Archiv für den Monat September 2008

Alt werden in zwei Akten

Alt werden hatten wir hier ja schon mal. Trotzdem ist dies ein Thema, dass einen Dauernd verfolgt. Älter werden ist nun mal ein stetiger Prozess. Damit hängt auch zusammen, dass die geistigen Kapazitäten nachlassen.

Erster Akt

In letzter Zeit ist es mir recht häufig passiert, dass mich Leute grüßten oder ansprachen von den ich hätte schwören können sie noch nie zuvor gesehen zu haben. Gleiches ist mir am Donnerstag passiert, als ich (mal wieder) vor dem Studentensekretariat stand. Es war neun Uhr morgens, ich wartete auf eine Gruppe ausländischer Studenten, die kein Deutsch sprechen um ihnen bei ihrer Einschreibung zur Seite zu stehen.

Auch der Mensch der für den Asta das Uni- Handbuch verteilt war wieder da. Da wir uns schon aus den vergangenen Wochen kannten, als ich ebenfalls dort stand und für die Fachschaft unser Ersti- Heft verteilte unterhielten wir uns als plötzlich eine mir völlig Unbekannte auf mich zu trat. Da sie mich mit einer ungeheuren Selbstverständlichkeit tat, war ich natürlich der Meinung, dass auch ich sie hätte kennen sollen, also spielte ich mit.

„Hast du meine Email bekommen?“ fragte sie. Ich versuchte mich zwanghaft an ihr Gesicht zu erinnern, versuchte heraus zu finden woher wir uns kennen könnten. Als einzige plausible Möglichkeit erschien mir die Tatsache, dass sie ebenfalls Tutorin war, jedoch aus einem der Institute und dass sie mich am Dienstag auf der allgemeinem Begrüßung der Studenten gesehen haben musste.

„Nein“, antwortete ich. „Was denn für eine Email?“

„Na, mit den Links, die ihr euch mal ansehen solltet. Außerdem sollten wir uns vielleicht mal wegen morgen absprechen. Wegen des Treffpunktes.“

Wieder ratterte es in meinem Kopf. Was für Links? Was für ein Treffpunkt? Für Freitag war kein Ausflug vorgesehen. Meinte sie vielleicht den Samstag- den Ausflug zum Drachenfels?

„Ach so“, brachte ich hervor. Sollte sie mich verwechseln, wäre das der Zeitpunkt, an dem sie merken sollte, dass ich keine Ahnung hatte wovon zur Hölle sie sprach. „Also ich habe nichts bekommen“, sagte ich weiter.

Sie nickte nur nachdenklich. „Gut, dann schick` ich dir das einfach noch mal“, sagte sie. Ich warf dem Kerl vom Asta einen Hilfe suchenden Blick zu, er grinste nur.

„Vielleicht sollten wir auch mal Nummern tauschen, um das alles abzuklären“, sagte sie dann wieder.

Das wäre der Zeitpunkt gewesen an dem ich hätte sagen sollen: „Tut mir leid, ich weiß ehrlich gesagt gar nicht wer du bist. Nimm es mir nicht übel, aber kann es sein, dass du mich mit jemandem verwechselst?“

Stattdessen brachte ich nur ein klägliches: „Okay“, hervor.

„Hast du deine Nummer im Kopf?“ fragte sie. Ich nickte und diktierte ihr die Nummer. Sie klingelte mich daraufhin an und ich speicherte ihre Nummer unter Unbekannt 2. Sie wollte gerade zu einem Schwank aus ihrem Leben ansetzen, als ich behauptete ich müsse mal schnell nach oben und nach den Studenten sehen. Ich musste herausfinden, ob ich meine Nummer gerade einer Irren gegeben hatte.

Ich beschrieb die Frau ausführlich den anderen Tutoren, jedoch konnte niemand etwas mit ihr anfangen.

Bisher hat sie sich nicht gemeldet, doch sollte es früher oder später geschehen stehe ich vor zwei Möglichkeiten: entweder ich sage die Wahrheit oder ich spiele noch weiter mit. Das hätte dann etwas von einer Verwechslungskomödie. Das ist zwar immer hoch kompliziert und schon 1000 Mal habe ich mich beim anschauen gefragt, warum die Leute nicht einfach mal Tacheles reden, aber auf der anderen Seite ist es auch verdammt witzig.

Teilweise frage ich mich aber wirklich, ob ich unter Schizophrenie leide und nachts ein zweites Leben führe, von dem ich nichts weiß.

Zweiter Akt

Nachdem ich mich gerade erst einen Tag vorher auf dem Weg nach Hause mit Roman darüber unterhalten hatte trat Mitte dieser Woche im Hofgarten ein Mann auf mich zu, der eine Umfrage bezüglich der Lebens- und Familienplanung für die Uni Bielefeld anstellte.

Ein weiterer Punkt, der mir immer wieder zeigt, dass ich doch schon älter bin, als ich eigentlich immer gedacht habe. Der Fragebogen, 11 Seiten im Umfang, bezog sich teilweise genau auf das, was ich mit Roman besprochen hatte.

Irgendwann, mit 16 oder 17, habe ich mir mal gesagt, dass ich gerne mit 30 Jahren verheiratet wäre. In diesen Jahren sagt man so etwas immer so leicht, es ist ja auch noch eine ganze Weile bis dahin und dann stellt man irgendwann fest, dass man in nicht mal zwei Wochen 25 wird. Da bleiben dann noch fünf Jahre um die Frau fürs Leben zu finden. Fünf Jahre, von denen man auch schon einige mit seiner Partnerin verbracht haben sollte, um wissen zu können, dass sie die Richtige ist- dass man selber der Richtige dafür ist.

