Archiv der Kategorie: Alltag

Diss ist Liebe

Vielleicht ist Liebe immer dann am schönsten, wenn sie zu Ende geht. Wie die Sonne kurz vorm Untergehen, wie ein Regenschauer, der einen sonnigen Tag beendet, wie dieser Einstieg, wenn ich verrate, dass ich eigentlich nur ein paar Takte über die Diss sagen will.

Die Diss und ich, das war in den letzten Jahren nämlich eine sehr holprige Beziehung. Meist war ich daran schuld, konnte ihr nicht ganz gerecht werden, hatte mehr versprochen, als ich Energie aufbringen konnte, war oftmals abgelenkt und nicht genug für sie da. Zugegeben, ich habe mich nicht immer von meiner besten Seite gezeigt. Dennoch ist sie stets bei mir geblieben und ich war ihr treu, habe versucht, mich gut um sie zu kümmern. Aber nur allzu oft haben wir einsam nebeneinander gelegen und hatten uns nichts zu erzählen, außer dem, was wir schon tausend Mal besprochen hatten. Es gab Gedanken (und Gelegenheiten), es einfach zu beenden. Doch wir hatten einander – irgendwie; und wenn es nur dazu diente, dass wir uns trennen.

Der Zeitpunkt rückt nun näher und bald ist es soweit Lebewohl zu sagen. Dieser Abschied unterscheidet sich insofern von so vielen anderen, als dass ich ihn diesmal wirklich will. Ich spüre, dass ich heiß bin, dass ich fokussiert bin, wie seit Jahren nicht mehr. Mit dem Ende im Blick fühle ich mich so voller Kraft, was das Schreiben angeht, dass ich diese Woche seit Tagen schon herbeisehne. Alles ist geplant und natürlich weiß ich, dass nichts laufen wird, wie ich es mir vorstelle. Und trotzdem wird es am Ende gut sein. Es ist die letzte innige Umarmung, die einem noch einmal zeigt, dass es das alles wert war. Irgendwann werden wir uns wieder sehen und das soll nicht im Zorn geschehen. Es wird nicht im Zorn geschehen. Weil wir einander immer in uns tragen werden. (Und ich sie auf dem Person, dem Klingelschild und auch der Bäcker wird mich in den ersten Wochen verdammt nochmal mit „Herr Doktor“ anzusprechen haben! Aber das ist eine andere Geschichte.)

Ab Donnerstag werde ich die Vorhänge zuziehen und ihr das Beste geben, was ich geben kann. So soll es enden, so habe ich es versprochen. Ich hoffe, ich werde sie nicht enttäuschen.

Und jetzt komm! Dich schreib ich sowas von fertig, du kleine Schlampe.

La Scimmia scrive nello Zucchero

Gestern habe ich zwei Entschlüsse gefasst. Zum einen soll die Diss bis Ende September fertig werden, zum anderen will ich wieder mehr bloggen. Ich weiß nicht, welcher der beiden utopischer ist. Zumindest für die Diss habe ich einen Zeitplan und Notizen, für den Blog habe ich lediglich einen Zettel auf dem steht „mehr bloggen“. Mehr ist mir nicht eingefallen und sogar dafür musste ich mich anstrengen.

Nachdem ich hier gestern seit einer gefühlten Ewigkeit wieder etwas geschrieben habe, habe ich mich noch eine ganze Weile durch das Archiv geklickt, habe mir das gesamte Jahr 2009 durchgelesen und irgendwie hat es mich glücklich gemacht. An viele der Einträge konnte ich mich gar nicht mehr erinnern, an andere wiederum sehr genau; meist wenn mir einfiel, wie schlecht und überflüssig ich sie seinerzeit fand. Vieles von dem, was mir damals so nutzlos und inhaltsleer vorkam, hat gestern allerdings Gedanken und Gefühle aufleben lassen, die einen nostalgischen Wert für mich hatten, den ich so nicht erwartet habe.

Als ich diesem Blog irgendwann im letzten Jahr einen neuen Look verpasst habe, hatte ich vor, stilisierte Texte zu veröffentlichen – bloß nicht zu persönlich, bloß nicht zu sehr den Eindruck eines Tagebuchs erwecken. Mit Wortspielereien und Metaphern auf die Kacke hauen, am besten sogar in ästhetisch ansprechenden Texten. Geschrieben habe ich von da an natürlich kaum noch was.

Scheiß drauf, hab ich mir gestern gesagt, sogar mein Latein-Gejammer aus 2009 hat mich gut unterhalten. Never change a winning team, diesdas – Ich werde niemals aufhören, mich leer zu fühlen und es gibt immer noch genug, über das ich jammern kann. Warum das Schreiben sein lassen, nur weil ich Angst habe, dass irgendwer auf mich zukommt und sagt: „Ey, Limbo, was haste da jetzt wieder für einen Scheiß geschrieben?“ (und bevor jemand diesen Satz gleich als Kommentar bringen will: mach dir keine Mühe, ist einkalkuliert.)  Ich muss mich davon frei machen. Ich bin keiner, der hier den Poeten spielen will, ich bin erst recht keiner, der seine politischen Ideale in die Welt hinaus schreit. Und was ich dann erkennen musste, glaubst du mir nie: ich will das alles ja auch gar nicht sein. Manchmal habe ich eine Eingebung, meist jedoch ist alles ohne Konzept und verdammt noch mal: ich bin wie ich bin. Ich will nörgeln und mich dabei in pathetischer Melancholie wälzen, ich will Metaphern von Sternenhimmeln benutzen und die traurige Welt anklagen. Nicht, weil ich denke, dass daraus Kunst wird, sondern weil das Dinge sind, die ich mag.

Und wenn ich es beschissen finde, dann weiß ich, dass es mich in irgendeiner Sommernacht 2025 eventuell abholen wird. Hallo Zukunfts-Ich: fühl dich gedrückt, du kleiner Knuffel!

Und außerdem will ich aufn Arm.

Mit Schinken schminken

Ich muss mal wieder etwas schreiben, das denke ich mir seit Tagen schon. Einfach um des Schreibens willen. Natürlich habe ich keine Idee, also mache ich es intuitiv.

