolle etwas ruhiges, sagte ich ihm damals. Eine Band, die fast ausschließlich Balladen spielt.

Er überlegte kurz, dann schlug er mir Sigur Rós vor. Hatte ich noch nie gehört. Eines Tages war ich bei ihm und er präsentierte mir eine weiße CD in einem, ebenfalls weißen, Plastikschuber. „Untitled“ heißt das gute Stück. Er erklärte mir dort würde in einer Fantasiesprache gesungen, die Songs hätten alle keine Titel, dann lieh er sie mir aus.

Ich kann mich noch heute erinnern, was für ein Gefühl es war, als ich das Album zu Hause auflegte. Es ist mir nicht möglich das zu beschreiben, ohne ein kitschiges Vokabular zu verwenden. Wie verzaubert stand ich in meinem Zimmer, als „Untitled 1“ ertönte, sitzen war wirklich nicht mehr möglich, wie in Trance bewegte ich mich und zündete ein paar Kerzen an. Das war wirklich die wundervollste Musik, die ich jemals gehört hatte. Das Ambiente war aber auch perfekt. Es war ein milder Sommerabend, Wind kam durch das offene Fenster, es wurde allmählich dunkel- natürlich war das Zufall, aber rückblickend kann ich sagen, dass es perfekt war um das erste Mal Sigur Rós zu hören. Diese Musik hat irgendwas ganz tief in mir berührt. Irgendwas von dem ich nichtmal wusste, dass es da ist. Das war also meine erste Begegnung mit Post- Rock. Am nächsten Tag habe ich mir das Album gekauft, obwohl ich die CD meines Kumpels noch hätte viel länger behalten können, da er gerade durch Frankreich tourte.

Später folgen dann Múm, Godspeed You! Black Emperor, Explosions in the Sky, Gifts From Enola, Crippled Black Phoenix, God is an Astronaut und zuletzt Evpatoria Report. Alle mit sagenhaften Songs, teilweise sehr ähnlich, doch sie alle schaffen es auf eine gewisse Art mir eine Gänsehaut zu verpassen.

All diese kleinen Geschichten jedoch führen mich immer wieder zu einer ganz bestimmten Frage: Was machen Songs für uns so unvergesslich?

Ich habe eine Menge Songs, beispielsweise „Half Jack“ von den Dresden Dolls, die ich wirklich gerne gehört habe, die ganz großartig sind. Aber nur für eine Weile. Sie laufen rauf und runter, dann hat man sich „satt“ gehört und das war es dann erstmal. Ganz ohne Negativerfahrungen, wie ich sie mit den Onkelz hatte, einfach so ist es aus damit. Dann verschwinden sie eine Weile, tauchen irgendwann wie alte Bekannte wieder auf, man freut sich ein Song noch einmal zu hören, aber er schafft es einfach nicht mehr die Euphorie hervor zu rufen, die man vorher erlebt hat.

Sind es Erinnerungen, die man damit verbindet? Beeinflusst einen ein Song mehr, wenn man eine Geschichte dazu hat, die man damit verbindet? Oder sind es mehr die Gefühle, die er auslöst? Wie essenziell müssen diese Gefühle sein? Unterstützt ein Song kurzzeitig eine Stimmung in der ich bin, reicht er nur für den Augenblick, wohingegen ein Song der etwas tief Verborgenes in mir berührt für immer bei mir bleibt.

Leider gibt es wenige Songs, mit denen ich einzelne Momente verbinden kann, aber wenn, dann bleiben sie auch. Es gibt einen Song, für den Schäme ich mich fast ihn zu mögen, weil er eigentlich gar nicht zu mir passt, aber auch das hat seinen Grund.

Es war während meiner Zivi- Zeit bzw. kurz vor deren Ende. Zivildienst war nicht das richtige für mich, mir ging es psychisch dreckig. Um mal eine kleine Veränderung zu bekommen habe ich eine Freundin besucht, die in Rostock studiert. Wir waren dann abends in einem Club und dort lief „Geht`s dir schon besser?“ von Ich und Ich. Kannte ich vorher nicht, hätte mich auch niemals interessiert. Doch zu dieser Zeit war es, als würde mich das Lied direkt ansprechen und ich fühlte beinahe sowas wie Kraft in mir aufkeimen. Hätte ich diesen Song irgendwann anders gehört, es wäre mir am Arsch vorbei gegangen, er ist ja wirklich nichtmal besonders gut. Doch auch heute ist es noch so, dass ich dann an diesen Augenblick denke und mich darüber freue.

Mag sein, dass man eine persönliche Beziehung zu einem Song braucht, um ihn wirklich zu lieben, eine Beziehung zu einer Band- aus welchen Gründen auch immer. Sie werden dann zu Freunden. In Zeiten in denen man sich einsam fühlt, in denen man das Gefühl hat niemand könne einen verstehen, hat vielleicht nur die Musik die Kraft für einen da zu sein. Einen zu unterstützen und zu stärken.

Nur danach zu hören, wegen welcher technischen Spielereien, welchem Musikhistorischem Wert ein Song seine Klasse erhält halte ich für Grundfalsch. Auch der fortschrittlichste Song aller Zeiten kann scheiße sein, wenn er mich nicht berührt.

Deswegen kann mich auch der Rolling Stone mit seinen ganzen Top- Listen mal ordentlich am Arsch lecken. Und noch eher die Leute, die ihren Musikgeschmack nach diesen Listen richten. Musik ist so viel mehr als das.

Wenn Leute meiner Elterngeneration auf „Sgt. Pepper“ stehen, weil sie dabei ihr erstes Mal hatten, das erste Mal irgendwo im Delirium in einer Ecke gelegen haben oder eine andere schöne Erinnerung damit verbinden, kann ich das verstehen. Wenn mir jemand meines Alters erzählt, er liebt dieses Album, weil es ihn berührt, auch. Wenn mir jemand jedoch weismachen will, die Klasse des Albums liegt darin, dass es die Wende von der Single zum Album bedeutete, kann ich nur den Kopf schütteln und mich fragen, ob man damit wirklich seinen Geschmack rechtfertigen kann.

Vielleicht ist auch das das einzige, wie man die Liebe zu einem Song erklären kann. Es ist ganz einfach eine Geschmackfrage. Sind dann die teils ähnlichen Geschmäcker auf das natürliche Empfinden des Menschen für Ästhetik zurück zu führen?

Vielleicht ist es ja auch wirklich so, dass die Musik die man hört sehr viel über den Charakter aussagt. Ich bin mir sogar sicher, dass man anhand von Songs ganze psychologische Gutachten erstellen könnte.

