Der Erste Tag

Ich glaube die älteste Geschichte, die hier zu finden ist. Ist irgendwann 2003 entstanden. Dort habe ich versucht, eine schon recht lange Beziehung bzw. deren Ende noch einmal REvue passieren zu lassen. Natürlich war der Schmerz da nicht mehr da, daher der etwas sarkastisch- ironische Ton. Nach einer Weile sollte man das ganze nicht mehr so eng sehen.

Aber eine der wenigen Geschichten, die ich vermutlich heute nochmal genauso schreiben würde.

Nach Fünf Minuten

Wow, das kam unerwartet. Wirklich, ein Tritt in die Eier. Das hast du spitze hingekriegt, mir so den Tag zu versauen, aber da warst du ja schon immer gut drin. Ja, und was nun? Was mach ich denn jetzt? Das kam wirklich plötzlich, das war etwas zuviel Spontaneität für meinen Geschmack. Wenn ich nur wüsste warum, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich das noch früh genug erfahre und eigentlich gar nicht wissen will.

Die Zweite Stunde

Schau dich an! Da stehst du jetzt. Wie fühlst du dich? Ja, kann ich gut verstehen, in solchen Situationen geht`s einem immer beschissen, aber glaub`mir, das wird vorüber gehen.
Vielleicht nicht mehr heute, vielleicht nicht morgen, vielleicht auch nicht in ein paar Monaten, aber eines Tages wirst du aufwachen und es wird nur noch eine kleine Narbe davon übrig geblieben sein. Du wirst sie so schnell nicht vergessen, du wirst sie auch nicht ersetzen können, aber du wirst drüber weg kommen, das kann ich dir versichern.
Meinetwegen kannst du jetzt eine halbe Ewigkeit vor dem Spiegel stehen bleiben und dich selbst bemitleiden, vielleicht wählen sie dich ja eines Tages in der Glamour zum Mr. Hypersensibel, aber das wird dir auch nicht helfen. Jetzt komm schon, draußen scheint die Sonne, geh ein wenig vor die Tür, genieß den schönen Herbstnachmittag, lenk dich ein bisschen ab! Triff dich mit Freunden, trink ein bisschen was, hab Spaß, dann geht` s nur schneller.
Du wirst drüber wegkommen, du wirst ein neues Leben beginnen. Es fängt hier und heute an, in genau diesem Augenblick, es liegt vor dir auf dem Boden neben deinem alten und wartet auf dich, du musst dich nur bücken und es aufheben. Mach schon, Weichei! Mach doch nicht so eine große Sache draus, du wusstest doch, dass dieser Tag früher oder später kommen würde, das war doch nicht von der Hand zu weisen. Und versuch nicht mir weiß zu machen, du hättest nicht damit gerechnet, dass es so unerwartet kam, dass es dich deshalb so trifft. Diesen Moment hast du dir doch in den letzen Monaten schon tausend Mal in Gedanken ausgemalt. Es war abzusehen, oder hast du wirklich daran geglaubt, du könntest eine Frau wie sie ewig halten?

Die Dritte Stunde

Eines muss ich dir wirklich lassen, Anna, das war ein Schlag ins Gesicht. Ein Volltreffer. Im Abservieren warst du spitze, das war wirklich ganz groß. Eiskalt:
„Ich möchte nicht mehr mit dir zusammen sein, es gibt da einen andern, hab ihn auf ner Party kennen gelernt, blablabla…“
Klasse. Mir geht` s prächtig. Du denkst mich würde das mitnehmen? Ha, weit gefehlt, mir geht` s prima. Du kannst mich mal am Arsch lecken, du und deine dauernde Kuschelei und Fummelei und immer dieses Gesülze, endlich muss ich mir den Müll nicht mehr anhören. Endlich kann ich wieder meine Freiheit genießen. Und weißt du was? Ich rauch jetzt eine, ja ich fang wieder an. Und weißt du wo ich diese erste Zigarette nach nem halben Jahr rauchen werde? Im Bett, ja richtig gehört, in unserem Bett. Ich rauch sie im Bett. Ich werde das Bettlaken vollaschen und den Qualm direkt aufs Kissen blasen. Und soll ich dir noch was verraten? Ich furze. Den ganzen Tag. Ich kann jetzt furzen wann immer ich will. Kein Arschbackenzusammenkneifenundhoffendasnichtsdurchflutscht mehr. Nie wieder. Denn du bist ja weg. Wen sollte es also stören? Mich stört es nicht! Ich furze, laut und lange. Ich furze unter der Bettdecke und dann steck ich meinen Kopf hinterher und rieche an dem was ich da gerade abgelassen hab. Und ich sag dir, Schätzchen das is kein Mädchenkram, da kriegst du Atemnot, da tränen dir die Augen. Wie findest du das? Ekelig, was? Aber dir kanns ja egal sein, du brauchst ja deine Zeit nicht mehr an mir zu verschwenden, denn du bist ja jetzt bei deinem Neuen. Soll der sich das Furzen und das Ekligsein (ich könnte jetzt sogar sagen: Mannsein- das ist doch das, was die Emanzen hören wollen) verkneifen. Soll er sich deine lächerlichen kleinen Probleme anhören, soll er sich damit rumschlagen dich irgendwie befriedigt zu kriegen. Du kannst mich, Anna, mit dir bin ich fertig.
Ich hab nichtmal geweint, naja ein wenig, aber das lag nicht an dir. Du kannst mich nicht verletzen. Du nicht! Du denkst du hast diese Macht über mich, nein, niemand hat diese macht über mich, nur ich selbst, ja ich, und das ist alles was jetzt zählt, ich! Mich hats nur geschockt, dass ich aus der Routine herausgerissen wurde, die du um uns herum aufgebaut hast. Ja, du bist schuld. Ich hasse dich!

