Archiv der Kategorie: Nonsens

Persona

Wenn ich wirklich will, kann ich zu dir werden, einfach so. Es kostet mich keine Anstrengung. Ich habe dich erschaffen und ich kann mich zu dir machen. Jederzeit.

Du stehst vor dem Kino im Regen und nun stehe ich vor dem Kino im Regen. In der Hand eine Eintrittskarte, das Gesicht verzerrt in der kalten Luft des Herbstabends. Wir tauschen die Rollen und du sitzt an diesem Schreibtisch und hämmerst beliebig auf den Tasten herum, ohne zu wissen, was passiert.

Du schreibst mich in eine Bar, ein Glas steht vor mir auf dem Tisch. Was ist in diesem Glas? Überleg’ es dir schnell! Die Blonde an der Theke schaut schon zu mir herüber. Wirst du sie aufstehen lassen? Wird sie zu mir kommen? Was wird sie sagen?

Wenn sie mich nicht will, können wir einfach wieder die Rollen tauschen und du sitzt an diesem Tisch und bist gezwungen, dich mit diesen Gedanken auseinander zu setzen. Es ist nicht mein Problem. Ich kann dich ewig hier sitzen lassen, wenn ich nur möchte. Genießt du die Einsamkeit oder macht sie dich verrückt? Es obliegt meinem Willen. Das ist das Schöne am Schreiben. Bist du ein alter Mann? Bist du krank oder kerngesund? Was musstest du in deinem Leben erfahren? Wie würdest du entscheiden, wenn ich an diesem Tisch sitzen würde und du über mein Leben walten dürftest?

Zunächst stehen wir auf und gehen Pinkeln. Ich werde dich begleiten, aber ich verspreche, ich werde nicht hinschauen. Und die Blonde wird noch da sein, wenn du wiederkommst, weil ich heute einen guten Tag habe. Sie wird zu dir herüber lächeln und dann wirst du ihr einen Drink spendieren. Mach’ dir keine Sorgen, du hast genug Geld dabei. Sie wird zu dir kommen, um sich zu bedanken. Ihr werdet euch gut unterhalten und einen netten Abend miteinander verbringen. Anschließend werdet ihr gemeinsam in ein Taxi steigen und zu ihr nach Hause fahren. Sie wird nicht zu viel quatschen und sie ist keine Psychopathin. Sie ist ein gutes Mädchen, nett und solide. Auch, weil ich heute einen guten Tag habe.

Aber noch stehst du hier mit deinem Penis in der Hand. Verzeih’ mir, jetzt habe ich doch geguckt. Aber keine falsche Scham, du weißt mittlerweile, dass ich einen guten Tag habe.

Du stehst am Waschbecken und betrachtest dich im Spiegel. Ich habe entschieden, dass du durchschnittlich aussiehst, das macht das Spiel interessanter. Aber du weißt ja schon, was dich erwartet. Es sei denn, ich überlege es mir noch mal anders. Du hast in diesem Augenblick keine Angst, weil ich nicht will, dass du Angst hast. Du richtest deine Haare und trocknest anschließend deine Hände. Kurz erinnere ich dich daran, weswegen du überhaupt hier bist. Wegen dieses anderen Mädchens, weißt du noch? Ich entscheide, dass es dir kurz weh tut, als du an sie denkst, aber ich habe beschlossen, dass sie dir nichts mehr bedeutet. Einfach so. Ich kann das.

Jetzt öffne die Tür! Da sitzt sie gleich, die Blonde und sie wird lächeln. Kauf’ ihr den Drink! Kümmer’ dich nicht um das Geld, heute geht auf mich. Weil ich einen guten Tag habe.

Doch vergiss nicht: wo immer sie ist, da werde auch ich sein. Aber ich will uns jetzt nicht verunsichern.

 

Diss ist Liebe

Vielleicht ist Liebe immer dann am schönsten, wenn sie zu Ende geht. Wie die Sonne kurz vorm Untergehen, wie ein Regenschauer, der einen sonnigen Tag beendet, wie dieser Einstieg, wenn ich verrate, dass ich eigentlich nur ein paar Takte über die Diss sagen will.

Die Diss und ich, das war in den letzten Jahren nämlich eine sehr holprige Beziehung. Meist war ich daran schuld, konnte ihr nicht ganz gerecht werden, hatte mehr versprochen, als ich Energie aufbringen konnte, war oftmals abgelenkt und nicht genug für sie da. Zugegeben, ich habe mich nicht immer von meiner besten Seite gezeigt. Dennoch ist sie stets bei mir geblieben und ich war ihr treu, habe versucht, mich gut um sie zu kümmern. Aber nur allzu oft haben wir einsam nebeneinander gelegen und hatten uns nichts zu erzählen, außer dem, was wir schon tausend Mal besprochen hatten. Es gab Gedanken (und Gelegenheiten), es einfach zu beenden. Doch wir hatten einander – irgendwie; und wenn es nur dazu diente, dass wir uns trennen.

Der Zeitpunkt rückt nun näher und bald ist es soweit Lebewohl zu sagen. Dieser Abschied unterscheidet sich insofern von so vielen anderen, als dass ich ihn diesmal wirklich will. Ich spüre, dass ich heiß bin, dass ich fokussiert bin, wie seit Jahren nicht mehr. Mit dem Ende im Blick fühle ich mich so voller Kraft, was das Schreiben angeht, dass ich diese Woche seit Tagen schon herbeisehne. Alles ist geplant und natürlich weiß ich, dass nichts laufen wird, wie ich es mir vorstelle. Und trotzdem wird es am Ende gut sein. Es ist die letzte innige Umarmung, die einem noch einmal zeigt, dass es das alles wert war. Irgendwann werden wir uns wieder sehen und das soll nicht im Zorn geschehen. Es wird nicht im Zorn geschehen. Weil wir einander immer in uns tragen werden. (Und ich sie auf dem Person, dem Klingelschild und auch der Bäcker wird mich in den ersten Wochen verdammt nochmal mit „Herr Doktor“ anzusprechen haben! Aber das ist eine andere Geschichte.)

Ab Donnerstag werde ich die Vorhänge zuziehen und ihr das Beste geben, was ich geben kann. So soll es enden, so habe ich es versprochen. Ich hoffe, ich werde sie nicht enttäuschen.

Und jetzt komm! Dich schreib ich sowas von fertig, du kleine Schlampe.