Ich hatte mal eine klasse Idee für ein YouTube-Video. Daraus ist nichts geworden, aber die Idee steht auf einem Post-It, das neben meinem Monitor klebt. Mit einer einzigen Idee machste halt kein YouTube. Sowieso ist YouTube eher für die jungen Menschen. Die haben noch Ideen. Oder zumindest Energie. Ja, Energie haben diese jungen Menschen. Junge Menschen gehen auch ständig tanzen. Die können drei Tage durchsaufen und haben nichtmal dicke Augen. Ich hab schon dicke Augen, wenn ich drei Stunden am Stück meine Kontaktlinsen trage. Ich war auch schon ewig nicht mehr tanzen. Ich bin viel zu müde zum Tanzen. Manchmal hätte ich Lust zu tanzen, dann fallen mir aber diese ganzen jungen Menschen ein. Die tanzen alle viel schneller als ich, da kommste in meinem Alter gar nicht mehr mit. Sowieso wirkst du einfach nur deplatziert, wenn du jetzt plötzlich wieder tanzen gehst. Stehst müde im Club und wirkst wie so ein Hängengebliebener. Golf Club, okay – aber du kannst doch am Wochenende nicht einfach rausgehen und dich betrunken an 20jährigen reiben. Was für früher noch ganz charmant war, wirkt ab einem gewissen Punkt nur noch eklig und verzweifelt. Wie diese Kerle, die ihre Midlife-Crisis auf Twitter ausleben. Du weißt ja auch gar nicht, was du mit den jungen Menschen besprechen sollst. „Bachelor, aha. Ja, davon habe ich mal gehört.“ Dann redest du doch und merkst, wie du die ganze Zeit von früher erzählst, als du in deren Alter warst. Deine besten Jahre. Das war, bevor du jeden Morgen deine Haare aus dem Ausguss prökeln musstest und bevor deine Geheimratsecken in der Sonne so lustig geglänzt haben. Noch ein paar Jahre und du fährst im Sommer dein Cabrio spazieren – einen schönen Sonnenbrand auf der Platte. Aber erstmal so weit kommen. Erstmal raus aus dieser Konversation, raus aus diesem Club, ab nach Hause und rein in die Jogginghose. Die schauen dich hier alle schon so komisch an. Merken, dass deine Augen schon müde werden, weil die Kontaktlinsen zu lange drin sind. Du bist wie Cinderella, nur in kläglich. Schnell raus hier, bevor jemand merkt, wie fertig du bist. Zu Hause ist immer Zeit für ein Schläfchen, zu Hause sieht niemand, wie erschöpft du bist. Zu Hause könntest du ein YouTube-Video machen. Das geht schnell, das kannst du schneiden. Zwischendrin ein Nickerchen und keiner bemerkt den Schwindel.

Nur ein paar mehr Ideen für YouTube-Videos und meine Internet-Karriere könnte so richtig durchstarten. Ich wäre immer präsent, die Leute würden mich um meinen Lifestyle beneiden und niemand würde jemals die Wahrheit erfahren. Ich würde in der Abendsonne ein Bier trinken und einfach gar nicht erwähnen, dass ich anschließend Mortadella aus der Packung gegessen habe. Ich würde den Leuten nur den ganzen geilen Scheiß zeigen, würde eine irre Show abziehen und wenn die Kamera dann aus ist, kann ich mit gutem Gewissen zusammenbrechen, ohne dass es jemand weiß. Das ist, was mir am Internet am allerbesten gefällt: du kannst authentisch sein und trotzdem lügen, dass sich die Balken biegen. Aber es ist keine richtige Lüge, weil du es einfach nicht erzählst. Das Display verzerrt nichts, aber es ist trotzdem zu deiner Maske geworden, hinter der du all deine Verachtung verstecken kannst. Wie ein großes Familienfest, auf dem man nur das Beste erzählt. Und das fanden wir doch schon immer geil, oder nicht?

Mantra, Mantra!

Du dachtest immer es würde sonst was passieren wenn die Welt untergeht, aber so ist es nicht. Alles ist still und statisch, alles geht weiter wie gehabt. Für die meisten ändert sich gar nichts. Der Mond hängt immer noch da oben als wäre nichts geschehen.

Du stehst am Fenster und schaust auf die Straße. Irgendwann sind dann die Zigaretten alle, also gehst du ins Bett. Liegst eine Weile reglos da und wirst wütend, weil dieser Fleck an der Decke die ganze Zeit vor deinen Augen tanzt. Drehst dich aber nicht um, sondern schaust weiter hin, bis es dir irgendwann so vorkommt, als würde er dich anstarren.

Und machst du dann die Augen zu, sind da keine Bilder. Kein Gedanke, der dich tröstet und kein Ort an den du dich flüchten kannst. Da ist nichts. So viel Nichts, dass es dir Angst macht. Du wirst erst unruhig, dann panisch, weil du nicht weißt, ob du schon gestorben bist. Vielleicht hast du einfach vergessen zu atmen. Was ist, wenn das schon alles war? Dieses Bett in diesem Zimmer, diese Leere, dieser Fleck. Und was, wenn es dem Mond egal ist, was mit dir passiert, weil er weiß, dass er ewig dort hängen wird? Fühlst dich mitunter so klein, wie du einfach dahin treibst in seinem Licht, das gar nicht für dich bestimmt ist, obwohl nur du ihn so siehst.

Aber der Mond scheint nur symbolisch und du kannst dich genau so gut der Illusion hingeben, dass auch der Fleck an Decke nur in deinem Kopf existiert. Dass er tanzt als eine Erinnerung, als eine Vision von der Zukunft, als Angst vor dem Ungewissen. Du kannst seine Aufforderung annehmen und dem Mond wird es egal sein, weil er ewig dort hängen wird, ganz gleich, ob du tanzt oder nicht. Vielleicht hast du nur vergessen zu atmen.

Die wahrscheinlich verrückteste Geschichte, die du je gelesen hast

Das Schicksal hat mich heute mal wieder nach Lengsdorf geführt, diesen kaum wahrgenommenen, fast vergessenen Teil Bonns, in den niemand geht und aus dem auch einfach niemand zu kommen scheint. (Ich zumindest habe in den mittlerweile fast 10 Jahren, die ich in Bonn lebe, noch nie irgendwen sagen hören, dass er in Lengsdorf wohnt oder dort jemanden besuchen fährt. Ich kannte zwar mal jemanden, der dort arbeitet, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte) ‚ Schicksal‘ ist vielleicht auch ein etwas übertriebener Begriff, denn das Schicksal heißt eigentlich GLS, die mal wieder den hinterletzten Paketshop beliefert haben, den sie kennen .