Es bleibt jedoch immer die Frage wonach man eigentlich sucht. Die Zeit der Spielereien sollte so langsam mal ein Ende nehmen. Keine Kompromisse mehr. Aber wo hört die Spielerei auf? Sollte man schlicht und einfach seinen Gefühlen trauen oder auch endlich mal beginnen das ganze Leben etwas rationaler zu betrachten? Torschlusspanik mit 25, auch so kann es gehen. Vielleicht sollte man alle seine Pläne und Hoffnungen mal beiseite legen, denn schließlich ist unter Zwang noch nie etwas Gutes entstanden. Und wenn man unter diesem Druck sucht, findet man sowieso nur Unpassendes. Einfach mal alles zu vernachlässigen wäre vermutlich der richtige Weg. Aber irgendwie möchte ich auch gerne meinen Zielen, die ich mir irgendwann einmal gesteckt habe, treu bleiben. Es sind viele Kleinigkeiten, die ohnehin nicht erfüllt werden konnten, sei es aus mangelndem Elan oder aus verschwundenem Interesse an dem, was einem früher von Bedeutung erschien, wenigstens den Eckpfeilern würde ich gerne treu bleiben. Eine gute schulische Ausbildung, weiterführende Ausbildung, ein guter Job, Frau, Kinder, ein Haus bauen, einen Baum pflanzen. Man schaut in den Spiegel und merkt, was für ein Spießer man in seinem tiefsten Innern eigentlich ist. Doch das sind Ziele, die man verwirklichen will. Aber so einfach ist das nun mal alles nicht.

Und so stehe ich diesem Geburtstag gegenüber, wieder ein Jahr älter, wieder hat sich nicht viel geändert. Ich rede mir ein, ein bisschen was erfahren zu haben, was mich vielleicht irgendwann mal zu einem weisen, alten Mann machen kann, aber im Grunde stehe ich immer noch da: ich bin 16 Jahre alt und denke an diese Ziele, denen ich mich im Schneckentempo nähere. Und die Zeit ist gegen uns alle.

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Running up that Hill

Nebel liegt über dem Hofgarten. Dann am Rhein; ebenfalls Nebel, die andere Rheinseite ist nicht zu sehen. Und obwohl es eiskalt ist, wissen wir alle, dass uns ein schöner Tag erwartet. Der Himmel ist klar, die Sonne wärmt.

Wir betreten die Fähre Richtung Königswinter. Zwischen all den Rentnern reißen wir den Altersdurchschnitt ganz schön nach unten. Als wir ablegen ist es noch eisig, die Hände frieren, doch die Fahrt ist angenehm.

Nach knapp einer Stunde legen wir in Königswinter an und beginnen den Aufstieg auf den Drachenfels, hier hat, will man der Nibelungensage glauben schenken, Siegfried den Drachen erschlagen, in dessen Blut er später badete. Wir nehmen den Eselsweg. Dieser ist steil und geht in die Waden. Wir sind alle noch müde. Dennoch ist der Weg viel kürzer als erwartet. Meine täglichen Spaziergänge zahlen sich aus, ich komme als einer der ersten oben an. Es ist bereits warm, der Nebel ist gewichen und wir genießen die Aussicht. Noch ein kleines Stück höher zur Ruine der Burg Drachenfels und es ist vollbracht. Wir verhaaren dort einige Momente und beginnen den Abstieg, besichtigen noch kurz die Nibelungenhalle und kehren dann zum Anleger zurück.

Das ist eine der guten Seiten dieses Tutoriums. Seit ich in Bonn wohne wollte ich schon immer da rauf, habe es bisher jedoch immer aufgeschoben. Man hat ja noch Zeit, man kann es ja morgen noch machen, oder übermorgen, oder eben nächstes Jahr.

Es ist bereits halb drei, die Fähre zurück hat 20 Minuten Verspätung, wir genießen noch ein wenig die Sonne am Anleger und werden Zeuge eines Unfalls, der glücklicherweise jedoch glimpflich ausging.

Die Rückfahrt nach Bonn geht wesentlich schneller und dann trennen sich unsere Wege wieder.

Die erste Woche des Tutoriums ist nun überstanden, nach all den Behördengängen stellte dieser Ausflug ein echtes Highlight dar. In der nächsten Woche schon wird nicht mehr so viel zu tun sein. Alles Organisatorische ist erledigt, jetzt geht es daran den ausländischen Studenten Bonn etwas näher zu bringen, ihnen die Einsamkeit zu nehmen, von der viele von ihnen berichteten, ihnen zu helfen sich ein wenig heimisch hier zu fühlen- so fern das in so kurzer Zeit möglich ist. Der Job macht Spaß, immer wenn man ihre Erleichterten Gesichter sieht, fühlt man sich für einen kurzen Moment wie ein besserer Mensch.

Ende des Sommers

Der Herbst beginnt verhangen und dunkel und zwei Raben machen auf dem Baum gegenüber von meinem Fenster rum.

Wäre da nicht diese Hektik überall auf den Straßen könnte man fast von herbstlicher Idylle sprechen. Mit Blick aus dem Fenster auf dieses diesige Nichts da draußen schlürfe ich in aller Ruhe meinen Kaffee, dann muss ich mich auch beeilen. Den Bus habe ich verpasst, ich bin Spät dran, langsam kommt Hektik auf.

Ich powerwalke durch die Straßen und komme noch halbwegs pünktlich an. Der erste Tag des Tutoriums, die Begrüßung der ausländischen Master- Studenten.

Wir stellen uns alle einander vor, dann füllen wir die Unterlagen zu Anmeldung bei der Stadt aus. Natürlich müssen Behördengänge immer im Klischee enden. Heute war es ein Desaster.

Ich ziehe meine Nummer und warte- noch kein Klischee, denn es dauert nicht lange, dann bin ich dran. Am Schreibtisch vor mir ein bekanntes Gesicht. Die Frau hatte uns vergangene Woche die Anmeldeformulare ausgehändigt.

Die erste Anmeldung läuft einwandfrei, die zweite, nach geringen Einsatz des Gehirns auch. Anmeldung Nummer Drei ist die Hölle.

Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, aber nach 15 Minuten und etlichen Telefongesprächen meinerseits waren wir dann jedoch an dem Punkt angelangt, an dem die Anmeldung für den Herrn aus Bulgarien abgeschlossen war. Dazu muss ich erwähnen, dass er wohl 2005 schon einmal in Deutschland war und in Bremen studiert hat.

