Ein Abend bei Freunden

Einer von vielen Versuchen für eine Kurzgeschichte im laufe eines Creative Writing- Seminars an der Uni. Sollte Anfang 2007 entstanden sein. Ich habe sie dann nicht abgegeben. Aber aufgrund der abgefuckten Grundhaltung, finde ich sie irgendwie lustig.

Privatparty. Die beste Location sich mal so richtig auszutoben. Lichterketten beleuchten den Flur, das Bier liegt in der Badewanne, die Musik dröhnt durch die dünnen Wände, überall hört man dieses Bummern der Bässe. Ich stehe gelangweilt in der Ecke und überlege noch, was ich machen könne, da kommt dieses Mädchen auf mich zu. Sie hat einen Überbiss, wirkt aber ganz sympathisch. Ihr Name sei Yvonne, sagt sie, was mir jedoch gänzlich egal ist. Sie fängt ein kurzes Gespräch an, Smalltalk, nichts besonderes, ich lächle, nicke, klimpere mit dem Eis in meinem Glas, leere die Wodka-O Mischung und entschuldige mich zuerst aufs Klo und hole mir Nachschub.20 oder 30 Leute sind da, die meisten kenne ich nur flüchtig, oder habe sie irgendwann schonmal gesehen, nur mit einem kleinen Teil verstehe ich mich gut, und ich habe nicht die geringste Lust an diesem Zustand etwas zu ändern. Mir ist nicht nach Konversation, mir ist nicht nach neuen Bekanntschaften. Ich gehe auf den Balkon um eine zu rauchen, zwei Typen stehen außer mir noch da, sie führen gerade eine philosophische Diskussion, ich höre ihnen kurz zu, sie reden Müll, ich besinne mich darauf meinen Blick lieber auf das Treiben unter mir zu richten. Ein paar Autos fahren auf den Strassen, hupen, ab und an hört man Sirenen, es wird kalt, der Winter lässt nicht mehr lange auf sich warten, der Himmel ist Sternenklar, ich bekomme eine Gänsehaut und gehe wieder hinein, nehme auf dem Sofa platz und lehne mich entspannt zurück. Ich schließe die Augen und lausche eine Weile dem Gerede aus jeder Ecke des Raumes. Ich habe den Anschluss verloren, die Fähigkeit mich für jeden Scheiß zu begeistern, mein Kopf schwebt durch eine Art Vakuum, es gibt nur mich selbst, und inmitten dieser Ansammlung Gleichgesinnter, Freunde, Bekannten fühle ich mich einsamer als jemals zuvor. Ich gehöre nicht dazu, ganz gleich wie viel ich mit ihnen unternehme, wie gerne ich sie habe, wie sehr sie mich lieben, ich bin keiner von ihnen. Da ist so ein Stechen in mir und mir dreht sich der Magen um, Erkenntnis kann ja so schmerzhaft sein. Ich überlege, die kleine mit den großen Augen, die mich immer so freundlich anlächelt, zu bumsen. Sicher werden wir unseren Spass haben, es wird für eine Nacht sein, nicht mehr, es wäre schön gemeinsam einzuschlafen, einen warmen Körper neben sich liegen zu haben, sie würde es genauso genießen wie ich, doch sie lächelt so brav, wie könnte ich sie verderben?

Ich gehe zu Yvonne, flüstere ihr süßen Schwachsinn ins Ohr, säusele vor mich hin, sie steigt voll darauf ein und keine fünf Minuten später habe ich mein Gesicht zwischen ihren Schenkeln vergraben. Sie ist keine Schönheit, stinkt nach Schweiß und billigem Parfüm, sie wiegt sich unter meinen Anstrengungen sie zu befriedigen. Ich bin keine Schönheit, ich fabriziere nur Scheiße. Ich habe nichts als Scheiße im Hirn. Ich stehe auf und verlasse den Raum. Yvonne blickt mich fragend an, ich versuche irgendwas zu erklären, anscheinend versteht sie es nicht, ich gehe. In der Küche setze ich mich an den Tisch und esse ein paar Käse- Weintrauben- Spieße. Eine Freundin von Yvonne, ganz gut aussehend, kommt herein und beleidigt mich, ich gehe erst gar nicht darauf ein. Sie verschwindet und ich zünde mir eine Zigarette an.

Irgendwer hat die Polizei gerufen, es war wohl etwas zu laut. Ein paar Leute gehen, neue kommen dazu, ich bleibe am Küchentisch sitzen. Ich lecke mir über die Lippen, sie schmecken nach Muschi. Mein Kopf ist schwer, ich hole mir ein Bier. Ein Freund von mir erzählt von seiner neuen Karre, von den Problemen mit seiner Freundin, ich höre ihm gar nicht wirklich zu, lächle, nicke, stimme ihm zu, umarme ihm zum Trost, als sich Tränen in seinen Augen bilden und gehe kurz raus, um mir ein wenig die Beine zu vertreten. Die Straßenlaternen funkeln hell in dieser Nacht, der Mond schwebt schützend über mir. Ich gehe ein paar Schritte, bis ich eine Gänsehaut bekomme, ich hätte meine Jacke mitnehmen sollen. Vor dem Dönerladen stehen ein paar Jugendliche und streiten sich wegen eines geringen Geldbetrags, ich kehre auf die Party zurück, mit der Gewissheit mich zu langweilen. Yvonne sitzt auf dem Sofa und weint, ich weiß gar nicht warum, ich habe ihr nichts getan, ein paar der Mädchen werfen mir verächtliche Blicke zu, meine Kumpels fragen mich, wieso ich mich mit so einem hässlichen Mädchen überhaupt eingelassen habe. Ich kann es ihnen nicht erklären, habe auch keine Lust dazu. Die Kleine mit den großen Augen ist weg, ich bedauere meine Wahl und genehmige mir einen weiteren Drink. Langsam beginnt sich alles zu drehen, ich habe große Probleme noch gerade zu stehen, mein Magen krampft sich zusammen, ich habe Sodbrennen.

Irgendwer schlägt irgendwen, der Notdienst wird gerufen, die Polizei kommt, es werden Anzeigen und Gegenanzeigen aufgenommen, ich stehe auf dem Balkon und pinkel auf dem siebten Stockwerk hinunter auf die Strasse. Ich muss auf Zehenspitzen stehen und der kalte Wind tut weh, aber es macht Spass, mit Glück erwische ich ein paar Passanten.

Als ich wieder reinkomme ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt, die Musik ist aus, die Leute verstricken sich in geflüsterten Dialogen. Ich trinke noch ein Bier und beschließe zu gehen, ich bin müde. Ich wünsche allen noch ein frohes neues Jahr und gehe nach Hause.

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