Archiv für den Monat November 2008

Wochenende im Schnee

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Hätte ich gewusst wie strapaziös der Hinweg wird, wäre ich vermutlich gar nicht erst mitgefahren. Gut, dass man eben doch nicht immer alles weiß.

Nachdem wir uns drei Mal verfahren haben (einmal um knapp 40 Kilometer in die falsche Richtung) war die Laune nicht am Boden, aber die Hoffnung auf ein baldiges Ankommen groß. Meine Füße habe ich zwischenzeitlich gar nicht mehr gespürt und auch die Heizung im Auto konnte der Nässe in den Schuhen nicht entgegen wirken. Schon beim Einkaufen waren wir in den Schneeregen geraten.

Jetzt, knapp drei Stunden später, ist es dunkel, kalt und schneit. Wir sind auf der richtigen Autobahn- auf dem Weg ins Nichts. Je tiefer man in die Eifel fährt, desto dunkler wird es ringsherum. Die Schneeflocken tanzen im Kegel des Scheinwerferlichts- Tunnelblick- und außer ihnen ist nichts mehr da. Du blickst in diese Dörfer herab und fühlst dich wie ein König, so als würde all das irgendwann einmal dir gehören. Du fühlst dich groß, mächtig, erhaben- aber verdammt noch mal, du kannst deine Füße nicht mehr spüren.

Weiter auf Landstraßen, immer tiefer in die Dunkelheit. Eine Umleitung, fragende Gesichter, der Autokorso stoppt. Ein kurzes Telefonat. Auch die Leute, die mit dem Zug unterwegs sind haben Verspätung. Um fünf wollten wir da sein, um sieben erreichen wir unser Ziel. Es ist kalt. Das Haus hat einen Kamin, es riecht nach Jugendherberge, es riecht nach Backwood.

Die anderen kommen nur eine halbe Stunde später an, das Essen wird vorbereitet. Irgendwann später bemerken wir, dass es geschneit hat. Bestimmt zehn Zentimeter. Erste Schneeballschlacht- volltrunken.

Am nächsten Tag fühle ich mich Träge, hungrig- ein Blick in den Garten entschädigt für alles. Schnee, das erste Mal seit vier Jahren. Wir bauen einen Schneemann, wir sind alle wieder zwölf Jahre alt. Drinnen ist es gemütlich. Ein paar Leute reisen früher ab, aber nur wenige. Es tut der Stimmung gut.

Twister und Scharade. Bier und Bowle.

Nachts ein kleiner Durchhänger, die ganze Zeit diese beschissene Musik, aber es wird besser. Jede Nacht in diesem Haus träume ich den gleichen Traum. Er hat keinen Sinn und auch keine feste Struktur, aber alle kommen darin vor.

Am nächsten Tag schon die Abreise, leider. Aufräumen, putzen, einpacken.

Die Rückfahrt ohne weitere Probleme. Nach eineinhalb Stunden sind wir wieder in Bonn. Es beginnt zu schneien. Ich ärgere mich, dass er liegen bleibt, das Schmälert das Vergnügen ein wenig. Aber nur kurz.

Am nächsten Morgen ist alles weg. Ich habe zehn Stunden geschlafen, bin immer noch erschöpft, aber das war es wert. Es regnet, von Schnee nichts mehr zu sehen. Erst jetzt wird mir klar, dass dieses Wochenende irgendwie magisch war (auch, weil ich einen Hang zum Pathetischen habe).

Die Party ist vorbei

Es gibt ja diese Tage ist einem überhaupt nicht nach Tanzen zumute. Meistens wird es dann doch noch ganz lustig. Leider nicht gestern.

Meine Laune war eigentlich schon restlos im Keller als ich das Haus verließ. Als ich dann auch noch den Bus verpasst habe, hat sich das nicht unbedingt gebessert.

Machst du eben einen Spaziergang, habe ich mir gesagt und bin 40 Minuten einmal quer durch Bonn gelaufen. Der Abend war wärmer als erwartet, die Laune wurde besser.