Am Ende erklärt die Frau mir: „Aber erinnern sie den Herrn unbedingt daran, dass er sein Visum verlängern muss…“ Ich glaube sie bemerkt meinen fassungslosen Blick. „Der kommt aus Bulgarien“, sage ich ihr. Sie zuckt nur mit den Schultern, in dem Moment weiß ich, dass sie es tatsächlich nicht weiß. „Das ist EU“, erkläre ich. „Der braucht kein Visum.“ Ich will es eigentlich nicht erwähnen, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie sich dessen bewusst ist. Zugegeben, Bulgarien ist noch nicht lange dabei, aber knapp zwei Jahre sind es jetzt schon, ich will gar nicht daran denken, wie vielen diese Frau eventuell schon Panik und sorge bereitet hat. Sie toppt sich dann jedoch noch einmal selber, als sie sagt: „Na, das weiß ich nicht. Prüfen se dat lieber noch mal nach! Aber…dat is auch nich meine Sache.“

Ich bin mir nicht sicher, ob ich lachen oder weinen sollt, es ist auch egal, ich bin fertig, eineinhalb Stunden- endlich raus da.

Später dann noch einigen der Studenten zu ihrer Krankenversicherung verholfen, dann war Feierabend.

Drei Kreuze, wenn diese Woche rum ist, aber es ist leicht verdientes Geld und fördert mein, wie ich erkennen musste, doch sehr eingerostetes, Englisch.

Den Rest des Tages verbringe ich im Cafe und dem Fachschaftsraum, hungrig und miserabel gelaunt.

Nebenbei habe ich bemerkt, dass mich der Herbst schon in seinem Beginn vollkommen gepackt hat, aber dazu werden mit Sicherheit noch ein paar Texte für den geistigen Abfall folgen. Aber es ist ja auch schon länger Herbst, wenn man es sich genau überlegt und schon bald wird er in einen hoffentlich tiefkalten Winter abgleiten. Irgendwie ist mir danach.

„My Undertaker…“ (Da der andere Titel für Verwirrung sorgte)

Kirmes ist doch scheiße. Wenn ich jedoch nur fünf Stunden geschlafen habe, 12 Stunden in der Uni verbracht habe und dann noch ein paar Bier intus habe, bin ich mir dann auch nicht mehr zu schade dafür.

So kam es, dass ich auf meiner Liste der Bonn- Erfahrungen jetzt auch Pützchens Markt streichen kann. Leider waren wir etwas zu spät, so dass wir nur noch die letzten Ausläufer des Abschlussfeuerwerks mitbekommen haben, glücklicherweise aber auch schon so spät, dass der Großteil der Leute sich wohl schon verabschiedet hatte. Auf diese Weise konnten wir uns wenigstens das Gedränge ersparen, konnten rücksichtslos selber einmal die Autoscooter- Proleten sein und um dem ganzen die Krone aufzusetzen haben wir dann auch noch die Geisterbahn mitgenommen.

So viel dazu, wirklich spannend ist das nicht. Das Gute an dieser Art Festivität sind die Betrunkenen, die anschließend mit einem im Bus fahren. Als wir auf die Abfahrt warteten stieg eine junge Frau ein (älter als 20 dürfte sie nicht gewesen sein) und verkündete erstmal, was für eine beschissene Luft doch im Bus sei. Das hatten wir auch schon festgestellt und ist bei einem stark überfüllten Bus nun auch nicht wirklich ein Wunder. Sie wollt darauf hin ein Fenster aufmachen und geriet mit einem Mann, ich schätze mal er war um die 50, in einen kleinen Zwist, woraufhin sie des Öfteren erwähnte, er solle sich doch mit seiner Mutter sexuell vergnügen. Sie selber war, nach eigenen Angaben, die so ziemlich jeder mitbekam, Bürokauffrau im zweiten Lehrjahr. Daraufhin äußerte sich wieder der ältere Herr. Ihn konnte man nicht so gut verstehen, aber da sie sich daraufhin ausgiebig über den Beruf des Bestatters ausließ, gehe ich davon aus, dass dies wohl seine Erwerbstätigkeit darstellte.

Es folgte ein zehnminütiger Monolog. Ich weiß jetzt, dass die Gute sich einäschern lassen will und dann in der Südsee verstreut werden möchte- ist klar.

Denn wie sie so schön sagte: „Bestatter, Alter! Wie kann man denn Bestatter sein? Der findet das wohl geil Tote zu beerdigen. Krank!“ – Dem möchte ich hinzufügen: Sick, Alda! In was für einer Welt leben wir eigentlich? Bestatter, also wirklich.

Damit aber nicht genug, auch im Vorderen des Busses fand eine ähnlich unterhaltsame Freakshow statt. Dort stand, bedingt durch die Fahrgastanzahl, ein fetter Mann genau vor der Einstiegstür, so dass der Busfahrer nicht nach rechts blicken konnte. So kam es, dass der stark überwichtige Herr immer den Verkehr im Auge behalten musste, was er auch gut machte.

„Is frei“, bestätigte er dem Fahrer auf der gesamten Fahrt. Und nach dessen Nachfrage: „Wirklich?“ nickte er und bestätigte seine Feststellung. „Joa…is frei.“

Nächstes Jahr also vielleicht wieder, Kirmes ist, momentan zumindest, von meiner Liste der Veranstaltungen die ich am meisten hasse, gestrichen.

Sadder Day (As Usual)

Prinzipiell hasse ich Menschen ja gar nicht. Aber fangen wir anders an:

Was sind das für Menschen, die samstags im Supermarkt unterwegs sind? Braucht man ein ärztliches Attest darüber, dass man zurückgeblieben ist und das man vorzeigen muss bevor man einen Supermarkt betreten kann?

Mir war gestern etwas langweilig, also entschied ich mich einen kleinen Spaziergang zu machen. Als ich dann sowieso schon mal in der Nähe eines Supermarktes war dachte ich mir, ich könnte auch noch ein paar Besorgungen machen.

Natürlich ist mir bewusst, dass es vielen Leuten am Wochenende nun mal besser passt einen großen Einkauf zu erledigen, als innerhalb der Woche, aber warum zur Hölle muss das immer in einem solchen Chaos enden?

