Archiv für den Monat Januar 2009

Kleine Anekdote

Nach gut einem Jahr des Singleseins war ich es in letzter Zeit doch schon irgendwie leid. Bis ich dann heute mal wieder daran erinnert wurde wie scheiße das Leben in einer Partnerschaft auch sein kann.

Wie es so üblich ist, habe ich heute vor dem Seminar im Innenhof der Uni noch eine rauchen wollen. Dort stand ich ganz für mich und kämpfte gegen die sich langsam ausbreitende Müdigkeit als ich, nur wenige Meter von mir entfernt, auf ein Gespräch aufmerksam wurde.

Er (ungefähr 1,65) und Sie (ungefähr 1,80) diskutierten dort doch recht lautstark. Sie auf Deutsch, er auf Italienisch. Ich habe also nicht alles verstehen können, war mir aber recht bald ziemlich sicher, dass es sich seinerseits nicht um Liebesbekundungen handelte, die er ihr dort ins Ohr säuselte. Nachdem sie dann irgendwann zu ihm sagte: „Gib mir mein Geld, gib mir die Krücken und dann will ich dich nie mehr wieder sehen!“ war ich mir recht Sicher, dass sich die beiden nicht mehr besonders gern hatten. Sie stritten dann noch weiter- mittlerweile waren sie so laut, dass ich nicht mehr der einzige war, der ihnen zuhörte. Als sie dann irgendwann anfingen sich anzudrohen einander zu verprügeln, habe ich mir ernsthaft überlegt, auf wen ich mein Geld setzen würde und zwei Entschlüsse gefasst.

Erstens: wieder rein zu gehen und zweitens: meinem Sohn später einmal zu raten: „Lass dich nicht mit Menschen ein, das gibt nur Stress.“

Manchmal ist es gut daran erinnert zu werden, wie übel es doch enden kann.

Saufen für die Wissenschaft

wein Der Sturm peitscht die Regentropfen ins Gesicht, ich bin ziemlich müde und hatte vorher eine ganze Weile mit mir gehadert, ob ich nicht einfach zu Hause bleiben soll. Jetzt bin ich doch auf dem Weg, es ist kalt und ungemütlich. Ich gehe davon aus, dass wir nur vier Leute sind, und immerhin hatte ich Kata versprochen an dem Versuch teilzunehmen. Es geht darum zu untersuchen, was mit der Sprache unter Alkoholeinfluss geschieht. Als ich, eine halbe Stunde zu spät, das IGL betrete, bin ich zuerst verwundert, dass doch mehr Leute da sind, als ich angenommen habe. Die Stimmung ist bereits gelöst. Erstmal heißt es jetzt den Pegel auf (mindestens) 1,0 Promille zu bringen, was eigentlich keine schwere Sache ist. Ich genehmige mir ein großes Glas Wein und gebe mir Mühe es möglichst schnell zu leeren.

Das Lustige daran, mit einem Alkotest in der Hand, zu trinken ist, dass man sich viel schneller viel betrunkener fühlt, als man es eigentlich wäre.

Gegen 22 Uhr habe ich 1,2 Promille erreicht und darf mich an den Test machen. Die Spielregeln von Mensch ärger dich nicht erklären. Nichts leichter als das- nur diese Kleinigkeit mit dem Rausschmeißen ist mir irgendwie entfallen.

Im Anschluss geht es ins Blow Up. Leider ist es mir nicht gelungen, die anderen dazu zu motivieren nach Bad Godesberg zur Rhythmusgymnastik zu fahren. Dort ist es, wie immer, viel zu voll und viel zu stickig, die Musik animiert maximal zu einem zaghaften Mitnicken. Wir sind alle recht betrunken und mir wird ein wenig schlecht vor Hunger.

Alles in Allem war es ein ganz lustiger Abend, der mit einer Gyros- Pizza endete und dem faden Beigeschmack, dass David mir diesen heißen Flirt mit dem Mädchen mit den Piercings versaut hat. Aber man kann nicht immer alles haben.

Eine Moral hat diese Geschichte jetzt nicht, aber immerhin habe ich mich erfolgreich davon abgehalten jetzt etwas sinnvolles zu tun.

