Gespräche (in Aufzügen)

Der Versuch aufzuschreiben, was ich über mich selber denke und was Freunde wohl von mir denken, was sie mir gesagt haben, was ich mir ausmale, was sie über mich sagen könnten.

Anfangs aus purer Langeweile im Sommer 2007 mit dem „Sodomie- Dialog“ entstanden, der mir wie eine Eingebung in den Sinn shcoss,  und dann wie von selbst ausgeführt. Es ist alles sehr Patchworkartig, bleibt für mich aber eine nette Erinnerung.

# 1

– gehst du gar nicht mehr raus?

– manchmal

– was soll das jetzt bedeuten?

– Hin und wieder

– Hin und wieder gehst du raus?

– Hin und wieder geh ich gar nicht mehr raus

# 2

Vielleicht hätten wir gehabt, was wir hatten, hätten wir es nicht übersehen. Und vielleicht wäre alles gut geworden.

Ist es das nicht gewesen? Haben wir gelitten?

War` s das jetzt? Für immer.

Nicht wirklich. Und sie sagte immer sie liebt mich. Sagte es mit Bestimmtheit.

War ja doch nur eine Lüge. Mit Bestimmtheit kann man nichts sagen, außer der Lüge.

Vergessen, alles vergessen. Die Zeit rennt so, es ist unglaublich. Gestern war ich noch ein kleiner Junge und heute?

Und irgendwann bist du mit allem fertig, dann hast du ´ nen Job, dann kommt noch das Kind- und dann bist du auch schon 50, ohne es gemerkt zu haben…

Hauptsache die Kohle stimmt.

Scheiß auf die Kohle.

Alles vergessen. Nur noch schemenhafte Erinnerungen und der Versuch sich an die Situation zu erinnern. Aber es ist weg- ganz weit weg. Wo ist es geblieben? Warum kann ich es nicht halten? Alles schmerzt in der Erinnerung. Nichts ist mehr da.

Es ist scheiße. Sinnlos, müßig. Es war mal so gut.

# 3

– Er war mal cool.

– Nein, war er nicht. Er war es nie und wird’s auch nie sein. Der Spacko, ich hasse ihn.

– Der Kerl ist eigentlich ganz in Ordnung.

– Ganz in Ordnung und cool sind nicht dasselbe. Sie spielen nichtmal in der gleichen Liga.

– Miserables Filmzitat.

– Zitat?

Möchte nicht wissen, was noch alles kommt. Zuerst verlässt du sie, ohne es zu merken, dann verlässt sie dich und dann verlassen dich alle. Dann bist du wieder auf dich allein gestellt. Aber vielleicht ist das auch ganz gut so. Einsamkeit ist nur eine starke Verbindung zu sich selbst.

# 4

– Schonmal daran gedacht, dass es sich nicht lohnt?

– Was?

– Alles.

# 5

In Tränen gehüllt

Schleicht kullernd der Mond

Hervor aus den Wolken

Hinter denen er wohnt

Er blickt auf die Welt

Und stellt erneut fest

Das alles was kommt

Uns schweigend verlässt

Er lächelt und weiß

Nichts kommt je zurück

Der Mann der in ihm wohnt

Ist lange verrückt.

– Was ist das?

– Hab ich geschrieben.

– Nicht schlecht,

– Danke.

# 6

Heute ist nicht wie gestern, das ist ja wohl klar. Ändert nur leider nichts daran, dass nach vorne blicken schwer fällt.

– Jämmerlich.

– Ich weiß. Aber was willst machen?

– So isses eben?

– So isses.

# 7

– Wir hatten doch alle mal die gleichen Träume…

– Ja, so mit 17 vielleicht.

– …Wollten jemanden bei uns wissen, wollten frei sein, verliebt, glücklich.

– Wenn du jetzt noch von `ner Weltreise anfängst geh ich.

– Nein, darum geht` s gar nicht.

– Worum dann?