Da rennt man sich gegenseitig unentwegt vor den Füßen herum, da wird gerne einmal der ganze Gang versperrt, da wird einfach mal vollkommen unerwartet stehen geblieben und ins Regal geblickt. Das Beste war noch eine fette Frau, die seltsamerweise alle dieser Dinge gleichzeitig beherrschte. Sie schlich vor mir her, presste ihren monströsen Arsch durch die engsten Korridore und blieb dann unvermittelt stehen. Sie hatte diese ganz bestimmte Art von Augen, diesen Blick aus Müdigkeit und Verwirrung, aus dem man direkt ablesen kann, dass sie komplett verblödet ist. Den Mund halb offen, die Unterlippe hervorstehend, blickte sie stumpf in eines der Regale- nur ein klein wenig Sabber, der heraus floss fehlte eigentlich noch um das Bild zu vervollständigen. Ich wartete geduldig hinter ihr, gleich müsse sie ja merken, dass ich gerne vorbei wollte, würde schon einen Schritt zur Seite tun. Das passierte aber nicht. In solchen Situationen möchte ich meinen Mitmenschen gerne wehtun, da bin ich voll und ganz Choleriker. Gerne würde ich sie einfach ins Regal schubsen, oder ihr meine Tasche ins Gesicht knallen. Dennoch weiß ich, dass sich sowas nicht gehört. Also presste ich mich an ihr vorbei, was natürlich nicht ging, ohne sie etwas unsanft zu berühren (ich glaube meine Tasche knallte gegen ihre Hüfte) und erntete dafür einen Blick, der mir sagen wollte, was mir denn  um alles in der Welt einfallen würde und ob ich nicht noch drei Minuten warten würde. Natürlich immer noch mit diesem dümmlichen Unterton.

Das Elend nahm- leider- an dieser Stelle kein Ende. Wie bei der Operation Neptune kämpfte ich mich vorbei an herrenlos herumstehenden Einkaufswagen die wie Panzersperren positioniert waren, vorbei an orientierungslos herumirrenden Männern die, in einer Mischung aus Planlosigkeit und Hilflosigkeit, zwischen allen Gängen des Marktes gleichzeitig pendelten. Einige von ihnen würden bald völlig überfordert zusammenbrechen und weinend nach einem Sani rufen, nach ihrer Mutter schreien, ihre letzten Gebete sprechen. Das ist nicht ihr Ort, hier haben, auch trotz Jahrzehnten der Emanzipation, die Frauen die Befehlsgewalt. Doch auch sie sind überfordert, vielleicht liegt es am Überangebot.

Ich konnte dem Drang, irgendetwas nach ihnen zu schmeißen, widerstehen, schaffte es mich da durch zu kämpfen, irgendwie ruhig zu bleiben, zumindest äußerlich. Ich schaffte es bis zur Kasse.

Familien, schwule Paare, ich habe nichts gegen sie, doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt widerten auch sie mich an. Vor mir ein Mann der ausnahmslos mit Hartgeld bezahlte. Wieder diese vorgeschobene Unterlippe, wieder dieser degenerierte Blick.

Endlich bezahlt wollte ich nur noch daraus, ging entschlossen auf das Licht zu, aber auch hier wirst du geschnitten, hier rennen sie dir vor die Füße, hier bleiben sie stehen und auf dem Paktplatz wurde ich fast überfahren. Ich bin mir sicher, wenn irgendwann einmal Ameisen die Erde beherrschen, auch wenn es unrealistisch ist, werden wir als erste untergehen. Wir sind zu unorganisiert, wir sollten vor dem Supermarktbesuch unsere Laufwege trainieren.

Irgendwie habe ich es überstanden, habe mir geschworen samstags nie wieder Lebensmittel einzukaufen. Blickte auf dem Parkplatz in das Gesicht eines Mannes, der ähnlich wie ich zu fühlen schien, seine Frau, ein Panzer, mit der Tochter an der Hand, schleppte er einige Tüten zum Auto. Er machte alles richtig, doch die Frau schnauzte ihn an, navigierte ihn vor die Füße eines alten Herrn, schimpfte mit ihrer Tochter. Der Mann schaute mich an, endlich mal kein dümmlicher Blick, doch eine tiefe Resignation lag darin. Er wusste, nächste Woche wird er wieder hier sein, Tüten schleppen, seiner Frau von Regal zu Regal folgen, wie ein kleiner Hund, sie wird ihrer Tochter zurufen, dass diese gefälligst die Finger von den Süßigkeiten lassen soll und wird irgendwem den Weg versperren wenn ihre fetten Finger nach einer Packung Schokoküsse greifen.

Es ist Krieg da draußen, die Fronten sind verhärtet, er wird nicht enden, mach es wie die Schweiz und halte dich raus, nur dann hast du eine Chance.

Uni- Fans

Es ist immer wieder schön, wenn man noch überrascht wird. Besonders mit Dingen, die man sich seit Jahren ausgemalt hat und von denen man erwartet hat sie würden niemals eintreten. Und purlötzlich ist es dann doch soweit- ohne, dass man es darauf angelegt hat.

Mir wurde heute endgültig klar, dass ich zu viel Zeit in der Uni verbringe, als ich dort eingeschlossen wurde. Sprüche wie: „Du wohnst ja schon fast hier“, haben mich immer kalt gelassen. Mittlerweile ärgere ich mich, die Möglichkeit dort zu nächtigen nicht genutzt zu haben.

In der festen Überzeugung die Türen würden in den Semesterferien erst um 20.45 Uhr abgeschlossen, saßen wir im Fachschaftsraum. Es bestand nicht einmal mehr ein besonderer Grund noch länger zu bleiben, wir waren einfach da.

Pünktlich um viertel vor wollten wir das Gebäude dann verlassen und mussten feststellen, dass schon alles abgeschlossen war. Zum Glück war bei der Hausverwaltung noch jemand da, so dass wir nicht aus dem Fenster klettern mussten. Dumme Sprüche mussten wir uns natürlich doch noch anhören. Aber immerhin drei Dinge habe ich lernen können:

in den Semesterferien schließt die Uni bereits um 20.15 Uhr ihre Pforten.