Es gibt eine Menge Lieder die ich mag, ohne genau sagen zu können, aus welchem Grund. Keine bestimmten Erinnerungen, keine tiefen Berührungen. Eventuell nur die Sehnsucht nach Glück. Ja, das wird es sein. Einige Songs machen mich einfach glücklich. Zaubern ein Lächeln ins Gesicht.

Wahrscheinlich sollte man sich über mehr auch gar keine Gedanken machen. Mir reicht es eigentlich auch. Selbst bei den Songs, die ich nur heute mag.

200 Fragezeichen

Immer wieder frage ich mich: Was sind das eigentlich für Leute, die einen (ein?) Blog über die Entwicklung ihres Kindes eröffnen? Ist das heutzutage eine Eingebung die junge Eltern haben- Das Kind ist da, der (das?) Blog eröffnet? Es ist ja nichtmal die Tatsache, dass man einen (ein?) Blog über sein Kind eröffnet. Dies kann ja durchaus hilfreich sein, wenn sich andere Eltern informieren können, man sich austauschen kann usw. Es sind die kleinen Nuancen, die den Eindruck vermitteln Eltern würden sich geistig zurück entwickeln.

Da grinst das Kindchen mit seinem Bollerkopf von 20000 Fotos, die alle gleich aussehen- einziger unterschied: mal mit Lätzchen, mal ohne, mal mit verschmiertem Mund, mal wird dem Kind eine Sonnenbrille aufgesetzt (am besten mit dem Untertitel „Ich bin ja schon sooooo cool.“). Was um alles in der Welt bewegt einen dazu? Andere Leute bloggen, des Schreibens wegen. Sie mögen es, haben aber keine andere Plattform. Ein Anderer nutzt es zur Präsentation seiner Fotos, Videos, seines Hobbies- was auch immer.

Aber haben Texte in Gugu- Gaga- Form den Anspruch literarisch zu sein? Haben sie überhaupt den Anspruch einen Anspruch auf Literatizität zu hegen? „Soundso wacht in der Nacht immer auf und schläft ewig nicht ein. Aber da hilft…“ kann ich mir noch gut erklären. Aber warum diese Kinderblogs aus Ego- Perspektive? „Heute habe ich meine ersten Schritte gemacht.“, „Die Enten im Park machen mir Angst.“ – ich schnalls nicht. Warum nur?

Möge es mir bitte jemand erklären, der den Sinn verstanden hat.

Gute Nachricht (für Pessimisten)

Manchmal läuft es eben nicht so, wie man es gerne hätte, das ist ja allgemein bekannt. Und ein Unglück kommt auch selten allein. Und wenn sowieso schon eins zum anderen kommt, warum dann nicht auch gleich noch ein Problem mehr? Ich möchte jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber die es aussieht, scheint es, mangels Latein, dieses Semester immer noch nicht mit meiner Linguistik- Zwischenprüfung zu klappen. Dabei war mir im letzten Semester von der freundlichen Dame beim Zwischenprüfungsamt noch zugesichert wurden, dass es klappt, weswegen ich diese ZP noch ein Semester aufgeschoben habe- sonst hätte ich sie auch schon mit den anderen beiden zusammen machen können. Naja, ich werde da morgen einfach noch mal meckern gehen, fraglich nur, ob da irgendwas bei rum kommen wird. Zur Not heißt es dann fleißig Latein kloppen und es Ende des nächsten Semesters dann angehen.

Da waren sie also wieder meine drei Probleme: Keine Wohnung, kein Latein, keine ZP. Als ich eben ein Buch aufschlug, um ein wenig zu lesen stach mir direkt ein Satz ins Auge. „Versuch den Tag zu überstehen, ohne jemanden umzubringen.“ Vielleicht mal wieder viel zu pessimistisch, leider aber auch viel zu häufig wahr. Aber genug gejammert.

Immerhin habe ich es heute nach eineinhalb Stunden Wartezeit in die Sprechstunde meines Dozenten geschafft um das Thema meiner Seminararbeit abzuklären. „Die innere Dramaturgie in Gottfried Benns Gedichtzyklus `Morgue`“ wird es jetzt werden. Ich bin mal gespannt. Schwer ist es mal wieder Sekundärliteratur aufzutreiben, wenn 45 andere Seminarteilnehmer ebenfalls schriftliche Arbeiten über Benn verfassen müssen. Aber vier Werke, deren Titel recht viel versprechend und nützlich klingen, konnte ich mir noch bestellen und sie sollten auch bis spätestens zum 21. in der Bücherei vorliegen.

Und Socken gekauft habe ich heute auch. Soweit ist es schon gekommen. Bekleidungsinhalt im Blog, den ich eigentlich mal inhaltsreich gestalten wollte. Die Misere jedoch, in der ich mich gestern befand, als ich feststellen musste, kaum noch vorzeigbare Socken zu besitzen brachte mich zu einem tollen Reim, der hier zumindest ein wenig Kreativität hineinbringen soll: „Untenrum renne ich in Lumpen rum.“ – Ich finde ja, dass das ganz große Kunst ist.

Ansonsten hat es hier viel geregnet, ich habe eine Menge Kinks gehört, was wohl ab nächsten Montag auch in den Wochencharts seine Wirkung zeigen wird und habe heute, in aller Frühe, als ich mich auf den Weg zur Uni machte, endgültig meine Liebe zum Funk entdeckt.

Soviel vorerst von mir, demnächst wird wieder mehr Inhalt folgen. Einige Notizen und Themen habe ich schon parat, die Zeit war bisher nur zu knapp. Aber es kommt, ganz sicher, vermutlich schon morgen.

Bis dahin wünsche ich eine angenehme Nachtruhe.

Couch- Hopping, Anyone?

Eine lange Zeit bin ich nicht mehr Busgefahren, bin lieber zu Fuß gegangen, empfand das irgendwie als angenehmer. Und als ich heute in die Linie 624 einstieg, wusste ich auch wieder warum. Viel zu voll, viel zu eng, viel zu seltsam. Da stand ein Kerl direkt neben mir, der sah ein wenig aus wie Catweazel. Die Augen weit aufgerissen starrte er durch den Bus. Ich folgte seinen Blicken und erkannte eine Afro- Deutsche/ maximal Pigmentierte/ Negerin (scheiß doch mal auf political correctness hier!) die gerade in der Bibel las. Ist jetzt nicht wirklich dramatisch, aber es scheint mich ja tatsächlich zu verfolgen.

Schnell wandte ich also meinen Blick ab um es zu ignorieren. Waren auch nur ein paar Stationen, dann war ich schon am Ziel. Eine Wohnungsbesichtigung sollte es werden.

