Archiv für den Monat Februar 2009

Es klebte einst ein gelber Zettel…

Weil mir einfach kein besserer Titel einfallen will und weil dieser Eintrag sowieso nur als Einschub gedacht ist.

Überall an meinem Schreibtisch hängen momentan Post- its. Post- its mit Notizen, Terminen und Plänen darauf. Nach und nach wird das alles abgearbeitet, aber sie machen mich wahnsinnig. Lassen alles unordentlich aussehen, sitzen mir im Nacken, weil sie mich daran erinnern, was noch alles zu tun ist. Weil sie mich daran erinnern, was ich tun könnte, eigentlich tun sollte, aber heute habe ich wirklich keine Lust mich aufzuraffen. Am liebsten würde ich mich wieder ins Bett legen. Einen Film gucken, vielleicht ein Buch lesen. Es ist Sonntag, verdammt. Bisher habe ich mich geschickt davon abgehalten etwas Sinnvolles zu tun, indem ich mir Bilder von Sharon Tate angesehen habe, anschließnd sämtliche Artikel in der Wikipedia über die Manson- Family gelesen habe und ein wenig an einer Kurzgeschichte geschrieben habe, die mir schon seit Wochen im Kopf herumspukt. Aber wenn ich mir selbst schon nicht in den Arsch treten kann, erledigen das wenigstens die Post- its für mich, wie sie mich anstarren mit ihrem widerlichen Gelb und dieser hässlichen Handschrift auf sich. Ekelhafte kleine Scheißer!

Ein Freitag

Immer wenn Freitag der 13. ist, bin ich gespannt, was der Tag so bringt. Ob er seinem Ruf gerecht wird, oder ob es auch nur ein Tag in der Kette all der anderen Tage ist. Das ein schlechtes Karma auf ihm lastet liegt wohl eher an den schlechten Erwartungen, die wir an ihn knüpfen.

Um sieben Uhr stehe ich auf, die Luft draußen ins klirrend kalt, fühlt sich an den Händen an, als wolle sie sie zerreißen wollen, es ist noch dunkel, die Straßen vom Berufsverkehr überflutet. Ich gehe zur Haltestelle und setze mich in den Bus. In der vergangenen Nacht habe ich recht gut geschlafen und trotzdem fallen mir die Augen zu. Morgens im Bus zu sitzen, zwischen all den anderen hat seine ganz eigene Art. Morgens ist noch niemand richtig da. Blickt man in die Geschichter, sieht man Schatten unter den halboffenen Augen, das Leben in Trance. Als würden Zombies in eine Kleinstadt verfrachtet werden um dort auf Nahrungssuche zu gehen- Willenlos und träge.

Arbeit verläuft gewohnt monoton, danach wie üblich zur Uni, mit dem Ziel gegen 16 Uhr wieder zu Hause zu sein, noch eine Stunde zu schlafen, zu duschen, mich umzuziehen. Daraus jedoch wird nichts. So sitze ich mit David zuerst im Göttlich, wo wir uns über die Trostlosigkeit unseres Daseins unterhalten, um dann im Schneeregen in den Nachrichten- Treff zu wechseln. Der Name ist nicht besonders, aber das Ambiente, sowie die Inneneinrichtung vermutlich das Beste (oder zumindest unter den Top 5) was Bonn zu bieten hat. Was mich auch dazu veranlasst den Werbeslogan „Wo sie auch sitzen, sie sitzen irgendwie allein“ zu texten. In der Tat wahrt dieser Laden die Privatsphäre- irgendwie zumindest, auch wenn man zwischen einem Haufen anderer Leute sitzt. Ich glaube ich werde ab jetzt öfter dort hingehen.

David muss dann los nach Köln, um sich mesopotanischen Jazz rein zuziehen, mich treibt es erstmal orientierungslos durch den Schneeregen. Ich treffe Tom gegen acht an der Uni. Wir haben noch eine halbe Stunde, bis wir die vorbestellten Karten im Kino abholen müssen (siehe Review). Also ein kurzer Abstecher in die dritte Kneipe des Tages, die Brasserie, und dann weiter zum Kino.