La Scimmia scrive nello Zucchero

Gestern habe ich zwei Entschlüsse gefasst. Zum einen soll die Diss bis Ende September fertig werden, zum anderen will ich wieder mehr bloggen. Ich weiß nicht, welcher der beiden utopischer ist. Zumindest für die Diss habe ich einen Zeitplan und Notizen, für den Blog habe ich lediglich einen Zettel auf dem steht „mehr bloggen“. Mehr ist mir nicht eingefallen und sogar dafür musste ich mich anstrengen.

Nachdem ich hier gestern seit einer gefühlten Ewigkeit wieder etwas geschrieben habe, habe ich mich noch eine ganze Weile durch das Archiv geklickt, habe mir das gesamte Jahr 2009 durchgelesen und irgendwie hat es mich glücklich gemacht. An viele der Einträge konnte ich mich gar nicht mehr erinnern, an andere wiederum sehr genau; meist wenn mir einfiel, wie schlecht und überflüssig ich sie seinerzeit fand. Vieles von dem, was mir damals so nutzlos und inhaltsleer vorkam, hat gestern allerdings Gedanken und Gefühle aufleben lassen, die einen nostalgischen Wert für mich hatten, den ich so nicht erwartet habe.

Als ich diesem Blog irgendwann im letzten Jahr einen neuen Look verpasst habe, hatte ich vor, stilisierte Texte zu veröffentlichen – bloß nicht zu persönlich, bloß nicht zu sehr den Eindruck eines Tagebuchs erwecken. Mit Wortspielereien und Metaphern auf die Kacke hauen, am besten sogar in ästhetisch ansprechenden Texten. Geschrieben habe ich von da an natürlich kaum noch was.

Scheiß drauf, hab ich mir gestern gesagt, sogar mein Latein-Gejammer aus 2009 hat mich gut unterhalten. Never change a winning team, diesdas – Ich werde niemals aufhören, mich leer zu fühlen und es gibt immer noch genug, über das ich jammern kann. Warum das Schreiben sein lassen, nur weil ich Angst habe, dass irgendwer auf mich zukommt und sagt: „Ey, Limbo, was haste da jetzt wieder für einen Scheiß geschrieben?“ (und bevor jemand diesen Satz gleich als Kommentar bringen will: mach dir keine Mühe, ist einkalkuliert.)  Ich muss mich davon frei machen. Ich bin keiner, der hier den Poeten spielen will, ich bin erst recht keiner, der seine politischen Ideale in die Welt hinaus schreit. Und was ich dann erkennen musste, glaubst du mir nie: ich will das alles ja auch gar nicht sein. Manchmal habe ich eine Eingebung, meist jedoch ist alles ohne Konzept und verdammt noch mal: ich bin wie ich bin. Ich will nörgeln und mich dabei in pathetischer Melancholie wälzen, ich will Metaphern von Sternenhimmeln benutzen und die traurige Welt anklagen. Nicht, weil ich denke, dass daraus Kunst wird, sondern weil das Dinge sind, die ich mag.

Und wenn ich es beschissen finde, dann weiß ich, dass es mich in irgendeiner Sommernacht 2025 eventuell abholen wird. Hallo Zukunfts-Ich: fühl dich gedrückt, du kleiner Knuffel!

Und außerdem will ich aufn Arm.

Mit Schinken schminken

Ich muss mal wieder etwas schreiben, das denke ich mir seit Tagen schon. Einfach um des Schreibens willen. Natürlich habe ich keine Idee, also mache ich es intuitiv.

Ich hatte mal eine klasse Idee für ein YouTube-Video. Daraus ist nichts geworden, aber die Idee steht auf einem Post-It, das neben meinem Monitor klebt. Mit einer einzigen Idee machste halt kein YouTube. Sowieso ist YouTube eher für die jungen Menschen. Die haben noch Ideen. Oder zumindest Energie. Ja, Energie haben diese jungen Menschen. Junge Menschen gehen auch ständig tanzen. Die können drei Tage durchsaufen und haben nichtmal dicke Augen. Ich hab schon dicke Augen, wenn ich drei Stunden am Stück meine Kontaktlinsen trage. Ich war auch schon ewig nicht mehr tanzen. Ich bin viel zu müde zum Tanzen. Manchmal hätte ich Lust zu tanzen, dann fallen mir aber diese ganzen jungen Menschen ein. Die tanzen alle viel schneller als ich, da kommste in meinem Alter gar nicht mehr mit. Sowieso wirkst du einfach nur deplatziert, wenn du jetzt plötzlich wieder tanzen gehst. Stehst müde im Club und wirkst wie so ein Hängengebliebener. Golf Club, okay – aber du kannst doch am Wochenende nicht einfach rausgehen und dich betrunken an 20jährigen reiben. Was für früher noch ganz charmant war, wirkt ab einem gewissen Punkt nur noch eklig und verzweifelt. Wie diese Kerle, die ihre Midlife-Crisis auf Twitter ausleben. Du weißt ja auch gar nicht, was du mit den jungen Menschen besprechen sollst. „Bachelor, aha. Ja, davon habe ich mal gehört.“ Dann redest du doch und merkst, wie du die ganze Zeit von früher erzählst, als du in deren Alter warst. Deine besten Jahre. Das war, bevor du jeden Morgen deine Haare aus dem Ausguss prökeln musstest und bevor deine Geheimratsecken in der Sonne so lustig geglänzt haben. Noch ein paar Jahre und du fährst im Sommer dein Cabrio spazieren – einen schönen Sonnenbrand auf der Platte. Aber erstmal so weit kommen. Erstmal raus aus dieser Konversation, raus aus diesem Club, ab nach Hause und rein in die Jogginghose. Die schauen dich hier alle schon so komisch an. Merken, dass deine Augen schon müde werden, weil die Kontaktlinsen zu lange drin sind. Du bist wie Cinderella, nur in kläglich. Schnell raus hier, bevor jemand merkt, wie fertig du bist. Zu Hause ist immer Zeit für ein Schläfchen, zu Hause sieht niemand, wie erschöpft du bist. Zu Hause könntest du ein YouTube-Video machen. Das geht schnell, das kannst du schneiden. Zwischendrin ein Nickerchen und keiner bemerkt den Schwindel.

