„Unser Skatclub sticht alles“- Gedanken über das Altwerden

Dieser Text könnte auch wunderbar in den „geistigen Abfall“ passen, da will ich ihn allerdings nicht haben.

Das Leben kann manchmal so schrecklich langweilig sein. Das Spannendste in der letzten Woche war da noch, dass ich tatsächlich wieder angefangen habe Skat zu spielen. Das habe ich früher in der Schule zwar schon mal gemacht, hatte es aber schon wieder vollkommen vergessen.

Früher war es auch noch egal, ob man Skat gespielt hat oder nicht. Heute zeigt es mir nur, wie die Zeit dahinrast. Wer in meinem Alter Skat spielt, kann doch nicht mehr ganz normal sein. Denkt man zumindest. Wer Skat spielt ist in der Regel meist alt und hat es nicht geschafft sich eine kleine Residenz im Ausland zu sichern.

Irgendwie haben wir drei mich, wie wir da in dem verqualmten Raum saßen, an die drei Rentner erinnert, die sich immer freitags in der Cafeteria der Uni trafen um eine ordentliche Partie zu spielen. Noch vor einem Jahr haben wir Ähnlichkeiten zu den drei Spielern gesucht und uns vorgestellt, wir könnten es in einigen Jahren sein. Nun haben wir erneut einen enormen Schritt in diese Richtung getan. Sogar soweit, dass ich uns dort schon beinahe selber habe sitzen sehen.

Manchmal denke ich mir: „Scheiß einfach drauf, so ist das eben mit dem Älterwerden. Du überlegst dir ja schließlich auch schon seit Ewigkeiten dir mal einen Chiropraktiker als besten Freund zuzulegen. Und wenn du jetzt einfach richtig ins Spießbürgertum absackst, dann ist das eben so. Du hattest deine Zeit.“

Wenn ich in solchen Momenten dann ich mich hineinsehe und an die Zukunft denke, daran, dass ich noch mindestens eineinhalb Jahre für mein Studium brauche, bis ich überhaupt erstmal etwas „Richtiges“ anfangen kann, wird mir schon ganz übel.

Auf der anderen Seite: wenn ich mich dann umblicke, finde ich immer wieder Leute die noch älter sind als ich.

Vielleicht ist das Älterwerden auch nur eine Illusion. Es gab auch schon Tage, als ich 18 war, an denen ich mich wie 80 gefühlt habe. Vielleicht funktioniert das auch andersrum- nur seltener. Und vielleicht bedeutet alt werden auch gar nicht langweilig zu werden. Vielleicht ist das Skatspielen kein Ausdruck davon, dass wir müde von alldem sind was sonst angeboten wird. Dass es keine Flucht aus einer hektischen Welt ist, die man nicht mehr versteht, sondern eine unbewusst- bewusste Abkehr davon.

Im Endeffekt ist es auch wirklich alles egal, man tut eben das was man tut. Vielleicht kann man diese Erkenntnis aus dem Nihilismus ziehen.

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3 Gedanken zu “„Unser Skatclub sticht alles“- Gedanken über das Altwerden

  1. Sarah Kane hat mal gesagt, der Nihilismus sei die modernste Form der Romantik, also bist du nen Romantiker?

    Schöner Text nebenbei bemerkt.

    (Ich musste auch an Rentne in ner Eckkneipe denken, nächstes Mal bring ich Korn mit ;) )

  2. Aus meiner Sicht ist das mit dem Skat spielen etwas anders. Vielmehr als ein Zeichen das man alt ist, ist es doch ein inneres Gefühl das durch das Skat spielen befriedigt wird und es ist sehr schön zu sehen das Menschen auch im hohen Alter noch dieses Gefühl empfinden und stillen wollen. Den Spieltrieb eines Kindes ;), denn Skat ist ja keinesfalls ein Ritual das einem das „Alt sein“ vor Augen führt, vielmehr ist es eine der vielen Möglichkeiten sein Gehirn und seine Denkfähigkeit geschmeidig und jung zu halten. Also Kopf hoch kleiner ;)

  3. @Clara: Danke. :)

    @Marco: Ja, genau das hatte ich mir gestern auch schon überlegt. Im Prinzip ist das Spielen schon etwas Kindliches. Obwohl man im Alter sicherlich mit einer anderen Strategie spielt- auch wenn man vielleicht auf das selbe Ziel hinarbeitet, sind die Prozesse dabei andere.
    Mal abgesehen davon sieht man jedoch selten 10 Jährige Skat spielen, was automatisch diese Assoziationen hervorruft. Und wenn man dann drüber nachdenkt fühlt man sich verdammt alt und langweilig. ;)

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