Über Huren schreiben

Die ARD zensiert ein Putin- Interview (dies nur um mal aktuellen Content zu liefern), mein letzter Eintrag hat in meinem Kopf immer noch seine Präsenz, da muss ich obendrein, mehr zufällig als gewollt, auch noch auf folgendes treffen. In den letzten Tagen fällt mir immer mehr auf, wie großzügig die Medien doch ihre Informationen auslegen, um sie in die gewollte Richtung zu lenken. Dies alles vielleicht nur, um das Folgende einigermaßen zu rechtfertigen.

Eine Weile hab ich mir mal überlegt ein Probe- Abo der Emma zu ordern, falls man das als Mann überhaupt bekommt. Sie wirklich zu lesen, Artikel für Artikel und dann darauf Bezug zu nehmen- habe mich jetzt doch dagegen entschieden, ich muss so schon genug scheiße lesen.

Eigentlich würde ich ja gerne für die Emma schreiben, liebend gerne sogar. Hätte auch mal gute Lust einen kleinen Hetzartikel über Männer zu schreiben. Gottverdammt, wir sind aber auch einfach erbärmlich, wie wir unseren niederen Instinkten unterworfen sind, wie wir brutal und vergewaltigend durch die Welt gehen. Zugegeben, eigentlich möchte ich das überhaupt nicht, aber irgendeinen Einstieg muss man ja finden.

Als ich neulich im Bahnhofkiosk die aktuelle Ausgabe der Emma sah, habe ich mich noch darüber aufgeregt Yoko Ono auf dem Titel erblicken zu müssen. Daraufhin habe ich das Magazin sogar in die Hand genommen und darin geblättert. Es hätte ja sein können, dass sich darin, anlässlich Yokos 75. Geburtstags, ein vielschichtiger Artikel befindet. Pustekuchen! Zwar wird darauf eingegangen, dass es viele Leute gibt, die sie, ob ihrer angeblichen Schuld an der Trennung der Beatles, nicht ausstehen können, was jedoch direkt verworfen wird, mit der festen Behauptung, die sei ja gar nicht so. Das war es dann auch schon. Und eigentlich wollte ich diese Berichterstattung auch zum Anlass nehmen mich mal dazu zu äußern. Als ich mich dann heute jedoch ein wenig durch Emma.de geklickt habe fiel mir etwas ganz anderes, und irgendwie beängstigendes, auf.

PorNo! heißt die neue aktuelle Kampagne der Emma gegen Pornographie. Im Dossier dazu hat Frau Schwarzer den wunderschönen Text „Pornografie ist geil…“ verfasst. Darin wird Pornographie nicht nur vollkommen falsch definiert, als bloße Verschränkung von Sex mit Gewalt. Das dies jedoch die Definition einer Unterkategorie ist, nämlich dem sogenannten Toture Porn wird einfach mal verschwiegen.

Weiter geht es um eine durch und durch „pornografisierte Welt“. Wo wir nur hingucken- und das, so wird es auch in den andern Dossiers deutlich, fängt schon beim Unterwäschekauf an- wird die Frau auf ihre Sexualität reduziert, wird zum Opfer des männlichen Triebes, zum Objekt blanker Lust, die letztlich nur durch Gewalt erzielt werden kann, da es Männer angeblich erregt Frauen leiden zu sehen.

Irgendwo im Text heißt es dann:

„(…)und den alltäglichen Fällen vergewaltigender und mordender Männer, die die konsumierten Pornos spiegelgleich im Leben nachstellen(…).“

Spätestens an dieser Stelle spürte ich endgültig einen kleinen Schwall Kotze meine Kehle hinauf kriechen. Es ist die Gleiche Einstellung gegenüber der Medien, die ich schon im letzten Artikel kritisiert habe. Hier wird einem die Fähigkeit zur Abstraktion von Realität und Fiktivem abgesprochen- angeblich einzig und allein deswegen, da das Internet als interaktives Medium und größter Sex- und Pornomarkt (dies wird mit der Häufigkeit von Google- Suchbegriffen belegt!) diese Grenzen verschwimmen ließe. Aber wie ich dazu habe ich mich ja schon ausgiebig geäußert.

Was dem ganzen die Krone aufsetzt- und mich an jeglicher Kompetenz von Frau Schwarzer zweifeln lässt – ist die Tatsache, dass die gute Frau anscheinend nicht einmal Fähig ist halbwegs anständige Recherchen durchzuführen.

„In Amerika tauchten bereits Ende der 70er Jahre die ersten Snuff-Pornos auf, gedreht in Südamerika. Snuffs, das sind Pornofilme, für die Frauen und Kinder real getötet werden. Snuffs werden weiterhin weltweit produziert(…)“ schreibt sie.