Nur ein paar mehr Ideen für YouTube-Videos und meine Internet-Karriere könnte so richtig durchstarten. Ich wäre immer präsent, die Leute würden mich um meinen Lifestyle beneiden und niemand würde jemals die Wahrheit erfahren. Ich würde in der Abendsonne ein Bier trinken und einfach gar nicht erwähnen, dass ich anschließend Mortadella aus der Packung gegessen habe. Ich würde den Leuten nur den ganzen geilen Scheiß zeigen, würde eine irre Show abziehen und wenn die Kamera dann aus ist, kann ich mit gutem Gewissen zusammenbrechen, ohne dass es jemand weiß. Das ist, was mir am Internet am allerbesten gefällt: du kannst authentisch sein und trotzdem lügen, dass sich die Balken biegen. Aber es ist keine richtige Lüge, weil du es einfach nicht erzählst. Das Display verzerrt nichts, aber es ist trotzdem zu deiner Maske geworden, hinter der du all deine Verachtung verstecken kannst. Wie ein großes Familienfest, auf dem man nur das Beste erzählt. Und das fanden wir doch schon immer geil, oder nicht?

Ob es an der Zeitumstellung liegt?

Wen solls interessieren, wenn du weggehst? – Die Kassierin im Kaisers vielleicht? Es interessiert dich ja selbst nicht.

Einfach nicht mehr da sein von heute auf morgen.

Einfach weggehen und dort bleiben.

Wirklich kennen tuste eh keinen. Leute zum Reden aber keinen zum Zuhören und Liebe ist auch nur ein Gerücht.

Und sowieso macht das alles von Tag zu Tag weniger Sinn. Machst einfach weiter, weil es wohl so sein muss. Schenkst dir selbst weniger Beachtung.

Am Ende schaffst du alles – und dann? Dann bleibt dir nicht mal mehr der Traum.

Stehst jeden Morgen auf und gehst abends wieder schlafen. Die Stunden dazwischen vergehen irgendwie.

Gibt nicht viel zu sagen und das war schon immer egal.

Opa erzählt von später

Den ganzen Sommer lang habe ich auf den Herbst gewartet. Ich hatte keine Lust mehr auf die schwüle Hitze, auf zwei gute Tage und danach Gewitter. Keine Lust auf die Schlappheit und auf Schwitzen. Keine Lust auf diese Trägheit im Schädel und keine Lust auf lange Tage.

 Jetzt, wo der Herbst allmählich kommt und mit ihm das Geräusch von Blättern, die der Wind über den Asphalt treibt  und Luft, die frühmorgens schon nach Eis riecht, wird mir bewusst, dass ich eine entscheidende Sache nicht bedacht habe. Mit dem Herbst kommt immer auch mein Geburtstag. In den letzten Jahren war das keine große Sache, ein Tag wie jeder andere, ganz angenehm sogar und nur noch Erinnerung an das emotionale Loch, in das ich fiel, als ich 25 wurde. Sogar die 30 habe ich im vergangenen Jahr sehr gut weg gesteckt.  In diesem Jahr jedoch wird mir schon schlecht wenn ich nur daran denke. Vielleicht, weil die 30 dann hinter mir liegt, plötzlich jung erscheint. 31 ist die Hölle. Plötzlich liegen die 20er nicht mehr nur ein paar wenige Monate, sondern ein ganzes Jahr zurück.

Ich fange wieder an daran zu denken, wo ich stehe. Mit der Diss, mit nem Job, und wo ich im Leben bin. Wo verdammt habe ich eigentlich erwartet zu sein? Und eigentlich – das ist das Paradoxe – bin ich sogar zufrieden, aber irgendwie auch nicht. Die Dinge könnten doch immer irgendwie noch runder laufen, vielleicht noch besser sein. Und auch wenn ich bewusst keinen Druck spüre, der auf mir lastet, niemand der mir sagt: „Tu dies, tu das, du solltest doch mittlerweile eigentlich…“, stelle ich fest, dass ich jeden Tag angespannter aufwache. Der Magen verkrampft sich mir bei dem Gedanken, einfach immer älter und älter zu werden, ein Strudel, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Du könntest jetzt noch ein paar Jahre genau so weiterleben und damit zufrieden sein und eines Tages wachst du auf und bist dann 40. Was, wenn ich momentan an einem Punkt in meinem Leben bin, in dem ich mir eigentlich selbst in den Arsch treten sollte? Dinge tun, auf die ich keine Lust habe, die mich noch nichtmal besonders reizen? Was wenn jetzt die Gelegenheit ist, die Weichen für das zu stellen, das mich vielleicht nicht heute aber in 10 Jahren glücklich macht?  Ich habe mir jetzt jahrelang eingeredet, dass das, was einen glücklich macht automatisch das richtige ist. Aber was, wenn dieses zufrieden-in-den-Tag hinein leben eine Sackgasse ist, für die ich mich irgendwann mal verfluche.

Das sind die Gedanken, die mich in den letzten Wochen begleiten. Dazu die Tatsache, dass ich zu viel arbeite, um Fortschritte bei der Diss. zu sehen und zu wenig, um zu sagen, dass das jetzt anscheinend mein neues Ding ist. Und nebenher fangen die Leute an zu fragen, was ich denn an meinem Geburtstag mache. Ich sage, ich weiß es nicht – und ich weiß es auch nicht, will mir keine Gedanken darüber machen.  Ich freue mich über ein paar nette Worte, von Menschen die ich gerne habe und der Rest ist mir egal. Am liebsten hätte ich, dass mich jemand in den Arm nimmt und mir mal wieder sagt, dass alles gut ist, dass die Dinge richtig sind, wie sie laufen, dass es sich lohnt diesen Weg zu gehen, dass die Zeit schon alles richten wird. Ich will den Nacken gekrault kriegen und dabei gedankenlos wegpennen, diesen Tag einfach friedlich überstehen. Kein großes Procedere, das mich nur immer wieder daran erinnert, was ich mir selbst für ungreifbare Vorstellungen von einer Zukunft mache.

Ich will im Laub liegen und den Herbst angucken, ich will das Eis in der Luft schmecken und die Augen schließen. Ich will schlafen und mit dem Gefühl aufwachen, das alles gut ist wie es ist. Vielleicht muss man nur dran glauben.