Nach ein paar Gläsern Wein und Jägermeister war mir dann später eigentlich auch nach Tanzen, daher war ich bester Dinge, dachte tatsächlich aus dem Abend könnte noch was werden.

Doch er sollte da enden, wo er begonnen hatte- zumindest was die Stimmung anging.

Der Ort: Die Blow- Party in der 3- Raum- Wohnung. Den Laden fand ich schon immer scheiße, hatte jedoch über die Party bisher nur Gutes gehört. Aber das war wohl nichts. Langweiliger Hip- Hop, langweiliger Funk und dazu noch viel zu viele Idioten und Hackfressen auf viel zu engem Raum, die da auf der Tanzfläche ihre epileptischen Anfälle ausübten.

Drei Stunden habe ich es dort ausgehalten und habe mich gefreut mich endlich auf den Weg nach Hause machen zu können.

Im Bus war es dann auch nicht besser. Neben mir ein Metaller, dessen Titten mit bei jeder scharfen Kurve (und Busfahrer fahren jede Kurve scharf) ins Gesicht schlackerten, auf der anderen Seite einer dieser Vollidioten, die so wirken als seien sie auf Koks und irgendwie dick im Geschäft. – Sind sie aber in Wirklichkeit gar nicht.

Erst zu Hause wurde es dann besser. Noch ne Cola an der Tanke, schnell noch was gegessen und ab ins Bett.

Wieder mal Geld in die Tonne getreten, für eine Party die es einfach nicht wert war, die sogar so beschissen war, dass es mich immer noch ärgert dort gewesen zu sein. So sehr, dass ich einfach darüber schreiben muss.

Etwas Gutes hatte es jedoch: Von einer Edding- Aufschrift an einem Busfahrplan, weiß ich jetzt immerhin, dass die 10 a die Beste ist. Vielleicht hätten die auch ne bessere Party geschmissen.

Woche um Woche

Die letzten drei Wochen sind irgendwie einfach so dahin gerast. Montag- Filmriss- Freitag. Und auch die Wochenenden vergehen immer viel zu schnell. Jetzt sitze ich da und muss in aller Eile ein Referat vorbereiten, an dem ich gerne verzweifeln würde.

Das schlimme daran wenn die Zeit so schnell vergeht ist, dass man kaum etwas von dem was man erlebt wirklich wahrnimmt. Es rast an einem vorbei, die Menschen, die Emotionen. Kaum war es da, ist es auch schon wieder weg und am Ende fragt man sich, was eigentlich passiert ist.

Zudem scheint der Herbst mal wieder sein Bestes zu tun um alle aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wirklich zufrieden wirkt neuerdings niemand mehr. Der Grund warum ich diese Jahreszeit liebe ist diese süße Schwere, die sie verbreitet. Ein wenig Missstimmung, ein wenig Melancholie, ein wenig mehr Ruhe.

Das Schlimme an der Jahreszeit ist, dass man jedoch immer noch versucht irgendwie gut drauf zu sein- dies zumindest vorzugeben. So geht es mir jedenfalls. Die Witze werden Flacher, die Frequenz häufiger, ich wirke lauter, überdrehter- aber alles ist so fremd. Man muss sich ja irgendwie an die alten Verhaltensmuster klammern.

Vielleicht sollten wir Winterschlaf halten, den ganzen Laden mal für eine Weile dicht machen.

Aber so einfach ist es leider nicht. Es muss weiter gehen, also schnapp dir die Flasche, trink einen Schluck und spiel den Tanzbär!

„Don`t Let Go, I Go Down With You!“…

Bei „Eternal Sunshine Of The Spotless Mind“ gibt es eine Szene in der Jim Carrey die Straße entlang geht und die ganze Umgebung um ihn herum in sich zusammen bricht. Genauso ging es mir heute Morgen, als ich auf dem Weg zur Uni war. Rechts von mir fielen Rohre vom Himmel (zugeben, eigentlich arbeiteten dort Dachdecker, aber das bemerkte ich erst später) vor und neben mir wurden Blätter aufgewirbelt und vom Wind von den Bäumen gerissen.