Die Lage war wirklich nicht zu bemängeln. Kneipen ohne Ende ringsherum, zwei Supermärkte keine drei Fußminuten entfernt, ein griechisches Restaurant direkt neben dem Eingang. Soweit so gut.

Vor einem großen braunen Tor blieb ich stehen, abgeschlossen. Also auf dem Klingelschild den Namen des Inserenten gesucht, aber nicht gefunden. Irgendwo habe ich dann einfach geklingelt und irgendwer hat mich dann herein gelassen. Ich stand in einem Innenhof und musste erstmal den Eingang suchen. Die Tür stand offen, also ging ich langsam herein. Was ich dann feststellen musste war leider gar nicht so besonders schön. Anscheinend ging im unteren Stockwerk noch ein Eingang zur Küche des Restaurants ab. Dementsprechend auch die Lautstärke- und der Geruch. Nichts gegen griechisches Essen, aber alles vermischt und ununterbrochen muss dann doch nicht unbedingt sein.

Das Treppenhaus selbst war irgendwie… schäbig. Die Wände hätten dringend mal wieder einen neuen Anstrich nötig, das Geländer war aus Holz und sah vor 20 Jahren bestimmt mal klasse aus, bevor jemand es grün lackiert hatte und bevor der Großteil angefangen hatte abzublättern. Langsam stieg ich die Stufen hinauf, die unter meinen Schritten laut knarrten und nicht mehr den stabilsten Eindruck machten.

Vor der Wohnungstür blieb ich stehen. Zögerte. Natürlich ist es immer schwer das Innere einer Wohnung nach dem Treppenhaus zu beurteilen, aber ich ahnte schlimmes. Ich blickte mich noch einmal im Treppenhaus um, atmete tief ein. Großer Fehler. Ich entschied mich, dass die Busfahrt schon genug meiner kostbaren Zeit in Anspruch genommen hatte und war der Meinung, dass ich mir das nicht antun sollte. Auf dem Absatz machte ich kehrt und eilte nach draußen. So sehr die Zeit doch drängt, das muss nun wirklich nicht sein. Dann doch lieber zelten im Hofgarten und außerdem steht morgen auch die nächste Besichtigung an.

Die einzige Frage die bleibt ist, ob es tatsächlich zeitlich noch reicht- aber ich werde mir da ein Beispiel an David nehmen, der seinen Mietvertrag seiner Zeit einen Tag vorher unterschrieben hatte.

Und wieso bleiben die Leute eigentlich immer genau in der Bustür stehen?

Ab jetzt geh ich nur noch zu Fuß oder fahre Bahn. So viel ist sicher.

The London Story

Es zieht mich nach London in letzter Zeit. Nicht einfach so, wie man sich hin und wieder denkt: „Boah, da wär` ich jetzt gerne.“ Nein, ich fühle, dass ich in dieser Stadt sein muss. Noch mal an der Themse entlang laufen, noch mal vor dem Buckingham Palace stehen, durch den Hyde Park schlendern, in einem Pub was trinken. Ein Gefühl, als würde die Stadt nach mir verlangen, mich rufen- London Calling sozusagen.Dabei, (oder gerade deswegen) war ich erst ein Mal da. Und das war super.

Die Ursprünge liegen bei dem Silvester 2001/ 2002, als Dennis und ich, zusammen mit einem Kumpel, spontan (es war der Abend des 30.12.) entschieden hatten via Mitfahrzentrale nach Berlin zu fahren. Hat alles geklappt, war- um es kurz zu machen- ziemlich abgefuckt, aber geil.

Ziemlich genau ein Jahr später war es, dass Dennis` Eltern ihm zum Geburtstag etwas ganz besonderes schenkten. Eine Bustour gen London. Am 31.12 um genau zu sein. Für zwei Personen- Abfahrt am Abend des 30. und zurück dann in der Silvesternacht.

Dennis rief mich an und fragte, soweit ich mich erinnere, recht kurzfristig, ob ich Lust hätte mitzukommen. Natürlich sagte ich ja.

So kam es, dass wir am 30.12. um 20.00 Uhr, im Eisregen, vor dem CineMaxx am Bremer Bahnhof standen und auf den Bus warteten, der uns, und einige andere reisefreudige, einsammeln sollte. Gespannt schauten wir uns um, wer dort noch so stand, rätselten, ob die Frauengruppe oder doch die Raver, oder etwa alle mit uns in den Bus steigen würden.

Wir haben uns mit einem Pärchen unterhalten, vielleicht Ende Zwanzig- aber die wollten woanders hin. Und irgendwann, mit 25 Minuten Verspätung rollte der Bus dann auch vor und wir waren begeistert. Zweistöckig, Tische drin, alles vom Feinsten. Doch gerade als wir einsteigen wollten erfuhren wir, dass dies gar nicht unser Bus war, sondern einer auf dem Weg nach Amsterdam.

Gut, dachten wir uns, dann wird unser ja aber ähnlich aussehen. Und weg waren sie alle: die Frauengruppe, die Raver. Zurück blieben ein paar Verzweifelte, Gelangweilte. Aber auch das konnte uns nicht stören. Auch nicht die Tatsache, dass unser Bus noch einmal 20 Minuten Verspätung hatte. Und erst recht nicht, dass er keine luxuriöse Ausstattung aufweisen konnte. Keine Tische, keine zweite Etage zum schlafen. Ein stinknormaler Reisebus war es.

Dennis, den ganzen Rucksack voller Alkohol und ich, die Tasche gefüllt mit einem Discman und dem neuen Sum41- Album steigen in den Bus. In der letzten Reihe saßen fünf Typen, alle schon jenseits der Schmerzgrenze, sie grölten und wirkten schmutzig. Wir warfen einander einen genervten Blick zu und schauten uns um. Der Bus war schon recht voll. Bremen war der vorletzte Punkt auf seiner Einsammelroute. Also blieb uns nichts andere übrig als uns ganz nach vorne zu setzen. Neben uns ein Pärchen, aber dazu später mehr.

Wir hörten gemeinsam das Sum41- Album („Does This Look Infected“ war es, um genau zu sein), aber nach Nichtmahl einer Stunde wurde es langweilig. Die ganzen seltsamen Leute im Bus, die alle wirkten als würden sie vor irgendetwas auf der Flucht sein. Sie als Kollektiv zu beschreiben ist schwierig, aber irgendwas Seltsames hatten sie alle an sich, so als hätten sich sämtliche Klischees in diesem Bus vereint.

Der Gruppenleiter machte über das Mikro dann noch ein paar Ankündigungen, dann war Ruhe. Dennis und ich fühlten uns fehl am Platz, irgendwie unwohl. Das war dann auch der Grund, warum Dennis zum ersten Mal in seinen Rucksack griff, obwohl der Vorrat eigentlich für Silvester geplant war. Wir stießen mit der Frau neben uns an, die ihren Prosecco schlürfte- und hatten immerhin etwas zu tun.

