Wochenende im Schnee

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Hätte ich gewusst wie strapaziös der Hinweg wird, wäre ich vermutlich gar nicht erst mitgefahren. Gut, dass man eben doch nicht immer alles weiß.

Nachdem wir uns drei Mal verfahren haben (einmal um knapp 40 Kilometer in die falsche Richtung) war die Laune nicht am Boden, aber die Hoffnung auf ein baldiges Ankommen groß. Meine Füße habe ich zwischenzeitlich gar nicht mehr gespürt und auch die Heizung im Auto konnte der Nässe in den Schuhen nicht entgegen wirken. Schon beim Einkaufen waren wir in den Schneeregen geraten.

Jetzt, knapp drei Stunden später, ist es dunkel, kalt und schneit. Wir sind auf der richtigen Autobahn- auf dem Weg ins Nichts. Je tiefer man in die Eifel fährt, desto dunkler wird es ringsherum. Die Schneeflocken tanzen im Kegel des Scheinwerferlichts- Tunnelblick- und außer ihnen ist nichts mehr da. Du blickst in diese Dörfer herab und fühlst dich wie ein König, so als würde all das irgendwann einmal dir gehören. Du fühlst dich groß, mächtig, erhaben- aber verdammt noch mal, du kannst deine Füße nicht mehr spüren.

Weiter auf Landstraßen, immer tiefer in die Dunkelheit. Eine Umleitung, fragende Gesichter, der Autokorso stoppt. Ein kurzes Telefonat. Auch die Leute, die mit dem Zug unterwegs sind haben Verspätung. Um fünf wollten wir da sein, um sieben erreichen wir unser Ziel. Es ist kalt. Das Haus hat einen Kamin, es riecht nach Jugendherberge, es riecht nach Backwood.

Die anderen kommen nur eine halbe Stunde später an, das Essen wird vorbereitet. Irgendwann später bemerken wir, dass es geschneit hat. Bestimmt zehn Zentimeter. Erste Schneeballschlacht- volltrunken.

Am nächsten Tag fühle ich mich Träge, hungrig- ein Blick in den Garten entschädigt für alles. Schnee, das erste Mal seit vier Jahren. Wir bauen einen Schneemann, wir sind alle wieder zwölf Jahre alt. Drinnen ist es gemütlich. Ein paar Leute reisen früher ab, aber nur wenige. Es tut der Stimmung gut.

Twister und Scharade. Bier und Bowle.

Nachts ein kleiner Durchhänger, die ganze Zeit diese beschissene Musik, aber es wird besser. Jede Nacht in diesem Haus träume ich den gleichen Traum. Er hat keinen Sinn und auch keine feste Struktur, aber alle kommen darin vor.

Am nächsten Tag schon die Abreise, leider. Aufräumen, putzen, einpacken.

Die Rückfahrt ohne weitere Probleme. Nach eineinhalb Stunden sind wir wieder in Bonn. Es beginnt zu schneien. Ich ärgere mich, dass er liegen bleibt, das Schmälert das Vergnügen ein wenig. Aber nur kurz.

Am nächsten Morgen ist alles weg. Ich habe zehn Stunden geschlafen, bin immer noch erschöpft, aber das war es wert. Es regnet, von Schnee nichts mehr zu sehen. Erst jetzt wird mir klar, dass dieses Wochenende irgendwie magisch war (auch, weil ich einen Hang zum Pathetischen habe).

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