Vom Untergang

0juliuscaesar Wenn man ins Bett geht während ein Australian Open- Spiel läuft, man wieder aufstehen muss und das Spiel immer noch läuft, dann weiß man, dass man Schlafprobleme hat.

So verbrachte ich den Mittwoch in einer Art Dämmerzustand, wie ich es in letzter Zeit aber schon fast gewohnt bin. War dann auch nicht weiter schlimm und irgendwie habe ich auch alles geschafft, was zu schaffen war.

Heute ging es dann daran der Uni meinen Latein- Nachweis zu erbringen. Zumindest im ersten Versuch. Diesen habe ich eigentlich von Anfang an abgeschrieben gehabt und wollte mir das ganze Prozedere mit Ausweiskontrolle, Wortsuche etc. nur mal anschauen- alle Energien auf den März lenken (und bis dahin natürlich noch eine ganze Menge lernen). Da helfen auch die ganzen Wunschträume, von denen man selber weiß, dass sie sinnlos sind, nichts, wie fantastisch es doch wäre da einfach rein zu gehen, mit zu schreiben und den Scheiß zu bestehen.

Dann kam die Klausur. Der erste Satz: in Ordnung, dachte ich mir, scheint sogar machbar zu sein. Es ging dann leider nicht ganz so perfekt weiter, wie da angenommen- vielmehr bestätigte sich die Vermutung einem Wunschtraum anheim gefallen zu sein.

Nach der Klausur erstmal die Textstelle gesucht- nach Stunden auch endlich gefunden und festgestellt: es war gar nicht das „Bellum Gallicum“, das wir übersetzen mussten, sondern das „Bello Civili“. Übersetzung gesucht, keine deutsche zur Textstelle gefunden, auf eine englische zurückgegriffen und siehe da: die erste Hälfte des Textes war sogar ganz in Ordnung. In der Zweiten dann der Untergang. Die Schmach von Hörsaal 10, möchte ich es mal nennen. Meine Übersetzung war wirklich mal sowas von daneben, das ich mich nun fast schon dafür schäme. Immerhin wird der Korrektor seine Freude daran haben.

Soweit so gut also- alles wie erwartet. Jetzt lernen für den März. Aber ich muss auch sagen, dass ich dafür soweit schon recht zuversichtlich bin, denn dafür, dass es der erste Text war, an dessen Übersetzung ich mich jemals versucht habe, lief es eigentlich ganz gut.


Leben ist Post- Rock

100_3857bearb1 Es ist, als wenn die letzte Bahn weg ist und du eine Stunde durch die Kälte laufen musst, obwohl du sowieso schon zu spät dran bist. Während du durch die Straßen gehst schaust du in die Fenster in denen noch Licht brennt und guckst dir die Leute in ihren Wohnungen an. Sie sitzen vor dem Fernseher (die meisten), Essen, Unterhalten sich, lachen, lieben (die wenigsten) und irgendwie sind alle in gewisser Weise unzufrieden. Für einen Augenblick hast du an ihrem Teil, bis du fast alles wieder vergessen hast, was nur drei Straßen von dir entfernt liegt. Niemand bemerkt dich, niemand kommt an dich heran. Die Straßen ziehen sich, unerträgliche Dunkelheit, unerträgliches Grau (Notiz an mich: unerträglich pathetisch).

„Ich habe mich jetzt also erstmal für Einsamkeit entschieden. Vielleicht ist das ja auch mal ein ganz guter Weg“, sagt es in mir. „Und man muss sich ja nun auch wirklich nicht immer mit Zwischenmenschlichem aufhalten. Das macht das Leben weder leichter noch angenehmer- zumindest nicht immer“, stimme ich da zu.

In nächster Zeit heißt es arbeiten und lernen und arbeiten und lernen und lernen und lernen. – Und dann ist auch schon wieder tiefster Frühling. Im Frühling kann es dann auch wieder anders werden, wenn es will. Bis dahin bin ich aber auch (mal wieder) ganz gut mit mir selbst beschäftigt.