Letzter Stopp in Deutschland war der Rasthof Münsterland. Langsam rollte der Bus auf einen Parkplatz, auch hier noch Eisregen. Die Türen des Busses öffneten sich mit dem wohlvertrauten Zischen und mit dem Schlachtruf: „Halloooooo Münster!!!“ stürzten Dennis und ich nach draußen und stellten damit sogar die fünfer Gruppe aus der letzten Reihe in den Schatten. Ich weiß noch, dass wir Pinkeln mussten, ich weiß noch dass ich eine Zigarette in dem Blumentopf einer Plastikpflanze im Eingangsbereich ausgedrückt habe. Von da an, bis irgendwann in Belgien ist meine Erinnerung etwas getrübt.

Ein wenig geschlafen habe ich, soweit ich mich entsinne, sogar. Irgendwann wachte ich auf, als ich zärtlich mit einer dünnen Decke zugedeckt wurde. Von der Frau neben uns, die mit dem Freund. Und das ist auch der Punkt, an dem die beiden stärker ins Geschehen treten.

Sie war Polin, und heiß- zumindest im Ranking der Businsassen. So heiß eben, wie man sein kann, wenn einem Goldschmuck vom Körper hängt, man ein knappes Oberteil und eine Leoparden- Leggins trägt. Ihr Mackern war Deutscher und weniger heiß. Kurz nachdem sie mich also zugedeckt hatte, was ja nett gemeint war, nur konnte ich danach nicht mehr weiterschlafen- also habe ich weiter getrunken, hielten wir an um eine Pinkelpause zu machen. Wir kamen dabei mit ihrem Mann ins Gespräch, netter Typ, einen von denen zu dem einen nur die Worte: Voll Korrekt, einfallen. Zum einen, weil er wirklich schwer in Ordnung ist, zum anderen, da er einem zu egal ist, als das man sich weiter darüber Gedanken machen würde.

Seine Frau/ Freundin/ Verlobte war die Queen des Busses. Je mehr jeder dort getrunken hatte, desto öfter musste sie durch die schmalen Gänge rennen, sich hier und dort dazu setzen, anstoßen, sich Anmachen anhören. Was ihr sichtlich gefiel. Ihrem Mann/ Freund/ Verlobten weniger. Irgendwann als ich geschlafen hatte, so erzählte mir Dennis, hatten sich die beiden schon mal gestritten, weil sie wohl einem der Typen weiter hinten eine Gute-Nachtgeschichte erzählt hatte.

Als sie dann irgendwann von einem ihrer Rundgänge zurück kam ging es richtig los. Ich glaube, es sind sogar leise Tränen geflossen. Und die im Bus, die nicht geschlafen haben, haben versucht es zu überhören. Dann wurde es jedoch wieder still und wir erreichten auch schon Frankreich. Von dort aus habe ich noch einem Kumpel eine SMS mit dem Inhalt „Erschieß mich! Ich bin in Frankreich!“ geschrieben, dann ging es auf die Fähre. Raus aus dem Bus, schon mal Geld wechseln. Noch eine Stunde auf See, eine weitere Stunde Fahrt und es war vollbracht.

Nachdem wir Geld gewechselt hatten gab es nur einen logischen Weg. Ab in die Arcade- Halle! Nachdem ich dort mit Lightgun ein wenig Söldner gespielt hatte legten wir auch ab. Und der Alkohol zeigte seine Wirkung. Normalerweise werde ich nicht Seekrank, aber das war zuviel. Mir war elend, ich war am Ende. Immer wieder begleitete mich Dennis nach draußen, wo ich über die Rehling hing und versuchte zu kotzen, aber nicht kotzen konnte. Immer wenn ich dachte es geht wieder und wir wieder drinnen waren, kam ein neuer Schub. Also wieder raus. Der kalte Wind peitsche mir ins Gesicht und ich bete, betete wirklich, dass wir doch gleich endlich Land erreichen.

Als allmählich die Sonne aufging war es auch so weit- das ersehnte Land trat in Sichtweite. So ähnlich müssen sich die großen Pilgerväter gefühlt haben. Und ich hatte es doch tatsächlich ohne zu kotzen überstanden.

Also wieder rein in den Bus. Und dann geschah das was zum Verhängnis werden sollte. Die lange Wartezeit, bis man von der Fähre fahren kann. Leider ließ der Busfahrer die ganze Zeit die Tür offen, noch schlimmer ist das, wenn man direkt neben der Tür sitzt. Fatal wird es, wenn einem sowieso schon elend ist und man dann nichts als Abgase einatmen kann. Das war zu viel. Mein Magen rebellierte. Ich schaffte es gerade noch mitzuteilen, dass ich jetzt kotzen muss, Dennis schrie nach einer Kotztüte, woraufhin der Reiseleiter erklärte sie seien schon alle verbraucht. Also drückte man mir einen gelben Sack in die Hand und ich ballerte los, was das Zeug hielt. Danach ging es mir besser- vorerst.

Kurz nachdem wir die Fähre verlassen hatten fuhr der Bus rechts ran. Da seien Waschräume, erklärte der Reiseleiter, dort könnten wir uns alle frisch machen und Zähneputzen und so weiter. „Und du“, fügte er hinzu indem er mich anblickte. „Kannst den Sack da draußen in den Müll schmeißen.“

Ein wenig beschämt stand ich auf, stieg die Stufen nach draußen und trug meinen Sack die 100 Meter Richtung Mülleimer. Erst als ich die Blicke aus den Autos um mich herum bemerkte konnte ich wieder lächeln. Ich trug den Sack wie eine Trophäe. So als wolle ich sagen: „Ja, ich habe gekotzt. In einen gelben Sack. Und was habt ihr drauf?“ Aber in Wahrheit ging es mir scheiße und ich musste noch eine ganze Weile mit mir kämpfen um den Rest der Fahrt zu überstehen.

Um 9 Uhr morgens, Ortszeit, kamen wir dann in London an. Wieder griff der Reiseleiter zu seinem Mikrofon und stellte uns alle vor eine Entscheidung. Wir könnten jetzt gleich aussteigen oder an einer Stadtrundfahrt teilnehmen. Das würde aber 17 Pfund kosten. Dennis und ich hatten weder die Lust, noch das Geld also stiegen wir aus. Ich mit dem festen Hintergedanken irgendwo eine Tankstelle zu suchen, um dort auf der Toilette zu kotzen, mich frisch zu machen und dann fit zu werden.

