Am See

Am Ufer eines großen Sees saß ein Junge ganz allein im Gras. Er hörte der Welt zu und schaute auf die Wogen des Wassers. Er hatte schon immer hier gesessen, doch plötzlich wurde ihm das Sitzen zu langweilig. Er stand auf und machte sich auf den Weg in die Stadt.

Auf einer Wiese nahe des Sees traf er ein paar Kinder, die dort spielten. Der Junge schaute ihnen zu, doch verstand er das Spiel nicht. Da er ohne Freunde war, trat schließlich ein kleines Mädchen an ihn heran und nahm ihn bei der Hand. Er erzählte ihr, wie er das Spiel verstand und sie hörte ihm zu. Dann erklärte sie ihm die wahren Regeln des Spiels und lehrte ihn alles was er sonst noch wissen musste, dann ging sie und überließ es ihm mitzuspielen. Es dauerte eine Weile, bis der Junge zu den anderen Kindern auf die Wiese trat. Doch sehr schnell langweilte er sich und zog weiter.

Auf halber Strecke in die Stadt fühlte der Junge sich plötzlich ängstlich so weit von dem Ort entfernt zu sein, der ihm vertraut war und ihn überkamen Zweifel. Er wollte schon umkehren, da erblickte er am Wegesrand einen Jungen, der dort mit Murmeln spielte. Und weil sie beide Angst hatten, den Weg alleine zu gehen wurden sie Freunde und gingen gemeinsam. Erst kurz vor der Stadt trennten sie sich und der Junge vom See betrat erstaunt die neue Umgebung.

Dort waren ihm die Menschen zunächst fremd. Merkwürdig verhielten sie sich und sahen sie aus. Und auch die Bewohner der Stadt fanden den Jungen, der vom See zu ihnen kam, höchst eigenartig. Ein großer Schmerz überkam ihn überhaupt hier her gekommen zu sein, war er doch an seinem See viel glücklicher gewesen. Doch ein inneres Gefühl veranlasste ihn zu bleiben. Und so lernte er mit der Zeit neue Spielkameraden kennen. Und obwohl die Regeln ihrer Spiele sich nur sehr gering von denen unterschieden, die er gelernt hatte, konnte er sich nur schwer begeistern danach zu spielen. So begann er seinen neuen Freunden zu erzählen, wie er das Spiel verstand. Die meisten der anderen Kinder mochten jedoch die Regeln, die sie kannten und mit denen sie vertraut waren. Also zog sich der Junge eine Weile zurück – wollte nicht mehr spielen. Doch ohne die Ruhe des Sees fühlte er sich schnell einsam, wenn er allein war und so kehrte er zu den Kindern zurück. Doch sie spielten längst nicht mehr gemeinsam. Und so irrte der Junge umher, fand immer wieder Kinder, die das Spiel verschieden spielten, doch immer in der gleichen Art. Er spielte so lange mit ihnen, bis er sich langweilte und zog dann weiter um neue Spielkameraden zu finden. Sehr schnell wurde er müde davon, immer suchen zu müssen und er war traurig, da anscheinend niemand seine Art zu spielen mochte. Er wollte das Spiel nur ein Mal nach seinen Regeln spielen – ohne sich zu langweilen. Hin und wieder erzählte er davon und irgendwann kam tatsächlich ein Mädchen auf ihn zu und sagte, sie würde gerne versuchen das Spiel so zu spielen, wie er es ihr erklärte. Und so spielten sie und der Junge war glücklich. Sie mochte seine Art zu spielen, war aber traurig, dass niemand sonst mit ihnen spielen wollte. Der Junge aber mochte sein Spiel so sehr, dass er nie wieder anders spielen wollte.

Irgendwann war das Mädchen weg und in Freude über ihre neuen Spielkameraden, versuchte sie zu vergessen, dass sie das Spiel des Jungen mochte.

Der Junge schaute derweil auf die Stadt hernieder und spürte Zorn. Hätte er doch bloß dieses Spiel niemals entdeckt! Hätte er doch bloß niemals andere Regeln dafür erfunden! Hätte er doch niemals erfahren wie viel besser seine eigenen waren!

Und so packte er seine Sachen und kehrte an den See zurück, wo er sich wieder ins Gras setzte. Doch schnell fühlte er sich alleine, da er nun niemanden mehr zum Spielen hatte, und als er in das Wasser blickte sah er dort keinen Jungen mehr, sondern einen alternden Mann.

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2 Gedanken zu “Am See

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