Ein Freitag

Immer wenn Freitag der 13. ist, bin ich gespannt, was der Tag so bringt. Ob er seinem Ruf gerecht wird, oder ob es auch nur ein Tag in der Kette all der anderen Tage ist. Das ein schlechtes Karma auf ihm lastet liegt wohl eher an den schlechten Erwartungen, die wir an ihn knüpfen.

Um sieben Uhr stehe ich auf, die Luft draußen ins klirrend kalt, fühlt sich an den Händen an, als wolle sie sie zerreißen wollen, es ist noch dunkel, die Straßen vom Berufsverkehr überflutet. Ich gehe zur Haltestelle und setze mich in den Bus. In der vergangenen Nacht habe ich recht gut geschlafen und trotzdem fallen mir die Augen zu. Morgens im Bus zu sitzen, zwischen all den anderen hat seine ganz eigene Art. Morgens ist noch niemand richtig da. Blickt man in die Geschichter, sieht man Schatten unter den halboffenen Augen, das Leben in Trance. Als würden Zombies in eine Kleinstadt verfrachtet werden um dort auf Nahrungssuche zu gehen- Willenlos und träge.

Arbeit verläuft gewohnt monoton, danach wie üblich zur Uni, mit dem Ziel gegen 16 Uhr wieder zu Hause zu sein, noch eine Stunde zu schlafen, zu duschen, mich umzuziehen. Daraus jedoch wird nichts. So sitze ich mit David zuerst im Göttlich, wo wir uns über die Trostlosigkeit unseres Daseins unterhalten, um dann im Schneeregen in den Nachrichten- Treff zu wechseln. Der Name ist nicht besonders, aber das Ambiente, sowie die Inneneinrichtung vermutlich das Beste (oder zumindest unter den Top 5) was Bonn zu bieten hat. Was mich auch dazu veranlasst den Werbeslogan „Wo sie auch sitzen, sie sitzen irgendwie allein“ zu texten. In der Tat wahrt dieser Laden die Privatsphäre- irgendwie zumindest, auch wenn man zwischen einem Haufen anderer Leute sitzt. Ich glaube ich werde ab jetzt öfter dort hingehen.

David muss dann los nach Köln, um sich mesopotanischen Jazz rein zuziehen, mich treibt es erstmal orientierungslos durch den Schneeregen. Ich treffe Tom gegen acht an der Uni. Wir haben noch eine halbe Stunde, bis wir die vorbestellten Karten im Kino abholen müssen (siehe Review). Also ein kurzer Abstecher in die dritte Kneipe des Tages, die Brasserie, und dann weiter zum Kino.

Eine nervige halbe Stunde im Wartesaal, bis der Film beginnt, danach weiter nach Endenich. Privatparty. Mir ist seltsamerweise überhaupt nicht nach Trinken und das, obwohl ich besten Grund hätte mal alles, was mich beschäftigt, aus dem Hirn zu spülen. Doch mit jedem Schluck Bier, jedem Schluck Wodka, wird mir schlechter, ohne dass ich betrunken werde. Es wirkt immer fremd sich dann die anderen anzuschauen. Ich fühle mich wie ein Außenseiter, der nicht Teil des Geschehens ist, sondern irgendwie darüber schwebt und still beobachtet. Mag sein, dass ich keine Partymaschine bin, mag sein, dass ich den Stress nicht abschütteln kann. Wer bei lautem Electro auf einem Sofa sitzt und die O- Deklination im Kopf durchgeht, kann nicht mehr ganz normal sein. Trotzdem bleibe ich bis 5 Uhr. Roman bittet mich noch kurz auf ihn zu warten, um gemeinsam den Heimweg anzutreten. Ich gehe schon mal nach draußen und rauche eine Zigarette, er will sich oben noch umsehen, ob er jemanden mit nach Hause nehmen kann. Ich halte ihn für verrückt, nicke aber anerkennend, als er dann tatsächlich in Begleitung nach unten kommt. Ich hätte alleine gehen sollen, denke ich mir, dann wäre die Situation nicht so verdammt seltsam. Aber was soll ich tun? Nochmal fünf Minuten in der Kälte stehen, um den beiden Vorsprung zu geben? So versuche ich etwas Abstand zu halten, trotzdem ist es befremdlich und irgendwie auch trostlos. Mittlerweile bin ich seit 22 Stunden wach, meine Augen brennen und ich fühle mich schwach- habe Hunger. An der Tanke hole ich mir Kippen und eine Thunfischpizza, schaffe es jedoch nicht sie zu essen, falle in mein Bett und schlafe- es ist 5.30. Ich stelle mir jedoch den Wecker um nicht vom Lernpensum abweichen zu müssen. Nach sechs Stunden wache ich von alleine wieder auf und koche Kaffee.

Den ganzen Morgen schon geht mir ein Zitat von Frédéric Beigbeder im Kopf herum:

„Die ganze kleine Welt bumst, vögelt, bläst, leckt Sperma, reibt sich die Klitoris, pumpt an Schwänzen, spritzt auf Gesichter, malträtiert Mösen, peitscht sich die Brüste, bepisst sich, schwuchtelt und wichst in Freude und Entspannung.“- Dem möchte ich hinzufügen: Und ich kleiner Penner sitze hier, lerne Latein, verliere mein Leben, die Lust und blicke auf Leute, mit Neid und Enttäuschung. Die Tage sind trist und alles ist so sinnlos.

Ich hasse glückliche Menschen einfach.

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Ein Gedanke zu “Ein Freitag

  1. Wie depressiv. Meinst du du wirst auch zu einem Zombie? Schließlich wirst du auch mit denselben Viehtransportern durch die Gegend gekarrt. Oder bist du schon einer von ihnen? Ein Otto Normalverbraucher, von denen alle doch irgendwie dasselbe denken aber mit niemandem drüber reden können.

    Vielleicht läufst du ja selbst schon rum, als lebender Toter in deiner eigenen kleinen Welt, oder bist kurz davor.

    Naja, ein Funke glüht noch in dir, sonst würdest du nichtmehr bloggen. Der Funke ist aber sicher nicht die „Hoffnung“ das es besser wird, sondern der Funke ist dein eigener Wille es besser zu machen. Der Wille ist das Feuer was uns am Leben hält. Lass das Feuer nicht erlöschen Limbo!

    Dont worry be happy ^^
    Genieß das Leben und tu, was dein wahrer Wille ist.

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