Die Freundin

Ich habe einfach mal versucht mir vorzustellen, wie es wohl ist mit mir zusammen zu sein, wenn ich eine meiner apathischen Phasen auslebe.

Verlierst du dich nicht, wenn du so dasitzt?

Schweigen.

Wir sollten mal wieder irgendwas unternehmen. Uns mit irgendwem treffen, oder auch einfach spazieren gehen. Draußen scheint die Sonne.
Ich glaube wir brauchen eine Pause. Eine Pause von allem, das kann so einfach nicht weitergehen. Und du sitzt einfach nur da.

Schweigen.

Bist du so glücklich? Macht dich das zufrieden- einfach rumsitzen. Ich könnte das nicht, irgendwann würde es mir zu langweilig werden. Aber du bewegst dich ja nichtmal. Du sitzt einfach nur da.
Sag mal, rede ich hier mit mir alleine? Wofür geb ich mir eigentlich noch Mühe, du hast doch sowieso nie zu irgendwas Lust. Ich könnte genauso gut mit der Pflanze da drüben reden und die würde mir sogar noch mehr Aufmerksamkeit schenken als du. Ich lass es wirklich. Es macht doch keinen Sinn. Ich kann auch wieder nach Hause fahren, wenn dir alles so egal ist. Und dann komme ich vielleicht nicht mehr wieder. Überleg` s dir gut! Hörst du überhaupt zu?
Hast du ein Wort von dem verstanden, was ich gerade gesagt habe? Mit mir redest du nie. Ich weiß eigentlich so gut wie gar nichts über dich- zumindest nicht was in dir vorgeht. An was denkst du, wenn du so da sitzt wie jetzt? Denkst du überhaupt an irgendwas? Ich habe das Gefühl, dass du gar nicht bei der Sache bist. Ich versuche mich mit dir zu unterhalten.

Nicken.

Oh- eine Reaktion. Tatsächlich so etwas wie eine Reaktion. Auch wenn sie gerade fehl am Platze war. Immerhin lebst du noch, ich dachte schon da hätte sich irgendwas bei dir verabschiedet. Kann man ja nicht wissen, sitzt da auf der Fensterbank und bist still. Mach nur weiter so, gleich geh ich einfach. Aber komm nicht auf die Idee dich dann noch irgendwann bei mir zu melden. Wenn ich heute aus dieser Tür gehe, dann hast du mich für immer verloren.

Erneutes Nicken, diesmal energischer.

Ach so. Du willst, dass ich gehe. Willst du, dass ich gehe? Na los, sag schon! Wäre ja immer noch besser als mich hier mit dir zu langweilen. Ich weiß gar nicht, warum ich meine Zeit so lange mit dir verschwendet habe. Eigentlich mag ich dich ja nichtmal, weiß auch nicht was da in mich gefahren ist. Schon bei unserer ersten Begegnung fand ich dich widerlich, dieser mitleidsvolle Blick und wie du da unsicher durch den Raum gewatschelt bist. Du gehst wie ein Pinguin, hat dir das schonmal jemand gesagt? Du bist wirklich so jämmerlich. Ich weiß nicht, was ich an dir gefunden habe, ich glaube ich hab mir da selbst irgendwas vorgemacht, passiert schonmal. Sag jetzt endlich was oder ich bin wirklich weg.

Schweigen.

Na gut. Du hast es nicht anders gewollt. Lies meine Lippen! ICH- GEHE- JETZT. Wenn diese Tür hinter mir zufällt bin ich ein für allemal weg, dann kannst du sehen ob du nochmal jemanden findest der so dämlich ist, sich auf dich einzulassen. Machs gut- ach- vergiss es, mach gar nichts. Belass alles so wie es ist. Pass nur auf, dass du keinen Schimmel ansetzt. Ich gehe!

Und das war die Geschichte davon, wie meine Imaginäre Freundin mich verließ. Sie rief dann noch ein paar Mal an, aber ich bin nicht mehr rangegangen… Schlampe.

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