Archiv für den Monat November 2009

Der 1. Advent

Immer wenn ich durch die Straße gehe empfinde ich die Menschen als ein wenig fremder. Aber das ist meistens so, wenn es Winter wird und gehört wohl zu der Melancholie, die ich dieser Jahreszeit herbeidenken will. Im Grunde bin ich ja zufrieden mit meiner Unzufriedenheit und versuche mir ein Stück davon immer zu bewahren- immer ein bisschen schwarz malen, immer ein bisschen Misanthrop sein, immer ein bisschen genau das Kacke finden, an dem sich andere Erfreuen. Die Weihnachtsmärkte, die Beleuchtung, die Adventskränze- hört mir doch auf!

Was mir aber Angst macht ist die Tatsache, dass ich gar nicht mehr das Gefühl habe der dunkle Fleck zu sein, der da leise durch die Gassen schleicht. Genau genommen ist es so, dass niemand mehr doof grinsend durch die Straßen geht und sich an dem erfreut was ihm so begegnet. Eigentlich findet jeder mittlerweile alles scheiße, ist jeder unzufrieden, ist jeder überfordert, fühlt sich jeder fremd.

Und so würde mir nur noch die Möglichkeit bleiben jetzt dieser Lichtquell zu werden, der dem Ganzen entgegen steht: vielleicht ein Lied zu pfeifen, vielleicht auch zu Fremden netter zu sein, vielleicht damit anfangen nicht jeden, den ich nicht kenne kacke zu finden bis er mir das Gegenteil beweist.

Aber so bin ich nicht und so will ich nicht sein. Ich glaube wenn jemand restlos glücklich ist geht er zugrunde. Man kann nicht mehr bestehen, wenn es keine Steigerung mehr gibt.

Und so müssen wir alle wohl einsehen, dass es Zeit ist zur schwarzen Masse zu werden, zu verschmelzen und einen Sog zu bilden der alles Gute absorbiert und zerstört. So lange bis wir wieder von vorne anfangen können. Bis die Welt in Vanilleeis gehüllt ist und irgendjemand kommt, der die Waffel aus der Hand schlägt. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern einfach weil er es lustig findet. Nicht weil er sich denkt, dass das was er tut jemand anderen verletzen kann, sondern einfach um sich selbst zu erfreuen. Und sein Lachen wird durch die Gassen hallen und wir alle werden uns denken: was für ein Problem hat der Kerl überhaupt?

Advertisements