Ohne Worte

Marco findet die Alte toll und hat mir vor einiger Zeit mal vorgeschlagen, dass wir darüber schreiben könnten. Was ich jetzt tue- und was mir schwer fällt. Was soll man schon über jemanden schreiben, der so verdammt langweilig ist, dass es keine Worte mehr dafür gibt? Der Charakter ist mit Mascara aufgetragen, ansonsten wirkt sie wie ein in rosa Plüsch eingehüllter Dauerlutscher.
Diese gespielte Niedlichkeit, die aus jedem Blick, jeder Geste und der gesamten Prosodie hervorsticht kotzt mich an. Als könnte sie es in ihrem tiefsten Innern nicht verkraften älter auf Fünf geworden zu sein.
Nach dem dritten „Haaaaaaaalloooooooooo“ zu Beginn eines jeden Videos (was schon fast wieder so etwas wie ein Running- Gag ist) habe ich das Bedürfnis aus dem Fenster zu springen.
Ich werde an dieser Stelle noch ein paar Videos verlinken aber mehr Beachtung wird es nicht geben. Einen Platz in der Hall Of Fame für die dümmsten Menschen im Internet bekommt sie noch von mir. Damit ist die Sache für mich erledigt. 6.700 Abonnenten, kein Wunder, dass alles den Bach runter geht. Danke für die Aufmerksamkeit!

Welcome To The Garbage Dump

100_5499Kennt ihr die Simpsons- Folge „Die sich im Dreck wälzen“ in der es sich Homer mit den Müllmännern von Springfield verscherzt, woraufhin diese seinen Müll nicht mehr abholen? Das endet in einem unglaublichen Chaos, in dem die ganze Stadt mit Müll und kurzerhand um ein paar Kilometer versetzt wird.

So, oder so ähnlich, scheint sich das die Uni Bonn jetzt auch gedacht zu haben und hat beschlossen den Müll im Innenhof nicht mehr weg zu schaffen. Statt an angewandte Verhaltensforschung glaube ich hier jedoch  eher an (weitere) Sparmaßnahmen. Oder man versucht schlichtweg alle Studenten und Besucher zur Reinlichkeit zu erziehen.

Mal sehen, wie lange es dauert bis wir im Müll ersticken. Vielleicht bringe ich auch morgen einfach einen Besen mit. (Take this, Establishment!)

100_5500

Warum ich immer diese DVDs kaufe…

The_Wonder_YearsAls Kind der Neunziger hat man es manchmal nicht leicht. Von Fernsehmüttern behütet sind wir in einer Welt aufgewachsen, die mit rosa Zuckerguss überzogen war. Alles was wir aus dem Fernsehen kennen war so furchtbar simpel- und gut. Es war eine einfache Welt, die unsere Hirne in Watte gelegt hat. Da ist es kein Wunder, das man irgendwann durchdreht, wenn man in die Wirklichkeit zurück gespült wird. Sehe ich Roseanne, die Familie Tanner, die Cosbies, die Walshes und wie sie alle hießen vor mir ist es eigentlich kein großes Wunder, das ich so ein intolerantes Arschloch geworden bin. Und auch wenn sie aufgeschlossen und freundlich zu einfach jedem waren, haben sie mir ein abgeschlossenes System vermittelt, in dem es keine Menschen gab, die auf einer Wiese mit neonfarbigen Keulen jonglieren, in Ballonhosen Capoeira üben, oder in ihren Fairtrade- Säcken einfach zum Kotzen aussehen.

Meine Toleranzgrenze ist sehr niedrig, was das angeht.

Natürlich bin ich selber ein Nerd- als Kind der 90er kommt man nicht daran vorbei zu vernerden. Nicht, wenn man sämtliche Cartoons aufzählen kann die bei Tele5 liefen, wenn einen die Trennung von Brenda und Dylan mehr mitnimmt als die Scheidung der Eltern und wenn man manchmal immer noch aufwacht und sich fragt wo die alte He- Man Figur eigentlich abgeblieben ist. Und es mag auch sein, dass die Grenzen zum Freaksein fließend sind, aber wenn ich Freaks in der Öffentlichkeit sehe läuten bei mir sofort die Alarmglocken.

Ich glaube es ist ein ganz normaler Trieb des Menschen lästern zu wollen, so mache ich mir auch keine allzu großen Sorgen über mein Verhalten, denke nicht zu viel über das nach, was ich über sie sage, wenn ich sie im Hofgarten sehe. Lieber einen Feind mehr, als eine gute Pointe verpassen, heißt es ja so treffend. Um mehr geht es dabei nicht. Ich will keinen Zorn sähen, ich will keine Feinde: alles was ich will ist unter einer Kuppel zu wohnen, die aus Zuckerguss besteht- manchmal zumindest.

Und manchmal geht man nachts um zwei durch menschenleere Straßen und denkt daran zurück wie einfach damals alles schien. Heute habe ich manchmal das Gefühl, dass viele von uns es vergessen haben. Es einfach gegen das Erwachsensein eingetauscht haben. Viele von euch habe ich schon am Boden gesehen, viele von euch habe ich weinen gesehen- und jedes Mal wünschte ich, es wäre so einfach wie im Fernsehen. Ein kleiner Witz, ein Wort der Aufmunterung und am Ende der Folge liegen sich alle in den Armen.

Doch so einfach ist es leider nicht und mir ist auch klar, dass es nie wieder so leicht werden wird, wie in der Kindheit. Das einzige was man tun kann um sich einen Funken davon zu bewahren ist sich an die Nostalgie klammern, ein wenig verharren und es einfach gut sein lassen.

Denke ich an die frühen 90er zurück ist es jedes Mal, als würde ich in den Urlaub fahren. Ein Urlaub von mir selbst, von der Welt da draußen, von allem was schlecht ist. Ich bin wieder sechs Jahre alt und warte auf den Beginn dieser einen Serie. Ich höre mich meine Mutter rufen, die mir den Titel vorlesen muss, nachdem der Abspann vorbei ist, weil ich selber noch nicht schnell genug lesen kann.

Auch bei mir verblassen die Erinnerungen von Tag zu Tag, aber ich versuche sie frisch zu halten. Vielleicht ist das der Grund, warum ich heute alles sammele, das mich in einigen Jahren an das Hier und Jetzt erinnern könnte. Vermutlich kaufe ich daher auch diese alten Serien noch einmal. Und vielleicht wird das der Grund sein, warum ich auf ewig dieses intolerante Arschloch bin, das im Hofgarten sitzt und verächtlich über jeden lacht, der in seinen Stoffhosen auf einer Wiese Diabolo spielt.

Es scheint eine Menge Leute da draußen zu geben, an denen das Fernsehprogramm der frühen 90er anscheinend vorbei gezogen ist. Es gibt wohl noch mehr Leute, denen es schlichtweg egal ist. Es gibt wohl auch welche, die meinen ich sei ein schlechter Mensch, weil ich rede wie ich rede- weil ich bin wie ich bin. Und wenn es nach mir geht, sind das alles Arschlöcher.

