Pessimistischer Text über die Liebe

Eine kleine Romanze wäre gar nicht mal so schlecht. Lieben, aber nur ein wenig. Sich quälen, aber nur etwas. Kein Herumwälzen mehr in der Einsamkeit, aber auch keine Gedanken an gemeinsame Interessen. Keine Fragen, keine Antworten. Es sind nur kleine Schnitte, ganz leicht unter die Haut, kein Aufritzen, kein richtiges. Kein anderer Schatten bei dir. Kein Verschlingen eines anderen Lebens. Auch keine Aufopferung.
Es wäre gar nicht so übel.
Wenn man sich nicht doch immer wieder verlieben würde. Viel zu sehr, viel zu tragisch und viel zu unerwidert. Und schon wenn es anfängt sieht man sich selber vollkommen verzweifelt in einer Ecke sitzen, am Ende mit der Welt, in einem emotionalen Gewittersturm aus bitterer Melancholie, Enttäuschung und gebrochenem Stolz.
Am besten man lässt es von Anfang an bleiben. Doch auch das ist leider nur leichtsinnig daher gesagt. Wer will schon für immer alleine sein? Welche Seele macht das langfristig mit?
So ist man also dauernd auf der Suche nach der großen, der wahren, der einzigartigen Liebe. Man hängt an Orten rum, die man meiden würde- oder denen man zumindest kein sonderlich großes Interesse schenken würde- wenn man nicht alleine wäre, fickt sich von Bett zu Bett und fühlt sich in erster Linie erstmal scheiße, wenn man sein geschwollenes Ego mal einen Augenblick lang ausklammert.
Wenn man Glück hat, lernt man mal jemanden kennen, der nett ist, mit dem man sich unterhalten kann. Man sucht nach jemandem, der am besten genauso ist, wie man selbst, einen aber trotzdem ergänzen kann.
Man sieht sich schon dasitzen, Monate später, Jahre später- bestenfalls liegen Jahrzehnte dazwischen- der Alltag hat einen eingeholt, die Routine das Zepter ergriffen, eine Kluft klafft zwischen zwei Leben- denn die wenigstens Menschen finden sich selber wirklich toll- während man sich in einem Café gegenüber sitzt, sich Anekdoten erzählt und dabei an seinem Latte Macchiato schlüft.
Man muss sich erstmal kennen lernen. Alleine das ist meistes schon nervig. Es ist wie ein Computerupdate, das man eigentlich gar nicht braucht. Und was hast du so gemacht in den letzten soundsoviel Jahren? – Aha, ist ja interessant.

Als würde man wirklich erwarten, den anderen dadurch besser zu kennen. Wir haben diese Eigenschaft, dass wir uns besser darstellen als wir in Wirklichkeit sind. Also quält man sich mit seinen langweiligen Floskeln, nachdem man sich nach der letzten Beziehung shcon geschworen hatte, nie wieder Kompromisse einzugehen und nur noch die Personen an sich heran zu lassen, von denen man wirklich das Gefühl hat, sie haben zu wollen.- Aber aus guten Vorsätzen ist selten etwas geworden.

Wenn es dann doch mal funkt, man jemanden trifft, der die Liebe erwidert, schwebt man natürlich erstmal auf Wolke sieben. Die ganze Welt ist in rosa Zuckerwatte gehüllt, man denkt man ist am Ziel, hat alles gefunden, wonach man sein Leben lang gesucht hat. Ist man aber natürlich nicht, wäre auch viel zu uninteressant. Mit der Zeit wird alles ganz normal. Es ist wie ein einziger Rausch, der irgendwann zur Gewohnheit wird und irgendwann nur noch nervt- man will mehr.
Jeder sehnt sich nach Veränderungen, will hier und da mal ein kleines Abenteuer erleben, neue Erkenntnisse sammeln. So ist das wohl mit dem menschlichen Fortschrittsdrang.
Mir kommt es manchmal so vor, als seien wir nicht monogam, weil es in unserer Natur liegt, sondern weil wir in der Lage sind uns dazu zu zwingen. Sicher, wir können treu sein, aber wollen wir das? Auf lange Sicht gesehen- und damit meine ich für Ewig.
Dann kommt auch schon die Eifersucht ins Spiel und damit ein riesiger Keil, der in die Brust der Liebe getrieben wird. (Diese Metapher wollte ich mir jetzt einfach nicht sparen).
Selbst wenn es nur um emotionslosen Sex geht, die Erfüllung niederster Triebe, beharren wir auf unserem Standpunkt: „Was meins ist, ist meins!“ Da gibt es kein Rütteln. Man kann damit einfach nicht umgehen, oder besser gesagt, es können wohl nur die wenigsten.
Und dann auch noch diese Entfremdung. Sie scheint, weiß Gott, der schlimmste Killer einer vermeidlich glücklichen Beziehung zu sein. Jeder braucht mal seine Freiheiten, seinen eigenen Freundeskreis. Einfach mal raus aus dem Beziehungstrott. Das ist ganz normal und natürlich kann man nicht seine gesamte Zeit nur mit einer Person verbringen. Das Problem ist nur, dass sich auch Freundeskreise als heterogenes Gebilde weiter entwickeln. Es herrscht Fluktuation in den Partnern/ Partnerinnen der Freunde, in den Interessen und so weiter und so fort. Natürlich lässt sich auch jeder davon beeinflussen. Natürlich werden Erinnerungen wach an Zeiten in denen man unbeschwert, ohne Verpflichtungen, einfach mal die Nacht woanders verbringen konnte, ganz spontan, ohne irgendwen anrufen zu müssen, ohne zu wissen, dass da noch jemand ist, der auf einen wartet, der sich eventuell Gedanken macht. Das schürt einen Drang nach Freiheit. Aber auch nicht nur das allein ist es. Es können neue Hobbies sein, die Wandlung von Geschmäckern. Selbst wenn man 10000 Interessen mit seinem Partner teilt ist man nicht davor gefeit, etwas Neues zu Entdecken, das dem Partner so gar nicht zusagt.
Es sind 1000 kleine Dinge, die zu einer Entfremdung führen. Das man auf einmal neben sich auf dem Sofa nicht mehr die Person sitzen sieht, die man liebt, sondern die einen auf der Stelle treten lässt, die verhindert, dass man sich frei entfaltet. Und da ist es- das große Problem.

Lermontow hat es mal sehr schön geschrieben:

Auch wenn ich jemand liebe: / Die Liebe macht mein Leben nicht schön./ Wie ein verpesteter Fleck / brennt sie, obwohl dunkel auf meinem Herzen; / von einer feindlichen Macht gejagt, / lebe ich durch das, was für andere den Tod bedeutet: / Ich lebe, wie der Herrscher des Himmels, / in einer wunderschönen Welt- aber allein.

Eine kleine Romanze wäre wirklich gar nicht mal so schlecht. Jemanden der kommt, ein paar Stunden bleibt und dann wieder verschwindet. Mit dem man gar nicht erst anfängt sich über seine Sorgen zu unterhalten- die bleiben für die Freunde reserviert. Es wäre ja so herrlich unkompliziert. Und es wäre schön, wenn es reichen würde, wenn man darin Erfüllung finden könnte. Kann man aber auch nicht.
So bleibt einem wohl oder übel nichts anders übrig, als sich immer wieder in dieses Karussell zu werfen, ein paar Runden mit zu fahren und zu zweit auszusteigen, wenn auch nur für eine Weile. Und wer weiß, vielleicht, und das möchte ich doch hoffen, liege ich auch vollkommen daneben.

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