Archiv der Kategorie: Anekdoten

# 11

Es war 2004 nach dem Abi, als ich gerade anfing ruhigere Musik zu hören, die nichts mit Punkrock zu tun hatte, als ich das Video zum ersten Mal auf Onyx sah.  Es war sehr spät und ich war schon halb eingeschlafen, aber es war einer von diesen Songs, wegen denen ich noch einmal aufgestanden bin, mir einen Stift geholt habe und ihn aufgeschrieben habe, damit ich ihn nicht vergesse. Das habe ich nicht und nach wie vor gibt es nichts Schöneres als hin und wieder die verirrten Töne einer einsamen Gitarre in der Nacht, während sich vor deinem Fenster die Äste der Bäume bewegen, wenn du einfach nur dasitzt und zuhörst; einfach mal zuhörst, atmest, ruhig wirst und an nichts weiter denkst. (Außer, dass du diese Lederjacke haben willst!)

 

„So I’ll tumble down, ‘cause you’ll answer me, that it’s not my fault!“

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The Movies

Als wir (und mit wir meine ich hier immer Menzo und mich) damals zum ersten Mal Pulp Fiction gesehen haben, haben wir auch begonnen uns für Tarantino (als Person) zu interessieren. In Videothek gearbeitet, Filmfreak – klar, dass er sowas wie ein Held für uns war. Wenn man in Zusammenhang mit Filmen von Intertextualität spricht muss man seinen Namen nennen, dass war uns schon klar, bevor wir wussten, was Intertextualität überhaupt ist. Ich gehe noch heute so weit, dass ich sage, dass man Tarantinos Filme nicht richtig verstehen kann, wenn man die Vorlagen nicht kann. Sicher, man kann der Story folgen, ein paar Jokes zünden sogar auch, das wars dann aber auch. (Ich bin überzeugt, dass dies auch Death Proofs größtes Problem ist.)

Wird diese Phrase spätestens seit Kill Bill mehr als inflationär verwendet, hatte es zu dieser Zeit sogar noch eine Bedeutung wenn irgendwo „Quentin Tarantino empfiehlt“ drauf stand. Und wir haben uns alles reingezogen, was uns in die Hände geriet. Von Pam Griers Titten und John Woos Ballerorgien bis in amerikanische Vorstädte – ich hab das Gefühl, wie haben alles gesehen, was auf Tarantinos Referenz-Liste stand (und für sieben Trailer-Links in einem Satz klopfe ich mir jetzt mal selber auf die Schulter). Schon lange vor Kill Bill kam man nicht umhin sich dafür verstärkt mit dem asiatischen Kino zu befassen.

Für uns war Asien damals absolutes filmisches Neuland. Und auch, wenn wir zu der Zeit nur einen Bruchteil der (großen) Hollywoodfilme gesehen hatten, so kannten wir doch zumindest die Titel und wussten grob, worum es ging. Asien lag im Verborgenen, war ein Geheimnis – umso besser, dass wir den Herrn Tarantino dabei hatten, der sich als guter Reiseführer entpuppte. Der Kampf des einarmigen Boxers gegen die fliegende Guillotine, ist nach wie vor zu einem meiner liebsten Martial Arts Filme.[1]

Als ich dann irgendwann From Dusk Till Dawn über alles liebte, und auch zum ersten Mal Braindead gesehen hatte, war für mich klar, dass ich mir nun so viele Splatter-Filme wie irgendwie möglich ansehen musste. Der vermutlich trashigste, der mir dabei bis heute untergekommen ist, ist Story of Ricky, den man sich glücklicherweise sogar vollständig auf Google Videos ansehen kann. Vermutlich hätte ich ohne Tarantino, ohne Pulp Fiction, niemals dieses Interesse an Filmen entwickelt. Vermutlich wäre dann sogar was ordentliches aus mir geworden. Vielleicht aber auch nicht. Und sowieso, wäre das alles dann nicht so spaßig.

In diesem Sinne: alles Gute zum 48. Geburtstag, Herr Tarantino!


[1] Obwohl ich dazu sagen muss, dass ich kein riesengroßer Fan dieses Genres bin und ihn somit  aus einer recht überschaubaren Anzahl von Filmen ausgewählt habe.

So, ihr Schnullies

Weil es gestern schon wieder niemand kannte.

Wenn man Kind ist, vergeht die Zeit langsamer. Alles kommt einem ewig vor. Bestes Beispiel dafür sind Fernsehserien, die man gesehen hat und dachte, sie hätten mindestens 100 Folgen gehabt. (So ging es mir zum Beispiel bei der Schatzinsel). Im Gegensatz zur Schatzinsel, die verhältnismäßig viele andere kennen, kommt es mir immer so vor, als wäre ich der einzige, der damals „Immer wenn er Pillen nahm“ gesehen hat. Ich dachte immer, ich hätte die Serie jahrelang geschaut, mittlerweile weiß ich, es waren nur 17 Episoden.

Für eine lange Zeit konnte ich mich nur an eine einzige Szene erinnern, nämlich die, in der Stanley Beamish ein Haus an einer Seite hochhebt und eine Verbrecherbande aus dem Fenster purzeln lässt. Ziemlich abgefahrener Scheiß, was?

Was war ich froh, als die Serie endlich auf DVD erschien. Aber seitdem werde ich von jedem, der die Box sieht, gefragt, was das nun eigentlich sei.

Um dem einhalt zu gebieten: Viel Spaß damit.

 

Liz Taylor – (K)Ein Nachruf

Heute ist Liz Taylor gestorben und ich muss gestehen, dass ich so gut wie keinen ihrer Filme gesehen habe. Sogar als Cleopatra kenne ich sie nur von Fotos, obwohl ich den Film seit Jahren gucken möchte. Daher kann dies auch kein wirklicher Nachruf werden. Sie war mir immer eher als Persönlichkeit, als Charakter in aus der Filmindustire, bekannt, als als Schauspielerin. Mehr als jemand dessen Ruhm ihn stets verfolgt hat, weil er allerorten zitiert wurde. Ein  Symbol des „alten Hollywood“, ein Relikt, aber immer noch so bedeutend, so prägnant, dass sein Nachwirken bis heute spürbar ist.

Ich weiß nicht, woran es lag, dass ich niemals wirklich mit ihrem schauspielerischen Schaffen in Berührung gekommen bin. Mit einer Vorliebe für alte Filme kann die Tatsache, dass ihre aktive Zeit  mehr oder weniger beendet war, als ich begann mich für Filme zu interessieren, für mich nicht als Ausrede herhalten.

An was ich mich aber heute, als ich von ihrem Tod erfuhr, sofort erinnert habe, war einer ihrer wenigen Filme die ich dann doch gesehen habe. Es ist so ein Film, der nur noch in Bruchstücken in der Erinnerung existiert, weil man ihn ein Mal gesehen hat und ihn damals gut fand. Hin und wieder taucht er seitdem in der Erinnerung auf und verschwindet dann wieder. Und so wiederholt es sich.

Die Nacht der tausend Augen (Night Watch, von 1973) habe ich vor knapp 10 Jahren mal im WDR gesehen  (zumindest ist das die einzige Free-TV-Ausstrahlung, die in der Ofdb gelistet wird und zeitlich mag das hinkommen). Ich weiß noch, dass ich zufällig zu dem Film gezappt  habe und dann dabei hängen geblieben bin. Dass es für mich damals einer dieser Filme war, der einen mit seiner Hauptfigur verbindet und dadurch mit echter Spannung anstatt durch platte Schockeffekte überzeugen kann. Ob dies an der Klasse von Liz Taylor lag, die dazu beigetragen hat die Atmosphäre derart zu verdichten, dass man selber in ihrer Situation aufgehen konnte, kann ich heute beim besten Willen nicht mehr sagen, im Zweifel würde ich aber behaupten, ja.

Ich erinnere mich an das für seine Zeit recht blutige Ende. Mehr als dasweiß ich von damals nicht mehr und bisher hatte ich leider auch keine Gelegenheit den Film erneut zu sehen. Seit Jahren mache ich mich immer mal wieder Schlau, ob es mittlerweile (irgendwo) eine DVD-Veröffentlichung gibt, doch leider sieht es da weltweit nicht gut aus. Woran das liegt weiß ich nicht. Rechte? Lizenzen? Mangelndes Interesse?

Manchmal ist ja – so traurig es auch ist – ein Tod nötig, damit das Werk eines Künstlers neue Beachtung erfährt und vielleicht, so hoffe ich, rückt dann auch dieser Film wieder in den Fokus. Und wenn nicht, so erwische ich doch vielleicht wenigstens nochmal eine Ausstrahlung im TV.

Bis dahin bleibt mir erst einmal nur eine italienisch synchronisierte Szene.

„Bekackte Amateure“

Vor vier Jahren haben Dennis und ich angefangen einen kleinen Zombiefilm zu planen. Über die Planung ist er allerdings auch nie hinausgekommen.

Heute habe ich den Ordner wieder entdeckt in dem sich die erste Fassung des Drehbuches, ein paar Fotos von Friedhöfen und erste Testbilder des von mir angerührten Kunstblutes befinden.