Wie dem auch sei: ICH WAR HEUTE IN LENGSDORF! Und zwar wieder hier. Und ich muss gestehen, dass ich schon ein wenig nervös war, ob es wieder zu einem kleinen Psychospiel zwischen mir und dem Köter kommen sollte. Das letzte Mal, als ich dort war, lief zwar glatt, aber man sollte immer auf mögliche Katastrophen eingestellt sein.

Zu meiner Erleichterung lag er aber ganz entspannt auf der Straße und zeigte keinerlei Regung, als ich an ihm vorbei lief. Vermutlich ist er mittlerweile auch alt und träge, vermutlich auch fast blind und im Grunde ist es auch egal, denn er rührte sich nicht und ich konnte mein Paket abholen.

Jetzt überlegt der geneigte Leser vermutlich: „Wie geht diese irrsinnige Höllenfahrt wohl weiter? Welchen Kniff hat er auf Lager, der mir gleich völlig die Schuhe auszieht?“ Und tatsächlich habe ich noch einen Trumpf auf der Hand, sonst würde ich mich ja nicht hinsetzen und mir die Zeit nehmen, einen Blogeintrag zu verfassen. Mittlerweile haben sich nämlich die Betreiber des Paketshops (die hauptgeschäftlich Gartenbedarf verhökern) einen Hund zugelegt[!]: Ein monströses, fettes und vor allem grimmiges Vieh, das natürlich direkt aufbellte, als ich schwitzend den Laden betrat. („Fucking hell, das darf doch nicht wahr sein!“) Die Besitzerin hat ihn dann zurückgerufen, aber er knurrte noch einige Minuten weiter, bis ich mit meinem Paket den Laden verließ. Das war schon echter Stress!

Worum es aber eigentlich gehen soll: Lengsdorf. Und davon wollte ich schon die ganze Zeit erzählen, denn dort war ich schließlich heute. Bin dann mit meinem Paket in der Hand die kleinen Straßen entlangspaziert und habe mich plötzlich wie im Urlaub gefühlt. Das soll man jetzt nicht falsch verstehen: nicht, wie in einem coolen Urlaub, sondern eher wie auf einer Klassenfahrt, in der man plötzlich im hinterletzten Kaff festhängt. Tatsächlich habe ich sogar noch mehr Menschen dort gesehen, als ich erwartet hätte, dies waren aber vorwiegend sogenannte „rüstige Rentner“ auf dem Weg zum Einkaufen oder vom Einkaufen wieder nach Hause. Es gibt dort auch keinen klitzekleinen Gemüseladen, in dem Eier aus eigener Haltung verkauft werden und Schnittblumen. Fast wäre ich rein gegangen, weil ich das ja doch sehr charmant finde. War mir dann aber auch zu blöd, schwitzend und mit meinem Paket unter dem Arm, außerdem habe ich noch ein ganzes Paket Eier zu Hause und nur wenig Bedarf an Schnittblumen.

Lengsdorf auf jeden Fall ist eine verdammt öde Gegend, in der jeder Lebenswille wie eingefroren scheint. Hier geht man hin, um sich den gemütlichen Dingen zu widmen und vielleicht lasse ich mich irgendwann einmal dort nieder. In diesem Sinne: vielen Dank, GLS für dieses einmalige Erlebnis!

XOXO, euer Limbo.

P.S.: Ach ja, ich habe noch dieses schöne Bild von ganz vielen Hummeln gemacht.

Bzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz
Bzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz

Back to the roots, bitches!

Ich könnte ja gerade nur noch jammern. In Selbstmitleid zerfließen, mir einen Klappstuhl über den Schädel ziehen und anschließend stumpf in irgendeine Ecke kotzen. Das Problem: ich habe keinen Klappstuhl und außer einem leicht feuchten Würgen krieg ich einfach nichts raus.

Ich kann auch nicht mehr vernünftig schreiben, deswegen kriegt dieser Blog jetzt mein Diss-Gejammer ab.

In den letzten Wochen bin ich so fürchterlich unausgeglichen, dass nicht mal Sport in irgendeiner Form helfen kann, die Laune dauerhaft zu verbessern.

Im Wesentlichen dreht sich mein Leben nur noch um zwei zentrale Punkte: Arbeit und Diss (also noch mehr Arbeit). Und es kotzt mich so dermaßen an, dass ich es nur schwer in Worte fassen kann. Es laugt aus und zerrt so sehr an meinen Nerven, dass ich allmählich das Gefühl habe, keinen einzigen Schritt weiter gehen zu wollen. Ich will mich hinlegen, zusammenrollen und solange ausharren, bis sich die Dinge von alleine gefügt haben. Leider bin ich nicht ganz so dumm, wie ich es gerne wäre, also ist mir bewusst, dass ich selbst etwas dafür tun muss, aber verdammte Scheiße: ICH KANN EINFACH NICHT MEHR! Ich will abgeholt werden, ich will aufn Arm und ich will ne kalte Cola trinken, bevor mich jemand zudeckt und mir sagt, dass alles gut wird. Dann will ich erstmal schlafen und aufwachen, ohne daran denken zu müssen, was noch zu tun ist. Die Fähigkeit, ohne einen einzelnen Gedanken meine Zeit zu vertun, war immer einer der Wesenszüge, die ich an mir selbst sehr zu schätzen gewusst habe. Das hat mich vor ein paar Jahren natürlich auch nicht wirklich glücklich gemacht, heute fehlt mir die Fähigkeit, weitab von allen Pflichtgefühlen einfach vor mich hinzuvegetieren manchmal sehr. Versuche ich heute zu entspannen, sitzt mir mein Verantwortungsbewusstsein im Nacken, wie ein kleiner Affe, der kontinuierlich auf mich herabscheißt. Schön ist das nicht.