Es wäre wirklich viel zu einfach sich dort einschließen zu lassen.

Der Kleine aus der Hausverwaltung fährt einen ziemlich schicken Sportwagen.

Aus eben diesem rief er uns dann auch noch zu, als er an uns vorbeirauschte. „Und benehmt euch!“ hat er gesagt. Kannste vergessen!

Wenn ich nicht wüsste, dass man dafür exmatrikuliert werden könnte, würde ich gerne mal ein Wochenende im Gebäude verbringen und live vor Ort bloggen. Ich glaube nachts würde man da ziemlich schnell durchdrehen, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass es dort spukt. Aber es wäre eine interessante Vorstellung wahnsinnig zu werden.

„Ja. Ich habe mit Jason Statham nicht nur einen gesoffen.“

Was war ich doch auf Uwe Bolls SciFight gespannt. Hatte damit gerechnet, dass er sich harter Kritik ausgesetzt fühlt und darauf offen antwortet. Schon im Vorfeld war dann klar: um Übersicht zu gewährleisten werden die Fragen von Dr. Boll freigeschaltet, bevor sie erscheinen.

Gut, eines muss man ihm lassen- er hat offen geantwortet, hat sogar ein paar Mal recht gut gekontert. Jedoch hatte ich den Eindruck, dass doch recht selektiv veröffentlicht wurde.

So kam viel Lob an Uwe Boll durch und die Kommentare der „Boll- Hasser“ waren meistens eher flach. Natürlich gibt es auch unter ihnen einige Idioten, das will ich nicht bestreiten, jedoch habe ich in einschlägigen Foren schon recht fundierte Kritik gelesen und bin mir sicher, dass auch diese Leute den Chat verfolgt haben werden.

Leider blieb so auch die erhoffte Diskussion sehr oberflächlich und bestand größtenteils aus einem simplen Frage und Antwort- Spiel. Dinge, die man nicht unbedingt den Regisseur selber fragen muss, sondern auch aus anderen Quellen beziehen kann. So wurde der SciFight zu einem ScInfotainment, was bei mir leider nur einen fahlen Nachgeschmack hinterlassen hat. Die Idee, sich so der Kritik zu stellen, sicherlich gut, auch die Idee der Umsetzung auf diese Art und Weise logisch aber eben nicht das Gelbe von Ei. Bösen Zungen könnten jetzt behaupten: Also genau das, was man von Boll gewohnt ist, aber damit alleine würde man ihm Unrecht tun. Uwe Boll ist kein Künstler, sondern in erster Linie ein Geschäftsmann, das gibt er selber zu. Was er abliefert keine Kunst, sondern ein Produkt.

Sein Konzept: Gutes Marketing, sich die negativen Stimmen zum Vorteil zu machen. So war auch der SciFight wieder eine perfekte PR für den bald anlaufenden Far Cry. Sich durch solche Aktionen im Gesrpäch zu halten hat er drauf, das muss man ihm zugute halten. Aber dann hört es auch leider schon auf.

Ziemlich abrupt endete es dann auch nach knapp 70 Minuten, nachdem wohl die Verbindung in Mainz zusammengebrochen ist. Nach 30 Minuten Wartezeit ging es dann doch weiter, wenn auch nur bis 23 Uhr.

Mit Stolz möchte ich noch erwähnen, dass ich es die ganze Zeit versucht habe durch zu kommen, jedoch leider nicht freigegeben wurde. Letztlich wurde mir dann jedoch das Privileg zuteil die Abschlussfrage stellen zu dürfen- diese war, zugegeben, nicht meine beste, aber Effektiv.

Mit seinem Wilde- Zitat hat er noch einmal sein literaturwissenschaftliches Wissen bewiesen (und auch, dass er weiß, dass immer mit einem Zitat geschlossen werden sollte), jedoch unterstreicht er deutlich, dass es ihm zuallererst ums Geldverdienen geht.

Das alleine ist nun nichts Schlechtes und unumstritten wohl das Ziel aller Filmemacher, wenn es jedoch, wie im Fall Boll, soweit geht, dass im Akkord von einer One- Man- Show produziert wird und die Qualität der Filme darunter leiden muss, geht das doch einen Schritt zu weit.

Auch wenn man jetzt wieder stundenlang über den Kunstbegriff diskutieren könnte, über Ästhetik und Schönheit, möchte ich ebenfalls mit einem Zitat schließen, denn wie Herr Boll sagte, er sehe sich nicht als Künstler, so gibt es auch ein sehr schönes deutsches Sprichwort das besagt: „Kunst kommt von Können.“

Für alle die es interessiert hier das gesamte Transkript des Chats (der Übersicht auf der Startseite wegenhabe ich es mal dem „Geistigen Abfall“ beigefügt).

Summer`s Almost Gone

Und als alle den Sommer schon verloren glaubten kam er nochmal wieder.

Nachdem es heute um 9 Uhr hieß den ersten Gaststudenten zu begrüßen und zum Studentensekretariat zu begleiten, hatte ich Latein für diesen Tag geistig sowieso schon ad acta gelegt. Als dann auch noch blendendes Wetter war bot es sich an, mal wieder den Hofgarten heimzusuchen.

Nicht jedoch ohne vorher in der Mensa gewesen zu sein. Das zweite Mal, dass ich überhaupt da war- innerhalb von drei Jahren. So konnte ich mich dann, auch ohne gelernt zu haben, doch noch ein wenig wie ein Student fühlen. Mir war auch sofort wieder klar, warum ich die Mensa bisher gemieden habe. Zwar konnte man die Qualität des Hähnchens diesmal nicht beklagen, aber eingepfercht zwischen hunderten von Leuten zu essen widert mich einfach an.

Im Hofgarten dann auch das gleiche Bild wie meistens.

Was sind das eigentlich für Leute die sich in großen Gruppen treffen um jonglieren zu üben? Kann man das nicht auch alleine? Wieso jongliert man überhaupt? Und wieso muss man das mit freiem Oberkörper machen und bunte Stoffhosen tagen? Ist ein Zirkus in der Stadt?