Rhine In Flames

3168_77119249204_748399204_1772559_215005_nGestern mal wieder bei Rhein in Flammen gewesen. Voll war es- das war zu erwarten. Und sonnig- das war anders angekündigt. Seit 2006 habe ich es gemieden dorthin zu gehen. Zu viele Menschen, zu viel Kirmes- Flair, zu schlechte Musik, zu viele Fahrgeschäfte. An 2006 habe ich wenige Erinnerungen, was unter anderem daran liegt, dass ich ziemlich betrunken war. Als einziges Highlight von damals bleibt wohl immer die Brötchen- Schlacht mit David und Marie in meinem Hinterkopf.

Dieses Jahr war es entspannter. Getrunken habe ich nichts nicht viel. Bewegt habe ich mich auch nicht. Wir saßen in der Sonne und haben gegrillt. Nachdem ich es aufgegeben habe dort zu versuchen etwas zu lesen war ich auch sofort entspannter. Der Tag war ein einziges Warten auf das Abschlussfeuerwerk. Als es um 23 Uhr endlich losging hätte ich auch kein Problem damit gehabt schon vor zwei Stunden nach Hause gefahren zu sein, als dann jedoch der Himmel  auf leuchtete und Nebelschwaden über den Rheinauensee zogen fühlte ich mich, aufgrund des Vietnamfeelings, wie man es aus Apocalypse Now kennt, entschädigt. Natürlich war im Anschluss nicht daran zu denken die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, so folgte ein entspannter Spaziergang, den Rhein endlang, in Richtung Innenstadt. Unterwegs Alkoholleichen- über zwei haben wir gelacht, mit einer haben wir uns unterhalten und eine andere wurde von der Feuerwehr im Rhein gesucht.

Eine Viertelstunde vor Eintreffen des Nachtbusses erreichten wir den Hauptbahnhof. Leider füllte es sich im Laufe dieser 15 Minuten bedenklich. Als der Bus endlich kam, versuchten wir uns hinein zu kämpfen, was sich jedoch als müßig erwies. Irgendwann gingen die Pöbeleien los. Einer rief: „Lass doch mal die Frau einsteigen!“ woraufhin der Angesprochene mit einem Schlag auf dessen Nase reagierte. Wäre Nummer eins wieder aus dem Bus herausgekommen, wäre es wohl noch ganz lustig geworden. Wir entschieden uns dann ein Taxi zu nehmen. Doch natürlich war keins zu kriegen. Also vom Hauptbahnhof zu Fuß weiter nach Endenich. Mit der Pause am Hauptbahnhof haben wir, glaube ich, knapp eineinhalb Stunden gebraucht, noch mal schnell bei der Tanke vorbei geschaut und dann ab ins Bett.- Genauso läuft es nämlich.

Was kann ich also rückblickend sagen? Ich hasse diese Großevents einfach. Vielleicht weniger, weil ich Menschen hasse, als vielmehr aus dem Grund, dass ich Menschen in Gruppen hasse. Hätte man das Feuerwerk auch vom Hofgarten aus gesehen, wäre es bestimmt lustiger gewesen.

Doch im Endeffekt ist das alles auch gänzlich egal. Man muss sich nur in sich selbst zurückziehen, sich auf etwas Bestimmtes konzentrieren, dann kann man alles Äußere ausblenden. In meinem Kopf lief gestern Abend Postrock, als sich der Funkenregen über uns verteilte.

Man muss erstmal wieder einen Einstieg finden

Gegen halb drei wollten wir gehen, eigentlich eine gute Zeit um aufzubrechen. Es hatte den ganzen Tag geregnet und war erst seit einigen Stunden wieder trocknen, die Luft hatte sich abgekühlt und am Himmel zeigten sich jetzt vereinzelt die Sterne.

Wenn das der Anfang für die einzige Anekdote ist, die ich aus dem letzten Monat zu berichten habe, merkt man, dass das Wetter allmählich besser wird. Ich liege viel im Hofgarten herum, bewegungslos und beobachte Menschen, rede Müll- es gibt eben Dinge die verändern sich wohl nicht. Es ist auch sonst nichts passiert. Man tut dies, man tut das und am Ende bleibt die Erkenntnis, dass man eigentlich gar nichts getan hat, nichts geschafft hat.

An besagtem Abend also war mal wieder Funk- Party. An die letzte habe ich keine guten Erinnerungen, also hatte ich mich dazu entschieden, mich zurückzuhalten was den Alkohol angeht. Nüchtern bleiben tut jedoch keiner Party gut, woraus auch der recht frühe Aufbruch resultierte. Als wir uns in der Dunkelheit zu orientieren versuchten erkannte ich schnell, dass es wohl etwas länger dauern würde bis ich nach Hause kommen würde. Die Bauarbeiten am Nachbarhaus waren scheinbar seit letztem Jahr abgeschlossen, Europaletten gab es keine mehr, doch in ähnlicher Position wie ich damals, lag jetzt Anne auf dem noch nassen Boden und kotze sich die Seele aus dem Leib. Kann ja mal passieren- doch leider war sie keinen Zentimeter zu bewegen. Eine gute halbe Stunde kämpften wir mit ihren schlaffen Gliedern, doch war nicht abzusehen, dass sie sich in naher Zukunft wieder bewegen würde- und das obwohl sie uns mehrfach versprach, dass es ihr in fünf Minuten besser gehen würde.

Wir besorgten eine Decke, damit sie nicht komplett unterkühlte und warteten. Ein Blick in die Zigarettenschachtel verriet mir, dass wir ziemlich lange warteten, bis wir auf die Lösung des Problems kamen. Noch mal drei bis vier Zigaretten später hatten wir einen Einkaufswagen organisiert, in den ich Anne legte, die Decke um ihre Schultern schlang und sie darin nach Hause schob. Für die Menschen die unseren Weg kreuzten muss es ein lustiges Bild abgegeben haben, zu sehen wie ich diesen Einkaufswagen schiebe in dem Anne liegt und heraus kotzt. Das seltsame ist, dass dieses Bild, zumindest so in der Art, das ist, was ich schon immer unter Rock ´n Roll verstanden habe- passt eigentlich gar nicht zu einer Funkparty.

Ich verspürte eine gewisse Erleichterung als ich den Wagen ums Haus herum durch das nasse Gras schob und auf der Terasse parkte. Jemand öffnete die Tür und es kostete mich einige Überwindung, bis ich Anne aus dem Wag hob und in ihr Bett legte. Danach war alles egal, also wischte ich ihr auch noch die Kotze aus dem Gesicht, stellte ihr einen Eimer neben das Bett und ging. Als ich nach Hause kam war es vier. Die Party wurde dadurch nicht besser, aber mein Leben um eine Anekdote reicher. Ich habe dann auch direkt geschlafen und eine Menge wirres Zeug geträumt.

