Archiv für den Monat Oktober 2008

Wort zum Sonntag

Irgendwann habe ich mir vorgenommen nicht mehr aus Langeweile zu trinken, oder weil gerade ein geselliger Anlass bestand. Jetzt trinke ich nur noch um mich ordentlich abzuschießen. Was in letzter Zeit auch immer häufiger aus Langeweile geschieht, oder bei geselligen Anlässen. Geändert hat sich seitdem allerdings nicht viel.

Der schönste Tag in meinem Leben war immer noch der, als ich einsehen musste, dass Antidepressiva besser sind als Sex. Vielleicht war es auch der Schlimmste, weil ich nämlich erkannt habe, dass nichts mehr von Bedeutung ist. Das nichts, kein Gefühl, länger bleibt als fünf Minuten- so lange braucht man um sich an etwas zu gewöhnen. Den Rest der Zeit verschwendet man dann darauf, sich damit abzufinden, wie es ist.

Man kann ewig hinterher rennen oder auch gar nicht mehr darauf warten. Sicher, auch Alkohol oder Antidepressiva können dir den Schmerz nicht nehmen, aber sie können den Alltag angenehmer machen. Die Welt ist nun mal kein Ort um Glücklich zu sein. Wir haben die Wahl so vieles zu tun, dass wir gar nicht mehr wissen wohin mit unserer Freiheit. Die Welt hält so viel Freunde versteckt, dass die Suche nach dem eigenen Glück zu einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen wird. Ich kann auf der Stelle raus gehen und 20 Frauen ficken, die meisten werden scheiße aussehen und bedeuten wird es mir nichts, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Es geht darum einfach irgendwas zu tun, nicht zu Hause zu versumpfen- vor dem Fernseher, dem PC, der Playstation. Aber will ich das überhaupt? Da draußen gibt es angeblich so viel zu entdecken, wenn man die Augen offen hält. Aber wenn man das tut entdeckt man nur eine Reihe von Arschlöchern, mit langweiligen Leben, mit bescheuerten Interessen, die schwachsinniges Zeug reden. Das erinnert einen immer wieder daran, was für ein miserables Leben man selber führt. Was für ein Arschloch man ist, was für bescheuerte Hobbies man hat und wie viel Scheiße man den ganzen Tag über redet.

Ich glaube das war es im Grunde, was mir der Bibel- Heini damals erklären wollte. Aber ist er glücklich? Im Grunde ist er wie ein Alkoholiker, der sich an die Flasche klammert.

Wenn man sich das alles vor Augen führt hat man vielleicht eine Chance. Eine minimale zwar, aber sie ist da. Man sollte ohne Erwartungen jeden Tag aufs Neue in die Welt hinausgehen, die Augen weit offen, mit einem gewissen Maß an Sarkasmus und einer Portion Selbstironie, dann hat man eventuell eine Chance. Dann kann man auch mal darauf verzichten sinnlos irgendwelche Flüssigkeiten in sich hinein zu schütten, kann die Antidepressiva weg lassen und dem ganzen einen Sinn abringen. Alles nicht so ernst nehmen, auch mal auf die Kacke hauen, es einfach alles treiben lassen. Die ganze Welt noch mal resetten. Aber ein Neuanfang beginnt immer zuerst im Kopf. Man verändert sich selber immer nur entsprechend der Umstände und die meisten wollen gar keinen guten Menschen mehr sein.

Ich werde jetzt einfach mal damit beginnen. Irgendwer muss ja schließlich mal den Anfang machen.

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Des Bloggens wegen

Wir sind alle schon alt- zumindest relativ. Wir leben alle alleine- zumindest relativ. Trotzdem gucken wir gerne die Serien, die wir als Kinder/ Jugendliche gesehen habe. Wo hört da die Nostalgie auf und wo wird es peinlich? Und wann fängt eigentlich erwachsen sein an?

R. hat einen Gameboy. Nicht nur irgendeinen, sondern immer noch den mit dem er als Kind gespielt hat. Er ist stolz, dass in den kleinen Ritzen vielleicht noch ein Staubkorn aus seiner Jugend sein könnte- Flusen der Kindheit. Die Spiele kauft er auf dem Flohmarkt nach. Und er ist sauer, dass die Klappe hinten nicht mehr richtig zugeht, weil seine Mutter den Gameboy runter geschmissen hat- nicht irgendwann in der Kindheit, sondern erst vor einigen Wochen.