Sie setzen uns ab. Elephant and Castle. Wir hatten keine Ahnung wo wir sind und was wir anstellen sollten. Mit uns stiegen nur zwei weitere Leute aus dem Bus aus, die sich zielstrebig entfernten. „Um 2 Uhr heute Nacht ist Treffen. An der Paddington Station.“ Alles klar. Die Türen gingen zu, der Bus fuhr ab, wir waren alleine und fertig. So fertig, dass Dennis seinen Rucksack bewusst gar nicht erst mitgenommen hat. Eine Handynummer des Busfahrers oder des Gruppenleiters hatten wir keine. Und da standen wir. Die wichtigste Frage war erstmal: „Gehen wir nach links oder rechts?“ Wir entschieden uns für rechts, da ich der Meinung war, es würde so aussehen, als könne dort bald eine Tanke kommen.

Aber nichts da. Unser Weg führte uns durch einen widerlichen U- Bahntunnel, mit scheckigen weißen Kacheln und ekelhaftem Gestank. Ich kotze dort in eine Ecke, nicht unbemerkt von vorbeigehenden Passanten und wir gingen weiter. Keine fünf Minuten später erreichten wir das London Eye, sahen den Big Ben und waren endgültig angekommen. Und dann noch das Beste- besser als die Tankstelle, das goldene M leuchtete uns entgegen. Voller Freude eilten wir auf den Eingang zu und mussten feststellen, dass erst um 10 geöffnet wurde. Das waren noch mindestens 40 Minuten. Uns war kalt, wir waren müde, verkatert, und mir obendrein noch immer schlecht. Um uns nicht so kurz vor dem Ziel zu verirren wollten wir in der Nähe bleiben, schlenderten kurz zum Big Ben und wieder zurück, guckten uns ein wenig um, dann wurde es 10. Wir waren die ersten im Laden. Zweistöckig, sowas gab es in Bremen auch nur selten, wir waren beeindruckt. Und als wir dann endlich frühstücken wollten, schon in der Schlange standen rebellierte mein Magen durch Geruch von siedendem Fett und Fleisch erneut. Ich stürmte die Treppen herunter, suchte die Toiletten und ließ das wenige raus, was jetzt noch drin war. Als ich fertig war hatte Dennis mit seinem Menü in der Nähe Platz genommen. Ich setze mich zu ihm, ließ meinen Kopf auf den Tisch sinken und verharrte eine Weile in dieser Position. Dennis hielt sich extra lange an seiner Cola auf. Was nichts daran änderte, dass nach einer Stunde, der Geschäftsführer hin und wieder an uns vorbei schlich und argwöhnisch betrachtete. Das war einer der deprimierendsten Momente meines Lebens. Diese Erniedrigung zu fürchten, aus einem McDonald`s geschmissen zu werden- unbeschreiblich. Zwei oder drei Mal lief ich noch zum würgen auf die Toilette, aber es kam nichts mehr. Nach knapp zwei Stunden entschieden wir uns dann die Lokalität zu wechseln, es wurde wirklich unangenehm.

Nahe des London Eye bemerkten wir dann ein Café, das recht gemütlich aussah. Sie hatten dort einen Fernseher auf dem die Friends liefen. Dennis war schon die ganze Zeit der Meinung gewesen Zucker würde mir helfen, damit es mir wieder besser geht, also bestellte ich einen Cappuccino und kippte so viel Zucker hinein, dass der Löffel hätte stehen können. Doch das war meine Rettung. Ich konnte förmlich spüren, wie sich der Magen entkrampfte, einen robusteren Eindruck machte. Wir bleiben in dem Café sitzen. Dort war es warm, sie hatten Kaffee, es gab einen Fernseher. Da hätten wir es aushalten können. Dann jedoch wurden wir rausgeschmissen. Sie hätten heute tagsüber nur kurz auf, sagten sie würden jetzt für den Abend vorbereiten müssen. Und so gingen wir, hinter uns wurde abgeschlossen, aber wir wussten zumindest schon, wo wir uns ab 21 Uhr aufhalten würden.

Unsere Odyssee führte uns erstmal weiter, endete kurzzeitig in einem wirklich winzigen Starbucks (das erste mal übrigens, dass ich dort einen Kaffee getrunken hatte- damals hat es mich noch begeistert). Also noch einen Kaffee, kurz aufwärmen, wieder 5 Pfund weniger in der Tasche und weiter ging es.

Wir kamen zu einem Markt. Keiner von uns beiden kann heute noch sicher sagen, ob es der Camden Market war, ich kann mich jedoch an keine Bahnfahrt dorthin erinnern. Zumindest habe ich dort einen Keks gegessen. Als Test für meinen Magen- und es ging. Wir sind dann wieder zurück zum London Eye, unter einer Bahnunterführung durch in der Tonnenweise Matratzen und Obdachlose lagen, hatten Angst überfallen zu werden, haben ein Imax- Kino entdeckt und dann eine Post gefunden. Noch mal 50 Euro gewechselt und zurück zum McD am Big Ben. Dort gab es dann meine erste richtige Mahlzeit seit vielen Stunden. Die Übelkeit schwand, die Kopfschmerzen ebenso. Jetzt fühlten wir uns wieder halbwegs normal. Bis auf die Tatsache, das wir vollkommen siffig und müde waren.

Eine ganze Weile haben wir überlegt einfach eine Kirche zu betreten, uns dort auf eine Bank zu legen und zu schlafen- wir waren der Meinung, das sie uns dort ja gar nicht rausschmeißen konnten. Aber ich glaube, auch wenn wir eine gefunden hätten, die nicht von Touristen überflutet gewesen wäre, wir hätten es uns nicht getraut. So haben wir dann Hotels abgeklappert. Hotels mit vergoldeten Lobbies, mit Concierge und allem drum uns dran. Wir standen in den Eingangshallen, sahen uns um, wurden angeblickt- nichtmal angewidert, trotzdem reichten alleine die Blicke, dass wir uns schäbig vorkamen und wieder gingen. In einem einzigen Hotel haben wir auf die Preisliste geguckt- wir hätten es uns nicht leisten können.

Also noch mal zurück zu dem kleinen Starbucks, der uns mittlerweile schon so vertraut war, genau wie die gesamte Umgebung im Umkreis von einem Kilometer um den Big Ben herum.

Danach gingen wir zur Waterloo Station und hatten beiden einen Ohrwurm (ich denke mal, es sollte klar sein, welcher das war) und kauften uns ein Tagesticket für die U- Bahn. Dann ging es los.