Sowieso lag der Tag heute in einem Vakuum. Ich habe wenig geschlafen, lag bis halb sieben Morgens wach, bin immer wieder hoch geschreckt, wie man das ja hin und wieder kennt, wenn man gerade in den Schlaf driftet, war in Gedanken, hab es irgendwie nicht geschafft abzuschalten.

Der Tag war dann genauso düster wie meine Stimmung. Hin und wieder hatte ich einfach Lust aufzugeben, mich hinzulegen- in Ebryonalstellung- zu kauern, zu heulen oder einfach stumpf vor mich hin zu kotzen. Aber es hilft ja alles nichts.

Und im Endeffekt ist sowieso alles egal, alle für den Arsch, was man auch macht, am Ende zählt es nicht, man kommt nicht voran, tritt auf der Stelle.

Immerhin der Glückskeks, den es zu dem chinesischen Essen gab, war auf meiner Seite. „Sie werden viel Glück in persönlichen Dingen haben“ – da halte ich mich jetzt dran fest. Und wenn nicht hau ich diesen Chinesen den Zettel um die Ohren. Ich bin dann heute auch noch zu Fuß nach Hause gegangen. Ein wenig den Kopf frei kriegen im Wind, mit der Musik, in der Dunkelheit.

Mal sehen ob ich heute anständig schlafen kann.

„Move, Bitch! Get Out The Way!“- Freitag. Nachts. Aussen.

„Was machen wir denn jetzt?“ sie schauen mich an und auch ich kann nur die Schultern zucken. Hier im blauen Neonlicht vor der Spielothek wirken wir alle ein wenig verloren. So kann es nicht weitergehen. Es ist Freitag und allmählich beginnt es zu regnen. Jetzt sind wir schonmal hier. Heim gehen ist keine Option.

Vorher im Kino gewesen- der Film war ok- jetzt sind wir schon zu acht und ratlos. Der Döner von eben liegt wie ein Stein in meinem Magen, Lust zu trinken habe ich auch keine, wir sind alle genervt. Irgendwo sollen sie Funk spielen, doch der Eintritt ist happig. Hier, bei der Philo- Party, stehen wir auf der Gästeliste, aber alle Leute die ich kenne haben den Laden mit den Worten „So eine Scheiße“ verlassen. Wir wissen jetzt aber wenigstens folgendes: Germanisten schmeißen gute Parties, wie gerade wieder am Dienstag erlebt. Philosophen müssen noch etwas üben.

Wir warten alle auf einen Plan, eine Eingebung, die doch nicht kommt.

Also zurück durch den Nieselregen, durch die Kälte, hinein in die Nacht. Ich hatte schon vorher keine große Lust auf Party und auch jetzt sieht es nicht besser aus.

Wir landen also doch im Extrem. Für Extrem scheiße, oder extrem abgefuckt vielleicht? Doch je mehr ich meckere, desto mehr böse Blicke ziehe ich an, also halte ich die Fresse. Wir zahlen also doch den Eintritt, von Funk nichts zu hören. Dancehall und Leute in Anzügen. Unten soll es besser sein, sagt einer, nachdem wir unsere Jacken abgegeben haben. Ich war nicht vorbereitet, bin zu warm angezogen für diesen Laden. Wir gehen runter. Da stehen Typen rum, die ich noch aus den 90ern kenne- aus schlechten Rap- Videos. Man muss Angst haben nicht abgeknallt zu werden, wenn man jetzt anfängt zu lachen.

Wir betreten den Raum in der Größe einer Garage, Hip- Hop Area nennen sie das hier. An der Decke hängt eine kleine Discokugel in zwei Metern Höhe- zum ersten Mal bin ich ganz froh, dass ich mit 17 aufgehört habe zu wachsen. Die anderen beginnen zu tanzen. Ich kann nicht. Ich kenne die Songs nicht und sie gefallen mir auch nicht. Aber es gibt Wodka für einen Euro. Schnell drei hintereinander weg gekippt und rauf auf die Tanzfläche. Du musst tanzen, sage ich mir, sonst ist der Abend restlos verloren. Scheißegal, ob die Leute uns hier alle für Freaks halten.