Aber was mach ich mir da eigentlich vor? Ist doch irgendwie zum Kotzen alles. Es nervt, wird immer stressiger und zur Ruhe komme ich auch nicht mehr. Das eigentlich alles gar nicht so furchtbar wird, wie man es sich vorher immer vorstellt ist dabei wohl genauso Fakt wie die Tatsache, dass einem all die guten Ratschläge und netten Worte, all die Menschen, die einem ein Lächeln schenken auch nicht weiterhelfen. Es gibt einen Moment, da muss man inne halten, Ruhe bewahren, Kraft schöpfen. Bleibt nur die Frage: Wann? Und woher?

Viel zu Post- Rock alles.

Raus

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Eigentlich habe ich kein Fernweh. Ich hasse es einfach unterwegs zu sein. – mich rast- und ruhelos zu fühlen ist nichts, das ich für erstrebenswert halte. Aber es gibt gewisse Orte, die man kennt oder sieht, an die man gerne möchte. Ich will einfach da sein. Die Augen schließen, tief einatmen, die Arme ausbreiten. Und irgendwo läuft dann auch sicher noch ein guter Song.

Und jetzt wieder zurück an die Lateinbücher.

Studieren in Bonn ist…

kacke! in den letzten zwei Jahren immer beschissener geworden.

140868522_81115ebd671Du kennst das ja sicher: Du bist auf der Autobahn unterwegs, du hattest Kaffee, oder eine Coke, oder einfach zu viel Wasser. Das nächste was kommt ist eine Raststätte, es ist aber dringend, als fährst du ran. Das erste was du dann tust ist Schlange stehen vor diesem silbernen Drehkreuz. 50 Cent einwerfen, sonst kommst du nicht rein. Keine Ausweichmöglichkeit, du musst bezahlen- es hilft alles nichts und du nimmst es in Kauf.
Nun stell dir vor du sitzt in einem Seminar, in der Institutsbibliothek deiner Uni, oder in einer Klausur. Du hattest vorher noch einen Kaffee und es ist dringend. Die natürliche Reaktion ist: du gehst pinkeln. Schön war das in Bonn noch nie. Der Gestank der Toiletten hing dir noch eine halbe Stunde später in der Nase, an die Kritzeleien an den Wänden hast du dich gewöhnt. Mittlerweile kannst du über all diese „Islam rules!“ Sprüche nur noch müde schmunzeln.
Das eine Sanierung der Toiletten in der Bonner Uni dringend Notwendig ist, darüber sind sich wohl alle einig. Unsere super Universitätsleitung kam dann auf die Glorreiche Idee für eben diese Sanierung (immerhin knapp 500.000 Euro) die Gelder zu verwenden die als Studiengebühren aus den Taschen der Studenten flossen. Gelder, die eigentlich für eine Verbesserung der Lehre sorgen sollen. Keine Frage, dass die Mehrheit der Studenten damit also nicht einverstanden ist. Nachdem der Senat also (wie damals auch zur Einführung der Studiengebühren) für die Nutzung der Gelder gestimmt hatte, musste nur noch das Studierendenparlament darüber abstimmen. Gott sei Dank gibt es an dieser Uni aber auch noch Menschen die ihr Gehirn einschalten- so wurde der Vorschlag der Unileitung abgelehnt.
Das jedoch kann die Bonner Unileitung, die ihre Studenten wegen Hausfriedensbruch und Körperverletzung anzeigt, wenn sie gegen Studiengebühren demonstrieren, nicht so einfach auf sich sitzen lassen. Es muss bewiesen werden, wer am längeren Hebel sitzt. Und auch, wenn das Geld für die Sanierung eigentlich da ist überlegt man sich, wie man die Studenten jetzt noch treffen kann.
Die Lösung ist ganz einfach: nicht einfach das Problem lösen, sondern richtig auf die Kacke hauen (im wahrsten Sinne des Wortes).
Wie einer aktuellen Pressemitteilung der Uni Bonn zu entnehmen ist, wird jetzt überlegt die Toiletten an einen externen Betreiber zu übergeben. Dieser würde dann für die Sanierung aufkommen. Soweit so gut. Das Problem hier nur: die Studenten müssten für ihr Geschäft zahlen.
Und jetzt stell dir vor: Du sitzt in einem Seminar oder einer Klausur oder in der Bibliothek um zu lernen, du hast etwas getrunken und musst mal. Der normale Weg wäre der zur Toilette, doch da steht ein Drehkreuz im Eingang, du musst erst einmal bezahlen bevor du pinkeln darfst. Eine andere Möglichkeit wäre die Uni zu verlassen um in eines der umliegenden Cafés zu gehen, aber du hast nicht genug Zeit um diesen Umweg zu wählen.
Die Unimitarbeiter trifft das natürlich nicht, die haben ihre eigenen Toiletten. Du zahlst über 650 Euro pro Semester, du selber merkst nichts von einer Verbesserung der Lehre und jetzt kannst du hier nichtmal mehr in Ruhe pinkeln.
Wer will noch in Bonn studieren? Anyone?