Highlight der Gruppe war ein Kerl, der einen Lappen auf seinen Fingerkuppen rotieren ließ- im vollen Lauf. Blöd nur, wenn man dann stolpert, fällt und drei Meter über den Rasen rutscht. Wieder so eine Geschichte bei der man wohl einfach dabei gewesen sein muss. Trotzdem habe ich lange nicht mehr so ausgiebig gelacht.

Des weiteren wurde heute festgestellt, dass der beste Romananfang immer noch aus Max Frischs Stiller stammt und das Romane ohne guten ersten Satz generell scheiße sind.

Where Is My Mind?

In manchen Momenten musst du einfach versuchen die Ruhe zu bewahren, dir nichts anmerken zu lassen, auch wenn du weißt, dass du gerade richtig scheiße baust.

Zieh es einfach durch, lächle und mach es fertig. Es hat schon schlimmeres gegeben. Vielleicht macht es keinen guten Eindruck, aber spätestens übermorgen haben es alle wieder vergessen.

Es ist genauso wie es dir dein Gitarrenlehrer früher erzählt hat: „Und wenn du da oben stehst und dich verspielst“, und dann zwinkert er dir zu. „Spiel einfach weiter.“ Du hast verstanden, denkst du. Du hast verstanden. Und spielst einfach weiter.

Und irgendwann ist dann wieder Sonntag und du erinnerst dich noch einmal daran. Du denkst dir, dass es schon so viele absurde Momente gab, dass du sie kaum noch zählen kannst. Denkst an einen Abend, an dem zwei deiner Freunde sturzbesoffen in einem Garten gekämpft haben, denkst daran, wir ihr fünf Kilometer durch den Schnee gelaufen seit nur um festzustellen, dass der verdammte Club geschlossen hat.

Du überlegst dir, was das Abgedrehteste ist, dass du jemals getan hast- du kommst zu keiner Lösung, wirst aber melancholisch.

Und wenn du dann an Augenblicke denkst, die nur kurze Zeit zurückliegen und die du vielleicht lieber ungeschehen machen würdest, weil du dich jetzt immer noch schämst, merkst wie dein Kopf alleine beim Gedanken daran heiß wird.

Doch dann schießt dir dieser eine Satz, aus diesem einen Film, in den Kopf. Und du möchtest nur lächeln und sagen: „Du hast mich in einer sehr seltsamen Phase meines Lebens getroffen.“

Dem möchte ich hinzufügen: Sie hält noch an.

Dann spielt dieser Song. Und alles ist wieder gut.

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„Unser Skatclub sticht alles“- Gedanken über das Altwerden

Dieser Text könnte auch wunderbar in den „geistigen Abfall“ passen, da will ich ihn allerdings nicht haben.

Das Leben kann manchmal so schrecklich langweilig sein. Das Spannendste in der letzten Woche war da noch, dass ich tatsächlich wieder angefangen habe Skat zu spielen. Das habe ich früher in der Schule zwar schon mal gemacht, hatte es aber schon wieder vollkommen vergessen.

Früher war es auch noch egal, ob man Skat gespielt hat oder nicht. Heute zeigt es mir nur, wie die Zeit dahinrast. Wer in meinem Alter Skat spielt, kann doch nicht mehr ganz normal sein. Denkt man zumindest. Wer Skat spielt ist in der Regel meist alt und hat es nicht geschafft sich eine kleine Residenz im Ausland zu sichern.

Irgendwie haben wir drei mich, wie wir da in dem verqualmten Raum saßen, an die drei Rentner erinnert, die sich immer freitags in der Cafeteria der Uni trafen um eine ordentliche Partie zu spielen. Noch vor einem Jahr haben wir Ähnlichkeiten zu den drei Spielern gesucht und uns vorgestellt, wir könnten es in einigen Jahren sein. Nun haben wir erneut einen enormen Schritt in diese Richtung getan. Sogar soweit, dass ich uns dort schon beinahe selber habe sitzen sehen.

Manchmal denke ich mir: „Scheiß einfach drauf, so ist das eben mit dem Älterwerden. Du überlegst dir ja schließlich auch schon seit Ewigkeiten dir mal einen Chiropraktiker als besten Freund zuzulegen. Und wenn du jetzt einfach richtig ins Spießbürgertum absackst, dann ist das eben so. Du hattest deine Zeit.“

Wenn ich in solchen Momenten dann ich mich hineinsehe und an die Zukunft denke, daran, dass ich noch mindestens eineinhalb Jahre für mein Studium brauche, bis ich überhaupt erstmal etwas „Richtiges“ anfangen kann, wird mir schon ganz übel.

Auf der anderen Seite: wenn ich mich dann umblicke, finde ich immer wieder Leute die noch älter sind als ich.

Vielleicht ist das Älterwerden auch nur eine Illusion. Es gab auch schon Tage, als ich 18 war, an denen ich mich wie 80 gefühlt habe. Vielleicht funktioniert das auch andersrum- nur seltener. Und vielleicht bedeutet alt werden auch gar nicht langweilig zu werden. Vielleicht ist das Skatspielen kein Ausdruck davon, dass wir müde von alldem sind was sonst angeboten wird. Dass es keine Flucht aus einer hektischen Welt ist, die man nicht mehr versteht, sondern eine unbewusst- bewusste Abkehr davon.

Im Endeffekt ist es auch wirklich alles egal, man tut eben das was man tut. Vielleicht kann man diese Erkenntnis aus dem Nihilismus ziehen.

Death Magnetic

Eigentlich habe ich es ja nicht so mit Metallica. Grund dafür, dass jetzt ihr Logo dieses Blog ziert, ich jetzt trotzdem über sie schreibe und ich schon wieder eine News veröffentliche sind die sechs Songs, die seit dem 4.9 vorab auf der Metallica Homepage im Radio laufen. Hinsichtlich dessen, was es dort zu hören gibt, bin ich schon sehr zuversichtlich gestimmt was die Qualität ihres, am 12.9 erscheinenden, 10. Studioalbums betrifft. Death Magnetic heißt es und stellt, nach Beurteilung der bisher hörbaren Songs eine Mischung aus „Load“ und „St. Anger“ dar.