– Ach- ich weiß auch nicht. Kennst du das Gefühl nicht, dass da irgendwo noch mehr sein muss? Du weißt nicht was, aber du spürst seine Anwesenheit?

– Die Anwesenheit des Meeres?

– Des Mehrs.

– Nö.

– Echt nicht?

– Nö.

– Warst du immer zufrieden?

– Ich war nie zufrieden. Ich habe aber auch nie erwartet, dass sich da noch was tut.

– Du bist ein trauriger Mensch.

– Und du bist jämmerlich. Wirklich erbärmlich. Dieses Selbstmitleid immer, hörst du dich eigentlich selber reden?

– Hin und wieder find ich mich ganz poetisch.

– Ach du scheiße… jetzt komm mir nicht mit Poesie. Die ist schon länger tot, als deine verlorenen Träume.

– Schön gesagt.

– Danke.

– Hast du nicht manchmal das Gefühl einem unbekannten Ziel entgegen zu rennen?

– Nein, das wirklich nicht.

– Weil es nicht unbekannt ist?

– Weil es kein Gefühl ist sondern Gewissheit.

– Auch nicht schlecht.

– Ich weiß. Hör mal. So langsam hab ich auch keinen Bock mehr auf das Gesülze. Ich wollt mich nur mal wieder melden.

– Ist schon ok.

– Und was machst du jetzt noch?

– Keine Ahnung. Ein Schläfchen vielleicht.

– Wie wär`s wenn du noch nen Monolog hälst?

– Wäre auch eine Möglichkeit. Vielleicht mach ich das.

– Na dann…viel Spaß dabei. Wird’s was grosses?

– Das schreibt man übrigens immer noch mit „ß“.

– Mit was?

– Eszett! Aber das machen sie alle falsch.

– Wie dem auch sei.

– Ja. Schön, mal wieder was von dir zu hören.

– Ich weiß, bin schon ein nettes Kerlchen. Und du… halt die Ohren steif. So mies isses gar nicht.

– Wenn du das sagst.

# 8

Ein Monolog. Monologe halten war früher immer so eine Art Hobby von mir. Je länger desto besser. Meistens sind die viel zu unstrukturiert und ich drifte ab. Als hätte ich ADS oder so.

Aber sind wir nicht auch wirklich unser Leben lang geblendet von Wünschen? So richtig zufrieden ist man eigentlich nie. Irgendwas sitzt einem immer im Nacken. Ich wäre wirklich glücklich, wenn ich mich komplett fühlen könnte. Wäre ich das? Sowas kann man einfach nicht auf ein paar Seiten beantworten.

Und früher dachte ich mal, alles wäre gut, wenn die Einsamkeit vorbei ist. Dann war sie vorbei und ich fühlte mich alleine unter Menschen. Dann dachte ich, die Liebe könnte mich retten- aber auch das war ein Schuss in den Ofen. Nicht ändert sich, niemals. Man ist allein, man bleibt allein. Auch keine neue Erkenntnis, aber so traurig wie es klingt ist es gar nicht- und es ist wahr.

Wie sich das schon anhört.

# 9

– Und der soll mal cool gewesen sein?

– Naja, ich gebs ja zu. Heute ist er nicht mehr so ganz auf dem Damm. Aber früher. Da konnte man noch Spaß mit ihm haben.

# 10

– Was findest du eigentlich an Frauen?

– Was findest du eigentlich an Männern?

– Gar nichts.

– Dann stehst du also doch auf Frauen?

– Weder noch.

– Weder noch?

– Ja.

– Aber auf was stehst du dann?

– Tiere.

– Du bist Sodomist?

– Du sagst das, als ob es was Schlimmes wäre.

– Naja, es ist illegal.

– Na und? Das ist Videopiraterie auch. Ich sag dir, Sodomie wird vollkommen unterbewertet.

– Und dann treibst du`s also mit…Schafen und so?

– Ach Schafe. Das kickt doch heute keinen Neger mehr.

– Ohoh.

– Was denn?

– Naja, deine Wortwahl.