März- die Erste

In letzter Zeit sagen mir die Leute immer wieder, es sei so melancholisch was ich schreibe. Abgesehen von der Tatsache, dass ich auch immer seltener schreibe, mag das sogar stimmen. Dies hat zum einen damit zu tun, dass momentan auch einfach alles melancholisch ist. Bis auf den Frühling, der sich in großen Schritten nähert. Man hört wieder Vögel in den Bäumen, die Luft ist milder, die Temperaturen größtenteils zweistellig. Heute wurde die letzte Woche meiner Lateinvorbereitung eingeleitet, der Endspurt. In sieben Tagen um diese Uhrzeit werde ich hoffentlich mit einem guten Gefühl den Hörsaal verlassen. So oder so werde ich dann mit dieser Sprache abgeschlossen haben. Entweder in tiefer Verzweiflung oder mit dem Gefühl, dass sich die ganzen Mühen des letzten Monats ausgezahlt haben. Momentan jedoch, habe ich noch immer ein ungutes Gefühl. Die Angst, dass man nicht immer für die Anstrengungen belohnt wird, die man unternimmt, dass vielleicht doch nicht immer alles irgendwie klappt. Dennoch versuche ich mich aufzumuntern, indem ich mir sage, dass die Welt doch gar nicht so schlecht ist, wie es manchmal scheint, dass alles seinen Sinn hat und das die Anstrengung ihre Belohnung findet. Wenn nicht, werde ich erstmal eine Weile resignieren, das steht schon mal fest. Mir Gedanken machen, in Erinnerungen die Zeit zurückdrehen- wie man es immer macht, wenn man weiß, dass man durch eigenes Versagen gescheitert ist, niemanden sonst dafür verantwortlich machen kann. Natürlich werde ich Nischen suchen in denen ich nach anderen Schuldigen suchen kann, das verlangt alleine das Ego von einem. Aber scheiß drauf, irgendwie wird es schon laufen, es muss!

Es klebte einst ein gelber Zettel…

Weil mir einfach kein besserer Titel einfallen will und weil dieser Eintrag sowieso nur als Einschub gedacht ist.

Überall an meinem Schreibtisch hängen momentan Post- its. Post- its mit Notizen, Terminen und Plänen darauf. Nach und nach wird das alles abgearbeitet, aber sie machen mich wahnsinnig. Lassen alles unordentlich aussehen, sitzen mir im Nacken, weil sie mich daran erinnern, was noch alles zu tun ist. Weil sie mich daran erinnern, was ich tun könnte, eigentlich tun sollte, aber heute habe ich wirklich keine Lust mich aufzuraffen. Am liebsten würde ich mich wieder ins Bett legen. Einen Film gucken, vielleicht ein Buch lesen. Es ist Sonntag, verdammt. Bisher habe ich mich geschickt davon abgehalten etwas Sinnvolles zu tun, indem ich mir Bilder von Sharon Tate angesehen habe, anschließnd sämtliche Artikel in der Wikipedia über die Manson- Family gelesen habe und ein wenig an einer Kurzgeschichte geschrieben habe, die mir schon seit Wochen im Kopf herumspukt. Aber wenn ich mir selbst schon nicht in den Arsch treten kann, erledigen das wenigstens die Post- its für mich, wie sie mich anstarren mit ihrem widerlichen Gelb und dieser hässlichen Handschrift auf sich. Ekelhafte kleine Scheißer!

Saufen für die Wissenschaft

wein Der Sturm peitscht die Regentropfen ins Gesicht, ich bin ziemlich müde und hatte vorher eine ganze Weile mit mir gehadert, ob ich nicht einfach zu Hause bleiben soll. Jetzt bin ich doch auf dem Weg, es ist kalt und ungemütlich. Ich gehe davon aus, dass wir nur vier Leute sind, und immerhin hatte ich Kata versprochen an dem Versuch teilzunehmen. Es geht darum zu untersuchen, was mit der Sprache unter Alkoholeinfluss geschieht. Als ich, eine halbe Stunde zu spät, das IGL betrete, bin ich zuerst verwundert, dass doch mehr Leute da sind, als ich angenommen habe. Die Stimmung ist bereits gelöst. Erstmal heißt es jetzt den Pegel auf (mindestens) 1,0 Promille zu bringen, was eigentlich keine schwere Sache ist. Ich genehmige mir ein großes Glas Wein und gebe mir Mühe es möglichst schnell zu leeren.

Das Lustige daran, mit einem Alkotest in der Hand, zu trinken ist, dass man sich viel schneller viel betrunkener fühlt, als man es eigentlich wäre.

Gegen 22 Uhr habe ich 1,2 Promille erreicht und darf mich an den Test machen. Die Spielregeln von Mensch ärger dich nicht erklären. Nichts leichter als das- nur diese Kleinigkeit mit dem Rausschmeißen ist mir irgendwie entfallen.

Im Anschluss geht es ins Blow Up. Leider ist es mir nicht gelungen, die anderen dazu zu motivieren nach Bad Godesberg zur Rhythmusgymnastik zu fahren. Dort ist es, wie immer, viel zu voll und viel zu stickig, die Musik animiert maximal zu einem zaghaften Mitnicken. Wir sind alle recht betrunken und mir wird ein wenig schlecht vor Hunger.

Alles in Allem war es ein ganz lustiger Abend, der mit einer Gyros- Pizza endete und dem faden Beigeschmack, dass David mir diesen heißen Flirt mit dem Mädchen mit den Piercings versaut hat. Aber man kann nicht immer alles haben.

Eine Moral hat diese Geschichte jetzt nicht, aber immerhin habe ich mich erfolgreich davon abgehalten jetzt etwas sinnvolles zu tun.

Leben ist Post- Rock

100_3857bearb1 Es ist, als wenn die letzte Bahn weg ist und du eine Stunde durch die Kälte laufen musst, obwohl du sowieso schon zu spät dran bist. Während du durch die Straßen gehst schaust du in die Fenster in denen noch Licht brennt und guckst dir die Leute in ihren Wohnungen an. Sie sitzen vor dem Fernseher (die meisten), Essen, Unterhalten sich, lachen, lieben (die wenigsten) und irgendwie sind alle in gewisser Weise unzufrieden. Für einen Augenblick hast du an ihrem Teil, bis du fast alles wieder vergessen hast, was nur drei Straßen von dir entfernt liegt. Niemand bemerkt dich, niemand kommt an dich heran. Die Straßen ziehen sich, unerträgliche Dunkelheit, unerträgliches Grau (Notiz an mich: unerträglich pathetisch).