Wir sind einfach in die Bahn gestiegen und herum gefahren. Irgendwo sind wir immer angekommen. Wir waren am Trafalgar Square, wir waren am Piccadilly Circus, haben uns im Virgin Megastore über die CD- Preise lustig gemacht, verdammt noch mal, sie haben uns sogar bei Harrods reingelassen, nachdem wir uns kaum an den Türstehern vorbeigetraut haben. Ich habe einen Kugelschreiber für mehrere 1000 Pfund gesehen. Das war der Moment in dem ich es verworfen habe, mir von dort ein Souvenir mitzunehmen.

Wir sind durch den gefrosteten Hydepark geschlendert und haben ein zahmes Eichhörnchen beobachtet, dass sich von einer alten Dame hat füttern lassen, standen wie aus dem Nichts vorm Buckingham Palace. Wir haben es nicht mal beabsichtigt, es war nicht mal stressig, aber wir hatten die Sightseeing- Tour, die andere Leute Wochen vorher planen, es war einfach fantastisch. Lediglich die Tower Bridge und Madame Tussaud` s haben wir versäumt. Wir waren im Souvenirshop des Buckingham Palace und fanden so ziemlich alles dort abgrundtief hässlich. Dann haben wir uns gedacht, einmal um den Palace laufen kann ja nicht so das Ding sein. Eine dreiviertel Stunde haben wir gebraucht. Dann wieder zurück durch den Hyde Park Richtung Hyde Park Corner. Es war schon Nachmittag. An einer Bude haben wir einen Blick auf die Titelseiten diverser Zeitungen geworfen, wir waren nicht mehr Teil dieser Welt, wie waren mittendrin und doch abgeschnitten. Irgendwann, es muss so ziemlich zu der Zeit gewesen sein rief Dennis Mutter an und teilte ihm mit das London wohl eine Terrorwarnung ausgegeben hatte. Ja, die Angst war noch da, die Sache mit den Twin Towers noch nicht lange her.

Wir sind noch ein wenig durch die Gegend gefahren, haben hier und dort gehalten, sind irgendwo herum gelaufen, haben keinen Starbucks ausgelassen und sind dann als es dunkel wurde wieder zur Waterloo Station zurückgekehrt. Noch mal zu Mäckes etwas essen. Dort, auf den mir so vertrauten Toiletten, haben wir uns dann auch für Abends aufgestylt. Das heißt in unserem Fall Wasser ins Gesicht, Deo unter die Arme und speziell für mich, Abdeckstift auf den fetten Pickel, der mir am Tag zuvor gewachsen war.

Unser Café vom Mittag hatte noch nicht wieder auf. Und es war schweinekalt. Direkt vor dem London Eye haben wir uns draußen hingesetzt. Dort gab es diese Heizpalmen, aber auch die haben nicht wirklich geholfen. Trotzdem haben wir dort die Zeit bis 21 Uhr totgeschlagen, haben uns vorher in einer der U- Bahn Stationen noch erkundig, ob unsere Tagestickets auch noch bis 2 Uhr gültig sind- sie waren es.

Um kurz nach neun erreichten wir dann auch unser Ziel. Das Café. Nach Party war uns beiden nicht zumute. Bis auf die halbe Stunde im Bus, hatten wir beide seit über 30 Stunden nicht geschlafen und waren gefühlte 20 Kilometer durch London gelaufen und dann war da ja auch noch dieser Kater. Das Café war vollkommen überfüllt, doch irgendwo in der Ecke stand noch ein Tisch, keine Lampe darüber, etwas abseits. Dieser Platz schien, als hätten sie ihn für uns freigehalten. Er schrie förmlich nach uns. Wir ließen uns nieder. Es herrschte beste Stimmung, alles feierte, tanzte, sangt. Nur Dennis und ich saßen an unserem unbeleuchteten Tisch im Halbdunkel, zitterten vor Müdigkeit und fragten uns, was Aschenbecher wohl auf Englisch heißt, den hatten sie nämlich auf unserem Tisch vergessen (Ashtray war dann auch das erste Wort, was ich im Jahr 2002 nachgeschlagen habe). Was sie nicht vergessen hatten, war das Partykit bestehend aus zwei lustigen Hüten, Tröten, Konfetti und Luftschlangen. Nachdem man uns recht verdutzt anschaute, als wir nur Cola bestellten, setzten wir diesem Abend die Krone auf- und uns die Hüte. Wir tröteten die Tröten und müssen bestimmt das perfekte Bild zum Thema heitere Resignation abgegeben haben. Wir wollten nach Hause. Schlafen, Duschen und einfach aufhören zu frieren.

Um 23 Uhr bekam ich dann eine SMS von meiner Mutter, die mir ein frohes neues Jahr wünschte- sie hatte die Zeitverschiebung vergessen.

Um kurz vor 12 strömte alles aus dem umliegenden Bars nach draußen, zur Themse, mit Blick auf den Big Ben. Also haben auch wir uns aufgemacht. Nach dem Feuerwerk in Berlin im Jahr zuvor haben wir großes erwartet.

Was kam waren drei Raketen. Das war es. Alles klatschte. Frohes neues Jahr, das hatten wir auch geschafft. Dann kam der Helikopter. Vermutlich wegen der hohen Sicherheitsstufe, doch Dennis und ich waren misstrauisch, was Flugobjekte bei Terroralarm anging, ließen den Heli keine Sekunde aus den Augen, gingen in Deckung.

Dann war es Zeit sich auf den Weg zu machen. Leider waren sämtliche U- Bahn Stationen dicht. Bis zur Paddington Station war es ein weiter Weg, den wir außerdem nicht kannten. Also schritten wir bekannte Plätze ab. Am Piccadilly Circus saßen ein paar Punks rum und machten die gleichen punkigen Sachen, die auch deutsche Punks machen. Rumhängen und Bier trinken- von London hatten wir uns mehr erwartet.

Am Trafalgar Square standen schätzungsweise 200 Polizisten, beritten und unberitten, sonst war nicht viel los.

Nach einer Weile fanden wir dann eine offene Station. Erleichtert traten wir ein. Es war erschreckend leer dort, ein paar dubiose Gestalten irrten umher. Immer wieder haben wir uns gesagt: „Es sind nur ein paar Stationen. Es wird schon keinen Anschlag geben.“

Richtig entspannen konnten wir erst, als wir an der Paddington Station ausstiegen. Es war noch Zeit bei Burger King meinen ersten Whopper zu essen und eine Gruppe Reisender aus dem Sauerland kennen zu lernen. Das waren drei komplett durchgeknallte Leute jenseits der Schmerzgrenze. Wir haben uns kurz mit ihnen unterhalten, eines der Mädels hat sich noch Poppers reingezogen, dann kam unser Bus. Die anderen sahen alle so glücklich und entspannt aus, wir konnten es nicht verstehen. Das Pärchen hielt sich in den Armen und war überglücklich.

