Ende des Sommers

Der Herbst beginnt verhangen und dunkel und zwei Raben machen auf dem Baum gegenüber von meinem Fenster rum.

Wäre da nicht diese Hektik überall auf den Straßen könnte man fast von herbstlicher Idylle sprechen. Mit Blick aus dem Fenster auf dieses diesige Nichts da draußen schlürfe ich in aller Ruhe meinen Kaffee, dann muss ich mich auch beeilen. Den Bus habe ich verpasst, ich bin Spät dran, langsam kommt Hektik auf.

Ich powerwalke durch die Straßen und komme noch halbwegs pünktlich an. Der erste Tag des Tutoriums, die Begrüßung der ausländischen Master- Studenten.

Wir stellen uns alle einander vor, dann füllen wir die Unterlagen zu Anmeldung bei der Stadt aus. Natürlich müssen Behördengänge immer im Klischee enden. Heute war es ein Desaster.

Ich ziehe meine Nummer und warte- noch kein Klischee, denn es dauert nicht lange, dann bin ich dran. Am Schreibtisch vor mir ein bekanntes Gesicht. Die Frau hatte uns vergangene Woche die Anmeldeformulare ausgehändigt.

Die erste Anmeldung läuft einwandfrei, die zweite, nach geringen Einsatz des Gehirns auch. Anmeldung Nummer Drei ist die Hölle.

Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, aber nach 15 Minuten und etlichen Telefongesprächen meinerseits waren wir dann jedoch an dem Punkt angelangt, an dem die Anmeldung für den Herrn aus Bulgarien abgeschlossen war. Dazu muss ich erwähnen, dass er wohl 2005 schon einmal in Deutschland war und in Bremen studiert hat.

Am Ende erklärt die Frau mir: „Aber erinnern sie den Herrn unbedingt daran, dass er sein Visum verlängern muss…“ Ich glaube sie bemerkt meinen fassungslosen Blick. „Der kommt aus Bulgarien“, sage ich ihr. Sie zuckt nur mit den Schultern, in dem Moment weiß ich, dass sie es tatsächlich nicht weiß. „Das ist EU“, erkläre ich. „Der braucht kein Visum.“ Ich will es eigentlich nicht erwähnen, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie sich dessen bewusst ist. Zugegeben, Bulgarien ist noch nicht lange dabei, aber knapp zwei Jahre sind es jetzt schon, ich will gar nicht daran denken, wie vielen diese Frau eventuell schon Panik und sorge bereitet hat. Sie toppt sich dann jedoch noch einmal selber, als sie sagt: „Na, das weiß ich nicht. Prüfen se dat lieber noch mal nach! Aber…dat is auch nich meine Sache.“

Ich bin mir nicht sicher, ob ich lachen oder weinen sollt, es ist auch egal, ich bin fertig, eineinhalb Stunden- endlich raus da.

Später dann noch einigen der Studenten zu ihrer Krankenversicherung verholfen, dann war Feierabend.

Drei Kreuze, wenn diese Woche rum ist, aber es ist leicht verdientes Geld und fördert mein, wie ich erkennen musste, doch sehr eingerostetes, Englisch.

Den Rest des Tages verbringe ich im Cafe und dem Fachschaftsraum, hungrig und miserabel gelaunt.

Nebenbei habe ich bemerkt, dass mich der Herbst schon in seinem Beginn vollkommen gepackt hat, aber dazu werden mit Sicherheit noch ein paar Texte für den geistigen Abfall folgen. Aber es ist ja auch schon länger Herbst, wenn man es sich genau überlegt und schon bald wird er in einen hoffentlich tiefkalten Winter abgleiten. Irgendwie ist mir danach.

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