„Ich habe mich jetzt also erstmal für Einsamkeit entschieden. Vielleicht ist das ja auch mal ein ganz guter Weg“, sagt es in mir. „Und man muss sich ja nun auch wirklich nicht immer mit Zwischenmenschlichem aufhalten. Das macht das Leben weder leichter noch angenehmer- zumindest nicht immer“, stimme ich da zu.

In nächster Zeit heißt es arbeiten und lernen und arbeiten und lernen und lernen und lernen. – Und dann ist auch schon wieder tiefster Frühling. Im Frühling kann es dann auch wieder anders werden, wenn es will. Bis dahin bin ich aber auch (mal wieder) ganz gut mit mir selbst beschäftigt.

Aber was mach ich mir da eigentlich vor? Ist doch irgendwie zum Kotzen alles. Es nervt, wird immer stressiger und zur Ruhe komme ich auch nicht mehr. Das eigentlich alles gar nicht so furchtbar wird, wie man es sich vorher immer vorstellt ist dabei wohl genauso Fakt wie die Tatsache, dass einem all die guten Ratschläge und netten Worte, all die Menschen, die einem ein Lächeln schenken auch nicht weiterhelfen. Es gibt einen Moment, da muss man inne halten, Ruhe bewahren, Kraft schöpfen. Bleibt nur die Frage: Wann? Und woher?

Viel zu Post- Rock alles.

Woche um Woche

Die letzten drei Wochen sind irgendwie einfach so dahin gerast. Montag- Filmriss- Freitag. Und auch die Wochenenden vergehen immer viel zu schnell. Jetzt sitze ich da und muss in aller Eile ein Referat vorbereiten, an dem ich gerne verzweifeln würde.

Das schlimme daran wenn die Zeit so schnell vergeht ist, dass man kaum etwas von dem was man erlebt wirklich wahrnimmt. Es rast an einem vorbei, die Menschen, die Emotionen. Kaum war es da, ist es auch schon wieder weg und am Ende fragt man sich, was eigentlich passiert ist.

Zudem scheint der Herbst mal wieder sein Bestes zu tun um alle aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wirklich zufrieden wirkt neuerdings niemand mehr. Der Grund warum ich diese Jahreszeit liebe ist diese süße Schwere, die sie verbreitet. Ein wenig Missstimmung, ein wenig Melancholie, ein wenig mehr Ruhe.

Das Schlimme an der Jahreszeit ist, dass man jedoch immer noch versucht irgendwie gut drauf zu sein- dies zumindest vorzugeben. So geht es mir jedenfalls. Die Witze werden Flacher, die Frequenz häufiger, ich wirke lauter, überdrehter- aber alles ist so fremd. Man muss sich ja irgendwie an die alten Verhaltensmuster klammern.

Vielleicht sollten wir Winterschlaf halten, den ganzen Laden mal für eine Weile dicht machen.

Aber so einfach ist es leider nicht. Es muss weiter gehen, also schnapp dir die Flasche, trink einen Schluck und spiel den Tanzbär!

Heute im Angebot: Eier

Da in meinem eigenen Leben in letzter Zeit nicht viel nennenswertes geschieht, die Tage einfach so vergehen mal wieder ein Text mit einer (ungenannten) Widmung:

Es erfordert schon Eier einfach auszusprechen, was einem auf der Seele liegt. Es gab Augenblicke da habe ich das auch getan- meistens um Menschen zu verletzen. Das jedoch hat nichts mit Eiern zu tun.

Über die meisten Sachen schweigt man. Am liebsten über Gefühle. So ein Seelenstriptease kann schmerzhaft enden. Am ehesten verschweigt man seine Gefühle natürlich der Person, auf die sie sich beziehen.

Auch ich habe mich immer lieber zurück gelehnt und mich einer Illusion hingegeben, der bloßen Vorstellung von etwas Wunderbarem. Dieser was- wäre- wenn- Gedanke hat mich immer zu sehr gelähmt. Ich glaube Angst nennt man das. Angst auf einmal da zu stehen, mit heruntergelassener Hose, und sich der Nichterwiderung der Gefühle ausgesetzt zu sehen. Da ist es doch viel angenehmer einfach den Mund zu halten und sich auszumalen, wie schön doch alles sein könnte. Noch Jahre später denkt man dann hin und wieder daran zurück und versucht sich vorzustellen, was wohl gewesen wären, wenn… Aber damit quält man sich auch wieder nur selbst.

Ich habe großen Respekt davor, wenn man einfach mal den Mund aufmacht, das ausspricht was einen belastet- was hat man auch schon zu verlieren? Am Ende steht man da, vielleicht ein wenig glücklicher- oder es ändert sich eben gar nichts. Außer, dass man vielleicht für ein paar Minuten etwas peinlich berührt ist.

Ich glaube ich bin nicht der Typ dafür, ich stelle mir so was lieber vor und bereue die vertanen Chancen, die sich aneinander reihen.

Es ist schade, dass es nicht geklappt hat. Aber verdammte Scheiße, Mann: du hast Eier!

Ich wollte es nur mal loswerden.

Wort zum Sonntag

Irgendwann habe ich mir vorgenommen nicht mehr aus Langeweile zu trinken, oder weil gerade ein geselliger Anlass bestand. Jetzt trinke ich nur noch um mich ordentlich abzuschießen. Was in letzter Zeit auch immer häufiger aus Langeweile geschieht, oder bei geselligen Anlässen. Geändert hat sich seitdem allerdings nicht viel.

Der schönste Tag in meinem Leben war immer noch der, als ich einsehen musste, dass Antidepressiva besser sind als Sex. Vielleicht war es auch der Schlimmste, weil ich nämlich erkannt habe, dass nichts mehr von Bedeutung ist. Das nichts, kein Gefühl, länger bleibt als fünf Minuten- so lange braucht man um sich an etwas zu gewöhnen. Den Rest der Zeit verschwendet man dann darauf, sich damit abzufinden, wie es ist.