C. hat Angst, dass es zu Hause ärger gibt, wenn sie sich nicht meldet. Und ein Sonntag ohne lecker Essen geht mal gar nicht.

D. hat mir dann vorgestern eine SMS geschrieben. Eigentlich ist er am arbeiten, trotzdem musste er mir mitteilen, dass dieser Dreh geiler ist als eine Klassenfahrt. Man rauche und saufe ja schließlich- und das obwohl man morgens früh raus müsse.

War es nicht immer das geile am erwachsen werden, dass man getrost auf all diese Dinge verzichten konnte? Reichen ein paar Jahre, die man erwachsen ist aus, um einen wieder zurück zu seinen Eltern zu führen? Sehnt man sich nach der Geborgenheit?

Diese drei Dinge kamen alle so zeitnah, dass ich mich wirklich gefragt habe, wieso sich mein Leben in letzter Zeit immer mehr zurück in die Schulzeit versetzt fühlt.

Apropos Schule: Ich gucke derweil Beverly Hills 90210. Mit Nostalgie hat es angefangen, aber ich finde es immer noch klasse. Und am Ende bleibt die Erkenntnis, dass sich nicht wirklich viel geändert hat.

Die Welt bleibt erstaunlich klein- vielleicht auch ,weil wir sie dazu machen. Ist das schlecht? Ich weiß es nicht.

Mal wieder Info

Vor einigen Wochen habe ich hier schon angekündigt, dass ich gerade daran sitze die Apokalypse #2 zu schreiben. Als quasi (Un-)Fortsetzung des Projekts der vorletzten Semesterferien.

Schon da habe ich gesagt, dass es diesmal wohl nicht so umfangreich werden wird. – Die Knapp 45 Seiten des ersten Teils haben vermutlich auch nicht all zu viele Leute angelockt das Ganze mal komplett zu lesen.

Diesmal sind es nur knapp 17 Seiten geworden, die ich nicht direkt, aber, nach nochmaligem Überlesen, wohl morgen, oder spätestens Übermorgen hier unter Kurzgeschichten veröffentlichen werde. Aufgrund des geringeren Umfangs habe ich mich auch dazu entschieden, dafür nicht auch, wie beim letzten Mal, ein separates Blog einzurichten.

Wenn es soweit ist, wird es aber auch nochmal eine Extra- Info geben.

Ich schreibe dies, weil ich darauf vorbereiten möchte, dass es Lesestoff gibt. Ich möchte darauf vorbereiten, weil ich möchte, dass es gelesen wird. Ich möchte, dass es gelesen wird, weil ich dafür gerne Feedback erhalten würde. Und ich möchte darauf hinweisen, das Vorkenntnisse nicht erforderlich sind.

In diesem Sinne wünsche ich eine geruhsame Nacht.

Parabola

Einzelkinder können nicht teilen. Einzelkinder wollen alles- und zwar sofort! Ich bin Einzelkind. Ich habe nie gelernt zu teilen und abzugeben. Hin und wieder tue ich es trotzdem. Nicht weil ich es will, sondern weil ich weiß, dass man es so macht. Aber plötzlich bin ich wieder fünf Jahre alt, stehe an der Kasse und sehe dieses ganz besondere Ding, das ich unbedingt haben muss. Ich halte es schon in meinen kleinen, patschigen Händchen, ich quengel und bin mir schon fast sicher es zu bekommen.

Doch dann, immer genau dann wenn ich schon an meinen Sieg glaube, wird es wieder kritisch. Es liegt noch nicht auf der Kasse, die Kassiererin hat es noch nicht abgerechnet, ich bin nervös. Ich schreie und trete und mache einen riesigen Aufstand- innerlich, denn noch ist nichts verloren, noch besteht Hoffnung. Erst wenn diese verlöscht beginnt der Krieg. Ein falscher Satz nur, ein falsches Wort sogar und die Hölle kann losbrechen, alles kann eskalieren.

Meine Hände zittern. Ich will es, ich muss es haben, ich MUSS. Dieses Verlangen in mir ist auf einmal so stark, dass ich vermute es noch niemals so intensiv gefühlt zu haben. Das ist eine Illusion, ich weiß es auch, dennoch- in diesem Moment liegt meine Gier nur auf diesem einen Ding.