Ich stelle fest, dass ich mittlerweile wegen der banalsten Dinge an die Decke gehe. Ich kann mich in Sachen hineinsteigern, kann schreien und keifen und habe 10 Minuten später überhaupt keine Ahnung mehr, worum es eigentlich ging. Das hilft aber auch nicht wirklich gegen die Unausgeglichenheit sondern führt nur dazu, dass ich mich selbst total ätzend finde und noch unzufriedener werde.

In Gedanken habe ich die Diss allein heute schon fünf Mal einfach hingeworfen, wissend, dass ich auch so bescheuert gar nicht sein kann. Aber wie schön es wäre, einfach alle Bücher und Notizen in einen Karton zu schmeißen und abzufackeln.

Long story short: ich hoffe inständig, dass das gerade nur „so eine Phase“ ist, die sich wieder legt, wenn….keine Ahnung. Endlich mal wieder irgendwas gutes passiert.

Ich hab nicht mal einen netten Song zum Abschluss, weil ich Musik gerade auch total scheiße finde. Obwohl, doch: nehmt Bubble Butt einfach, weil das Video so großartig ist (und ich mag wie aggressiv diese drei Tänzerinnen sich bewegen):

Opa erzählt von später

Den ganzen Sommer lang habe ich auf den Herbst gewartet. Ich hatte keine Lust mehr auf die schwüle Hitze, auf zwei gute Tage und danach Gewitter. Keine Lust auf die Schlappheit und auf Schwitzen. Keine Lust auf diese Trägheit im Schädel und keine Lust auf lange Tage.

 Jetzt, wo der Herbst allmählich kommt und mit ihm das Geräusch von Blättern, die der Wind über den Asphalt treibt  und Luft, die frühmorgens schon nach Eis riecht, wird mir bewusst, dass ich eine entscheidende Sache nicht bedacht habe. Mit dem Herbst kommt immer auch mein Geburtstag. In den letzten Jahren war das keine große Sache, ein Tag wie jeder andere, ganz angenehm sogar und nur noch Erinnerung an das emotionale Loch, in das ich fiel, als ich 25 wurde. Sogar die 30 habe ich im vergangenen Jahr sehr gut weg gesteckt.  In diesem Jahr jedoch wird mir schon schlecht wenn ich nur daran denke. Vielleicht, weil die 30 dann hinter mir liegt, plötzlich jung erscheint. 31 ist die Hölle. Plötzlich liegen die 20er nicht mehr nur ein paar wenige Monate, sondern ein ganzes Jahr zurück.

Ich fange wieder an daran zu denken, wo ich stehe. Mit der Diss, mit nem Job, und wo ich im Leben bin. Wo verdammt habe ich eigentlich erwartet zu sein? Und eigentlich – das ist das Paradoxe – bin ich sogar zufrieden, aber irgendwie auch nicht. Die Dinge könnten doch immer irgendwie noch runder laufen, vielleicht noch besser sein. Und auch wenn ich bewusst keinen Druck spüre, der auf mir lastet, niemand der mir sagt: „Tu dies, tu das, du solltest doch mittlerweile eigentlich…“, stelle ich fest, dass ich jeden Tag angespannter aufwache. Der Magen verkrampft sich mir bei dem Gedanken, einfach immer älter und älter zu werden, ein Strudel, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Du könntest jetzt noch ein paar Jahre genau so weiterleben und damit zufrieden sein und eines Tages wachst du auf und bist dann 40. Was, wenn ich momentan an einem Punkt in meinem Leben bin, in dem ich mir eigentlich selbst in den Arsch treten sollte? Dinge tun, auf die ich keine Lust habe, die mich noch nichtmal besonders reizen? Was wenn jetzt die Gelegenheit ist, die Weichen für das zu stellen, das mich vielleicht nicht heute aber in 10 Jahren glücklich macht?  Ich habe mir jetzt jahrelang eingeredet, dass das, was einen glücklich macht automatisch das richtige ist. Aber was, wenn dieses zufrieden-in-den-Tag hinein leben eine Sackgasse ist, für die ich mich irgendwann mal verfluche.

Das sind die Gedanken, die mich in den letzten Wochen begleiten. Dazu die Tatsache, dass ich zu viel arbeite, um Fortschritte bei der Diss. zu sehen und zu wenig, um zu sagen, dass das jetzt anscheinend mein neues Ding ist. Und nebenher fangen die Leute an zu fragen, was ich denn an meinem Geburtstag mache. Ich sage, ich weiß es nicht – und ich weiß es auch nicht, will mir keine Gedanken darüber machen.  Ich freue mich über ein paar nette Worte, von Menschen die ich gerne habe und der Rest ist mir egal. Am liebsten hätte ich, dass mich jemand in den Arm nimmt und mir mal wieder sagt, dass alles gut ist, dass die Dinge richtig sind, wie sie laufen, dass es sich lohnt diesen Weg zu gehen, dass die Zeit schon alles richten wird. Ich will den Nacken gekrault kriegen und dabei gedankenlos wegpennen, diesen Tag einfach friedlich überstehen. Kein großes Procedere, das mich nur immer wieder daran erinnert, was ich mir selbst für ungreifbare Vorstellungen von einer Zukunft mache.

Ich will im Laub liegen und den Herbst angucken, ich will das Eis in der Luft schmecken und die Augen schließen. Ich will schlafen und mit dem Gefühl aufwachen, das alles gut ist wie es ist. Vielleicht muss man nur dran glauben.

Herr L.

Mir kam der Gedanke dieses Blog als Blog zu reaktiveren, keine Videos mehr. Zumindest nicht ausschließlich – und vor allem nicht nur alle paar Monate.

Zunächst habe ich den Einfall ebenso schnell verworfen, wie er gekommen war. Heute war er wieder da und eh ich mich versehe, habe ich ein Word-Dokument offen und tippe. Irgendwas, scheißegal.

