1000 Mal

Eine kleine Kurzgeschichte über beschissene Parties, auf denen man eigentlich gar nicht sein möchte, über Gespräche, die man im Grunde gar nicht führen möchte. Ist irgendwann Anfang 2007 entstanden- wohl mehr aus einer spontanen Laune heraus. Im Grunde ist es nicht das, was ich gerne schreiben will, aber genau aus diesem Grund wird sie umso mehr dazu. Ohne es beim Schreiben zu wissen, entdecke ich mich immer wieder selber sehr stark in meinen Geschichten- doch ich glaube, das kann niemand abstellen.

Irgendwie sind die Abende früher schneller vergangen. Damals war es irgendwie alles interessanter, neuer. Vielleicht war man selber auch nur experimentierfreudiger.

Heute steht man nur noch mit seinem Glas in irgendeiner Ecke und hofft die Stunden hinter sich zu bringen, ein paar Leuten guten Tag zu sagen, sie nach ihrem Leben zu fragen mit diesem halbgaren: „Na, wie isses? Ja, kenn ich. Ach, hör bloß auf…“ Und irgendwann ist die Mindestzeit, die man bleiben sollte, auf jeden Fall, um nicht unhöflich oder verschlossen zu wirken, vorbei und man kann gehen. Endlich nach Hause, in die bequeme Hose, in das alte T-Shirt und im Fernsehen schaut man sich das Leben anderer an, trinkt noch schnell einen Tee, was früher mal Bier gewesen war, putzt sich die Zähne, ja wäscht sogar noch einmal gründlich das Gesicht und fällt ins Bett, überglücklich mal wieder einen Tag überstanden zu haben. Und am nächsten Morgen dröhnt der Schädel und man fragt sich, warum man sich das alles überhaupt noch antue, immer und immer wieder. Ganz klar, um soziale Kontakte zu pflegen, um neue Bekanntschaften zu machen, um vielleicht auch irgendwann mal die große Liebe zu finden. Die anderen reden schon abfällig, man sei ja nun schon so alt, langsam würde die Zeit knapp- heiraten müssen man. Kinder zeugen, ein Haus bauen.

Also gerät man immer wieder an Orte, an denen man im Grunde gar nicht sein möchte, vertreibt sich die Zeit, wünscht sich weg, weit weg- nach Hause- 100% Kuschelbaumwolle und 43 Zoll Plasmabildschirm. Man hat das Gefühl das alles schon 1000 Mal erlebt zu haben, das alles schon 1000 Mal gehört zu haben du man weiß trotzdem, dass man es auch noch 1000 Mal wieder tun wird. Aber man bleibt. Und irgendwann ist da immer diese Frau. Sie steht natürlich ganz in der Nähe und man redet sich ein, sie sei nur wegen einem selbst hier, gleich würde sie kommen. Aber natürlich kommt sie nicht, sie geht sogar als eine der ersten, hat natürlich eine super ausrede parat, die man selber nicht hat, die aber so erschreckend simpel ist, dass man sich verfluchen könnte, nicht als erster darauf gekommen zu sein. Und dann kommt wieder so ein Typ, alter Schulfreund- Schulfreund, ist doch ein Witz, man hat ihn gehasst in der Schule, man hasst ihn immer noch, dieses verdammt falsche Lächeln mit den gebleichten Zähnen, diese Sonnenbankfresse, dieser Zuhälterbart- nur nicht ablenken lassen! Zuhören. Oder einfach nur so Nicken. Nicken und lächeln. Immer schön lächeln, weiter lächeln, nicken, auf die Schulter klopfen, fast überstanden, er dreht sich- halt! Ja- endlich! Aber nein! Er dreht sich noch mal rum, haucht einem diese Mischung aus Juicy Fruit und Doppelkorn ins Gesicht, die Wurstfinger grapschen nach der Hand- und noch mal das Lächeln rauskramen, es tut weh kein Zweifel, aber dann geht er…und endlich ist man wieder alleine. Und um einen herum stehen die Leute und reden, aber man ist allein. Gott sei Dank! Meistens ist man schon in Gedanken auf dem Weg nach Hause, hält noch einmal an der Tankstelle, schließt die Tür auf, macht das Licht an, Blick auf den Anrufbeantworter, setzt sich- und genau in diesem Moment kommt dann meistens doch noch jemand mit dem man ich ganz nett unterhalten könnte. Man unterhält sich aber nicht, weil der andere einen zum Kotzen findet. Man ist ja auch schon lange nicht mehr bei der Sache. Und ein nettes Gespräch hört sich ja auch anders an als: „Ist das beschissen hier, was?“ „Ja…auf jeden Fall.“ Und dann geht das Geläster los. „Da kommt er wieder, der Grapscher! Hat sich neulich von seiner Frau getrennt, hat mir derundder erzählt. Geld hat er ja, jetzt ist er auf der Pirsch, sucht sich irgendwas Junges. Ist schon ne Sau, hat 2 Kinder und jetzt so was.“ – Kennt man ja.

Wenn man dann zu Hause ist fühlt man sich wieder sicher, aber auch ein wenig verlassen. Wäre natürlich schon schön jemanden zu haben zu dem man kommen könnte, aber was würde sich groß ändern? Sein wir mal ehrlich- es ist doch ganz in Ordnung so. Man überlegt schon lange sich Fische anzuschaffen. Die sehen ja manchmal ganz nett aus. Die freuen sich zwar auch nicht gerade, wenn man nach Hause kommt aber dafür muss man nicht mit ihnen spazieren gehen, und überhaupt, so ein Aquarium, das macht schon was her. Eins über Eck, schön beleuchtet oder so, aber wofür? Kommen ja eh keine Gäste und wenn mal welche kommen will man sie nicht beeindrucken sondern schnell wieder loswerden. Selbst wenn` s die eigenen Eltern sind- gerade, wenn es die eigenen Eltern sind. Und irgendwie schläft man bei den Gedanken dann endlich ein- waren es die Gedanken oder die Schlafmittel? Ist ja auch völlig egal. Hauptsache schlafen, traumlos, und glücklich, soweit möglich.

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