Oder sie hat so gut recherchiert, dass sie tatsächlich auf Snuff- Filme gestoßen ist. Was mich wundern würde, denn mir reichte zur Vergewisserung ein einziger Blick in die Wikipedia um mich vom Gegenteil zu überzeugen. Da heißt es: „Bis heute ist kein einziger eindeutig echter Snuff-Film bekannt. Daher wird das Genre oft als moderne Sage bezeichnet.“

Bei dem Film, den Frau Schwarzer in ihrem Text erwähnt, handelt es sich wohl um den Argentinischen Film „El Ángel de la muerte“ (1976), der angebliche Mord darin war nichts weiter als ein (wenn auch geschmackloser) Werbegag.

Hier geht es also mal wieder nicht darum, einen fairen Artikel zu schreiben, sondern einfach seine Meinung, sein persönliches Missfallen gegen irgendetwas, in diesem Falle Pornografie, ins rechte Licht zu rücken. Eine undifferenzierte Weltsicht, Schwarz- Weiß- Denkerei par excellence.

Ich finde es schlichtweg erbärmlich, wenn man versucht seine Leserschaft mit derlei Falschinformationen zu beeinflussen (hierbei versuche ich Frau Schwarzer einfach mal so viel Intelligenz zuzusprechen, dass sie wusste, was sie tat).

Frauen sind Opfer. Opfer der Gesellschaft, Opfer der männlichen Gier. So wird es suggeriert und traurigerweise scheint das auch hin und wieder wohl noch so zu sein. Doch im Grunde, so kommt es mir, zumindest vor, werden einzelne Fälle gerne dazu benutzt einen Kampf weiter zu führen, der im Grunde schon gewonnen ist. Der Feminismus braucht anscheinend immer noch weitere Feindbilder, die ihn daran hindern seinen Sieg zu erkennen. Entweder hat man, oder will einfach nicht, begreifen, dass man am Ziel angelangt ist. Sicherlich gibt es Statistiken, die man heranziehen kann, sicher gibt es auch Dunkelziffern, doch im Großen und Ganzen ist hier nichtmehr ein Feldzug des Feminismus notwendig, sondern ein Feldzug gegen die Gewalt an sich.

Ich habe weiß Gott nichts gegen den Feminismus, aber was hier passiert ist, meiner Meinung nach mehr als nur gegen die

Unterdrückung der Frau zu kämpfen. Es ist Stimmungsmacherei, die mit Fehlinformationen zu ihren Gunsten arbeitet- und in ihrer Intention auch eine Form des Sexismus darstellt. Die Reduzierung des Mannes auf ein treibgesteuertes Wesen. Pornografie per se ist nichts Schlechtes. Die von Frau Schwarzer beschriebene Art der Pornografie auch keine, die ich gutheiße, doch wenn es jemanden interessiert/ erregt, ist der gesetzliche Umgang mit solchen Machwerken hier mehr als gut geregelt. Und die Frage bleibt natürlich immer noch, ob dies wirklich ein Trigger ist, oder nicht doch eventuell ein Puffer. (Denn, und auch das wurde in ihrem Dossier nur einseitig beleuchtet, auch was das betrifft gehen die Expertenmeinungen auseinander.)

Das Beste kann es im Grunde nur sein Frau Schwarzer zu ignorieren, wenn sie auf diese Art und Weise versucht ihre Ansichten durchzusetzen.

Wenigstens eines habe ich in dem Artikel gelernt, so war es nicht bloß Verschwendung kostbarer Lebenszeit. „Pornografie“ kommt aus dem altgriechischen und bedeutet (nach der Wikipedia): „unzüchtige Darstellung“ und (nach Schwarzer): „über Huren schreiben“.


Advertisements

Ein Gedanke zu “Über Huren schreiben

  1. „Frau wird …zum Objekt blanker Lust, die letztlich nur durch Gewalt erzielt werden kann, da es Männer angeblich erregt Frauen leiden zu sehen.“

    Ja. Tut es. Manche zumindest. Und es gibt Frauen die drauf stehen. UND es gibt Frauen die es erregt, Männer leiden zu sehen und Männer die DARAUF stehen. So what.

    Je öfter die Frau in dieses Klischeebild der aufgezwungenen Sexualität gesteckt wird, desto präsenter bleibt es doch – und das sollten doch grade Feministinnen zu vermeiden suchen. Wie wäre es mit einem aktiven und positiven Gegenentwurf weiblicher Sexualität, Frau Schwarzer, möchte man da fragen, statt laut schreiend auf veralteten Zuständen rumzuspringen.

    Und ich sehe das so: Die Frauen und Mädchen von heute haben sich entweder schon ganz gut alleine davon emanzipiert als reines Lustobjekt wahrgenommen zu werden, oder aber sie wissen, wie sie genau das einsetzen können, um (bei Männern) an ihr Ziel zu kommen. Unsere Gesellschaft hält beide Möglichkeiten und alle Zwischenformen offen. Also, viel Lärm um nichts, was die Emma da produziert hat.

    Feminismus generell bzw. Emanzipation sehe ich leider noch nicht ganz als „angekommen“, da seriöse Studien immernoch nachweisen, wie viel weniger Frauen als Männer in vergleichbaren beruflichen Positionen an Gehalt bekommen.

    Grüßlis,
    Moni

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s