Ich befürchte ja, dass ziemlich viel pathetischer Quatsch dabei herauskommen wird, aber auch das soll mir jetzt egal sein. Sollen die Texte ruhig triefen wie Frittenfett, mir ist gerade danach. Die letzten Tage sitze ich viel herum. Ich höre Musik, starre vor mich hin, manchmal nicke ich weg. Der Zustand stört mich nicht einmal. Es ist nicht langweilig und es kommt mir nicht dröge vor. Mich langweilen so viele andere Dinge: Internet, Fernsehen, weggehen, reden. Über allem liegt das Gefühl der Sinnlosigkeit, das ich eigentlich nur aus tristen Herbsttagen kenne. Es ist, als wenn sich eine Leere in mir breit macht, die mir die Freude nimmt, den Schwachsinn zu tun, den ich eigentlich sehr gerne tue. Dabei ist es noch nicht mal eine traurige Leere. Es ist mehr ein melancholisches Gefühl, das es sich gemütlich macht und mit dem ich sehr gerne alleine bin. Das Gefühl, dass irgendwo noch mehr wartet. Etwas von dem ich noch gar nichts weiß und dass ich noch nicht einmal denken kann, weil es noch keine Idee von etwas ist. Alles was ich tue oder nicht tue steht in seinem Schatten und während ich dasitze und nachdenke, versuche ich es zu ergründen, aber da ist keine Antwort. In den guten Momenten denke ich, dass ich mich vielleicht mal wieder verlieben will und mir das selbst nur noch nicht wirklich eingestehen möchte. In den schlechten frage ich mich, ob es sich eventuell so anfühlt, wenn man innerlich vor sich hin stirbt. Gelange ich an einen Punkt, an dem es mir schlichtweg egal ist, irgendwann noch irgendwas für irgendwen zu fühlen? Schlimmerweise bin ich mir noch nicht sicher, welche der beiden Varianten die attraktivere für mich ist. Mittlerweile bin ich in der Lage meine Gedanken umherziehen zu lassen und sie völlig emotionslos zu betrachten, so als wären es die Spinnereien eines anderen. Sie schweben wie Seifenblasen vor mir her und ich versuche sie mit Bildern zu füllen. Mit Bildern die nicht kommen, oder nur dann, wenn ich sie provoziere. Sie haben keinen Bestand. Und wenn ich diese Worte noch mal lese erscheinen sie mir ganz und gar wie die Spinnereien eines anderen.

Freitag

In letzter Zeit sitze ich häufig da, habe ein Buch auf dem Schoß liegen, halte einen Bleistift in der Hand, mit dem ich mir kleine Vermerke an den Rand schreibe. Kurzum: ich spiele mir selbst den Intellektuellen vor. Indem ich, während ich lese, versuche ganz ruhig und besonnen zu sein, kommt es, dass ich irgendwann sogar selber daran glaube. Ich bewege mich langsamer, ganz bedächtig und WERDE tatsächlich ruhig und besonnen, wenn ich dasitze, lese und mir mit meinem abgekauten Bleistift Notizen am Rand mache. Manchmal komme ich mir dann sogar wirklich wie ein Intellektueller vor, wie jemand der das, was er tut mit der Routine eines Lebens tut. Dabei muss ich immer noch schmunzeln, wenn mich jemand „Akademiker“ nennt.

To the Devil a Weblog

Als ich frisch mit dem Studium fertig war (mittlerweile auch schon fast zwei Monate her) habe ich mir vorgenommen einen neuen Blog zu eröffnen. Ein Blog in dem es um Filme geht, vornehmlich klassische Horrorfilme. Ideen habe ich gesammelt, Notizen für Artikel gemacht – endlich mal strukturiert Bloggen, endlich mal wirklich daran arbeiten und nicht nur runterschreiben. Über Filme schreiben – mehr und mehr ist mir aufgegangen, dass es das ist, was ich gerne mache, gerne weiterhin machen möchte – zumindest vorerst. Wie die Chancen dafür stehen, dies (vorläufig) weiterhin tun zu können, wird sich hoffentlich in der kommenden Woche entscheiden.

Mit einer Hommage an die von mir so geliebten Hammer-Filme wollte ich den neuen Blog starten. Habe schon Titel ausgewählt (gute wie schlechte), mir Gedanken gemacht, den ersten Artikel geschrieben, wollte ein wenig vorbereiten, um (zumindest zu Beginn) auch regelmäßig veröffentlichen zu können. Und dann:  die übliche Schreibpause. Nicht einmal eine Blockade, auch keine Unlust, pure Faulheit. Dieser will ich zur Zeit entgegenwirken, indem ich zumindest hier wieder regelmäßiger schreibe.

Auch ärgert es mich, dass mir bisher kein besserer Titel für den neuen Blog eingefallen ist. Da ich aber hoffe, ihn nun bald doch endlich starten zu können, ist dieser Eintrag als ein klein wenig Eigenwerbung gedacht.

Und weil es irgendwie passt, hier der  wunderbare Score zu Fulcis Zombi 2 (a.k.a. Woodoo a.k.a. Zombie Flesh Eaters).

# 8

Uff – seit 4 Monaten liegt das hier schon wieder brach? Die Zeit rast, liebe Leute, lasst euch  das gesagt sein. Und so viel sich auch getan hat, so wenig gibt es zu berichten. Klingt absurd, ist aber so.

Ich war fleißig, ich war faul, war geschäftig und lethargisch, wurde mürbe, wurde müde, war traurig und erschöpft, ich hab gerockt, ich hab verloren. Keine Lust zu reden, kein Elan zu schreiben – das alte Lied.

Jetzt muss der Blick nach vorne gerichtet werden – weiterdenken, weitermachen, weitergehen. Es ist ein Gefühl, wie wenn man morgens noch 5 Minuten länger liegen bleiben will, weil es außerhalb der Decke so verdammt kalt ist.

Ach kacke, ich schwadronier‘ schon wieder. Wird Zeit schlafen zu gehen.

Den geb ich euch aber noch mit, weils mitten in der Nacht nur wenig gibt was besser ist:

 

* Nachtrag:

Meine erste Bekantschaft mit dem Song habe ich übrigens 1995 gemacht. Allerdings als Opening Track der Thunderdome XI. Die Anekdote wollte ich euch jetzt nicht ersparen, vorallem weil der Song in der Form einfach so scheiße ist, dass er… naja, er ist einfach nur scheiße.