Für mich ein guter, solider Weg, der da bestritten wird. Nicht zu brachial, nicht zu unmelodisch, dennoch mit reichlich Druck dahinter. Klingt nach Spielfreude und macht Lust auf mehr. Ich bin schon auf die Reaktionen der alteingesessenen Fans gespannt. Viel zu bemängeln gibt es in meinen Augen nicht. Die Drums klingen nicht so blechern wie auf St. Anger, die Songs in sich nicht so  weichgespült wie auf „Load“, Kirk Hammet spielt wieder  reichlich Soli- mich als Gelegenheitshörer  dieser Band kann das durchaus überzeugen. Besonders „All Nightmare Long“ und „The Day That Never Comes“ lassen mich überlegen direkt am Freitag in den Plattenladen meines Vertrauens zu gehen und mir das Album zuzulegen. Wäre vielleicht auch mal ein guter Einstieg hier endlich eine Rezension beizusteuern.

Sammelwut?

Jetzt habe ich selber einige Zeit damit geliebäugelt auf Chrome zu wechseln. Nachdem ich jetzt das hier gelesen habe, werde ich es erstmal lassen.

Auch wenn Google die Nutzungsbedingungen mittlerweile geändert hat und dies wohl auch (rückwirkend) die Nutzungsbedingungen in Deutschland betreffen wird.

Im Grunde scheint es der alte Streit zu bleiben, wer- und auf welchem Weg- an möglichst viele Daten herankommt. Und vermutlich sind sie sowieso alle böse. Ich bleibe jedoch erstmal bei Firefox.

Was sie sagen

Wenn sie mir sagen: „Das musst du können“, dann werde ich das nicht in Frage stellen. Genau genommen bleibt mir gar nichts anderes übrig. Ich habe es zu befolgen, muss das Denken abstellen, muss es einfach lernen, es einfach durchziehen. In der Hinsicht muss ich sein wie ein kleiner Soldat, muss den Befehl befolgen. Lernen, Schreiben, Bestehen. In diesen Momenten erinnere ich mich wieder an meine Schulzeit zurück, aber das interessiert auch nicht.

Heute habe ich verschlafen. Ein denkbar schlechter Start.

Sich selber zu motivieren ist meist schwierig, aber da muss ich jetzt durch. Arsch hoch, Bücher auf! Tote Sprachen sollen am Leben gehalten werden- warum, das ist egal. Warum es die Bachelor nicht mehr brauchen erstmal auch. Hier geht es nur um mich. Hier geht es nur darum, was sie mir erzählen, was ich tun muss.

Vielleicht eine Lektion fürs Leben. Man muss auch mal Marionette sein können. Sieh, wie ich an meinen Fäden hänge und tanze!

Uwe wills wissen

Regisseur, Drehbuchautor, Produzent, Literaturwissenschaftler und Boxer. Etliche Debatten habe ich schon über ihn geführt, mit „Fans“ und Kritikern. Oftmals blieb uns nichts anderes übrig, als uns die Frage zu stellen, was an seinen Filmen eigentlich am schlechtesten ist. Jetzt kann er es eventuell selber beantworten.

Eigentlich sind wir ja beinahe Kollegen. Mit dem kleinen Unterschied, dass er bereits promoviert hat und mir damit einige Schritte voraus ist. Vielleicht hätte er in der Literaturwissenschaft bleiben sollen, denn Drehbücher schreiben und Regie führen scheint nicht so sein Ding zu sein.

Anlässlich zu der vielen Kritik, die er immer wieder einstecken musste, lädt  Uwe „The Cinema Machine“ Boll zum Live- Chat. Am 9.9. um 21 Uhr.

Ich gehe mal davon aus, dass er sich eine Menge anhören müssen wird und vermutlich auch nicht gerade  scheu darauf kontert. Könnte durchaus interessant werden.

Ich werde ihn mal fragen, ob er nicht zurück in die heimelige Atmosphäre der Uni kommen möchte. Das würde uns einiges ersparen.

Über Huren schreiben

Die ARD zensiert ein Putin- Interview (dies nur um mal aktuellen Content zu liefern), mein letzter Eintrag hat in meinem Kopf immer noch seine Präsenz, da muss ich obendrein, mehr zufällig als gewollt, auch noch auf folgendes treffen. In den letzten Tagen fällt mir immer mehr auf, wie großzügig die Medien doch ihre Informationen auslegen, um sie in die gewollte Richtung zu lenken. Dies alles vielleicht nur, um das Folgende einigermaßen zu rechtfertigen.

Eine Weile hab ich mir mal überlegt ein Probe- Abo der Emma zu ordern, falls man das als Mann überhaupt bekommt. Sie wirklich zu lesen, Artikel für Artikel und dann darauf Bezug zu nehmen- habe mich jetzt doch dagegen entschieden, ich muss so schon genug scheiße lesen.

Eigentlich würde ich ja gerne für die Emma schreiben, liebend gerne sogar. Hätte auch mal gute Lust einen kleinen Hetzartikel über Männer zu schreiben. Gottverdammt, wir sind aber auch einfach erbärmlich, wie wir unseren niederen Instinkten unterworfen sind, wie wir brutal und vergewaltigend durch die Welt gehen. Zugegeben, eigentlich möchte ich das überhaupt nicht, aber irgendeinen Einstieg muss man ja finden.

Als ich neulich im Bahnhofkiosk die aktuelle Ausgabe der Emma sah, habe ich mich noch darüber aufgeregt Yoko Ono auf dem Titel erblicken zu müssen. Daraufhin habe ich das Magazin sogar in die Hand genommen und darin geblättert. Es hätte ja sein können, dass sich darin, anlässlich Yokos 75. Geburtstags, ein vielschichtiger Artikel befindet. Pustekuchen! Zwar wird darauf eingegangen, dass es viele Leute gibt, die sie, ob ihrer angeblichen Schuld an der Trennung der Beatles, nicht ausstehen können, was jedoch direkt verworfen wird, mit der festen Behauptung, die sei ja gar nicht so. Das war es dann auch schon. Und eigentlich wollte ich diese Berichterstattung auch zum Anlass nehmen mich mal dazu zu äußern. Als ich mich dann heute jedoch ein wenig durch Emma.de geklickt habe fiel mir etwas ganz anderes, und irgendwie beängstigendes, auf.