Der Reiseleiter erzählte noch von zwei Mädels die mitgefahren waren und die den Tag in einer Jugendherberge verbracht hatten um dort zu schlafen, zu duschen und dann abends Party zu machen. Ich weiß, das Dennis das gleiche dachte wie ich, als ich ihn ansah- wir sind verdammte Idioten.

Bis zur Fähre hatte ich Angst, ob es wieder so eine unerträgliche Fahrt werden würde. Direkt im Foyer belegten wir daher zwei Bänke und machten die Augen zu. Als ich sie wieder öffnete tippte mir Dennis auf die Schulter und haufenweise Leute standen um mich herum und sahen mitleidvoll zu mir herab. Aber ich hatte es geschafft. Es war überstanden. Den Großteil der restlichen Fahrt haben wir dann beide geschlafen, kamen irgendwann in den frühen Abendstunden wieder in Bremen an, wo uns Dennis Eltern abholten. Noch schnell die erste Schachtel Kippen zum neuen, höheren Preis erstanden und dann ging es ab ins Bett.

Ich weiß nicht, wie oft ich diese Story bisher schon erzählt habe. Sie gehört zu den Geschichten, die ich wohl nie vergessen werde, weil sie, ähnlich wie das Silvester zuvor in Berlin, einfach nur abgedreht und spontan war. Weil es genau das Gegenteil von dem war, was man normalerweise an Silvester macht, weil es genau deshalb so gut war. Weil es perfekt war, weil es eben nicht perfekt war. Weil man es vermutlich nur wirklich verstehen kann, wenn man dabei gewesen ist.Leider war es vor der Zeit als jeder eine Digicam oder zumindest ein Kamerahandy hatte. Es gibt keine Fotos. Das einzige, was mir noch zur Erinnerung bleibt ist das Tagesticket, der U-Bahnplan und die Tröte aus dem Café. Und genau deshalb möchte ich noch mal hin, will noch mal an die Orte zurück. Will Fotos davon machen. Zum einen um die Erinnerungslücken aufzufüllen, die noch entstehen werden (erstaunlich ist, dass mir noch so vieles im Gedächtnis geblieben ist), zum anderen weil London wie ein Freund geworden ist. Ein alter Freund, den man mal wieder besucht, auf den man sich freut ihn wieder zu sehen um zu gucken, ob er sich verändert hat. Ob er früher anders war. Und dieser alte Freund hat mich anscheinend angerufen um mir zu sagen, dass ich ihm mittlerweile doch sehr fehle. Er fehlt mir auch. Ich werde kommen.

Ameisenstraßen

Manchmal, wenn ich so dasitze, mir die Leute angucke, habe ich das Gefühl in sie hineinschauen zu können, ihr Leben in ihren Gesichtern ablesen zu können. So als würden ihre Fassaden vor mir auseinander brechen.

Gestern war da diese Frau im Hofgarten, die einen Kinderwagen vor sich her schob. Ihr Blick war irgendwie leer und ausgelaugt, so als ob sie der ganzen Welt zeigen will: Schaut mich an! Ich habe ein Kind, der Vater ist weg- und es gefällt mir nicht. Ich bin mit den Nerven am Ende.

Sie setzte sich dann ein paar Meter von mir entfernt auf die Mauer in die Sonne. Mir fiel auf, dass sie den anderen Eltern, die vorbei kamen, immer etwas flehend hinterher sah, besonders, wenn deren Kinder schon etwas größer waren. So als warte sie darauf, dass ihr eigenes endlich laufen und sprechen lerne, um die Last etwas zu verringern.

Mag sein, dass ich mir das alles nur einbilde, ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass ich mir das alles nur einbilde, doch auf solche Gedanken kommt man, wenn man lange Zeit in der Sonne sitzt und die Menschen beobachtet, die vorüber gehen, kurz rasten. Ich mache das gerne, und gestern war so ein Tag. Ich bin früh aufgewacht und hatte nicht sonderlich viel zu tun, außer ein paar Texte zu lesen, aber das kann man ja überall tun. Die Sonne schien, es war angenehme Luft draußen, also bin ich in den Hofgarten gegangen.

Das langweilige an so einem Freitag ist, dass kaum jemand Uni hat, aber es hat mich nicht weiter gestört. Mit lauter Musik auf den Ohren habe ich mir meinen Platz auf der Mauer gesucht und bin dort geblieben. Knappe sechs Stunden, größtenteils alleine. Hin und wieder kam jemand vorbei, den ich kenne- ein wenig Smalltalk und dann wieder zurück zur Musik, hinein in die Beobachtungen. Gelesen habe ich weniger als ich wollte, aber das war okay so.

Solche Tage eignen sich perfekt dazu ein wenig Zeit mit sich selbst zu verbringen, ein wenig nachzudenken, sich selber zu finden. Die Ameisen zu beobachten, die alles Mögliche über die Steine transportieren.

Der Abend gestaltete sich leider als weniger aufschlussreich. Wir wollten an einer Weinprobe teilnehmen, die die Onde veranstaltete. Die Einladung klang auch vorerst ganz nett. Fünf verschiedene Weine, die vorgestellt wurden, sieben Euro Eintritt und dazu noch Snacks- soweit so gut. Erste Zweifel überkamen uns, als wir feststellten, dass dafür die Räumlichkeiten der Katholischen Hochschulgruppe (KHG) benutzt wurden. Der Glaube scheint mich in letzter Zeit zu verfolgen. Erst der Koreaner, dann dieser Ort- und hatte ich eigentlich erwähnt, dass ich auf dem Rückweg von der Uni einen Flyer von der „Wahren Religion“ erhalten habe? – Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Vor dem Eingang zögerten wir kurz; sollten wir diesen Schritt tatsächlich wagen? Mit dem Mut der Verzweiflung, da keine Alternative anstand, einer Scheiß- einfach- Drauf- Attitüde und einem Funken Hoffnung, zumindest sehr bald ordentlich betrunken zu sein, betraten wir das Gebäude, durchquerten die von christlichen Symbolen gesäumten Gänge und gelangten zu dem Raum, in dem die Probe stattfinden sollte.

Der Raum, nicht größer als 30 Quadratmeter, war noch nicht sehr voll. Etwa 15 Personen waren da, einige mit diesem debil- glücklichen Grinsen im Gesicht, eine Person war mir sogar bekannt, umso größer meine Verwunderung.

Sauber angeordnet standen dort die Tische, auf den Tischen einige Weingläser, jeweils eine Karaffe mit Wasser, die wunderschön Themenorientiert mit einer Weinrebe aus Plastik verziert war (kommt der Sarkasmus durch?) und ein Teller auf dem man den Gästen Weintraube- Käse- Spieße kredenzte.