 

 

 

Machste nix…

Diese chronische Unzufriedenheit muss aufhören, echt mal. Es gibt Tage, da will ich nach draußen gehen und einfach irgendwas kaputt schlagen – weil ich das aber nicht mache bleibt es dann dabei, dass ich unzufrieden bin. Es geht sogar schon wieder so weit, dass ich denke, dass mich diese Stadt nervt. Aber wegfahren? – Wohin, wenn man weiß, dass es anderswo genauso scheiße ist. Außerdem kennt man da auch keinen. Dann ist da auch noch dieser ständige Zwiespalt aus Menschenhass und Nähebedürfnis. Der Drang alles mies zu machen, jeden scheiße zu finden, sich so lange irgendwelche Bilder anzugucken, bis man die Fressen hasst, die darauf abgebildet sind – und dann stellt man fest, dass man Fotos von sich anguckt. (Notiz an mich: total platt, aber irgendeine Pointe musste her. Zeit für nen neuen Absatz.)

Abhängig ist meine Laune momentan immer davon, wie gut ich tagsüber mit meiner Magisterarbeit vorangekommen bin. Ähnliche Stimmungsschwankungen müssen Schwangere haben. Oder Manisch- Depressive. Wie man sich als manisch- depressive Schwangere fühlt, will ich mir gar nicht ausmalen. (Notiz an mich: wieder so blöd.)

Gestern ist mir mal wieder aufgefallen, dass ich mir das Leben in diesem Alter als Kind einfach ganz anders vorgestellt habe. Mit 10 war ich fest davon überzeugt, dass ich mit 26 bestimmt Auto fahre. Mit 15 habe ich gedacht, dass ich bei der Bundeswehr bin. Noch mit 18 habe ich gedacht, dass man mit Mitte 20 schon ans Heiraten denkt. – Gestern war ich auf dem Kindergeburtstag eines 28 jährigen (mit Topfschlagen). Noch vor 2 Monaten habe ich übrigens gedacht, dass es mir fehlen wird nicht mehr zu rauchen, dass ich nicht mehr derselbe bin – jetzt weiß ich, dass sich gar nichts ändert. Nichts ändert sich außer, dass wir alle im älter werden. (Wie oft ich das in den letzten Jahren schon geschrieben habe, kann ich auch nicht mehr zahlen. Notiz an mich: irgendwann ist die Floskel auch ausgelutscht.) Aber ich denke daran, dass wir bald in das Alter kommen in dem wir uns ernsthaft mit der Zukunft beschäftigen müssen. Eine Zukunft außerhalb der Uni (kaum vorstellbar). Arbeiten, aber wo? Und als was? Familie? Ein Haus? Irgendwo aufs Land ziehen? In der Stadt bleiben? Auswandern? – irgendwann sollte das alles mal losgehen. Seltsamer Gedanke.

Ich würde gerne rausgehen und ein dickes „Fickt euch alle“ auf die Straße sprayen, ganz so als wäre ich wieder 16. Das wäre zwar dumm, aber wenigstens mal wieder ein Statement.

Rückmeldung #1

Weil ich hier schon (zu) lange nichts mehr geposted habe. Und weil ich wieder einen Einstieg brauche. Und auch weil der Winter nun tatsächlich zu Ende zu sein scheint. Weil der Sänger so herrlich weggetreten aussieht. Und vorallem weil es die beste Version ist, die ich bisher kenne.

Der 2. Advent

Als ich in die neue Wohnung zog saßen im Badezimmer über der Tür zwei Spinnen. (Notiz an mich: Super Einstieg!) Die eine war noch sehr klein und auch die andere war nicht wirklich abscheulich, also durften sie bleiben. Irgendwann jedoch wurde die größere von beiden zu groß, deswegen habe ich sie getötet. Sie hinterließ einen kleinen Fleck an der Wand. Die andere Spinne wanderte in Folge dessen in eine andere Ecke des Badezimmers und wuchs dort heran. Erst als sie so groß war, wie die größere (nun tote Spinne) anfangs kehrte sie an exakt denselben Platz zurück an dem die Tote vorher saß. Dies kann ich wunderbar anhand des Flecks abschätzen. Und wir alle wissen, was ich mit ihr anstellen werde, wenn sie weiter wächst.

Warum ich das erzähle? Nun ja, zum einen, weil ich finde, dass es eine ganz wunderbare Parabel auf die Menschheit ist, und wir alle die Fehler unserer Vorfahren begehen, zum anderen (und eigentlich viel eher) deshalb, weil ich mir Gedanken darüber gemacht habe was so eine Spinne eigentlich für einen Sinn im leben hat. Sie sitzt wirklich nur an einem Fleck herum und bewegt sich nur, wenn es was zu essen gibt. Das hat mich dann wiederum an mich erinnert.

Im Grunde tun mir diese zwei Tage Uni, die ich in der Woche noch habe nicht wirklich gut. Was dazu führt, dass ich versumpfe. Ich habe das Gefühl, dass ich auch schon mal klüger war und dass alle Forschungen, die behaupten vom zocken würde man dumm werden stimmen. Mittlerweile streck ich da aber schon viel zu tief drin, so dass es mir egal ist und ich mein Schicksal gleichgültig ertrage. Auf der anderen Seite spinne ich mir natürlich auch Theorien zusammen nachdem es gar nicht das Zocken ist, das dumm macht, sondern nur die Tatsache, dass es mich davon abhält mal wieder ein Buch zu lesen.

Jetzt neigt sich das Jahr schon wieder dem Ende zu und alles auf das ich zurückblicken kann sind die Prüfungen, die ich im Frühjahr bravourös gemeistert habe. Danach kam dann eigentlich nichts mehr. Ein paar Spiele hab ich durchgespielt und das zeigt eigentlich sehr schön wie alles vor sich hinläuft.

Wenn ich aber den Blick nach hinten wende, muss ich auch voraus schauen. 2010 wird mal wieder ein Jahr der Entscheidungen und der Abschiede. Ich werde mein Studium abschließen, werde die Uni verlassen, ein paar Leute werden vergessen, bei anderen wird der Abschied schmerzen und mit wieder anderen werde ich mich hoffentlich noch in 50 Jahren darüber unterhalten wie erbärmlich das hier alles ist.

Apropos erbärmlich: Bald ist schon wieder Weihnachten und zeitweise habe ich sogar ernsthaft überlegt dieses Jahr nicht nach Hause zu fahren. Da ich das aber nicht bringen kann, habe ich mich entschlossen Weihnachten 2009 komplett scheiße zu finden und jeden, der dieses Kackfest in irgendeiner Form herbeisehnt zum Vollidioten zu erklären. Draußen sind es 12 Grad, die Menschen sind nicht glückselig sondern nerven wie eh und je und das einzige, das irgendwie weihnachtliche Stimmung aufkommen lässt ist der Einzelhandel und der Glühweingeruch in der Innenstadt. Tut mir zwar Leid für den Geburtstag von diesem Jesus- Typen, aber an irgendwas muss man die innere Unzufriedenheit ja auslassen.