– Wieso? Ist doch ein ganz normaler Anglizismus.

– Das meine ich doch gar nicht. Ich meine das N- Wort.

– Neger?

– Ja.

– Was ist schlimm an Neger?

– Naja, du weißt schon. Das sagt man einfach nicht.

– Warum nicht?

– Weil es rassistisch ist.

– Wer sagt das?

– Naja, die Ne… die Schwarzen…

– Ist „die Schwarzen“ nicht auch rassistisch?

– Ja…doch…eigentlich schon.

– Und was sagt man dann? Afro-Deutsche?

– Sind denn alle..ähm..naja, du weißt schon. Sind die denn alle aus Afrika?

– Mir doch egal.

– Deklassieren wir sie nicht, wenn wir sie alle in Afrika einordnen?

– Ich hab mal gehört, die wollen so genannt werden.

– Aber Afrika ist groß. Ich will doch auch nicht einfach nur Europäer sein.

– Und nun?

– Wir können zumindest nicht Neger sagen.

– Warum nicht? Ich finds gar nicht so schlimm.

– Aber du willst doch auch nicht, dass sie dich Katoffel nennen. Oder Weißbrot.

– Ist mir ehrlich gesagt scheißegal. Es gibt wichtigeres als Hautfarben. Das sollten die Neger auch mal kapieren.

– Aber Neger hat man früher doch gesagt…

– Wann früher.

– Du weißt schon. Bei den Nazis.

– Was interessieren mich die Nazis?

– Das ist Teil unserer Geschiche.

– Ein wichtiger Teil, der nicht vergessen werden darf. Jaja, ist schon klar…aber mal ehrlich… glaubst du an die Kacke?

– Ja, doch. Irgendwie schon.

– Fühlst du dich schuldig?

– Nö, wieso sollte ich? Nichtmal meine Eltern waren da geboren.

– Siehste…also kann ich auch Neger sagen, oder?

– Nun…es gehört sich nicht. Und jetzt hör auf damit.

– Von mir aus können die mich auch Hühnerficker nennen.

– Du fickst Hühner?

– Nein, das war doch jetzt nur ein Vergleich.

– Ach so. Also…was fickst du denn dann?

– In letzter Zeit stehe ich auf Weichtiere.

– Weichtiere? Aber wie..also..

– Nein. Ich steck da nichts rein. Du musst dir das so vorstellen. Hast du dir schon mal eine Nacktschnecke auf deinen…

– Sei still! Ich wills gar nicht hören.

– Jetzt entspann dich mal. Du musst auch mal offen für neues sein. Also: Du nimmst dir also ein von diesen geilen, glitschigen Viechern und setzt es ganz behutsam auf deinen…

– Mir wird schlecht.

– Hey, wo willst du denn hin? Jetzt warte doch.

#11

Ist ja wirklich interessant.

Nicht wirklich.

Was meinen die nur damit?

Keine Ahnung, ich steig schon lange nicht mehr durch.

Aber die Stelle mit dem Sodomisten war lustig, oder?

Ich weiß nicht. Habs net kapiert. Was soll denn das? Und warum treibt er’s mit Tieren?

Na, ist doch egal.

Wieso ist das egal? Das macht doch gar keinen Sinn. Das passt auch überhaupt nicht zu dem Rest. Und überhaupt: schon wieder nur Ficken, Titten, Schwanz. Was ist das für ne Wortwahl?

{Keine Gute, Anm. des Lesers}

Lass ihn doch.

Ich hab schon wieder meine Zeit an so einen Möchtegern Schreiberling verschwendet.

Also ich hab geschmunzelt.

Na, wenn das der einzige Anspruch ist, den du hegst.

# 12

Trauer ist…

# 13

Und was sollen eigentlich diese Nummerierungen?

Psst- jetzt lass ihn doch mal.

# 14

Trauer ist auch immer bei uns.

# 15

Wohoo. Jetzt legt er aber richtig los.

# 16

Und nichts war je und wird niemals sein.

#17

Was?

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