Es sollte ein Schwarzweißfilm, ganz im Stil von Romeros Night of the Living Dead, werden jedoch die Musik aus Fulcis Filmen mit der postapokalpytischen Stimmung von 28 Days Later vereinen.  Ein großes Vorhaben mit kleinen Mitteln also (der Zyniker in mir sagt, dass dieses Vorhaben ja nur im Keim scheitern konnte). Es wäre sicherlich eine Menge Spaß geworden, ist aber schon an mangelndem Engagement aller Beteiligten und dem Drehbuch gescheitert, dass ich bestimmt noch fünf Mal hätte überarbeiten müssen. Einzig der (Lowfi-)Soundtrack ist als halbwegs fertig zu betrachten und lässt mich hin und wieder lächeln, wenn er die Bilder, die ich mir dazu immer vorstelle, wieder aufleben lässt.

Anlass für die Überlegung überhaupt einen Amateurzombiefilm in schwarzweiß zu drehen waren damals aber gar nicht die angestrebten Vorbilder, sondern viel mehr ein Musikvideo. Eines, dass ich soeben noch einmal geschaut habe und das immer noch eines meiner Liebsten ist.  Besonders das Ende ist nichts anderes als 45 Sekunden Musikvideogeschichte und beinhaltet so viel Charme und morbide Romantik, dass es auch für das Ende des nie gedrehten Films Pate stand.

Phantom Planet- Big Brat (Sony sei dank, diesmal leider kein YouTube-Link und irgendwie will das Einbetten gerade nicht funktionieren).

On and on and on and on..

Hi, ich bin Limbo und ich erzähle Anekdoten zu den Videos, die ich hier poste.

Als ich ungefähr 10 Jahre alt war, habe ich viel Zeit mit meiner Tante und meinem Onkel verbracht. Habe am Wochenende häufig dort übernachtet. Ich fand das super. Zum einen, weil meine Tante einen ähnlichen infantilen Humor hatte wie ich damals (und auch heute noch) und zum anderen weil ich dort Dinge tun konnte, die ich zu Hause nicht tun konnte. Filme gucken zum Beispiel. Wir hatten damals weder Kabel noch einen Videorecorder, mein Onkel konnte mit beidem aufwarten – ein Paradies für mich, damals schon. Und abgesehen von einer riesigen Spielesammlung (damals spielte man noch Brettspiele) gab es dort auch einen C64, auf dem ich Bekanntschaft mit Monkey Island[1] machen konnte.

Es ist schon komisch, dass ich auch jetzt, fast 18 Jahre später, manche Augenblicke noch so real vor Augen habe, als wäre es vorgestern gewesen. Ich weiß noch genau, wie die selbstgemachte Pizza geschmeckt hat, weiß noch, wie sehr mich das Blubbern (exakt dieses Blubbern) des Aquariums beim Einschlafen gestört hat und dass ich immer Angst vor dem Portrait des Urgroßvaters meiner Tante hatte, das an der Wand hing.

Was mich schon als Kind immer begeistert hat, war die riesige CD- und Schallplatten-Sammlung meines Onkels. In meinem kindlichen Verständnis, musste er ALLES haben, was es an Musik gab – verständlich, wenn man berücksichtigt, dass es für mich nur Michael Jackson, Matthias Reim und David Hasselhoff existierten. (Meine Mutter hat mir mal erzählt, dass ich mit 5 total auf Tina Turner abgegangen bin, aber davon weiß ich nichts mehr.)

Zum festen Ritual an diesen Wochenenden, die ich bei meiner Tante und meinem Onkel verbrachte gehörte (neben den selbstgebackenen Brötchen, an deren Geruch ich mich auch noch genau erinnere), dass das Erste was mein Onkel morgens tat darin bestand, Musik aufzulegen. Meistens lief Reggae; vermutlich Marley, das weiß ich nicht mehr genau. An Mike Oldfields „Tubular Bells“ und Pink Floyds „Division Bell“ erinnere ich mich dabei umso mehr. Alben die ich damals nicht mochte und die ich, bis auf einzelne Songs, auch heute noch nicht besonders mag.

Ebenfalls ständiger Begleiter war Peter Gabriel. Ich weiß noch, dass ich ihn als Kind gehasst habe. Ich kann nicht mehr sagen, was genau mich gestört hat. Vielleicht war es diese Hektik, die ein voll aufgedrehtes „Sledge Hammer“ oder „Big Time“ am Frühstückstisch verbreitet haben – aber in einer Assoziationskette von Adjektiven fiel mir über Jahre zu Peter Gabriel direkt „Nervig“ ein. Und das, obwohl ich nur eine handvoll Songs kannte. Klar, ein Mal alle zwei Jahre „Sledge Hammer“ zum Spaß, kann man mal machen, das ist genau, wie man auch mal zu „Invisible Touch“ intuitiv mitwippt. Aber sich hinsetzen und wirklich aufmerksam Peter Gabriel hören? Unvorstellbar. – Vielleicht ist das eines meiner größten (kulturellen) Versäumnisse bisher gewesen. Ich bin gerade noch dabei das zu beheben, muss aber gestehen, dass ich dem Mann Unrecht getan habe. Dafür entschuldige ich mich mit diesem Eintrag und geb euch auch gleich wieder zwei Songs mit auf den Weg.

Weils einfach Stil hat:

 

Und weil ich auch grad „grieve“ und er mich damit direkt hatte.

 

 

 

 

 


[1] Und etliche andere, aber darum soll es jetzt nicht gehen.

#6

2004 habe ich sehr viel Zeit in kleinen Musikläden verbracht. Damals war Hot Shot Records in Bremen noch kleiner und an einem anderen Standort. Am Tresen standen drei CD- Player und man konnte im Laden rauchen. Ich bin oft alleine dorthin gefahren und habe nach Musik gesucht. Gezielt nach Bands die ich nicht kannte, bei denen mich entweder der Bandname, der Albumtitel oder das Cover gereizt haben. Ich habe mir zehn- zwanzig Alben rausgesucht, mich auf den Barhocker neben der Kasse gesetzt, meine Zigaretten abgelegt und die Alben durchgehört.  Meist kaufte ich dann nur drei oder vier, aber es gab da diese niedliche Verkäuferin, die mir bei fast jedem Kauf Recht gab.

Mit der Zeit nach dem Abi entwickelte sich meine Vorliebe für ruhige Musik. Ich lernte Postrock schätzen, als ich mich in Sigur Ros verliebte- und anfangs dachte ich, Postrock müsste immer so klingen. Ich dachte, wenn es einen Himmel gibt, dann klingt es dort genau so. Irgendwann lernte ich Godspeed You! Black Emperor besser kennen, Explosions in the Sky und wie sie alle heißen. Ich habe viel Musik aus Skandinavien gehört (und manchmal auch The Cure) und hin und wieder glaube ich immer noch, dass ich mir irgendwann ein Haus in Island kaufen werde.

Und wenn ich heute meine Musikempfehlungen bei Last.fm bekomme, dann fehlt mir diese Zeit, dann fehlt mir dieser kleine, schäbige Musikladen, der sich vor der Masse versteckt. Der Gesucht werden will und in dem man selber suchen muss. Am Ende geht man nicht mit irgendeinem Datenschrott nach Hause. Wenn ich heute vor meiner CD- Sammlung stehe, kann ich noch jedes Album zuordnen, das ich dort gekauft habe. Für das ich zwischen all den Musiknerds gesessen habe, die die Scheiße genauso lieben wie ich.

Die Alben und Songs aus dieser Zeit erinnern mich immer wieder daran. Und einer davon ist dieser. [Mucke die ihr öfter hören solltet.]

Die Berlin Story

Neues aus der Reihe „Anekdoten von früher“:

2002 haben sich zwei Dinge geändert: Die D- Mark wurde durch den Euro ersetzt und ich war in Berlin- zum letzten Mal.

Aber Anekdoten sind immer besser, wenn man ein wenig abschweift. Und wie schon bei der London- Story muss auch die Geschichte einer anderen Hauptstadt weitgreifender erzählt werden.

neujahr_berlinDen 30.12. 2001 verbrachten Dennis, Bredow und ich bei Dennis, hatten immer noch keine Ahnung wie wir Sylvester verbringen sollen, hatten keine Lust auf die Dorfdisco in der Bowlinghalle, die Silvesterparty in der Bremer Stadthalle war auch schon immer scheiße und so nippten wir dementsprechend deprimiert an unseren Bieren. Wie im Jahr davor schien Silvester wieder ein Flop zu werden. Dann, zwischen dem vierten oder achten Bier kam Dennis die Idee: „Wollen wir nach Berlin fahren?“ Die Frage, nicht ganz ernst gemeint, waberte einige Augenblicke durch den Wintergarten. Vermutlich wäre alles anders gewesen, wäre nicht Dennis Mutter herein gekommen und hätte uns auf die Existenz der Mitfahrzentrale hingewiesen. Wir setzen uns an den PC und fanden auch noch eine Gelegenheit. Hinfahrt am 31. vormittags und  am 1. zurück, drei freie Plätze- alles perfekt. Es war schon halb 12 trotzdem riskierten wir den Anruf. Natürlich hatte die Fahrerin schon geschlafen, doch es war egal und alles was folgte ist Legende.