Und dann ist da ja auch noch diese Sache im März, von der ich immer noch nicht weiß, was ich davon halten soll. Mag sein, das Abschiede, wenn sie erwartet werden leichter fallen, mag sein, dass das aber nur so ist, weil man sich von Anfang an nicht wirklich darauf eingelassen hat.

Im Grunde führen mich alle meine Überlegungen nur wieder an den Punkt mit dem Verdummen. Ein Teufelskreis… nichtsdestotrotz habe ich mich gestern in einen Song verliebt, vielleicht weil er momentan so herrlich zu mir passt.

Noch ein Wort zum Sonntag

Wenn du jung bist, bist du noch voller Träume. Das Leben ist leicht. Du stehst um sechs Uhr auf- nicht, weil der Wecker klingelt, sondern weil es deinem Schlafrhythmus entspricht. Du schaust dir Cartoons im Fernsehen an, du gehst mit Freunden auf den Spielplatz. Du lebst in deiner eigenen Welt und fühlst dich geborgen, nichts kann dir etwas anhaben. Du hast das Gefühl, dass du alles werden kannst: Pilot (wenn nicht sogar Astronaut), Polizist, Fußballprofi oder Superheld.

Dann wirst du älter. Du erlebst deine ersten Enttäuschungen, hängst mit deinen Freunden im Stadtpark rum. Plötzlich erkennst du, dass du auch gar kein Polizist werden möchtest, weil die ja doch nur Ärger machen. Auch der Fußball war nur ein kurzer Traum. Seit dir der Kerl aus der vierten Klasse mal kräftig gegen das Schienbein getreten hat, hast du dich entschieden, dass ein anderer lieber diesen Job machen soll. Das mit dem Superheldsein hast du dir mittlerweile auch abgeschminkt. Du willst jetzt Rockstar werden, Skateboardprofi oder Schauspieler. Stattdessen bist du nur der Klassenclown. Du ziehst dein Ding durch und erntest ein paar Lacher. Du vergisst dabei aber, dass deine Witze anderen Leuten weh tun und gerade deine Lehrer das nun mal gar nicht lustig finden. Irgendwann kommt dann die Zeit in der du einsehen musst, dass auch deine Skateboardkarriere keine Früchte trägt, weil du viel mehr damit beschäftigt bist zu rauchen, Bier zu trinken und mit dem Deck unter deinem Arm cool auszusehen anstatt zu üben. Also wünscht du dir zum Geburtstag eine Gitarre. Du spielst in einer Band und willst gerne den großen Durchbruch schaffen. Dass ihr scheiße seid klammerst du dabei aus.

So vergehen ein paar Jahre und du denkst dir, dass du erstmal dein Abi machen musst, weil dir so natürlich sämtliche Türen offen stehen. Dann hast du dein Abi in der Tasche und fragst dich, was das Leben noch für dich bereithält, nachdem du jetzt allen bewiesen hast wie unfassbar klug du bist. Dir wird dann klar, dass die Band es nie zu etwas bringen wird und steigst aus. Mag sein, dass man als Solomusiker auch mehr Erfolg hat. Du fängst aber erstmal an zu studieren. Irgendwas das dir liegt- Geisteswissenschaften vielleicht. Du bist schließlich kein Ass in Mathe, von Computern hast du noch weniger Ahnung und wie das in der Chemie funktioniert hast du gerade Mal bis zur neunten Klasse gut verstanden.

Irgendwann, so in der Mitte deines Studiums, fängt es innerlich schon leicht an zu zwicken, weil du merkst, dass du auf der Stelle trittst. Irgendwie suchst du nebenher auch immer nach der großen Liebe, aber das einzige auf was du stößt sind Frauen die dich nicht verstehen, die du nicht verstehst, oder beides. Eine Weile lebst du einfach so vor dich hin, wie ein Biber auf eine Müllhalde. Die Chipstüten in deinem Bett sind dir vertrauter geworden als die Frau die neben dir schläft. Es gibt dann natürlich auch ein paar Hürden während des Studiums, die du irgendwie meisterst. Und dann, wenn es sich dem Ende zuneigt, wird dir klar, dass es zu spät ist all deine Träume zu verwirklichen. Du bist jetzt alt. Zu alt zumindest um noch Rockstar zu werden, zu alt um noch mit der Schauspielerei anzufangen, zu alt aus deiner festgefahrenen Routine auszubrechen. Jetzt noch dein Leben ändern? Keine Chance. Du musst dich mit dem Gedanken anfreunden, dass du dich für die Mittelmäßigkeit entschieden hast, ohne es zu merken. Du hast keine besonderen Talente, keine besonderen Qualifikationen- du hast nicht mal mehr besondere Träume. Jetzt willst du dir einen Flachbildfernseher kaufen und vielleicht mal eine Familie gründen. Dabei kann man kaum scheitern- und wenn doch bist nicht du, sondern dein Umfeld schuld (oder deine Spermien).

Und so lebst du eine Weile mit dem unguten Gefühl im Nacken, dass du gescheitert bist, dass du dein jüngeres Ich verraten hast. Du fühlst dich schuldig. Würdest gerne in der Zeit zurück reisen und mit dir selbst reden. Dir sagen: häng dich mehr rein oder gib deine Träume jetzt schon auf! Dann schaust du in den Spiegel und siehst da jemanden, der dir noch gar nicht reif für all das vorkommt. Ein fester Job? Eine Familie? Du bist doch immer noch du. Du bist noch immer 16 Jahre alt und wärst eigentlich noch immer gerne Rockstar, vielleicht auch Schriftsteller. Du betrachtest deine Träume jetzt mit den Augen zynischer Realität. Hast sie wegrationalisiert. Und du fragst dich natürlich ob es überhaupt einen Platz für dich gibt?