PorNo! heißt die neue aktuelle Kampagne der Emma gegen Pornographie. Im Dossier dazu hat Frau Schwarzer den wunderschönen Text „Pornografie ist geil…“ verfasst. Darin wird Pornographie nicht nur vollkommen falsch definiert, als bloße Verschränkung von Sex mit Gewalt. Das dies jedoch die Definition einer Unterkategorie ist, nämlich dem sogenannten Toture Porn wird einfach mal verschwiegen.

Weiter geht es um eine durch und durch „pornografisierte Welt“. Wo wir nur hingucken- und das, so wird es auch in den andern Dossiers deutlich, fängt schon beim Unterwäschekauf an- wird die Frau auf ihre Sexualität reduziert, wird zum Opfer des männlichen Triebes, zum Objekt blanker Lust, die letztlich nur durch Gewalt erzielt werden kann, da es Männer angeblich erregt Frauen leiden zu sehen.

Irgendwo im Text heißt es dann:

„(…)und den alltäglichen Fällen vergewaltigender und mordender Männer, die die konsumierten Pornos spiegelgleich im Leben nachstellen(…).“

Spätestens an dieser Stelle spürte ich endgültig einen kleinen Schwall Kotze meine Kehle hinauf kriechen. Es ist die Gleiche Einstellung gegenüber der Medien, die ich schon im letzten Artikel kritisiert habe. Hier wird einem die Fähigkeit zur Abstraktion von Realität und Fiktivem abgesprochen- angeblich einzig und allein deswegen, da das Internet als interaktives Medium und größter Sex- und Pornomarkt (dies wird mit der Häufigkeit von Google- Suchbegriffen belegt!) diese Grenzen verschwimmen ließe. Aber wie ich dazu habe ich mich ja schon ausgiebig geäußert.

Was dem ganzen die Krone aufsetzt- und mich an jeglicher Kompetenz von Frau Schwarzer zweifeln lässt – ist die Tatsache, dass die gute Frau anscheinend nicht einmal Fähig ist halbwegs anständige Recherchen durchzuführen.

„In Amerika tauchten bereits Ende der 70er Jahre die ersten Snuff-Pornos auf, gedreht in Südamerika. Snuffs, das sind Pornofilme, für die Frauen und Kinder real getötet werden. Snuffs werden weiterhin weltweit produziert(…)“ schreibt sie.

Oder sie hat so gut recherchiert, dass sie tatsächlich auf Snuff- Filme gestoßen ist. Was mich wundern würde, denn mir reichte zur Vergewisserung ein einziger Blick in die Wikipedia um mich vom Gegenteil zu überzeugen. Da heißt es: „Bis heute ist kein einziger eindeutig echter Snuff-Film bekannt. Daher wird das Genre oft als moderne Sage bezeichnet.“

Bei dem Film, den Frau Schwarzer in ihrem Text erwähnt, handelt es sich wohl um den Argentinischen Film „El Ángel de la muerte“ (1976), der angebliche Mord darin war nichts weiter als ein (wenn auch geschmackloser) Werbegag.

Hier geht es also mal wieder nicht darum, einen fairen Artikel zu schreiben, sondern einfach seine Meinung, sein persönliches Missfallen gegen irgendetwas, in diesem Falle Pornografie, ins rechte Licht zu rücken. Eine undifferenzierte Weltsicht, Schwarz- Weiß- Denkerei par excellence.

Ich finde es schlichtweg erbärmlich, wenn man versucht seine Leserschaft mit derlei Falschinformationen zu beeinflussen (hierbei versuche ich Frau Schwarzer einfach mal so viel Intelligenz zuzusprechen, dass sie wusste, was sie tat).

Frauen sind Opfer. Opfer der Gesellschaft, Opfer der männlichen Gier. So wird es suggeriert und traurigerweise scheint das auch hin und wieder wohl noch so zu sein. Doch im Grunde, so kommt es mir, zumindest vor, werden einzelne Fälle gerne dazu benutzt einen Kampf weiter zu führen, der im Grunde schon gewonnen ist. Der Feminismus braucht anscheinend immer noch weitere Feindbilder, die ihn daran hindern seinen Sieg zu erkennen. Entweder hat man, oder will einfach nicht, begreifen, dass man am Ziel angelangt ist. Sicherlich gibt es Statistiken, die man heranziehen kann, sicher gibt es auch Dunkelziffern, doch im Großen und Ganzen ist hier nichtmehr ein Feldzug des Feminismus notwendig, sondern ein Feldzug gegen die Gewalt an sich.

Ich habe weiß Gott nichts gegen den Feminismus, aber was hier passiert ist, meiner Meinung nach mehr als nur gegen die

Unterdrückung der Frau zu kämpfen. Es ist Stimmungsmacherei, die mit Fehlinformationen zu ihren Gunsten arbeitet- und in ihrer Intention auch eine Form des Sexismus darstellt. Die Reduzierung des Mannes auf ein treibgesteuertes Wesen. Pornografie per se ist nichts Schlechtes. Die von Frau Schwarzer beschriebene Art der Pornografie auch keine, die ich gutheiße, doch wenn es jemanden interessiert/ erregt, ist der gesetzliche Umgang mit solchen Machwerken hier mehr als gut geregelt. Und die Frage bleibt natürlich immer noch, ob dies wirklich ein Trigger ist, oder nicht doch eventuell ein Puffer. (Denn, und auch das wurde in ihrem Dossier nur einseitig beleuchtet, auch was das betrifft gehen die Expertenmeinungen auseinander.)

Das Beste kann es im Grunde nur sein Frau Schwarzer zu ignorieren, wenn sie auf diese Art und Weise versucht ihre Ansichten durchzusetzen.

Wenigstens eines habe ich in dem Artikel gelernt, so war es nicht bloß Verschwendung kostbarer Lebenszeit. „Pornografie“ kommt aus dem altgriechischen und bedeutet (nach der Wikipedia): „unzüchtige Darstellung“ und (nach Schwarzer): „über Huren schreiben“.