„Move, Bitch! Get Out The Way!“- Freitag. Nachts. Aussen.

„Was machen wir denn jetzt?“ sie schauen mich an und auch ich kann nur die Schultern zucken. Hier im blauen Neonlicht vor der Spielothek wirken wir alle ein wenig verloren. So kann es nicht weitergehen. Es ist Freitag und allmählich beginnt es zu regnen. Jetzt sind wir schonmal hier. Heim gehen ist keine Option.

Vorher im Kino gewesen- der Film war ok- jetzt sind wir schon zu acht und ratlos. Der Döner von eben liegt wie ein Stein in meinem Magen, Lust zu trinken habe ich auch keine, wir sind alle genervt. Irgendwo sollen sie Funk spielen, doch der Eintritt ist happig. Hier, bei der Philo- Party, stehen wir auf der Gästeliste, aber alle Leute die ich kenne haben den Laden mit den Worten „So eine Scheiße“ verlassen. Wir wissen jetzt aber wenigstens folgendes: Germanisten schmeißen gute Parties, wie gerade wieder am Dienstag erlebt. Philosophen müssen noch etwas üben.

Wir warten alle auf einen Plan, eine Eingebung, die doch nicht kommt.

Also zurück durch den Nieselregen, durch die Kälte, hinein in die Nacht. Ich hatte schon vorher keine große Lust auf Party und auch jetzt sieht es nicht besser aus.

Wir landen also doch im Extrem. Für Extrem scheiße, oder extrem abgefuckt vielleicht? Doch je mehr ich meckere, desto mehr böse Blicke ziehe ich an, also halte ich die Fresse. Wir zahlen also doch den Eintritt, von Funk nichts zu hören. Dancehall und Leute in Anzügen. Unten soll es besser sein, sagt einer, nachdem wir unsere Jacken abgegeben haben. Ich war nicht vorbereitet, bin zu warm angezogen für diesen Laden. Wir gehen runter. Da stehen Typen rum, die ich noch aus den 90ern kenne- aus schlechten Rap- Videos. Man muss Angst haben nicht abgeknallt zu werden, wenn man jetzt anfängt zu lachen.

Wir betreten den Raum in der Größe einer Garage, Hip- Hop Area nennen sie das hier. An der Decke hängt eine kleine Discokugel in zwei Metern Höhe- zum ersten Mal bin ich ganz froh, dass ich mit 17 aufgehört habe zu wachsen. Die anderen beginnen zu tanzen. Ich kann nicht. Ich kenne die Songs nicht und sie gefallen mir auch nicht. Aber es gibt Wodka für einen Euro. Schnell drei hintereinander weg gekippt und rauf auf die Tanzfläche. Du musst tanzen, sage ich mir, sonst ist der Abend restlos verloren. Scheißegal, ob die Leute uns hier alle für Freaks halten.

Und so tanzen wir. Es wird besser, man gewöhnt sich an die Musik, man gewöhnt sich an alles. Irgendwann kriegt man sowieso nicht mehr mit auf was man gerade tanzt. Nach einer Stunde ist mir klar- es ist noch ein lustiger Abend geworden.

Auf einem Sofa neben uns sitzen zwei Typen. G- Star Jeans, Lederjacke, Kettchen. Als sich eine unserer Begleiterinnen kurz hinsetzt wittert er eine Chance. Da wo ich herkomme spricht man das Mädel dann an. Aber hier ist Ghetto, hier ist es dunkel, hier trägt man Lederjacke, hier wird gerappt. Er kennt wirklich den ganzen Song, der gerade läuft auswending und säuselt ihn ihr ins Ohr. Leider ohne Erfolg.

Als wir nach drei Stunden wieder gehen sind mir vier Sachen klar geworden. Man kann immer etwas aus einem versauten Abend machen, man kann auch halbwegs nüchtern auf die größte Scheiße tanzen, es gibt tatsächlich noch Läden in denen ich von 50 Songs gerade mal vier kenne und, das ist das wichtigste, die Szene hasst uns.

Wären wir in Jogginghosen auf dem Opernball aufgekreuzt und hätten Step- Aerobic gemacht, wären wir vermutlich nicht weniger komisch angeschaut worden. Aber nach einer Weile hatte man sich an uns gewöhnt, denke ich.

Das Schönste war wieder einmal der Nach Hause Weg. Neuerdings ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich die ganze Nachbarschaft wach singe. Aber wenn die Straßen leer sind und die Musik gut, gibt es nichts Besseres. Noch mal eine halbe Stunde abschalten, die frische Luft genießen, die Kälte auf der Haut. Wenn ihr also irgendwann jemanden über die Straße tanzen seht, der schief singt, habt keine Angst- das bin nur ich.

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Ein Gedanke zu “„Move, Bitch! Get Out The Way!“- Freitag. Nachts. Aussen.

  1. Ah, noch ein Freund des Nach-hause-wegs! Das ist (fast) immer der (fast) beste Teil am ganzen Abend. Die letzte Kippe genießen, auf alkohol-leichten Füßen nach hause schlendern und dabei noch zuende tanzen. Oder eben singen. Alleine hab ich mich das noch nicht getraut. Aber mit einem gewissen Mann an meiner Seite gibts dann schonmal die Ode an die Freude einmal die Poppelsdorfer Allee entlang. :)

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