Sadder Day (As Usual)

Prinzipiell hasse ich Menschen ja gar nicht. Aber fangen wir anders an:

Was sind das für Menschen, die samstags im Supermarkt unterwegs sind? Braucht man ein ärztliches Attest darüber, dass man zurückgeblieben ist und das man vorzeigen muss bevor man einen Supermarkt betreten kann?

Mir war gestern etwas langweilig, also entschied ich mich einen kleinen Spaziergang zu machen. Als ich dann sowieso schon mal in der Nähe eines Supermarktes war dachte ich mir, ich könnte auch noch ein paar Besorgungen machen.

Natürlich ist mir bewusst, dass es vielen Leuten am Wochenende nun mal besser passt einen großen Einkauf zu erledigen, als innerhalb der Woche, aber warum zur Hölle muss das immer in einem solchen Chaos enden?

Da rennt man sich gegenseitig unentwegt vor den Füßen herum, da wird gerne einmal der ganze Gang versperrt, da wird einfach mal vollkommen unerwartet stehen geblieben und ins Regal geblickt. Das Beste war noch eine fette Frau, die seltsamerweise alle dieser Dinge gleichzeitig beherrschte. Sie schlich vor mir her, presste ihren monströsen Arsch durch die engsten Korridore und blieb dann unvermittelt stehen. Sie hatte diese ganz bestimmte Art von Augen, diesen Blick aus Müdigkeit und Verwirrung, aus dem man direkt ablesen kann, dass sie komplett verblödet ist. Den Mund halb offen, die Unterlippe hervorstehend, blickte sie stumpf in eines der Regale- nur ein klein wenig Sabber, der heraus floss fehlte eigentlich noch um das Bild zu vervollständigen. Ich wartete geduldig hinter ihr, gleich müsse sie ja merken, dass ich gerne vorbei wollte, würde schon einen Schritt zur Seite tun. Das passierte aber nicht. In solchen Situationen möchte ich meinen Mitmenschen gerne wehtun, da bin ich voll und ganz Choleriker. Gerne würde ich sie einfach ins Regal schubsen, oder ihr meine Tasche ins Gesicht knallen. Dennoch weiß ich, dass sich sowas nicht gehört. Also presste ich mich an ihr vorbei, was natürlich nicht ging, ohne sie etwas unsanft zu berühren (ich glaube meine Tasche knallte gegen ihre Hüfte) und erntete dafür einen Blick, der mir sagen wollte, was mir denn  um alles in der Welt einfallen würde und ob ich nicht noch drei Minuten warten würde. Natürlich immer noch mit diesem dümmlichen Unterton.

Das Elend nahm- leider- an dieser Stelle kein Ende. Wie bei der Operation Neptune kämpfte ich mich vorbei an herrenlos herumstehenden Einkaufswagen die wie Panzersperren positioniert waren, vorbei an orientierungslos herumirrenden Männern die, in einer Mischung aus Planlosigkeit und Hilflosigkeit, zwischen allen Gängen des Marktes gleichzeitig pendelten. Einige von ihnen würden bald völlig überfordert zusammenbrechen und weinend nach einem Sani rufen, nach ihrer Mutter schreien, ihre letzten Gebete sprechen. Das ist nicht ihr Ort, hier haben, auch trotz Jahrzehnten der Emanzipation, die Frauen die Befehlsgewalt. Doch auch sie sind überfordert, vielleicht liegt es am Überangebot.

Ich konnte dem Drang, irgendetwas nach ihnen zu schmeißen, widerstehen, schaffte es mich da durch zu kämpfen, irgendwie ruhig zu bleiben, zumindest äußerlich. Ich schaffte es bis zur Kasse.

Familien, schwule Paare, ich habe nichts gegen sie, doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt widerten auch sie mich an. Vor mir ein Mann der ausnahmslos mit Hartgeld bezahlte. Wieder diese vorgeschobene Unterlippe, wieder dieser degenerierte Blick.

Endlich bezahlt wollte ich nur noch daraus, ging entschlossen auf das Licht zu, aber auch hier wirst du geschnitten, hier rennen sie dir vor die Füße, hier bleiben sie stehen und auf dem Paktplatz wurde ich fast überfahren. Ich bin mir sicher, wenn irgendwann einmal Ameisen die Erde beherrschen, auch wenn es unrealistisch ist, werden wir als erste untergehen. Wir sind zu unorganisiert, wir sollten vor dem Supermarktbesuch unsere Laufwege trainieren.

Irgendwie habe ich es überstanden, habe mir geschworen samstags nie wieder Lebensmittel einzukaufen. Blickte auf dem Parkplatz in das Gesicht eines Mannes, der ähnlich wie ich zu fühlen schien, seine Frau, ein Panzer, mit der Tochter an der Hand, schleppte er einige Tüten zum Auto. Er machte alles richtig, doch die Frau schnauzte ihn an, navigierte ihn vor die Füße eines alten Herrn, schimpfte mit ihrer Tochter. Der Mann schaute mich an, endlich mal kein dümmlicher Blick, doch eine tiefe Resignation lag darin. Er wusste, nächste Woche wird er wieder hier sein, Tüten schleppen, seiner Frau von Regal zu Regal folgen, wie ein kleiner Hund, sie wird ihrer Tochter zurufen, dass diese gefälligst die Finger von den Süßigkeiten lassen soll und wird irgendwem den Weg versperren wenn ihre fetten Finger nach einer Packung Schokoküsse greifen.

Es ist Krieg da draußen, die Fronten sind verhärtet, er wird nicht enden, mach es wie die Schweiz und halte dich raus, nur dann hast du eine Chance.

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