So kam es, dass wir am Silvestermorgen doch noch der Bowlinghalle einen Besuch abstatteten, jedoch nur um uns auf dem Parkplatz einsammeln zu lassen.  Ich weiß noch, dass wir geplant hatten die Nacht einfach durchzumachen, uns nicht zum Schlafen zu suchen, dass ich deswegen noch eine Leggins meiner Mutter unter meiner Baggyjeans trug, da ich selbst kein halbwegs geeignetes Kleidungsstück für Minustemperaturen besaß. Ich weiß, dass wir alle nichts dabei hatten außer Alkohol, dass wir nicht weiter geplant hatten, als dass wir jetzt nach Berlin fahren und vermutlich zum Brandenburger Tor gehen- weil bei der dortigen Party Janette Biedermann auftrat und Dennis und ich die schon ein bisschen lecker fanden.

Leider kann sich keiner von uns heute noch an den Namen der Fahrerin erinnern. 26, Blond, mit Pferdegebiss sollte mich während meines Abiturs meine Physiklehrerin an sie erinnern, und ich bin mir bis heute nicht hundertprozentig sicher, dass sie es nicht wahr. Wollen wir sie an dieser Stelle einfach mal Susanne nennen. Außer uns fuhr noch ein anderer Kerl im Auto mit, der seine Freundin in Berlin besuchen wollte.

An die Zeit auf der Autobahn kann ich mich nicht mehr erinnern, woraus ich schließe, dass es ohne Probleme ablief. Irgendwann verabschiedeten wir den Kerl an einer Straßenecke und waren mit Susanne alleine. Das Gespräch kam auf, wo sie uns raussetzen solle und zuerst blicke sich dabei in ratlose Gesichter. Aus dem üblichen: „Eigentlich wollten wir zum Brandenburger Tor…“ und dem obligatorischen: „Echt? Da wollte ich auch hin!“ Ergab sich dann die Frage, wo wir denn schlafen wollen. Wieder nur ratlose Gesichter, woraufhin die schlaue Susanne uns dann erklärte sie wolle in einem Formel-1-Hotel übernachten. Natürlich haben wir uns da nicht lumpen lassen und haben es mit ihr gemeinsam gesucht.

Bis heute frage ich mich, was eine Singlefrau dazu veranlasst, an Silvester alleine nach Berlin zu fahren, ohne dort jemanden zu kennen, in einem Formel-1-Hotel zu übernachten und drei 17jährigen anzubieten doch zusammen zu feiern. Wenn ich heute darüber nachdenke- möchte ich das auch gar nicht so genau wissen.

Die Fahrt durch Berlin wurde zur Odyssee. Nicht nur, dass sie rote Ampeln ignorierte, weil sie zu sehr ins Gespräch vertieft war (sie wurde sehr redselig, die gute Susi). Ich weiß noch, dass sie immer von einem Kumpel erzählt hat, der ihr doch bei Gelegenheit mal einen Bentley kaufen könne (sie selber fuhr einen uralten Toyota, oder sowas in der Richtung) und dass sie unbedingt mal einen Sachsenpaule- Porno sehen will. Sie war uns eigentlich recht sympathisch, auch wenn die ganze Situation etwas Befremdliches hatte.

Ich erinnere mich noch, dass es langsam zu dämmern begann und wir immer noch keine Ahnung hatten, wie wir zu diesem verdammten Hotel kommen sollen. Die Tankanzeige leuchtete auf als wir, wie aus dem Nichts, in eine Gegend gelangten, die ich kannte. Ich war vor zwei Jahren mal da gewesen, als ich zusammen mit Anna deren Tante für eine Woche besucht hatte. Ich kannte die Gegend gut, bin dort jeden Tag zur U-Bahn gelaufen, auch wenn ich heute nicht einmal mehr weiß in welchem Stadtteil es war- trotzdem erinnerte ich mich an die Tankstelle. Ich lotste uns hin und wir fragten nach dem Weg. So wirklich konnte uns niemand helfen, bis wir auf die Idee kamen einen Taxifahrer zu fragen.

Das Hotel lag außerhalb von Berlin und es muss schon gegen 19 Uhr gewesen sein, als wir endlich auf den Parkplatz rollten und eincheckten. Plötzlich fiel uns dann aber eines der größten Probleme dieser Fahrt auf. Es gab jeweils Doppelzimmer und wir waren zu viert. Während Susanne damit beschäftigt war, ihr Gepäck aus dem Wagen zu kramen losten wir aus, wer sich mit ihr das Zimmer teilen muss. Natürlich zog ich den Kürzeren. Unter anderen Umständen hätte es der Beginn einer großartigen Romanze sein können- oder zumindest eine Szene aus einem Porno- aber in diesem Augenblick habe ich Dennis und Bredow einfach nur verflucht. Meine Laune besserte sich ein wenig, als ich Susanne fragte, was sie denn für das Zimmer von mir bekäme. Sie sagte, sie hätte es ja sonst auch alleine bezahlt und ich müsse ihr keinen Anteil zahlen. In diesem Moment fürchtete ich schon, sie könne dafür Gegenleistungen erwarten.

Wer schon mal in einem Formel-1-Hotel war kann den folgenden Absatz überspringen. Allen anderen möchte ich ein kurzes Bild davon vermitteln. Diese Hotels sind so ziemlich der Inbegriff dessen, was ich mir unter einer schäbigen Absteige vorstelle. Lange, kahle Korridore, erleuchtet von grellem Neonlicht, ein Zimmer neben dem anderen, auf den Gängen Toiletten und Duschen, jeweils als einzelne Kammern in der Größe von Dixie- Klos. Auf dem Flur irrte ein alter Typ in Bademantel herum, der sich das Zimmer mit einer jungen Frau teilte- und jeder kann sich wohl denken welche Assoziation wir dabei hatten.

Wir entschieden uns alle vorzutrinken, bevor wir wieder in die Stadt fahren wollten. Was ich aus heutiger Sicht auch bedenklich finde, da Susanne ja noch fahren musste und es an dem Tag obendrein angefangen hatte zu schneien.

Wir hatten Zimmer bekommen, die direkt nebeneinander langen und während sich Susanne fertig machte, stattete ich Dennis und Bredow in ihrem Zimmer einen Besuch ab.

Uns fiel erst auf, dass die Wände sehr dünn waren, als wir von nebenan jemanden husten hörten, leider war das schon NACHDEM Bredow zu mir sagte: „Alter, die fickst du heute noch!“, woraufhin ich antwortete: „Nee, lass mal, das ist ja abartig.“ Keiner von uns weiß, ob sie es gehört hat, oder nicht, jedenfalls hat sie sich nichts anmerken lassen, als sie fünf Minuten später in das Zimmer kam, eine Flasche Corona und eine Flasche Sekt in der Hand.

Wir erfuhren, dass am Brandenburger Tor keiner Böller erlaubt waren, was ungünstig war, da Bredow noch einen ganzen Karton voll dabei hatte. So gingen wir gegen 10 nach draußen auf den Parkplatz, Dennis und Susanne beobachteten uns vom Zimmerfenster aus. Ich glaube es war der Moment, als wir uns gegenseitig mit irgendwelchen Feuerwerkskörpern jagten, ich vor bunten Feuerbällen davon lief und im Schnee ausrutschte, als ich bemerkte, dass ich allmählich zu alt für diese Scheiße bin.

Kurz darauf fuhren wir los. Susanne hatte eine CD dabei, auf der Enrique Iglesias „Hero“ lief. Schon auf der Hinfahrt hatten wir den Song dauernd gehört. Nicht, dass wir ihn mochten, aber er war halt hip zu der Zeit und irgendwann hatten Dennis und ich angefangen den Refrain mitzusingen. So auch, als wir im Dunkeln über die leere Autobahn Richtung Berlin Mitte fuhren. Irgendwann stieg auch Bredow in die Singerei mit ein. Eigentlich kannte er nur eine einzige Zeile. Aber aufgrund der Tatsache, dass er kein „Th“ aussprechen konnte, ermutigten wir ihn in einer Tour, sein „You caaaaaan taaaaake my breeeeaz away“ voller Inbrunst zu schmettern. Das war noch einer der Momente, der diese, ich will es mal Reise nennen, so verdammt seltsam machte. Wie schon erwähnt, die Autobahn war leer. Und damit meine ich wirklich leer- verdammt leer. Auf der gesamten Fahrt ist uns kein einziger Wagen begegnet. An einigen Ausfahrten standen Schilder, die verkündeten, die Autobahn wäre gesperrt. Vielleicht hing es damit zusammen, aber Susanne versicherte uns, dass die Sperre längst aufgehoben sei. Meine Kontaktlinsen waren schon schlierig, daher habe ich es selber nicht lesen können und ihr einfach mal geglaubt- doch seltsam war es schon.

Wir kamen allerdings ohne Zwischenfälle bei der Sat1- Party an. An einem Stand kauften wir uns Weihnachtsmannmützen mit rot leuchtenden 2002- Lämpchen drauf und gingen Richtung Bühne. Leider standen wir blöd, oder ich war einfach zu klein (oder die Leute vor mir einfach zu groß) um die Biedermann in ihren Hotpants begutachten zu können. Ich weiß noch, dass Dennis mich hochhob und dass das zwar auch total bescheuert, aber irgendwie auch lustig war, wir uns jedoch gedacht haben, dass wir sowieso schon fertig genug aussahen und nicht noch zusätzlich auffallen sollten. Also sind wir weiter nach vorne in die Menge gegangen.