Man kann ewig hinterher rennen oder auch gar nicht mehr darauf warten. Sicher, auch Alkohol oder Antidepressiva können dir den Schmerz nicht nehmen, aber sie können den Alltag angenehmer machen. Die Welt ist nun mal kein Ort um Glücklich zu sein. Wir haben die Wahl so vieles zu tun, dass wir gar nicht mehr wissen wohin mit unserer Freiheit. Die Welt hält so viel Freunde versteckt, dass die Suche nach dem eigenen Glück zu einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen wird. Ich kann auf der Stelle raus gehen und 20 Frauen ficken, die meisten werden scheiße aussehen und bedeuten wird es mir nichts, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Es geht darum einfach irgendwas zu tun, nicht zu Hause zu versumpfen- vor dem Fernseher, dem PC, der Playstation. Aber will ich das überhaupt? Da draußen gibt es angeblich so viel zu entdecken, wenn man die Augen offen hält. Aber wenn man das tut entdeckt man nur eine Reihe von Arschlöchern, mit langweiligen Leben, mit bescheuerten Interessen, die schwachsinniges Zeug reden. Das erinnert einen immer wieder daran, was für ein miserables Leben man selber führt. Was für ein Arschloch man ist, was für bescheuerte Hobbies man hat und wie viel Scheiße man den ganzen Tag über redet.

Ich glaube das war es im Grunde, was mir der Bibel- Heini damals erklären wollte. Aber ist er glücklich? Im Grunde ist er wie ein Alkoholiker, der sich an die Flasche klammert.

Wenn man sich das alles vor Augen führt hat man vielleicht eine Chance. Eine minimale zwar, aber sie ist da. Man sollte ohne Erwartungen jeden Tag aufs Neue in die Welt hinausgehen, die Augen weit offen, mit einem gewissen Maß an Sarkasmus und einer Portion Selbstironie, dann hat man eventuell eine Chance. Dann kann man auch mal darauf verzichten sinnlos irgendwelche Flüssigkeiten in sich hinein zu schütten, kann die Antidepressiva weg lassen und dem ganzen einen Sinn abringen. Alles nicht so ernst nehmen, auch mal auf die Kacke hauen, es einfach alles treiben lassen. Die ganze Welt noch mal resetten. Aber ein Neuanfang beginnt immer zuerst im Kopf. Man verändert sich selber immer nur entsprechend der Umstände und die meisten wollen gar keinen guten Menschen mehr sein.

Ich werde jetzt einfach mal damit beginnen. Irgendwer muss ja schließlich mal den Anfang machen.

Des Bloggens wegen

Wir sind alle schon alt- zumindest relativ. Wir leben alle alleine- zumindest relativ. Trotzdem gucken wir gerne die Serien, die wir als Kinder/ Jugendliche gesehen habe. Wo hört da die Nostalgie auf und wo wird es peinlich? Und wann fängt eigentlich erwachsen sein an?

R. hat einen Gameboy. Nicht nur irgendeinen, sondern immer noch den mit dem er als Kind gespielt hat. Er ist stolz, dass in den kleinen Ritzen vielleicht noch ein Staubkorn aus seiner Jugend sein könnte- Flusen der Kindheit. Die Spiele kauft er auf dem Flohmarkt nach. Und er ist sauer, dass die Klappe hinten nicht mehr richtig zugeht, weil seine Mutter den Gameboy runter geschmissen hat- nicht irgendwann in der Kindheit, sondern erst vor einigen Wochen.

C. hat Angst, dass es zu Hause ärger gibt, wenn sie sich nicht meldet. Und ein Sonntag ohne lecker Essen geht mal gar nicht.

D. hat mir dann vorgestern eine SMS geschrieben. Eigentlich ist er am arbeiten, trotzdem musste er mir mitteilen, dass dieser Dreh geiler ist als eine Klassenfahrt. Man rauche und saufe ja schließlich- und das obwohl man morgens früh raus müsse.

War es nicht immer das geile am erwachsen werden, dass man getrost auf all diese Dinge verzichten konnte? Reichen ein paar Jahre, die man erwachsen ist aus, um einen wieder zurück zu seinen Eltern zu führen? Sehnt man sich nach der Geborgenheit?

Diese drei Dinge kamen alle so zeitnah, dass ich mich wirklich gefragt habe, wieso sich mein Leben in letzter Zeit immer mehr zurück in die Schulzeit versetzt fühlt.

Apropos Schule: Ich gucke derweil Beverly Hills 90210. Mit Nostalgie hat es angefangen, aber ich finde es immer noch klasse. Und am Ende bleibt die Erkenntnis, dass sich nicht wirklich viel geändert hat.

Die Welt bleibt erstaunlich klein- vielleicht auch ,weil wir sie dazu machen. Ist das schlecht? Ich weiß es nicht.

Parabola

Einzelkinder können nicht teilen. Einzelkinder wollen alles- und zwar sofort! Ich bin Einzelkind. Ich habe nie gelernt zu teilen und abzugeben. Hin und wieder tue ich es trotzdem. Nicht weil ich es will, sondern weil ich weiß, dass man es so macht. Aber plötzlich bin ich wieder fünf Jahre alt, stehe an der Kasse und sehe dieses ganz besondere Ding, das ich unbedingt haben muss. Ich halte es schon in meinen kleinen, patschigen Händchen, ich quengel und bin mir schon fast sicher es zu bekommen.

Doch dann, immer genau dann wenn ich schon an meinen Sieg glaube, wird es wieder kritisch. Es liegt noch nicht auf der Kasse, die Kassiererin hat es noch nicht abgerechnet, ich bin nervös. Ich schreie und trete und mache einen riesigen Aufstand- innerlich, denn noch ist nichts verloren, noch besteht Hoffnung. Erst wenn diese verlöscht beginnt der Krieg. Ein falscher Satz nur, ein falsches Wort sogar und die Hölle kann losbrechen, alles kann eskalieren.

Meine Hände zittern. Ich will es, ich muss es haben, ich MUSS. Dieses Verlangen in mir ist auf einmal so stark, dass ich vermute es noch niemals so intensiv gefühlt zu haben. Das ist eine Illusion, ich weiß es auch, dennoch- in diesem Moment liegt meine Gier nur auf diesem einen Ding.

Einzelkinder können nicht teilen, sie haben es nie gelernt. Sie müssen haben was sie wollen, sie brauchen was sie wollen, sie müssen es kriegen.

Eins unterscheidet mich von dem typischen Einzelkind: Ich kann warten. Ich werde warten, abwarten. Je länger die Schlange an der Kasse desto größer meine Chance es doch noch zu bekommen, desto größer der Reiz, eventuell die Verzweiflung. Aber dann, meine Kinder, wird der Himmel brennen.