Die Vierte bis Achte Stunde

Werde ich je wieder lieben können? Wird es da draußen eine geben die dich ersetzen kann? Du hast mein Herz gebrochen, ist dir das eigentlich klar? Ich bin verletzt und einsam. Ich fühle mich so allein wie noch nie in meinem Leben. Wie konntest du mir das antun? Was hat er denn was ich nicht habe? Was kann er dir geben? Nenn mir doch bitte einen Grund? War irgendwas nicht in Ordnung? Ich dachte du wärst glücklich mit mir gewesen. Ich werde hier auf dich warten. Irgendwann wirst du erkennen, dass du einen Fehler gemacht hast, irgendwann wirst du zu mir zurückkommen, dann wirst du wieder vor mir stehen. Du wirst weinen, ich werde dich in den Arm nehmen und dich trösten, ich werde dich ein bisschen zappeln lassen, aber dann wird es wieder wie früher. Ja, ich bin mir sicher, das wird schön. Alles wird besser, größer. Das ist praktisch das DU und ICH Teil 2- und Fortsetzungen sind meistens besser. Ich werd hier solange sitzen und warten. Warum hast du denn noch nicht angerufen? Ist mein Telefon etwa kaputt? Was ist denn los hier? Warum klingelt das Scheißding denn nicht?
Ich reiß schon mal die Fenster auf und schmeiß die Kippen weg, ich weiß du magst es nicht wenn ich rauche.
Oder bist du gerade bei ihm. Fickst du ihn? Warum bist du nicht hier, warum rufst du nicht an? Warum passiert sowas eigentlich immer mir? Soll ich meine Freunde anrufen und ihnen davon erzählen? Aber was ist, wenn du dann gleich wieder vor mir stehst, soll ich sie dann alle noch mal anrufen und berichten es sei wieder alles in Ordnung, was sollen sie von uns denken? Nur kein Stress, immer mit der Ruhe, ich komm da schon alleine mit klar. Eigentlich ist mir auch gar nicht nach Menschen zumute. Ich glaub ich will alleine sein. Ich brauche nur dich. Soll ich nen Film gucken? Ein Bier trinken? Es gibt nichts zu tun, nicht heute. Und warum scheint da draußen die Sonne? Mir geht dieses Dreckswetter auf die Nüsse, hat die Sonne da was nicht mitgekriegt? Warum ziehen keine Wolken auf. In dem Bild, in dem du weinend vor mir stehst bist du doch durch den Regen gelaufen. Deine Haare sind nass- sie sind Nass! Warum zur Hölle regnet es nicht?
Ich liebe dich! Du darfst mich nicht verlassen. Anna, bitte, verstehst du das denn nicht? Mach es mir nicht so schwer, ich verkrafte das nicht. Ich habe nicht mit dir abgeschlossen, wie soll ich mich da auf eine Neue konzentrieren? Vergiss es, nie im Leben. Und auch wenn du nicht mehr da bist, dann werd` ich dich einfach weiterlieben, einfach so.
Wenigstens treffen und noch mal über alles reden, das könnten wir doch noch. Ich ruf bei dir zu Hause an, tausend Mal, du bist nicht da. Ich ruf dich auf deinem Handy an: die Mailbox. Warum meldest du dich nicht. Ist dir irgendwas passiert? Wo bist du, was machst du? Was sagen deine Freundinnen zu der ganzen Sache? Oder finden sie deinen Neuen auch toller? Was ist denn so super an ihm? Ich kenn ihn nicht, aber ich hasse ihn.
Du fehlst mir. Noch nicht mal ein Tag und du fehlst mir schon so…wo sind meine Zigaretten? Ich muss jetzt eine Rauchen.

Nach der Ersten Nacht oder: die Achtzehnte bis Vierundzwanzigste Stunde

Ich öffne langsam meine Augen, Sonnenstrahlen kitzeln mich an der Nase, ich erwache aus einem bösen Traum. Langsam strecke ich meinen Arm nach dir aus, aber du bist nicht mehr da. Plötzlich trifft mich der Schlag als ich realisiere, dass du gegangen und ich alleine bin. Auf ein mal bin ich todtraurig und wünschte mir irgendetwas würde sich in diesem Augenblick, dieser Millisekunde, ändern. Irgendwas, ich weiß nicht was, aber etwas muss sich ändern. Ich setze mich auf, der Schmerz steigt langsam in mir hoch. Kriecht an meinen Beinen entlang, aber noch kann ich die Tränen zurückhalten. Ich werde versuchen den Tag so anzugehen, als hätte ich dich nie kennen gelernt. Ich werde alles wieder so machen, wie ich es damals noch gemacht haben. Sicher, das wird mich in meiner Entwicklung eineinhalb Jahre zurückwerfen, aber was sind schon eineinhalb Jahre im Vergleich zu dem Schmerz? Wenn ich mich nur erinnern könnte, wie ein typischer Morgen vor eineinhalb Jahren bei mir ausgesehen hat? Und während ich noch drüber nachdenke merke ich, dass ich mir bereits eine Zigarette angezündet hab… vor eineinhalb Jahren hab ich noch gar nicht geraucht, nur ab und zu. Tja, Chance verpasst, da bin ich also, sitze im Bad und heule, schön hast du das gemacht. Super, danke.
Soll ich mich jetzt wieder mit anderen treffen. Andere, die ich mit dir vergleiche, und die eh keine Chance haben- nicht die geringste?
Ich schaue auf die Uhr, es ist schon spät. Es ist nichts zu tun, also kann es mir egal sein, es kommen harte Zeiten auf mich zu.


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