Dort war es warm, dass man fast vergessen konnte, dass man bei Minusgraden im Freien stand- dann jedoch fing es an zu schneien. Noch heute würde ich sagen, dass das einer der schöneren Momente des Abends war. Und als dann Jasmin „Blümchen“ Wagner, die den Abend moderierte, anfing Schneeflöckchen zu singen wurde uns klar, wie viel man in einem Tonstudio aus einer Stimme machen kann.

Vom weiteren Verlauf weiß ich nicht mehr viel. Irgendwann war es dann 12 und 2002. Ich weiß, dass einer der Leute von Rednex, die es damals auch noch gab, fast von einer Rakete getroffen worden wäre, die einmal quer über die Bühne flog, ich weiß, dass Susanne auf dem Rückweg zum Auto noch mit irgendeinem Typen rumgemacht hat, der sich auch gefragt haben muss, warum sie mit drei so seltsamen Typen unterwegs war. Ich weiß, dass der Boden verdammt matschig, und meine Hose deswegen fast bis in die Kniekehlen total verdreckt, war. Ich weiß auch,  dass ich die ganze Rückfahrt zum Hotel über Angst davor hatte, wie dieser Abend weiter gehen würde. Ich hätte es wohl durchgezogen, einfach nur, weil es eine coole Aktion gewesen wäre, die einfach noch mal unterstrichen hätten, wie abgefuckt diese ganze Situation war- trotzdem wollte ich nichts herausfordern. Als wir in unsere Zimmer gingen zwinkerte mir Dennis noch blöd zu, vielleicht war es auch Bredow, vermutlich beide, aber ich fand das Ganze gar nicht lustig. Es war auch nicht wirklich erotisch, was ich trug- vielleicht hat mir das den Arsch gerettet. Da ich ja wirklich gar nichts dabei hatte schlief ich einfach in Leggins und T-Shirt, hängte die Hose zum Trocknen über das Bett. Ich weiß, dass Susanne und ich noch ein bisschen Fernsehen geguckt haben, ich weiß, dass irgendwo so ein mieser Sexfilm lief und  mich das noch nervöser machte. Aber irgendwann bin ich dann eingeschlafen und die Sache war gelaufen.

Das schlimmste jedoch war das Aufwachen am nächsten Morgen. Selten war ich so verklatscht und habe mich so schmutzig gefühlt. Ich lag halbwach im Bett und konnte hören, dass Susanne schon wach war. Wir hatten ein Waschbecken im Zimmer und ich wusste, dass sie sich da gerade fertig machte. Ich habe mich nicht getraut meine Augen zu öffnen, aber ich glaubte, nein: ich WEISS einfach, dass sie da gerade nackt war- und das wollte ich mir nicht antun. Also tat ich so, als würde ich noch schlafen. Als sie irgendwann das Zimmer verließ stand auch ich auf. Ein Blick in den Spiegel sagte mir, dass ich an diesem Tag die Sache mit dem guten Aussehen komplett vergessen konnte. Kein Deo, kein Haargel, kein Duschbad. Also schnell wieder sämtliche Klamotten angezogen und die Mütze von letzter Nacht aufgesetzt. Bredow und Dennis sahen ähnlich aus, als ich sie in ihrem Zimmer besuchte. Ich glaube auch damals habe ich für fünf Minuten daran gedacht mit dem Rauchen aufzuhören, aber als ich die Schachtel auf dem Boden liegen sah, hatte sich das auch erledigt.

Unsere Klamotten standen vor Dreck, ich hatte seit knapp 24 Stunden nichts mehr gegessen. Schon auf der Hinfahrt hatte ich tierischen Hunger gehabt und wollte mir vor der Silvesterparty noch schnell was holen, nach dem ganzen Bier, das ich getrunken hatte, habe ich den Hunger dann jedoch gar nicht mehr gespürt. Jetzt, etliche Stunden später, war ich schon zittrig und brauchte unbedingt einen Burger.

Glücklicherweise ging es den anderen ähnlich und so kam es, dass wir dann irgendwann am frühen Nachmittag bei McDonalds am Alex saßen. Vollkommen verdreckt, mit unseren Nikolausmützen auf denen 2002 blinkte und erschöpft auf unseren Burgern kauten. Wir warteten noch auf den Anruf eines Mädchens, das sich am Tag zuvor bei Susanne gemeldet hatte und eigentlich mit zurück fahren wollte. Susanne versuchte noch ein paar Mal sie zu erreichen, doch das Handy war aus und so entschlossen wir uns einfach ohne sie zu fahren. Gerade als wir gehen wollten sprach uns eine Dame an. Irgendwer von einer Berlin Lokalzeitung, und fragte, ob einer von uns heute schon mit Euro bezahlt hätte. Dennis, der tatsächlich ein Starterkit zu Weihnachten bekommen hatte, bejahte. Es kam zum üblichen Geplänkel wo wir denn herkämen, was wir in Berlin gemacht hätten und so weiter. Am Ende die Frage, ob sie ein Foto von uns machen dürfte. Dennis und ich waren zu der Zeit häufig mit der Band in der Zeitung gewesen und von daher sowieso nicht mehr so Mediengeil, wie eigentlich. Wir blickten einander an und es war wohl, als würden wir in den Spiegel schauen. Es schien die Frau von der Zeitung zu wundern, als wir alle nur den Kopf schüttelten, aber sie ging dann auch ohne ein weiteres Wort.

Bevor wir Berlin verließen wollte Susanne noch ihren Wagen in die Waschanlage bringen und Tanken. Rauchend saßen Dennis und ich auf der Rückbank des Wagens, während Susanne bezahlen gegangen war. Es fiel mir zuerst gar nicht auf, was ich da eigentlich tat als wir warteten, auch nicht Dennis, der mir einfach nur lethargisch dabei zusah, wie ich seelenruhig ungefähr 20 Brandlöcher in den Sitz vor mir drückte. Erst nach einiger Zeit fragte er mich: „Was machst du da eigentlich?“ Da war es nur schon zu spät. Meine Zigarette hatte auf dem Sitz wunderschöne Muster hinterlassen. Kurze Zeit hatten wir Panik Susanne könnte uns deswegen rausschmeißen und in Berlin stehen lassen, aber sie merkte es gar nicht, setzte uns Stunden später wieder an der Bowlinghalle hab, wo wir die Überreste der vergangenen Nacht begutachten konnten. Als ihr Wagen um die Ecke verschwand lachten wir. Wir wussten, dass wir drei ein seltsames Team abgaben, dass es aber nur so so perfekt laufen konnte wie es eben gelaufen war. Wir entschlossen uns, dass nächste Silvester wieder genau so zu verbringen, nur woanders. Dennis und ich waren dann auch in London, nur ohne Bredow. Trotzdem war dieses Silvester in Berlin, eine der Geschichten, die wir wohl nie vergessen werden, die man wohl nur richtig verstehen kann, wenn man auch dabei war, die wir aber trotzdem immer wieder gerne erzählen, weswegen ich sie jetzt endlich auch mal aufgeschrieben habe. In den Einzelheiten, die mir noch in Erinnerung geblieben sind, ich habe versucht eine Chronologie hineinzubringen, die verschwindet, wenn man sie auf einer Party erzählt. Aber gerade die Sache mit dem Rücksitz: ich sage euch, ich werde nie vergessen, wie Dennis geschaut hat, während ich die Löcher in den Sitz brannte, die halboffenen Augen, die vorgeschobene Unterlippe. Das sind die fantastischen Momente, die einem bleiben und über die man auch 10 Jahre später noch lachen kann.

Soweit der Juli

Nach einer anstrengenden Woche neigt sich mal wieder ein Semester seinem Ende zu. Wenn alles nach Planung verläuft, war es das Vorletzte für mich. Ähnlich wie vor dem Abi damals spüre ich schon jetzt, dass der Abschied von der Uni von Melancholie geprägt sein wird. – Doch darum soll es vorerst überhaupt nicht gehen. Letzte Woche Freitag ging es los. Gerade als sich ein kleiner Gewittersturm über dem schwül-heißen Bonn ergoss saß ich im Seminarraum der Linguistik und hielt stammelnd ein Referat, dass ich lustlos und gelangweilt noch am Tag zuvor hingerotzt habe. Anschließend die Erleichterung mal wieder einen Punkt auf der Liste abhaken zu können.