Und so tanzen wir. Es wird besser, man gewöhnt sich an die Musik, man gewöhnt sich an alles. Irgendwann kriegt man sowieso nicht mehr mit auf was man gerade tanzt. Nach einer Stunde ist mir klar- es ist noch ein lustiger Abend geworden.

Auf einem Sofa neben uns sitzen zwei Typen. G- Star Jeans, Lederjacke, Kettchen. Als sich eine unserer Begleiterinnen kurz hinsetzt wittert er eine Chance. Da wo ich herkomme spricht man das Mädel dann an. Aber hier ist Ghetto, hier ist es dunkel, hier trägt man Lederjacke, hier wird gerappt. Er kennt wirklich den ganzen Song, der gerade läuft auswending und säuselt ihn ihr ins Ohr. Leider ohne Erfolg.

Als wir nach drei Stunden wieder gehen sind mir vier Sachen klar geworden. Man kann immer etwas aus einem versauten Abend machen, man kann auch halbwegs nüchtern auf die größte Scheiße tanzen, es gibt tatsächlich noch Läden in denen ich von 50 Songs gerade mal vier kenne und, das ist das wichtigste, die Szene hasst uns.

Wären wir in Jogginghosen auf dem Opernball aufgekreuzt und hätten Step- Aerobic gemacht, wären wir vermutlich nicht weniger komisch angeschaut worden. Aber nach einer Weile hatte man sich an uns gewöhnt, denke ich.

Das Schönste war wieder einmal der Nach Hause Weg. Neuerdings ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich die ganze Nachbarschaft wach singe. Aber wenn die Straßen leer sind und die Musik gut, gibt es nichts Besseres. Noch mal eine halbe Stunde abschalten, die frische Luft genießen, die Kälte auf der Haut. Wenn ihr also irgendwann jemanden über die Straße tanzen seht, der schief singt, habt keine Angst- das bin nur ich.

Heute im Angebot: Eier

Da in meinem eigenen Leben in letzter Zeit nicht viel nennenswertes geschieht, die Tage einfach so vergehen mal wieder ein Text mit einer (ungenannten) Widmung:

Es erfordert schon Eier einfach auszusprechen, was einem auf der Seele liegt. Es gab Augenblicke da habe ich das auch getan- meistens um Menschen zu verletzen. Das jedoch hat nichts mit Eiern zu tun.

Über die meisten Sachen schweigt man. Am liebsten über Gefühle. So ein Seelenstriptease kann schmerzhaft enden. Am ehesten verschweigt man seine Gefühle natürlich der Person, auf die sie sich beziehen.

Auch ich habe mich immer lieber zurück gelehnt und mich einer Illusion hingegeben, der bloßen Vorstellung von etwas Wunderbarem. Dieser was- wäre- wenn- Gedanke hat mich immer zu sehr gelähmt. Ich glaube Angst nennt man das. Angst auf einmal da zu stehen, mit heruntergelassener Hose, und sich der Nichterwiderung der Gefühle ausgesetzt zu sehen. Da ist es doch viel angenehmer einfach den Mund zu halten und sich auszumalen, wie schön doch alles sein könnte. Noch Jahre später denkt man dann hin und wieder daran zurück und versucht sich vorzustellen, was wohl gewesen wären, wenn… Aber damit quält man sich auch wieder nur selbst.

Ich habe großen Respekt davor, wenn man einfach mal den Mund aufmacht, das ausspricht was einen belastet- was hat man auch schon zu verlieren? Am Ende steht man da, vielleicht ein wenig glücklicher- oder es ändert sich eben gar nichts. Außer, dass man vielleicht für ein paar Minuten etwas peinlich berührt ist.

Ich glaube ich bin nicht der Typ dafür, ich stelle mir so was lieber vor und bereue die vertanen Chancen, die sich aneinander reihen.

Es ist schade, dass es nicht geklappt hat. Aber verdammte Scheiße, Mann: du hast Eier!

Ich wollte es nur mal loswerden.