Wort zum Sonntag

Irgendwann habe ich mir vorgenommen nicht mehr aus Langeweile zu trinken, oder weil gerade ein geselliger Anlass bestand. Jetzt trinke ich nur noch um mich ordentlich abzuschießen. Was in letzter Zeit auch immer häufiger aus Langeweile geschieht, oder bei geselligen Anlässen. Geändert hat sich seitdem allerdings nicht viel.

Der schönste Tag in meinem Leben war immer noch der, als ich einsehen musste, dass Antidepressiva besser sind als Sex. Vielleicht war es auch der Schlimmste, weil ich nämlich erkannt habe, dass nichts mehr von Bedeutung ist. Das nichts, kein Gefühl, länger bleibt als fünf Minuten- so lange braucht man um sich an etwas zu gewöhnen. Den Rest der Zeit verschwendet man dann darauf, sich damit abzufinden, wie es ist.

Man kann ewig hinterher rennen oder auch gar nicht mehr darauf warten. Sicher, auch Alkohol oder Antidepressiva können dir den Schmerz nicht nehmen, aber sie können den Alltag angenehmer machen. Die Welt ist nun mal kein Ort um Glücklich zu sein. Wir haben die Wahl so vieles zu tun, dass wir gar nicht mehr wissen wohin mit unserer Freiheit. Die Welt hält so viel Freunde versteckt, dass die Suche nach dem eigenen Glück zu einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen wird. Ich kann auf der Stelle raus gehen und 20 Frauen ficken, die meisten werden scheiße aussehen und bedeuten wird es mir nichts, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Es geht darum einfach irgendwas zu tun, nicht zu Hause zu versumpfen- vor dem Fernseher, dem PC, der Playstation. Aber will ich das überhaupt? Da draußen gibt es angeblich so viel zu entdecken, wenn man die Augen offen hält. Aber wenn man das tut entdeckt man nur eine Reihe von Arschlöchern, mit langweiligen Leben, mit bescheuerten Interessen, die schwachsinniges Zeug reden. Das erinnert einen immer wieder daran, was für ein miserables Leben man selber führt. Was für ein Arschloch man ist, was für bescheuerte Hobbies man hat und wie viel Scheiße man den ganzen Tag über redet.

Ich glaube das war es im Grunde, was mir der Bibel- Heini damals erklären wollte. Aber ist er glücklich? Im Grunde ist er wie ein Alkoholiker, der sich an die Flasche klammert.

Wenn man sich das alles vor Augen führt hat man vielleicht eine Chance. Eine minimale zwar, aber sie ist da. Man sollte ohne Erwartungen jeden Tag aufs Neue in die Welt hinausgehen, die Augen weit offen, mit einem gewissen Maß an Sarkasmus und einer Portion Selbstironie, dann hat man eventuell eine Chance. Dann kann man auch mal darauf verzichten sinnlos irgendwelche Flüssigkeiten in sich hinein zu schütten, kann die Antidepressiva weg lassen und dem ganzen einen Sinn abringen. Alles nicht so ernst nehmen, auch mal auf die Kacke hauen, es einfach alles treiben lassen. Die ganze Welt noch mal resetten. Aber ein Neuanfang beginnt immer zuerst im Kopf. Man verändert sich selber immer nur entsprechend der Umstände und die meisten wollen gar keinen guten Menschen mehr sein.

Ich werde jetzt einfach mal damit beginnen. Irgendwer muss ja schließlich mal den Anfang machen.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Wort zum Sonntag

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s