Am Samstag hatte ich dann um 11 Uhr im Maritim zu sein. Schon wieder mal nicht ausgeschlafen. Es galt an die Vorbereitungen für die Euro Conference 2009 zu gehen, die die Uni Siegen hier ausgerichtet hat und bei der ich eine Stelle als studentische Hilfskraft ergattern konnte. Vorbereitung hieß in diesem Fall sich durch die Räumlichkeiten führen zu lassen und anschließend Taschen für die Seminarteilnehmer zu packen. Da kann man jetzt meinen, dass das keine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist, doch für 10 Euro die Stunde mache ich (zumindest noch so lange ich Student bin) so ziemlich jeden scheiß. Um 14 Uhr war das dann auch erledigt. Also den Katzensprung rüber in die Rheinaue gewagt und mir doch die Rheinkultur angetan. Wie so ziemlich jedes Jahr, gab es auch dieses Mal nur eine Band, die mich wirklich interessierte- Get Well Soon. Sie haben die Warterei aber mehr als entschädigt. Die Liveshow eines Paares mitten in der Menge war dabei das amüsante Sahnehäubchen und veranlassten mich kurzzeitig zu der Überlegung mit doch einen Youtube- Account einzurichten- worauf ich aber bisher verzichtet habe. Obwohl wir schon um 10 gingen waren Busse und Bahnen natürlich wieder so überfüllt, dass zumindest ein Fußmarsch bis zum Hauptbahnhof anstand.Gegen vier Uhr habe ich dann endlich schlafen können, wenn auch nur für vier Stunden, denn am Sonntag musste ich bereits um halb 10 wieder auf dem Münsterplatz stehen. Besser: vor der Kamera stehen.

Laurent und Pascal die nun schon seit Jahren an ihrem Monster- Trash- Film „Brutaloras“ arbeiten, hatten mich eine Woche zuvor gebeten die Rolle eines russischen Soldaten (genauer: einer russischen Klonarmee) zu übernehmen. So verbrachte ich meinen Sonntag also damit bei gefühlten 50 Grad, mit Stahlhelm, dickem Sowjetmantel und Springerstiefeln auf dem Münsterplatz mit einer Kalaschnikow auf eine Greenscreen zu schießen. Zumindest haben jetzt wieder viele Chinesen zu erzählen wie bescheuert die Deutschen sind. Gegen drei Uhr waren wir fertig. Zeit für mich in mein 7- Stunden- Wochenende zu starten, indem ich mir die ersten drei Rambofilme angeschaut habe.

Am Montag hieß es um fünf Uhr in der früh aufstehen, mich um sechs in den Bus zu quälen, zwischen all die Menschen, die früh morgens noch frustrierter aussehen als ohnehin schon. So verliefen dann auch Dienstag und Mittwoch. Insgesamt 31 Stunden habe ich in den drei Tagen auf der Konferenz gearbeitet. Wobei man wirklich sagen muss, dass ich eines dabei gelernt habe: Rumsitzen kann verdammt ermüdend sein. Es gab wirklich nicht viel zu tun, war auch nicht anstrengend, die Leute waren nett. Die Vorträge habe ich mangels tiefer gehender Mathekenntnisse überhaupt nicht verstanden, aber nach zwei Mal 12 und ein Mal 6 Stunden ist man froh wenn es vorbei ist. Am Dienstagabend bin ich bereits um halb 10 eingeschlafen, trotzdem fiel das Aufstehen am Mittwoch so schwer, dass ich dachte, ich würde mich nicht einmal bis zum Bus auf den Beinen halten können. Diese Zeit ist einfach nichts für mich.

Nach Feierabend dann noch schnell das Referat für heute vorbereitet. Die letzte Tat in diesem Semester. Die Seminararbeit, die in knapp zwei Monaten abgegeben werden muss, werde ich mit links schreiben und die letzten Stunden bis zur vorlesungsfreien Zeit auf einer Arschbacke absitzen. Vier Wochenstunden im nächsten Semester trennen mich jetzt noch vom greifbar nahen Ende des Studiums. Das sind zwei Veranstaltungen in der Woche. Das ist weniger als ich jemals zu tun hatte. Das ist nur noch ein halber Schritt entfernt davon, dass wieder ein Lebensabschnitt beendet ist. Verdammt- ich sollte dringend wieder mehr saufen.

Und weil jetzt schon fast wieder Herbst wird noch ein bisschen Melancholie zum Mitnehmen:

Rhine In Flames

3168_77119249204_748399204_1772559_215005_nGestern mal wieder bei Rhein in Flammen gewesen. Voll war es- das war zu erwarten. Und sonnig- das war anders angekündigt. Seit 2006 habe ich es gemieden dorthin zu gehen. Zu viele Menschen, zu viel Kirmes- Flair, zu schlechte Musik, zu viele Fahrgeschäfte. An 2006 habe ich wenige Erinnerungen, was unter anderem daran liegt, dass ich ziemlich betrunken war. Als einziges Highlight von damals bleibt wohl immer die Brötchen- Schlacht mit David und Marie in meinem Hinterkopf.

Dieses Jahr war es entspannter. Getrunken habe ich nichts nicht viel. Bewegt habe ich mich auch nicht. Wir saßen in der Sonne und haben gegrillt. Nachdem ich es aufgegeben habe dort zu versuchen etwas zu lesen war ich auch sofort entspannter. Der Tag war ein einziges Warten auf das Abschlussfeuerwerk. Als es um 23 Uhr endlich losging hätte ich auch kein Problem damit gehabt schon vor zwei Stunden nach Hause gefahren zu sein, als dann jedoch der Himmel  auf leuchtete und Nebelschwaden über den Rheinauensee zogen fühlte ich mich, aufgrund des Vietnamfeelings, wie man es aus Apocalypse Now kennt, entschädigt. Natürlich war im Anschluss nicht daran zu denken die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, so folgte ein entspannter Spaziergang, den Rhein endlang, in Richtung Innenstadt. Unterwegs Alkoholleichen- über zwei haben wir gelacht, mit einer haben wir uns unterhalten und eine andere wurde von der Feuerwehr im Rhein gesucht.

Eine Viertelstunde vor Eintreffen des Nachtbusses erreichten wir den Hauptbahnhof. Leider füllte es sich im Laufe dieser 15 Minuten bedenklich. Als der Bus endlich kam, versuchten wir uns hinein zu kämpfen, was sich jedoch als müßig erwies. Irgendwann gingen die Pöbeleien los. Einer rief: „Lass doch mal die Frau einsteigen!“ woraufhin der Angesprochene mit einem Schlag auf dessen Nase reagierte. Wäre Nummer eins wieder aus dem Bus herausgekommen, wäre es wohl noch ganz lustig geworden. Wir entschieden uns dann ein Taxi zu nehmen. Doch natürlich war keins zu kriegen. Also vom Hauptbahnhof zu Fuß weiter nach Endenich. Mit der Pause am Hauptbahnhof haben wir, glaube ich, knapp eineinhalb Stunden gebraucht, noch mal schnell bei der Tanke vorbei geschaut und dann ab ins Bett.- Genauso läuft es nämlich.

Was kann ich also rückblickend sagen? Ich hasse diese Großevents einfach. Vielleicht weniger, weil ich Menschen hasse, als vielmehr aus dem Grund, dass ich Menschen in Gruppen hasse. Hätte man das Feuerwerk auch vom Hofgarten aus gesehen, wäre es bestimmt lustiger gewesen.

Doch im Endeffekt ist das alles auch gänzlich egal. Man muss sich nur in sich selbst zurückziehen, sich auf etwas Bestimmtes konzentrieren, dann kann man alles Äußere ausblenden. In meinem Kopf lief gestern Abend Postrock, als sich der Funkenregen über uns verteilte.

Man muss erstmal wieder einen Einstieg finden

Gegen halb drei wollten wir gehen, eigentlich eine gute Zeit um aufzubrechen. Es hatte den ganzen Tag geregnet und war erst seit einigen Stunden wieder trocknen, die Luft hatte sich abgekühlt und am Himmel zeigten sich jetzt vereinzelt die Sterne.

Wenn das der Anfang für die einzige Anekdote ist, die ich aus dem letzten Monat zu berichten habe, merkt man, dass das Wetter allmählich besser wird. Ich liege viel im Hofgarten herum, bewegungslos und beobachte Menschen, rede Müll- es gibt eben Dinge die verändern sich wohl nicht. Es ist auch sonst nichts passiert. Man tut dies, man tut das und am Ende bleibt die Erkenntnis, dass man eigentlich gar nichts getan hat, nichts geschafft hat.

An besagtem Abend also war mal wieder Funk- Party. An die letzte habe ich keine guten Erinnerungen, also hatte ich mich dazu entschieden, mich zurückzuhalten was den Alkohol angeht. Nüchtern bleiben tut jedoch keiner Party gut, woraus auch der recht frühe Aufbruch resultierte. Als wir uns in der Dunkelheit zu orientieren versuchten erkannte ich schnell, dass es wohl etwas länger dauern würde bis ich nach Hause kommen würde. Die Bauarbeiten am Nachbarhaus waren scheinbar seit letztem Jahr abgeschlossen, Europaletten gab es keine mehr, doch in ähnlicher Position wie ich damals, lag jetzt Anne auf dem noch nassen Boden und kotze sich die Seele aus dem Leib. Kann ja mal passieren- doch leider war sie keinen Zentimeter zu bewegen. Eine gute halbe Stunde kämpften wir mit ihren schlaffen Gliedern, doch war nicht abzusehen, dass sie sich in naher Zukunft wieder bewegen würde- und das obwohl sie uns mehrfach versprach, dass es ihr in fünf Minuten besser gehen würde.

