Ein kleiner Abschied oder: Pathetisch- Sentimentaler Kitsch

Es ist Zeit Abschied zu nehmen- auch weil das so herrlich pathetisch klingt. Abschied von einer Vertrauten Umgebung, von vertrauten Wegen, von kalkulierbaren Ereignissen- vom Altbekannten. Eine Veränderung steht an, auch wenn es nur ein Umzug ist- und dann auch noch einer in der gleichen Stadt. Veränderungen machen das Leben interessanter, abwechslungsreicher, wer weiß, vielleicht sogar intensiver.

Ich mag keine Veränderungen, bin ein Mensch der seine Routine mag, sie auch in gewisser Weise braucht. Der Gedanke an eine Veränderung treibt mir immer Schauer über den Rücken, auch wenn man sich am Ende dann doch viel schneller an das Neue gewöhnt hat, als man anfangs denkt. Es macht mich nervös und ich kann nicht behaupten kein bisschen Angst davor zu haben. Viele Dinge sind zu erledigen und besonders diesmal kommt es mir stressiger vor, als jemals zu vor- und ich bin wirklich nicht selten umgezogen. Da ging jetzt wirklich so viel durcheinander, dass es mehr als nur ein einzelnes klärendes Gesprächs erfordert hat. Es hätte alles so schön klappen können, mit Wohnungsübernahmen, Vertragsübernahmen usw. aber dann ging doch einiges in die Hose. Da wurde umgezogen, dann wieder nicht, dann wieder nur halb, es wurde hier eine provisorische Lösung vorgeschlagen, dort eine andere. Und so kommt es mir grad vor, als lägen die Nerven aller blank, auch wenn es sich keiner anmerken lässt. Das alles en Detail zu erläutern, wäre zu komplex, zu verworren, als das es ein Außenstehender irgendwie begreifen könnte (oder es ihn interessieren könnte). Aber ich glaube so richtig entspannen kann sich jeder erst, wenn bei jedem alles unter Dach und Fach ist.

Die letzen Tage dieses Monats verbringe ich jetzt zwischen Kartons, 13 Stück sind es bisher, mindestens vier weitere werden noch folgen. Ich habe mich sehr an diese Wohnung gewöhnt, auch wenn es einiges zu bemängeln gibt (oder vielleicht auch gerade deswegen) wird sie mir bestimmt fehlen. Zumindest in der ersten Zeit. Der Spruch „Auf zu neuen Ufern!“ hat für mich momentan viel weniger Kraft und Bedeutung, als er eigentlich haben sollte. Die Zeit in der ich so etwas spannend fand ist wohl vorbei, oder es ist gerade alles ein wenig zu unwirklich, als dass ich einsehen kann, dass es jetzt wirklich passiert. Es ist schon komisch irgendwie. Besonders lange war ich auch nicht hier, dennoch haften eine Menge Erinnerungen in diesen Wänden, die zum Teil vermutlich verschwinden werden, wenn sich die Tür das letzte Mal hinter mir geschlossen hat. (Weil auch das so schön pathetisch klingt). Weil sich alles ändert, wenn sich die Umgebung ändert. Weil sich Menschen durch sie ändern. Vielleicht nicht viel, aber dennoch genug um das Alte verblassen zu lassen. Und da ich pathetisch begonnen habe möchte ich auch ganz pathetisch enden. Die Erinnerungen leben weiter in diesen Wänden, ich lasse ein paar von ihnen hier, streife sie ab und gebe sie weiter. Wer sie nicht haben möchte kann sie einfach überpinseln, doch irgendwo darunter bleiben sie bestehen, bis die Farbe zu bröckeln beginnt und sie zu Neuem erwachen. Vielleicht nicht für mich, sogar ganz bestimmt nicht für mich, aber vielleicht für jemand anderen, für den sie zum Hier und Jetzt werden.

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