Turn!

Ich bin etwas spät dran für eine Begrüßung zum neuen Jahr, aber an manchen Dingen kommt man einfach nicht vorbei.

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Seit fast einer Woche ist es hier unglaublich kalt. Seit ebenso langer Zeit liegt hier auch Schnee. Jeder der in Bonn lebt, oder mal hier gelebt hat, weiß was für eine Seltenheit das ist. So ist es schon etwas Besonderes den Hofgarten mal eingeschneit zu betreten. Vielleicht eine der Veränderungen die 2009 mit sich bringt. Bereits zwei Mal hatte ich vor über das neue Jahr zu schreiben, über den Silvesterabend und was danach kam- und zwei Mal habe ich es wieder verworfen.

Silvester war schön, endlich mal wieder eines, das sich nicht gezwungen angefühlt hat, eines an dem ich wirklich Spaß hatte.

Das Jahr hat auch sofort mit einer Entscheidung angefangen. Wenn du besoffen bist, ist dir die Welt sowieso egal, wenn dann auch noch Silvester ist, bist du zu so gut wie allem fähig. Und wenn mich vorher einer gefragt hätte, wie ich reagiere, wenn ich das Mädchen nicht bekomme, hätte ich nicht gewusst, was ich hätte antworten sollen. Heute weiß ich: es ist auch irgendwie egal, denn es ist auch so schon irgendwie gut. Manche Dinge muss man einfach hinnehmen wie sie sind und wenn man endlich Gewissheit hat ist das auch schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Ich bin dann erstmal krank geworden, lag das erste Wochenende des neuen Jahres mit Fieber im Bett- Restereinigung zum Jahresbeginn, so könnte ich es auffassen. Scheißegal, ob da auf der Party eine Virenschleuder herumlief, vielleicht musste 2009 mit einer Selbstreinigung beginnen.

Dennoch spüre ich momentan noch nichts von einem Neuanfang, aber das war auch niemals so, und wird wohl auch nie so sein. Ein neues Jahr ist im Grunde auch nichts anderes als einfach nur ein weiterer Tag. Gerne würde ich jetzt über Tristesse und Einsamkeit schreiben, aber so fühlt es sich nicht an.

Hin und wieder stellt sich schon die Frage, wie man jemanden kennen lernen soll, wenn man dauernd nur mit Mädels unterwegs ist- aber ich bin der festen Überzeugung, dass sich irgendwann irgendwas ergeben wird, dass es wert ist.

Es heißt jetzt schlichtweg das Beste daraus zu machen. Ich für meinen Teil habe mir erstmal vorgenommen akribisch darüber Buch zu führen, was ich in diesem Jahr dämliches mache um dies dann zum Abschluss in ein Ranking zu sortieren. Als bisher einziger Punkt auf der Liste findet sich das Leerkaufen der Kleinkram- Abteilung in einem großen Bonner Spielzeuggeschäft und anschließendes anlegen der Utensilien um so durch die Stadt zu laufen. Das war der zweite Januar- und direkt wurde man in der Stadt wie ein Geisteskranker angeschaut.

Wenn ich darüber nachdenke, was ich in 2008 gelernt habe, was ich daraus in dieses neue Jahr mitnehmen kann, dann… scheiße, ich hab überhaupt nichts gelernt.