Wir besorgten eine Decke, damit sie nicht komplett unterkühlte und warteten. Ein Blick in die Zigarettenschachtel verriet mir, dass wir ziemlich lange warteten, bis wir auf die Lösung des Problems kamen. Noch mal drei bis vier Zigaretten später hatten wir einen Einkaufswagen organisiert, in den ich Anne legte, die Decke um ihre Schultern schlang und sie darin nach Hause schob. Für die Menschen die unseren Weg kreuzten muss es ein lustiges Bild abgegeben haben, zu sehen wie ich diesen Einkaufswagen schiebe in dem Anne liegt und heraus kotzt. Das seltsame ist, dass dieses Bild, zumindest so in der Art, das ist, was ich schon immer unter Rock ´n Roll verstanden habe- passt eigentlich gar nicht zu einer Funkparty.

Ich verspürte eine gewisse Erleichterung als ich den Wagen ums Haus herum durch das nasse Gras schob und auf der Terasse parkte. Jemand öffnete die Tür und es kostete mich einige Überwindung, bis ich Anne aus dem Wag hob und in ihr Bett legte. Danach war alles egal, also wischte ich ihr auch noch die Kotze aus dem Gesicht, stellte ihr einen Eimer neben das Bett und ging. Als ich nach Hause kam war es vier. Die Party wurde dadurch nicht besser, aber mein Leben um eine Anekdote reicher. Ich habe dann auch direkt geschlafen und eine Menge wirres Zeug geträumt.

Ein Freitag

Immer wenn Freitag der 13. ist, bin ich gespannt, was der Tag so bringt. Ob er seinem Ruf gerecht wird, oder ob es auch nur ein Tag in der Kette all der anderen Tage ist. Das ein schlechtes Karma auf ihm lastet liegt wohl eher an den schlechten Erwartungen, die wir an ihn knüpfen.

Um sieben Uhr stehe ich auf, die Luft draußen ins klirrend kalt, fühlt sich an den Händen an, als wolle sie sie zerreißen wollen, es ist noch dunkel, die Straßen vom Berufsverkehr überflutet. Ich gehe zur Haltestelle und setze mich in den Bus. In der vergangenen Nacht habe ich recht gut geschlafen und trotzdem fallen mir die Augen zu. Morgens im Bus zu sitzen, zwischen all den anderen hat seine ganz eigene Art. Morgens ist noch niemand richtig da. Blickt man in die Geschichter, sieht man Schatten unter den halboffenen Augen, das Leben in Trance. Als würden Zombies in eine Kleinstadt verfrachtet werden um dort auf Nahrungssuche zu gehen- Willenlos und träge.

Arbeit verläuft gewohnt monoton, danach wie üblich zur Uni, mit dem Ziel gegen 16 Uhr wieder zu Hause zu sein, noch eine Stunde zu schlafen, zu duschen, mich umzuziehen. Daraus jedoch wird nichts. So sitze ich mit David zuerst im Göttlich, wo wir uns über die Trostlosigkeit unseres Daseins unterhalten, um dann im Schneeregen in den Nachrichten- Treff zu wechseln. Der Name ist nicht besonders, aber das Ambiente, sowie die Inneneinrichtung vermutlich das Beste (oder zumindest unter den Top 5) was Bonn zu bieten hat. Was mich auch dazu veranlasst den Werbeslogan „Wo sie auch sitzen, sie sitzen irgendwie allein“ zu texten. In der Tat wahrt dieser Laden die Privatsphäre- irgendwie zumindest, auch wenn man zwischen einem Haufen anderer Leute sitzt. Ich glaube ich werde ab jetzt öfter dort hingehen.

David muss dann los nach Köln, um sich mesopotanischen Jazz rein zuziehen, mich treibt es erstmal orientierungslos durch den Schneeregen. Ich treffe Tom gegen acht an der Uni. Wir haben noch eine halbe Stunde, bis wir die vorbestellten Karten im Kino abholen müssen (siehe Review). Also ein kurzer Abstecher in die dritte Kneipe des Tages, die Brasserie, und dann weiter zum Kino.

Eine nervige halbe Stunde im Wartesaal, bis der Film beginnt, danach weiter nach Endenich. Privatparty. Mir ist seltsamerweise überhaupt nicht nach Trinken und das, obwohl ich besten Grund hätte mal alles, was mich beschäftigt, aus dem Hirn zu spülen. Doch mit jedem Schluck Bier, jedem Schluck Wodka, wird mir schlechter, ohne dass ich betrunken werde. Es wirkt immer fremd sich dann die anderen anzuschauen. Ich fühle mich wie ein Außenseiter, der nicht Teil des Geschehens ist, sondern irgendwie darüber schwebt und still beobachtet. Mag sein, dass ich keine Partymaschine bin, mag sein, dass ich den Stress nicht abschütteln kann. Wer bei lautem Electro auf einem Sofa sitzt und die O- Deklination im Kopf durchgeht, kann nicht mehr ganz normal sein. Trotzdem bleibe ich bis 5 Uhr. Roman bittet mich noch kurz auf ihn zu warten, um gemeinsam den Heimweg anzutreten. Ich gehe schon mal nach draußen und rauche eine Zigarette, er will sich oben noch umsehen, ob er jemanden mit nach Hause nehmen kann. Ich halte ihn für verrückt, nicke aber anerkennend, als er dann tatsächlich in Begleitung nach unten kommt. Ich hätte alleine gehen sollen, denke ich mir, dann wäre die Situation nicht so verdammt seltsam. Aber was soll ich tun? Nochmal fünf Minuten in der Kälte stehen, um den beiden Vorsprung zu geben? So versuche ich etwas Abstand zu halten, trotzdem ist es befremdlich und irgendwie auch trostlos. Mittlerweile bin ich seit 22 Stunden wach, meine Augen brennen und ich fühle mich schwach- habe Hunger. An der Tanke hole ich mir Kippen und eine Thunfischpizza, schaffe es jedoch nicht sie zu essen, falle in mein Bett und schlafe- es ist 5.30. Ich stelle mir jedoch den Wecker um nicht vom Lernpensum abweichen zu müssen. Nach sechs Stunden wache ich von alleine wieder auf und koche Kaffee.

Den ganzen Morgen schon geht mir ein Zitat von Frédéric Beigbeder im Kopf herum:

„Die ganze kleine Welt bumst, vögelt, bläst, leckt Sperma, reibt sich die Klitoris, pumpt an Schwänzen, spritzt auf Gesichter, malträtiert Mösen, peitscht sich die Brüste, bepisst sich, schwuchtelt und wichst in Freude und Entspannung.“- Dem möchte ich hinzufügen: Und ich kleiner Penner sitze hier, lerne Latein, verliere mein Leben, die Lust und blicke auf Leute, mit Neid und Enttäuschung. Die Tage sind trist und alles ist so sinnlos.

Ich hasse glückliche Menschen einfach.

Kleine Anekdote

Nach gut einem Jahr des Singleseins war ich es in letzter Zeit doch schon irgendwie leid. Bis ich dann heute mal wieder daran erinnert wurde wie scheiße das Leben in einer Partnerschaft auch sein kann.

Wie es so üblich ist, habe ich heute vor dem Seminar im Innenhof der Uni noch eine rauchen wollen. Dort stand ich ganz für mich und kämpfte gegen die sich langsam ausbreitende Müdigkeit als ich, nur wenige Meter von mir entfernt, auf ein Gespräch aufmerksam wurde.

Er (ungefähr 1,65) und Sie (ungefähr 1,80) diskutierten dort doch recht lautstark. Sie auf Deutsch, er auf Italienisch. Ich habe also nicht alles verstehen können, war mir aber recht bald ziemlich sicher, dass es sich seinerseits nicht um Liebesbekundungen handelte, die er ihr dort ins Ohr säuselte. Nachdem sie dann irgendwann zu ihm sagte: „Gib mir mein Geld, gib mir die Krücken und dann will ich dich nie mehr wieder sehen!“ war ich mir recht Sicher, dass sich die beiden nicht mehr besonders gern hatten. Sie stritten dann noch weiter- mittlerweile waren sie so laut, dass ich nicht mehr der einzige war, der ihnen zuhörte. Als sie dann irgendwann anfingen sich anzudrohen einander zu verprügeln, habe ich mir ernsthaft überlegt, auf wen ich mein Geld setzen würde und zwei Entschlüsse gefasst.

Erstens: wieder rein zu gehen und zweitens: meinem Sohn später einmal zu raten: „Lass dich nicht mit Menschen ein, das gibt nur Stress.“

Manchmal ist es gut daran erinnert zu werden, wie übel es doch enden kann.

Studieren in Bonn ist…

kacke! in den letzten zwei Jahren immer beschissener geworden.

