Soweit der Juli

Nach einer anstrengenden Woche neigt sich mal wieder ein Semester seinem Ende zu. Wenn alles nach Planung verläuft, war es das Vorletzte für mich. Ähnlich wie vor dem Abi damals spüre ich schon jetzt, dass der Abschied von der Uni von Melancholie geprägt sein wird. – Doch darum soll es vorerst überhaupt nicht gehen. Letzte Woche Freitag ging es los. Gerade als sich ein kleiner Gewittersturm über dem schwül-heißen Bonn ergoss saß ich im Seminarraum der Linguistik und hielt stammelnd ein Referat, dass ich lustlos und gelangweilt noch am Tag zuvor hingerotzt habe. Anschließend die Erleichterung mal wieder einen Punkt auf der Liste abhaken zu können.

Am Samstag hatte ich dann um 11 Uhr im Maritim zu sein. Schon wieder mal nicht ausgeschlafen. Es galt an die Vorbereitungen für die Euro Conference 2009 zu gehen, die die Uni Siegen hier ausgerichtet hat und bei der ich eine Stelle als studentische Hilfskraft ergattern konnte. Vorbereitung hieß in diesem Fall sich durch die Räumlichkeiten führen zu lassen und anschließend Taschen für die Seminarteilnehmer zu packen. Da kann man jetzt meinen, dass das keine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist, doch für 10 Euro die Stunde mache ich (zumindest noch so lange ich Student bin) so ziemlich jeden scheiß. Um 14 Uhr war das dann auch erledigt. Also den Katzensprung rüber in die Rheinaue gewagt und mir doch die Rheinkultur angetan. Wie so ziemlich jedes Jahr, gab es auch dieses Mal nur eine Band, die mich wirklich interessierte- Get Well Soon. Sie haben die Warterei aber mehr als entschädigt. Die Liveshow eines Paares mitten in der Menge war dabei das amüsante Sahnehäubchen und veranlassten mich kurzzeitig zu der Überlegung mit doch einen Youtube- Account einzurichten- worauf ich aber bisher verzichtet habe. Obwohl wir schon um 10 gingen waren Busse und Bahnen natürlich wieder so überfüllt, dass zumindest ein Fußmarsch bis zum Hauptbahnhof anstand.Gegen vier Uhr habe ich dann endlich schlafen können, wenn auch nur für vier Stunden, denn am Sonntag musste ich bereits um halb 10 wieder auf dem Münsterplatz stehen. Besser: vor der Kamera stehen.

Laurent und Pascal die nun schon seit Jahren an ihrem Monster- Trash- Film „Brutaloras“ arbeiten, hatten mich eine Woche zuvor gebeten die Rolle eines russischen Soldaten (genauer: einer russischen Klonarmee) zu übernehmen. So verbrachte ich meinen Sonntag also damit bei gefühlten 50 Grad, mit Stahlhelm, dickem Sowjetmantel und Springerstiefeln auf dem Münsterplatz mit einer Kalaschnikow auf eine Greenscreen zu schießen. Zumindest haben jetzt wieder viele Chinesen zu erzählen wie bescheuert die Deutschen sind. Gegen drei Uhr waren wir fertig. Zeit für mich in mein 7- Stunden- Wochenende zu starten, indem ich mir die ersten drei Rambofilme angeschaut habe.

Am Montag hieß es um fünf Uhr in der früh aufstehen, mich um sechs in den Bus zu quälen, zwischen all die Menschen, die früh morgens noch frustrierter aussehen als ohnehin schon. So verliefen dann auch Dienstag und Mittwoch. Insgesamt 31 Stunden habe ich in den drei Tagen auf der Konferenz gearbeitet. Wobei man wirklich sagen muss, dass ich eines dabei gelernt habe: Rumsitzen kann verdammt ermüdend sein. Es gab wirklich nicht viel zu tun, war auch nicht anstrengend, die Leute waren nett. Die Vorträge habe ich mangels tiefer gehender Mathekenntnisse überhaupt nicht verstanden, aber nach zwei Mal 12 und ein Mal 6 Stunden ist man froh wenn es vorbei ist. Am Dienstagabend bin ich bereits um halb 10 eingeschlafen, trotzdem fiel das Aufstehen am Mittwoch so schwer, dass ich dachte, ich würde mich nicht einmal bis zum Bus auf den Beinen halten können. Diese Zeit ist einfach nichts für mich.

Nach Feierabend dann noch schnell das Referat für heute vorbereitet. Die letzte Tat in diesem Semester. Die Seminararbeit, die in knapp zwei Monaten abgegeben werden muss, werde ich mit links schreiben und die letzten Stunden bis zur vorlesungsfreien Zeit auf einer Arschbacke absitzen. Vier Wochenstunden im nächsten Semester trennen mich jetzt noch vom greifbar nahen Ende des Studiums. Das sind zwei Veranstaltungen in der Woche. Das ist weniger als ich jemals zu tun hatte. Das ist nur noch ein halber Schritt entfernt davon, dass wieder ein Lebensabschnitt beendet ist. Verdammt- ich sollte dringend wieder mehr saufen.

Und weil jetzt schon fast wieder Herbst wird noch ein bisschen Melancholie zum Mitnehmen:

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