Dog Day Afternoon

Da liegt er und schaut mich an. Tut ganz harmlos, mit seinen großen treuen Augen, aber ich erkenne seine innere Bestie. Du willst ein Stück von mir, du Mistvieh? Das kannst du vergessen!

Ich stehe an der Straße. Etwa fünfzig Meter von mir entfernt liegt der Hund. Das ist der Stand der Dinge. Wir blicken einander an, wie bei einem Duell zur Mittagsstunde. Es ist Mittag- vermutlich wissen wir das beide. Das hier ist mehr als nur ein Revierkampf. Das hier ist der Kampf zwischen menschlichem Verstand und tierischem Instinkt. Und ich habe Angst ihn zu verlieren.

Dabei wollte ich eigentlich nur meinen Router abholen. Ich wusste nicht genau wohin ich musste, habe schnell den Stadtplan gecheckt, mir die Route einigermaßen gemerkt, habe auf den Bus verzichtet und bin losgegangen. Einmal zu früh rechts gegangen und habe dadurch einen Umweg gemacht. Nach 45 Minuten Fußmarsch war ich dann jedoch am Ziel und musste feststellen, dass ich die Gegend sogar kenne. Genau genommen bin ich einmal da gewesen, aber das reicht ja in der Regel auch.

Es lag nur noch eine Straße vor mir. Nur eine einzige Straße, an deren Ende mein Ziel lag. Überhaupt kein Problem habe ich mir gedacht- falsch gedacht!

Nichtsahnen schritt ich voran, als ich ihn dort liegen sah. Vor dem Eingang eines Hauses, herrenlos, kettenlos. Eigentlich wäre es mir egal gewesen. Doch dann ist er aufgestanden, kam auf mich zu, hat gebellt- bösartig gebellt. Ich machte ein paar Schritte zurück und er legte sich wieder hin.

Und jetzt steh ich hier. Warte auf meine Chance an ihm vorbei zu kommen. Ich habe Zeit, oh ja, die habe ich. Der Paketshop hat sowieso noch Mittagspause. Ich warte auf Menschen die auch an dem Hund vorbei müssen, ich würde einfach neben ihnen entlanggehen, dann würde sich das Vieh entscheiden müssen, wen von uns es anfällt.

Das Schlimme ist: eigentlich habe ich keine Angst vor Hunden. Da gab es nur diese zwei Erlebnisse in meinem Leben, die mich kritisch wurden ließen. Der kleine Dackel von Bekannten meiner Mutter, der mir mal in die Kniekehle gebissen hat, als ich neun war. Und die beiden großen Hunde vom Bauernhof um die Ecke. Damals, als ich 16 war. Als ich gerade mit dem Fahrrad aus der Schule kam. Als sie hinter mir her liefen. Als einer von ihnen nach meinem Fuß schnappte. Aber sie haben es nicht geschafft. Damals war ich noch jung und schnell.

Aber heute bin ich träge. Im Spurt hätte ich mich nie mit einem Hund messen wollen. Zeig ihm, dass du keine Angst hast, denke ich mir. Aber immer wenn ich ein paar Schritte nach vorne mache und er sich langsam erhebt, ist das alles für den Arsch.

Er weiß, dass er der Chef in dieser Straße ist. Ich kann nichts machen außer weiter zu warten. Dann kommt das Herrchen heraus. Spielt kurz mit dem Hund. Ich nehme meine Chance war. Gehe so schnell es geht, komme bis zum Ende der Straße, hole mein Paket, bleibt nur noch eine Hürde. Der Rückweg. Ich blicke die Straße hinauf und kann den Hund nicht erkennen. Vielleicht ist er drinnen, denke ich mir. Ich scheiß einfach drauf, bereite mich innerlich auf einen Kampf vor, umklammere das Paket fest, bin darauf eingestellt ihn im Zweifelsfall einfach mit dem Router zu erschlagen.

Und da liegt er, ich konnte ihn nicht sehen, halb hinter einer Hecke. Er schaut mich an. Schweiß tritt mir auf die Stirn, ich spüre das Adrenalin. Aber ich gehe ruhig weiter. Er schaut mich an, ich schaue ihn an- vielleicht kann er meinen Schweiß riechen, aber er sieht die Entschlossenheit in meinen Augen. Er steht nicht aus und er bellt auch nicht. Vielleicht war es vor einer halben Stunde auch nur Zufall, dass er bellte.

Als ich um die Ecke biege und mich in Sicherheit wiege, kann ich nur noch darüber lachen. So was bescheuertes aber auch. Eine Situation wie in einem Zeichentrickfilm, wäre das Leben mehr wie Fernsehen hätte ich mir ein Katapult gebaut oder mir Rollschuhe angezogen und mir eine Rakete auf den Rücken geschnallt. Leider ist es nicht ganz so wie im Fernsehen. Aber lustig war es trotzdem.

Advertisements

2 Gedanken zu “Dog Day Afternoon

  1. Wuff! Wuff! Wuff! … Heute war wieder so einer da, der nicht wußte das der Paketladen erst um 14 Uhr seine Mittagspause beendet, da hab ich ihm mal ordentlich Angst gemacht. Wuff ! Wuff ! Der hatte die Hosen gestrichen voll! .. Aber er hat nicht nach Katze gerochen, da hab ich ihn passieren lassen….. Wuff!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s