Einzelkinder können nicht teilen, sie haben es nie gelernt. Sie müssen haben was sie wollen, sie brauchen was sie wollen, sie müssen es kriegen.

Eins unterscheidet mich von dem typischen Einzelkind: Ich kann warten. Ich werde warten, abwarten. Je länger die Schlange an der Kasse desto größer meine Chance es doch noch zu bekommen, desto größer der Reiz, eventuell die Verzweiflung. Aber dann, meine Kinder, wird der Himmel brennen.

Jetzt geht wieder alles von vorne los

In letzter Zeit habe ich so viel Zeit in der Uni verbracht, dass ihr leerer Anblick für mich schon beinahe zur Gewohnheit geworden ist. Die leeren Gänge, die abgeschlossenen Toiletten, die Stille. Vollkommen verloren habe ich mich heute zwischen all diesen Menschen gefühlt, so verloren, wie sich wohl auch ein Ersti fühlen muss. Wie ein alter Mann, der über Jahrzehnte hinweg ein Haus bewohnt hat, ganz alleine, nur mit sich und sich auf einmal mit neuen Mitbewohnern konfrontiert sieht. Urplötzlich ist wieder Leben da, urplötzlich herrscht wieder emsiges Treiben und man wird aus der Routine herausgerissen, die sich in den letzten Monaten eingeschlichen hat.

Ich kann auch nicht wirklich sagen, dass es mich stört, es ist nur ungewohnt und irgendwie auch unangenehm zu wissen, das es jetzt wieder losgeht. Der Alltag ist zurück. Wieder Vorlesungen, Übungen, Seminare. Wieder Konzentration, wieder Denken, sich wieder mit Sinnlosigkeiten konfrontiert sehen. Es ist schon alles recht ermüdend, jedes Seminar scheint sich zu wiederholen, aber es muss wohl sein.

Aber so langsam kehren auch in die Ersti- Vorbereitungen wieder etwas Ruhe ein und so komme ich wenigstens wieder dazu ein wenig zu schreiben.

Da warten noch zwei längere Texte auf mich.

In diesem Sinne…

Und weil Sonntag ist

Und weil ich schon lange nichts mehr geschrieben habe, wollen wir das alltägliche Geschäft mit etwas Melancholischem aufnehmen.

Und wieder ist ein Jahr vorbei, damit hat er sich längst abgefunden. Im Grunde hat sich auch nichts geändert. Er ist weder reifer geworden, noch weiser. Dennoch entschließt er sich, zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt nun, den Tag zu begießen. Zumindest das ist ihm geglückt. Er schüttet Unmengen Flüssigkeit in sich hinein, über mehrere Tage hinweg, aus purem Trotz vielleicht. Wenn er sich jetzt die Bilder anschaut und seine ausdrucklosen Augen darauf erkennt, schießt ihm unweigerlich ein Satz in den Kopf: „Some dance to remember, some dance to forget.“ Doch an was will er sich erinnern und was will er vergessen? Ganz egal, was es ist, es macht Angst. Vielleicht war es auch nur der Alkohol und Menschen sehen auf Fotos meistens etwas seltsam aus.

Die Frage ist nun: Was kommt als nächstes?

Seit längerem schon hat er Lust sein Image zu ändern, mal wieder jemand anderes zu sein. Seit einem Vierteljahrhundert ist er jemand anderes. Jemand anderes, als alle Denken, jemand anderes als das, was er erfüllt. Gerne wäre er ein schweigsamer Eigenbrödler, verschlossen, mysteriös, aber das steht ihm nicht, das weiß er. Das wird ihm niemals jemand abkaufen, die Rolle ist nicht für ihn gemacht. Es macht auch zu viel Spaß die anderen Klischees zu erfüllen, zumindest hin und wieder mal den Erwartungen gerecht zu werden. „Dammit, I Changed Again“ und es kommt ihm vor, als könne man das Leben aller Menschen durch Songs beschreiben. Es gibt ein Lied für jeden von uns, zu irgendeiner Zeit, an irgendeinem Ort.

Manchmal liegt er da und fragt sich selbst ob er ein guter Mensch ist- im Innern. Und die Leute suchen nach Pornos und sie werden finden, was sie suchen. Es ist kein Problem und er hat keins damit darüber zu reden. Das einzige was er sich fragt ist, warum er nicht in der Lage ist auszusprechen, dass jemand ein ganz wunderbarer Mensch ist.

Dammit, I changed again…