Wir setzten uns nach draußen um rauchen zu können und unterhielten uns darüber, wo wir hier nur gelandet waren, während es drinnen zusehends voller wurde.

Nach einigen Minuten bat man uns doch herein zu kommen, um an der Weinprobe teilnehmen zu können. Einen freien Tisch gab es nicht mehr. Da jedoch alle vorhandenen Gläser schon auf den Tischen zum Einsatz gekommen waren blieb uns nichts anderes übrig, als uns (zu viert wohlgemerkt) zu einem Pärchen an einen Vierertisch zu quetschen. Ich fühlte mich immer noch wie auf einer Kaffeefahrt. Rechnete damit, sie würden uns besoffen machen wollen um dann unsere Gehirne zu waschen.

Dann begann der Ausschank, natürlich nicht ohne standesgemäße Ansprache, gespickt mit schlechten Wortspielen und platten Jokes („Wir haben hier auch ein paar Häppchen, zu deutsch Snacks“- Pause. Wiederholung der Pointe. Ein Brüller!). Wenigstens erfuhren wir, dass an diesem Abend, niemand aus der KHG anwesend war- meine Anspannung lockerte sich ein wenig.

Ich gestehe, wir sind alle kein Weinkenner, ich glaube sogar, niemand der dort war, hatte wirklich Ahnung- uns ging es vornehmlich darum so schnell wie möglich betrunken zu werden. Was durch die äußeren Umstände nur noch verstärkt wurde. Sobald man unsere Gläser gefüllt hatte (im Übrigen viel geringer gefüllt, als vorerst versprochen) prosteten wir einander zu und schütteten das Zeug rein. War auch nicht übel- soweit meine fachkundige Meinung.

Dann jedoch trat eine junge Dame nach vorne und begann mit ihrem Schulreferat. Der Wein stamme aus Italien (war vorher klar), Sandböden (aha aha), irgendwann gab es dort sogar mal ein Erdbeben (Spannung pur- aber was hat das mit der Qualität des Weins zu tun?). Dann erst stießen alle anderen an. Wir warteten auf die zweite Runde. Und warteten und warteten und warteten. Eine halbe Stunde lang passierte nichts. Dann machte es den Anschein, als würde neu entkorkt werden. Und wieder dauerte es. So lange bis wir es nicht mehr aushielten. Die anderen sprangen auf und verließen den Raum. Ich blieb sitzen, brauchte eine Weile es zu verstehen und eilte dann panisch hinterher. Irgendwie hatten wir uns das ganze anders vorgestellt, vielleicht lag es auch wirklich am Ambiente.

Wir gingen dann in eine Cocktailbar. Leider waren draußen alle Plätze belegt, so dass uns nichts anderes übrig blieb hineinzugehen und unter dem Rauchverbot zu leiden. Hoffnung keimte auf als wir sahen, dass wir die Happy Hour erwischt hatten- alle Cocktails zum halben Preis. Eine Bestellung und 15 Minuten später mussten wir dann feststellen, dass nicht nur am Preis, sondern auch am Alkohol gespart wurde. Selbst ein Long Island Ice Tea schmeckte nur nach MezzoMix.

Schon entnervt, aber immer noch in Erwartung etwas ganz Großem, schlürften wir unsere Cocktails und begaben uns dann in eine ehrliche Lokalität, deren Alkoholgehalt in den Getränken uns bestens bekannt ist. Nach ein paar Wodkas war meine Laune dann auch wieder besser. Wir überlegten uns die Wissenschaftsnacht an der Uni zu besuchen. Das was ich von den Vorbereitungen am Nachmittag mitbekommen hatte, ließ auf eine immerhin schöne Atmosphäre hoffen. Auch ein netter Vortrag im Brunnenhof wartete: „Unheimliche Märchen aus Südosteuropa- warum auch nicht?

Der Arkadenhof war wirklich nett hergerichtet, von den Dächern bis zum Boden verliefen große weiße Lakenbahnen, die in verschiedenen Farben beleuchtet wurden. Kata, die wir dort trafen, hat ein paar nette Fotos geschossen.

Leider hielten wir uns zu lange im Arkadenhof auf, so dass wir den Vortrag verpassten. Mir war immer noch nach tanzen zumute, den anderen leider nicht, so ergab es sich, dass alles doch recht früh auseinanderbrach, ich wieder vollkommen entnervt (und betrunken) viel zu früh zu Hause war.

Und während ich noch eine Dokumentation über Görings letzten Kampf sah, schlief ich dann auch ein. Ich habe mir fest vorgenommen, von Ameisen zu träumen, was leider nicht funktionierte.

In Zeiten der Titellosigkeit

Schön ist es immer, zu sehen, wie das Leben langsamer wird, wenn es wirklich warm ist. Man wird träger, gibt zeitweise nur noch ein gequältes Stöhnen als Kommunikationsmittel von sich. An solchen Tagen muss ich immer an den Satz aus „U- Turn“ denken: „Leute, die zu lange in der Wüste sind, drehen irgendwann einfach durch.“ Wenn ich mir dieses Wetter das ganze Jahr hindurch vorstelle, kann ich es verstehen.

Schon um 10 Uhr morgens 27 Grad, das konnte ja nur einen wirklich heißen Tag versprechen. Es wurde dann auch schnell heißer.

Bei diesen Temperaturen einem routinierten Tagesablauf nachzugehen ist auf Dauer unerträglich. Kein Strand in der Nähe, kein Wasser, nur drückende Hitze und nichts als das.

Ich habe, so gut es geht, versucht all das zu erledigen, was ich zu tun hatte- im Seminar habe ich es jedoch nicht länger als 25 Minuten ausgehalten. Eigentlich wollte ich es komplett sausen lassen, einen Fehltermin hätte ich noch gehabt, aber ich wollte es zumindest probieren.

Ich bin froh neben meinem Ventilator zu sitzen, trotzdem gelingt es mir nicht aufzuhören zu schwitzen.

Wieder nur Wettercontent heute, aber selbst die Kaputten und die Irren haben sich heute nicht auf die Straße gewagt.

Allmählich ziehen Wolken auf, ganz unvermittelt. Aber ich glaube, sie hatten auch was von Gewitter gesagt. Dann bin ich mal gespannt. Ein paar Grad könnte es schon runtergehen.

Infotainment

Endlich habe ich auch das erledigt, was ich mir nun schon seit geraumer Zeit vorgenommen habe. Die  Kurzgeschichten mit kleinen Erläuterungen zu versehen. Wer mag, kann sie mitlesen, wem es egal ist, kann es auch ignorieren- einen wichtigen Einfluss auf die Geschichten nimmt es nicht.