Aber manchmal, wenn du in Erinnerungen schwelgst, wenn du auf dich selber zurückblickst, wer du heute bist und wer du damals warst, dann merkst du, dass es noch immer in dir schlummert. Du hast dich nicht verändert, du bist nur vernünftiger geworden. Und wer will schon wirklich Rockstar sein? Immer unterwegs, Groupies und Drogen und mit Ende Zwanzig schon wie Fünfzig aussehen? Du erkennst vielleicht, dass du schon immer der kleine Spießer warst, der du bist. Dass du ihn nie wirklich verachtet sondern um seine Bodenständigkeit beneidet hast. Und dann hörst du einen Song, einen ganz bestimmten Song, der dich an das erinnert, was du mal warst. Und dann wird dir klar, dass es nicht deine Träume waren, die dich geleitet haben, sondern dass du dich selbst träumen musst. Und das du es bist, der in deinem Traum lebt. In deiner eigenen Welt. Als Person die du hier nicht sein kannst, bist du vielleicht mehr du selbst, als es möglich ist. Du musst vernünftig sein, du musst bodenständig sein. Aber irgendwo, in deinen Gedanken, deinen Träumen, bist du du selbst und du siehst dich, wenn du deine Augen schließt. Und wenn dieser Song läuft, der dich daran erinnert, wer du schon immer warst, kannst du dich darin tanzen sehen.

Zeit des Abschieds

herbst-1Dass Menschen nicht ewig bleiben habe ich eigentlich schon gelernt, als ich ein kleiner Junge war. Mit drei Schulwechseln binnen weniger Jahre machst du dir irgendwann klar, dass auch die besten Freunde in gewisser Weise ersetzbar sind, dass du neue Leute finden kannst, die du genauso gern hast und dass immer ein Stück der Vergangenheit in dir verhaftet bleiben wird. Nichtsdestotrotz zieht eine Welle des Abschieds immer eine gewisse Melancholie nach sich. Der September war ein Monat voller Abschiede. Genau genommen fing es mit meinem Umzug an. Als ich vor einem Jahr in die Wohnung zog, mochte ich sie nicht besonders. Sie war mir zu klein, zu weit ab vom Stadtkern. Doch innerhalb des letzten Jahres habe ich mich sehr an sie gewöhnt, habe sie schätzen und lieben gelernt. Hatte alles was ich brauchte in der Nähe und kann mit einem guten Gefühl auf das zurückblicken, was sich in der Zeit alles ereignet hat.

Wie es aber so oft ist, fällt einem das erst auf, wenn man schon im Begriff ist, es hinter sich zu lassen. Die Kündigung war bereits abgeschickt, der Auszugstermin in unausweichliche Nähe gerückt, als mir klar wurde, dass ich mich doch an sie gebunden fühlte. Aber es hilft ja alles nichts. Jetzt habe ich wieder mehr Platz, bin näher an der Stadt. Doch als ich zum letzten Mal die alte Wohnung betrat und meinem Vermieter die Schlüssel in die Hand drückte zählten alle diese Argumente nicht mehr. Dann stehst du erstmal da und schaust dich um, erinnerst dich an die vergangne Zeit, so als würdest du dir alte Super- 8- Filme anschauen. Mag ja sein, dass ein Ende auch immer ein Neubeginn ist, und das man das, was man hat dadurch mehr zu schätzen weiß, wenn man sich vor Augen hält, was wäre wenn es auf einmal weg wäre. Vielleicht rührt daher diese Süße, die ich empfinde, wenn ich in Erinnerungen schwelge und dabei stets denke, dass früher alles besser war.

Als nächstes ging dann Tom- nach Zürich. Koffer gepackt, Wohnung gestrichen und ab! So ist es halt und es war klar. Dennoch denkt man unweigerlich daran zurück wie viele Stunden man daran vergeudet hat King of Queens zu gucken, MarioKart und Fifa zu zocken, sinnlos abzuhängen- und nach ein paar Wochen wird man sich darüber klar, dass man diese Dinge von jetzt an wieder alleine tut.

Dann gingen die Bacheloretten und es war klar, dass jetzt nichts mehr so sein würde wie im letzten Jahr. Vorbei die Zeit der ständigen Parties und Treffen. Der Freundeskreis- also der Kreis der Leute, mit denen man gerne seine Zeit verbringt- ist somit auf einen sehr überschaubaren Teil geschrumpft. Vorbei die Zeit in der man sich sagt: Ok, X hat keine Zeit, also rufe ich Y an. Jetzt ist wieder Diplomatie gefragt. Oder Abhängen- aber dabei kommt Abschied Nummer Zwei ins Spiel. Alleine Gammeln ist auch immer nur für eine Woche spaßig. Und zum Abschluss des Monats verließ dann auch Roman die Stadt. Wenn auch nur für begrenzte Zeit. Sicher, das Internet hält uns alle noch beisammen, dennoch hat sich diese Stadt dadurch verändert. Das Gefühl ist ein anderes.

Vielleicht muss man sich auch nur umorientieren, sich arrangieren und sich daran erinnern was man hat. Diese Abschiede haben mir mal wieder vor Augen geführt, wie rasend schnell die Zeit vergeht. Wenn ich daran denke, dass ich nächste Woche Geburtstag habe und schon wieder ein Jahr vorbei ist, das mir vorkam wie ein Wimpernschlag, dass ich nächstes Jahr so gut wie fertig mit meinem Studium bin, dass dies jetzt noch irrsinnig weit weg erscheint, mir aber in 12 Monaten vermutlich wieder wie ein kurzer Augenblick vorkommen werden. Es wird glaube ich Zeit für mich, dass der Herbst kommt. Ich will die letzten warmen Sonnenstrahlen auf der Haut spüren, aber dabei die klirrend kalte Luft einatmen. Ich will mich in die warme Wohnung flüchten, vielleicht sogar mit einem Tee in der Hand. Ich will die Melancholie leben. Wenn es dunkler wird fühle ich mich immer geborgener. Der Herbst und der Winter sind für mich wie eine warme Brust, an die ich meinen Kopf betten kann um mich auszuruhen, zu mir selbst zu finden, nachzudenken. Der Sommer macht meinen Kopf jedes Jahr so matschig, dass alle Gefühle schwammig sind und ich sie nicht zuordnen kann. Es wird Zeit, dass der Herbst kommt…

Wir sind wieder da.