Eine nervige halbe Stunde im Wartesaal, bis der Film beginnt, danach weiter nach Endenich. Privatparty. Mir ist seltsamerweise überhaupt nicht nach Trinken und das, obwohl ich besten Grund hätte mal alles, was mich beschäftigt, aus dem Hirn zu spülen. Doch mit jedem Schluck Bier, jedem Schluck Wodka, wird mir schlechter, ohne dass ich betrunken werde. Es wirkt immer fremd sich dann die anderen anzuschauen. Ich fühle mich wie ein Außenseiter, der nicht Teil des Geschehens ist, sondern irgendwie darüber schwebt und still beobachtet. Mag sein, dass ich keine Partymaschine bin, mag sein, dass ich den Stress nicht abschütteln kann. Wer bei lautem Electro auf einem Sofa sitzt und die O- Deklination im Kopf durchgeht, kann nicht mehr ganz normal sein. Trotzdem bleibe ich bis 5 Uhr. Roman bittet mich noch kurz auf ihn zu warten, um gemeinsam den Heimweg anzutreten. Ich gehe schon mal nach draußen und rauche eine Zigarette, er will sich oben noch umsehen, ob er jemanden mit nach Hause nehmen kann. Ich halte ihn für verrückt, nicke aber anerkennend, als er dann tatsächlich in Begleitung nach unten kommt. Ich hätte alleine gehen sollen, denke ich mir, dann wäre die Situation nicht so verdammt seltsam. Aber was soll ich tun? Nochmal fünf Minuten in der Kälte stehen, um den beiden Vorsprung zu geben? So versuche ich etwas Abstand zu halten, trotzdem ist es befremdlich und irgendwie auch trostlos. Mittlerweile bin ich seit 22 Stunden wach, meine Augen brennen und ich fühle mich schwach- habe Hunger. An der Tanke hole ich mir Kippen und eine Thunfischpizza, schaffe es jedoch nicht sie zu essen, falle in mein Bett und schlafe- es ist 5.30. Ich stelle mir jedoch den Wecker um nicht vom Lernpensum abweichen zu müssen. Nach sechs Stunden wache ich von alleine wieder auf und koche Kaffee.

Den ganzen Morgen schon geht mir ein Zitat von Frédéric Beigbeder im Kopf herum:

„Die ganze kleine Welt bumst, vögelt, bläst, leckt Sperma, reibt sich die Klitoris, pumpt an Schwänzen, spritzt auf Gesichter, malträtiert Mösen, peitscht sich die Brüste, bepisst sich, schwuchtelt und wichst in Freude und Entspannung.“- Dem möchte ich hinzufügen: Und ich kleiner Penner sitze hier, lerne Latein, verliere mein Leben, die Lust und blicke auf Leute, mit Neid und Enttäuschung. Die Tage sind trist und alles ist so sinnlos.

Ich hasse glückliche Menschen einfach.

„Guten Tag, guten Tag ich will…“- Nee, der Song war einfach Scheiße

Schon wieder ist es Monatsmitte und schon wieder ist kein einziger Beitrag dazugekommen. Das einzige, was mich ein wenig tröstet ist, dass auch die anderen nichts schreiben. Immerhin habe ich noch die Ausrede, momentan kein Leben zu haben. Außer arbeiten und lernen ist nicht viel los. – Und ich frage mich, ob es für die Leute die mich kennen, genauso seltsam ist, so einen Satz von mir zu lesen, wie für mich ihn zu schreiben.

Semesterferien- normalerweise wäre ich jetzt seit drei (oder mehr) Tagen nicht mehr draußen gewesen, hätte mich nur mit Mühe mal aus dem Bett gequält, würde den ganzen Tag Filme gucken und Chips von meinem Bauch essen. Jetzt freue ich mich schon, wenn ich mal bis 9 Uhr schlafen kann. Was ist trostloser? Ich weiß es nicht.

Das einzige, auf das ich mich momentan konzentriere ist Latein, das Ziel diese beschissene Klausur im März zu bestehen, nicht auf Bachelor wechseln zu müssen. 120 Wörter- das ist weniger als dieser Text. Vitae, non scholae discimus. Oder war es doch andersrum?