140868522_81115ebd671Du kennst das ja sicher: Du bist auf der Autobahn unterwegs, du hattest Kaffee, oder eine Coke, oder einfach zu viel Wasser. Das nächste was kommt ist eine Raststätte, es ist aber dringend, als fährst du ran. Das erste was du dann tust ist Schlange stehen vor diesem silbernen Drehkreuz. 50 Cent einwerfen, sonst kommst du nicht rein. Keine Ausweichmöglichkeit, du musst bezahlen- es hilft alles nichts und du nimmst es in Kauf.
Nun stell dir vor du sitzt in einem Seminar, in der Institutsbibliothek deiner Uni, oder in einer Klausur. Du hattest vorher noch einen Kaffee und es ist dringend. Die natürliche Reaktion ist: du gehst pinkeln. Schön war das in Bonn noch nie. Der Gestank der Toiletten hing dir noch eine halbe Stunde später in der Nase, an die Kritzeleien an den Wänden hast du dich gewöhnt. Mittlerweile kannst du über all diese „Islam rules!“ Sprüche nur noch müde schmunzeln.
Das eine Sanierung der Toiletten in der Bonner Uni dringend Notwendig ist, darüber sind sich wohl alle einig. Unsere super Universitätsleitung kam dann auf die Glorreiche Idee für eben diese Sanierung (immerhin knapp 500.000 Euro) die Gelder zu verwenden die als Studiengebühren aus den Taschen der Studenten flossen. Gelder, die eigentlich für eine Verbesserung der Lehre sorgen sollen. Keine Frage, dass die Mehrheit der Studenten damit also nicht einverstanden ist. Nachdem der Senat also (wie damals auch zur Einführung der Studiengebühren) für die Nutzung der Gelder gestimmt hatte, musste nur noch das Studierendenparlament darüber abstimmen. Gott sei Dank gibt es an dieser Uni aber auch noch Menschen die ihr Gehirn einschalten- so wurde der Vorschlag der Unileitung abgelehnt.
Das jedoch kann die Bonner Unileitung, die ihre Studenten wegen Hausfriedensbruch und Körperverletzung anzeigt, wenn sie gegen Studiengebühren demonstrieren, nicht so einfach auf sich sitzen lassen. Es muss bewiesen werden, wer am längeren Hebel sitzt. Und auch, wenn das Geld für die Sanierung eigentlich da ist überlegt man sich, wie man die Studenten jetzt noch treffen kann.
Die Lösung ist ganz einfach: nicht einfach das Problem lösen, sondern richtig auf die Kacke hauen (im wahrsten Sinne des Wortes).
Wie einer aktuellen Pressemitteilung der Uni Bonn zu entnehmen ist, wird jetzt überlegt die Toiletten an einen externen Betreiber zu übergeben. Dieser würde dann für die Sanierung aufkommen. Soweit so gut. Das Problem hier nur: die Studenten müssten für ihr Geschäft zahlen.
Und jetzt stell dir vor: Du sitzt in einem Seminar oder einer Klausur oder in der Bibliothek um zu lernen, du hast etwas getrunken und musst mal. Der normale Weg wäre der zur Toilette, doch da steht ein Drehkreuz im Eingang, du musst erst einmal bezahlen bevor du pinkeln darfst. Eine andere Möglichkeit wäre die Uni zu verlassen um in eines der umliegenden Cafés zu gehen, aber du hast nicht genug Zeit um diesen Umweg zu wählen.
Die Unimitarbeiter trifft das natürlich nicht, die haben ihre eigenen Toiletten. Du zahlst über 650 Euro pro Semester, du selber merkst nichts von einer Verbesserung der Lehre und jetzt kannst du hier nichtmal mehr in Ruhe pinkeln.
Wer will noch in Bonn studieren? Anyone?

Turn!

Ich bin etwas spät dran für eine Begrüßung zum neuen Jahr, aber an manchen Dingen kommt man einfach nicht vorbei.

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Seit fast einer Woche ist es hier unglaublich kalt. Seit ebenso langer Zeit liegt hier auch Schnee. Jeder der in Bonn lebt, oder mal hier gelebt hat, weiß was für eine Seltenheit das ist. So ist es schon etwas Besonderes den Hofgarten mal eingeschneit zu betreten. Vielleicht eine der Veränderungen die 2009 mit sich bringt. Bereits zwei Mal hatte ich vor über das neue Jahr zu schreiben, über den Silvesterabend und was danach kam- und zwei Mal habe ich es wieder verworfen.

Silvester war schön, endlich mal wieder eines, das sich nicht gezwungen angefühlt hat, eines an dem ich wirklich Spaß hatte.

Das Jahr hat auch sofort mit einer Entscheidung angefangen. Wenn du besoffen bist, ist dir die Welt sowieso egal, wenn dann auch noch Silvester ist, bist du zu so gut wie allem fähig. Und wenn mich vorher einer gefragt hätte, wie ich reagiere, wenn ich das Mädchen nicht bekomme, hätte ich nicht gewusst, was ich hätte antworten sollen. Heute weiß ich: es ist auch irgendwie egal, denn es ist auch so schon irgendwie gut. Manche Dinge muss man einfach hinnehmen wie sie sind und wenn man endlich Gewissheit hat ist das auch schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Ich bin dann erstmal krank geworden, lag das erste Wochenende des neuen Jahres mit Fieber im Bett- Restereinigung zum Jahresbeginn, so könnte ich es auffassen. Scheißegal, ob da auf der Party eine Virenschleuder herumlief, vielleicht musste 2009 mit einer Selbstreinigung beginnen.

Dennoch spüre ich momentan noch nichts von einem Neuanfang, aber das war auch niemals so, und wird wohl auch nie so sein. Ein neues Jahr ist im Grunde auch nichts anderes als einfach nur ein weiterer Tag. Gerne würde ich jetzt über Tristesse und Einsamkeit schreiben, aber so fühlt es sich nicht an.

Hin und wieder stellt sich schon die Frage, wie man jemanden kennen lernen soll, wenn man dauernd nur mit Mädels unterwegs ist- aber ich bin der festen Überzeugung, dass sich irgendwann irgendwas ergeben wird, dass es wert ist.

Es heißt jetzt schlichtweg das Beste daraus zu machen. Ich für meinen Teil habe mir erstmal vorgenommen akribisch darüber Buch zu führen, was ich in diesem Jahr dämliches mache um dies dann zum Abschluss in ein Ranking zu sortieren. Als bisher einziger Punkt auf der Liste findet sich das Leerkaufen der Kleinkram- Abteilung in einem großen Bonner Spielzeuggeschäft und anschließendes anlegen der Utensilien um so durch die Stadt zu laufen. Das war der zweite Januar- und direkt wurde man in der Stadt wie ein Geisteskranker angeschaut.

Wenn ich darüber nachdenke, was ich in 2008 gelernt habe, was ich daraus in dieses neue Jahr mitnehmen kann, dann… scheiße, ich hab überhaupt nichts gelernt.

Dorffeste in Städten

Ich fühlte mich unweigerlich an zu Hause erinnert als ich gestern Nacht die Mensa der Pädagogischen Fakultät betrat. Das heißt genauer: an irgendeine miese Abi- Party irgendwo in einem ranzigen Bierzelt auf einem Feld, irgendwo im Nirgendwo.

Die Agrarwissenschaftler veranstalteten mal wieder ihren „Bauernschwoof“. Ist ja ein lustiger Name, habe ich mir immer gedacht. Und die Tatsache, dass dies die wohl größte Studentenparty Bonns ist hat mich immer glauben lassen, dass sie wohl auch etwas zu bieten hat. Selber bin ich noch nie vorher da gewesen in den letzten drei Jahren. War wohl auch besser so. Denn der Name entpuppte sich nicht als lustig, sondern als bitterer Ernst. Vier gute Songs liefen, aber dann kramte irgendein (ich bin mir nicht sicher, ob man ihn überhaupt so nennen darf) DJ wohl seine Fetenhits- CD aus den Untiefen seines Alukoffers und ließ auch nicht mehr davon ab. Und dann tanzten sie da, die ganzen Deppen und Hackfressen, hüpften, grölten die Schlager mit. Niedriger kann das Niveau wohl nur am Ballermann liegen- aber selbst da bin ich mir nicht so sicher. Dort gibt es immerhin Titten zu sehen.

In regelmäßigen Abständen wurde die Musik runter gedreht, um die Anwohner nicht zu belästigen, wenn die Fenster geöffnet wurden um die Raumtemperatur von 40 auf 35 Grad herabzusetzen. Zuerst dachte ich, dass wäre eine ziemlich bescheuerte Idee. Aber wenn du nur darauf wartest, dass sie gleich auch noch „Über den Wolken“ (aiaiai) spielen, bist du froh, wenn du die Scheiße nicht noch länger hören musst. Irgendwann liefen dann die 90er Hits. Mr. Vain, Rhythm is a dancer… ja, und ich habe mich dazu auch bewegt, weil der Pegel gestimmt hat- aber wir sind dann zum Glück auch gegangen. Mal wieder rüber ins Blow Up. War auch besser so. Das muss doch echt nicht sein. Vorallem den Zufall dieser kack Veranstaltung kann ich einfach nicht nachvollziehen. Es bestätigt mich aber wieder darin, dass 90% aller Stundenten einfach nur Idioten sind. Was bleibt als Resümee dieses Abends? Wieder fünf Euro (Eintrittsgeld) verschwendet. Aber immerhin war ich in guter Begleitung, das rettet es ein wenig.

Wochenende im Schnee

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Hätte ich gewusst wie strapaziös der Hinweg wird, wäre ich vermutlich gar nicht erst mitgefahren. Gut, dass man eben doch nicht immer alles weiß.

