Voici L`Idiot oder: Ein kleiner Abschied- Die Actionvariante

In mir keimte schon immer der Verdacht, dass ich ein absoluter Vollidiot sein könnte, heute habe ich es mir endgültig selbst bestätigt indem ich, zwei Tage vor dem Auszug, fast den Balkon abgefackelt hätte. Dabei fing der Tag eigentlich relativ entspannt an…

Nachdem ich heute wieder fleißig gepackt habe bin ich, insbesondere im Abstellraum, auf allerhand Sachen gestoßen, die ich unmöglich mitnehmen möchte, geschweige denn in naher Zukunft auch nur irgendwie besitzen will. Es war eine Menge Kram, den ich einfach auf dem Boden zwischengelagert habe um ihn morgen im Restmüll zu entsorgen. So weit so gut. Aber als es mich dann vor knapp 20 Minuten etwas langweilte und mein Blick auf das knapp 40 cm große Plüsch- Schaf fiel, das mir traurige Augen machte, kam ich auf eine ganz fantastische Idee. Auf dem Balkon steht ein Grill, meine Kamera ist gerade frisch aufgeladen. Wäre ein netter Zeitvertreib mal wieder ein kleines Actionvideo zu drehen. Schaf in Flammen, oder so. Da ich ein regelmäßiger Gucker sämtlicher N24- Dokus bin war mir aber auch klar, dass Plüschtiere gerade was den Brandschutz angeht enormen Kontrollen unterstehen, was wohl dazu führen würde, dass das Ding ein wenig vor sich hin schmoren würde, stinken würde und dann total unspektakulär wieder verlöschen würde. Mit Action hat das wenig zu tun. Aber ein Idiot muss nicht lange überlegen, wie er irgendwas ganz fantastisch abfackeln kann und ihm fällt natürlich auch direkt der halbe Liter Reinigungsbenzin ein, der auch noch im Abstellraum steht.

Jetzt kommt der Don`t try this at home, Kids!- Teil:

Das Schaf also aufrecht im Grill positioniert, reichlich in Benzin getränkt. Das waren die Vorbereitungen. Schnell noch gecheckt ob die Flamme des Feuerzeugs groß genug ist um auf Abstand gehen zu können. Sie war es. Ich hätte es wohl so oder so probiert, aber Streichhölzer waren nicht im Haus. Das Feuerzeug in der Linken, die Kamera in der Rechten schritt ich also auf den Grill zu. Ich weiß, dass ich Marco gegenüber noch meine Überlegung geschildert habe direkt vorher schon mal die Dusche anzustellen, unter die ich gleich flüchten könnte, sollte ich in Flammen stehen. Ich habe es allerdings gelassen. Kamera an, Feuerzeug an und mich langsam auf den Grill zu bewegt. Um es kurz zu machen: das Video wurde gerade einmal drei Sekunden lang, da ich aus Schreck vor der riesigen Stichflamme wohl irgendwie erneut auf den Auslöser gekommen bin. Hier trotzdem die kurze Impression (ich empfehle den Sound aufzudrehen, dann kommt meine Unfähigkeit, vor lauter Aufregung das Feuerzeug nicht anzubekommen und der Zündungssound noch besser):

Ich hab es dann noch gemerkt, wollte die Aufnahme auch fast noch mal neu starten, als mir auffiel mit welchem Zunder das arme Schaf da brannte. Als erstes hab ich mich nur gefragt, was die Nachbarn wohl denken und ob sie eventuell die Feuerwehr rufen würden, denn es erhellte schon ein erhebliches Stück der Umgebung. Dann jedoch fiel mir auf, dass die Flammen über zwei Meter hoch waren und schon am Balkondach züngelten. Das Dach seinerseits ist leider aus diesem Wellplastik- kennt man ja. Da ich in Chemie eigentlich nicht schlecht war- damals zumindest, bevor ich zum Idioten wurde, wusste ich natürlich was mit Plastik passiert wenn Feuer darauf trifft. Zum Glück stand noch mein Putzeimer auf dem Balkon und ich bin darüber sehr froh, denn ich wollte ihn heute Nachmittag schon fast einpacken, so dass ich ihn mir direkt schnappen konnte und damit zwei Schritte ins Bad machen konnte (das erste Mal, dass ich auch wirklich glücklich mit diesem seltsamen Schnitt der Wohnung, den Balkonzugang vom Badezimmer aus zu legen, war). Eimer mit Wasser befüllt, zurück auf den Balkon, Wasser in den Grill. Zugegeben, es waren nur zwei Liter, aber es half gar nichts. Wieder zurück, wieder Wasser rein- auf die vollen 10 Liter wollte ich nicht warten- wieder raus, wieder rüber, wieder keine wirkliche Verbesserung. Aber Minimal war zu erkennen, dass die Flammen nur noch 1, 50 Meter hoch waren. Diesmal den Eimer voller laufen lassen, wieder rüber damit, der Grill schwappte schon über und es wurde ein wenig besser. Immer noch ein Feuer, dass einen Grundschüler beim Kokeln in die Hände klatschen lässt, aber keine Gefahr mehr, dass gleich der ganze Balkon in Flammen steht. Nun konnte ich auch mal einen Blick in die Nachbarschaft riskieren, wo sich die Nachbarn von gegenüber schon im Garten versammelt hatten. „Alles in Ordnung“, rief ich in heiterer Resignation, ich glaube ich habe sogar einen Daumen in die Luft gestreckt. „Ok!“ antworteten sie und zumindest der Mann verschwand wieder um die Ecke und nahm auf der Bank platz. Die Frau blieb noch eine Weile. Hat aber nicht mehr hochgeguckt. Es hat mich dann noch drei oder vier weitere Eimerladungen gekostet bis das Feuer endgültig aus war. Ich hab sogar das Schaf noch einige Male unter Wasser gedrückt um das Risiko eventueller Nachzündungen zu vermeiden- ich glaube das macht man so. Dann erst ist mir aufgegangen wie sehr verbrannte Plüschtiere stinken. Und dass ich mir meinen Daumen ein klein wenig verbrannt habe. Da ist mir aber auch schon schlimmeres beim Abwaschen passiert.

Fazit: Das war eindeutig das Dümmste, was ich in diesem Jahr angestellt habe (bisher), alles stinkt, im Grill und auf dem Balkon schwimmt jetzt eine ekelhafte Brühe und da das Schaf nicht vollkommen verbrannt ist, darf ich jetzt also doch noch mal zur Mülltonne rennen. (Natürlich erst morgen früh. Bis dahin bleibt es noch in seinem Wasserbad liegen.)

Aber das hat das Schaf jetzt davon:

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