Nachdem wir uns drei Mal verfahren haben (einmal um knapp 40 Kilometer in die falsche Richtung) war die Laune nicht am Boden, aber die Hoffnung auf ein baldiges Ankommen groß. Meine Füße habe ich zwischenzeitlich gar nicht mehr gespürt und auch die Heizung im Auto konnte der Nässe in den Schuhen nicht entgegen wirken. Schon beim Einkaufen waren wir in den Schneeregen geraten.

Jetzt, knapp drei Stunden später, ist es dunkel, kalt und schneit. Wir sind auf der richtigen Autobahn- auf dem Weg ins Nichts. Je tiefer man in die Eifel fährt, desto dunkler wird es ringsherum. Die Schneeflocken tanzen im Kegel des Scheinwerferlichts- Tunnelblick- und außer ihnen ist nichts mehr da. Du blickst in diese Dörfer herab und fühlst dich wie ein König, so als würde all das irgendwann einmal dir gehören. Du fühlst dich groß, mächtig, erhaben- aber verdammt noch mal, du kannst deine Füße nicht mehr spüren.

Weiter auf Landstraßen, immer tiefer in die Dunkelheit. Eine Umleitung, fragende Gesichter, der Autokorso stoppt. Ein kurzes Telefonat. Auch die Leute, die mit dem Zug unterwegs sind haben Verspätung. Um fünf wollten wir da sein, um sieben erreichen wir unser Ziel. Es ist kalt. Das Haus hat einen Kamin, es riecht nach Jugendherberge, es riecht nach Backwood.

Die anderen kommen nur eine halbe Stunde später an, das Essen wird vorbereitet. Irgendwann später bemerken wir, dass es geschneit hat. Bestimmt zehn Zentimeter. Erste Schneeballschlacht- volltrunken.

Am nächsten Tag fühle ich mich Träge, hungrig- ein Blick in den Garten entschädigt für alles. Schnee, das erste Mal seit vier Jahren. Wir bauen einen Schneemann, wir sind alle wieder zwölf Jahre alt. Drinnen ist es gemütlich. Ein paar Leute reisen früher ab, aber nur wenige. Es tut der Stimmung gut.

Twister und Scharade. Bier und Bowle.

Nachts ein kleiner Durchhänger, die ganze Zeit diese beschissene Musik, aber es wird besser. Jede Nacht in diesem Haus träume ich den gleichen Traum. Er hat keinen Sinn und auch keine feste Struktur, aber alle kommen darin vor.

Am nächsten Tag schon die Abreise, leider. Aufräumen, putzen, einpacken.

Die Rückfahrt ohne weitere Probleme. Nach eineinhalb Stunden sind wir wieder in Bonn. Es beginnt zu schneien. Ich ärgere mich, dass er liegen bleibt, das Schmälert das Vergnügen ein wenig. Aber nur kurz.

Am nächsten Morgen ist alles weg. Ich habe zehn Stunden geschlafen, bin immer noch erschöpft, aber das war es wert. Es regnet, von Schnee nichts mehr zu sehen. Erst jetzt wird mir klar, dass dieses Wochenende irgendwie magisch war (auch, weil ich einen Hang zum Pathetischen habe).

Die Party ist vorbei

Es gibt ja diese Tage ist einem überhaupt nicht nach Tanzen zumute. Meistens wird es dann doch noch ganz lustig. Leider nicht gestern.

Meine Laune war eigentlich schon restlos im Keller als ich das Haus verließ. Als ich dann auch noch den Bus verpasst habe, hat sich das nicht unbedingt gebessert.

Machst du eben einen Spaziergang, habe ich mir gesagt und bin 40 Minuten einmal quer durch Bonn gelaufen. Der Abend war wärmer als erwartet, die Laune wurde besser.

Nach ein paar Gläsern Wein und Jägermeister war mir dann später eigentlich auch nach Tanzen, daher war ich bester Dinge, dachte tatsächlich aus dem Abend könnte noch was werden.

Doch er sollte da enden, wo er begonnen hatte- zumindest was die Stimmung anging.

Der Ort: Die Blow- Party in der 3- Raum- Wohnung. Den Laden fand ich schon immer scheiße, hatte jedoch über die Party bisher nur Gutes gehört. Aber das war wohl nichts. Langweiliger Hip- Hop, langweiliger Funk und dazu noch viel zu viele Idioten und Hackfressen auf viel zu engem Raum, die da auf der Tanzfläche ihre epileptischen Anfälle ausübten.

Drei Stunden habe ich es dort ausgehalten und habe mich gefreut mich endlich auf den Weg nach Hause machen zu können.

Im Bus war es dann auch nicht besser. Neben mir ein Metaller, dessen Titten mit bei jeder scharfen Kurve (und Busfahrer fahren jede Kurve scharf) ins Gesicht schlackerten, auf der anderen Seite einer dieser Vollidioten, die so wirken als seien sie auf Koks und irgendwie dick im Geschäft. – Sind sie aber in Wirklichkeit gar nicht.

Erst zu Hause wurde es dann besser. Noch ne Cola an der Tanke, schnell noch was gegessen und ab ins Bett.

Wieder mal Geld in die Tonne getreten, für eine Party die es einfach nicht wert war, die sogar so beschissen war, dass es mich immer noch ärgert dort gewesen zu sein. So sehr, dass ich einfach darüber schreiben muss.

Etwas Gutes hatte es jedoch: Von einer Edding- Aufschrift an einem Busfahrplan, weiß ich jetzt immerhin, dass die 10 a die Beste ist. Vielleicht hätten die auch ne bessere Party geschmissen.

Ende des Sommers

Der Herbst beginnt verhangen und dunkel und zwei Raben machen auf dem Baum gegenüber von meinem Fenster rum.

Wäre da nicht diese Hektik überall auf den Straßen könnte man fast von herbstlicher Idylle sprechen. Mit Blick aus dem Fenster auf dieses diesige Nichts da draußen schlürfe ich in aller Ruhe meinen Kaffee, dann muss ich mich auch beeilen. Den Bus habe ich verpasst, ich bin Spät dran, langsam kommt Hektik auf.

Ich powerwalke durch die Straßen und komme noch halbwegs pünktlich an. Der erste Tag des Tutoriums, die Begrüßung der ausländischen Master- Studenten.

Wir stellen uns alle einander vor, dann füllen wir die Unterlagen zu Anmeldung bei der Stadt aus. Natürlich müssen Behördengänge immer im Klischee enden. Heute war es ein Desaster.

Ich ziehe meine Nummer und warte- noch kein Klischee, denn es dauert nicht lange, dann bin ich dran. Am Schreibtisch vor mir ein bekanntes Gesicht. Die Frau hatte uns vergangene Woche die Anmeldeformulare ausgehändigt.

Die erste Anmeldung läuft einwandfrei, die zweite, nach geringen Einsatz des Gehirns auch. Anmeldung Nummer Drei ist die Hölle.

Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, aber nach 15 Minuten und etlichen Telefongesprächen meinerseits waren wir dann jedoch an dem Punkt angelangt, an dem die Anmeldung für den Herrn aus Bulgarien abgeschlossen war. Dazu muss ich erwähnen, dass er wohl 2005 schon einmal in Deutschland war und in Bremen studiert hat.

Am Ende erklärt die Frau mir: „Aber erinnern sie den Herrn unbedingt daran, dass er sein Visum verlängern muss…“ Ich glaube sie bemerkt meinen fassungslosen Blick. „Der kommt aus Bulgarien“, sage ich ihr. Sie zuckt nur mit den Schultern, in dem Moment weiß ich, dass sie es tatsächlich nicht weiß. „Das ist EU“, erkläre ich. „Der braucht kein Visum.“ Ich will es eigentlich nicht erwähnen, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie sich dessen bewusst ist. Zugegeben, Bulgarien ist noch nicht lange dabei, aber knapp zwei Jahre sind es jetzt schon, ich will gar nicht daran denken, wie vielen diese Frau eventuell schon Panik und sorge bereitet hat. Sie toppt sich dann jedoch noch einmal selber, als sie sagt: „Na, das weiß ich nicht. Prüfen se dat lieber noch mal nach! Aber…dat is auch nich meine Sache.“

Ich bin mir nicht sicher, ob ich lachen oder weinen sollt, es ist auch egal, ich bin fertig, eineinhalb Stunden- endlich raus da.

Später dann noch einigen der Studenten zu ihrer Krankenversicherung verholfen, dann war Feierabend.

Drei Kreuze, wenn diese Woche rum ist, aber es ist leicht verdientes Geld und fördert mein, wie ich erkennen musste, doch sehr eingerostetes, Englisch.

Den Rest des Tages verbringe ich im Cafe und dem Fachschaftsraum, hungrig und miserabel gelaunt.

Nebenbei habe ich bemerkt, dass mich der Herbst schon in seinem Beginn vollkommen gepackt hat, aber dazu werden mit Sicherheit noch ein paar Texte für den geistigen Abfall folgen. Aber es ist ja auch schon länger Herbst, wenn man es sich genau überlegt und schon bald wird er in einen hoffentlich tiefkalten Winter abgleiten. Irgendwie ist mir danach.