Kurzgeschichten

Manche Tage fangen einfach schon beschissen an, da hat man eben gar nicht mehr die Wahl zwischen Gut und Böse, da weiß man- und das direkt nach dem Aufwachen- dieser Tag heute wird scheiße.
Bei mir war es heute so ein Tag.
Es fing direkt damit an, dass mein Wecker mal wieder viel zu laut, viel zu heiser und viel zu lange in mein Ohr kreischte, bis ich mich dann doch endlich dazu erbarmte die Hand auszustrecken und zuzuschlagen. Es war kein besonders harter schlag, fest. Fest genug um ihm den Garaus zu machen, aber nicht zu hart als das es irreparable Schäden mit sich bringen würde. Auf jeden Fall landete der Wecker auf dem Boden. Ich bin kein Pedant, aber ich ertrage einfach keine Unordnung, also musste ich mich schweren Herzens aufrichten und ihn aufheben. Gut, dachte ich mir, setzt ich mal eben `nen Kaffee auf, dann wird alles wieder gut.
Geplagt von einem leichten Husten und hämmernden Kopfschmerzen verschlug es mich in die Küche wo ich zu meiner großen Begeisterung feststellen musste, dass mir der Kaffee ausgegangen war. Gut, dachte ich mir, dann eben erstmal eine rauchen, gleich ist bestimmt alles wieder besser.
Die Zigarette vertrug sich mit meinem Husten gar nicht gut und so vermochte noch immer keine regelrechte Begeisterung in mir aufzukommen.
Aber bisher war noch nichts geschehen, was sich nicht mit einer schönen, heißen Dusche wieder beheben lassen sollte. – Denkste.
Als ich tropfend und unzufrieden vor dem Spiegel stand bemerkte ich, dass ich vergessen hatte zu waschen und die Klamotten, die ich gewaschen hatte nicht die waren, die ich heute tragen wollte.
Gut, okay, soweit aber immer noch alles in bester Ordnung, wen störts schon, wenn man sich in seiner Kleidung unwohl fühlt, das sieht man einem ja nicht direkt an.
Als nächstes war die Post dran- ja ich bekomme Post, immer noch, denn ich bin ein sehr gefragter Mensch. Leider nicht gefragt genug, so dass es mal wieder haufenweise Absagen hagelte. Absagen deshalb, weil ich schreibe, ja ich schreibe und ich mache dies eigentlich als Hobby, nur so zum Spass um die kleinen grauen Zellen in Bewegung zu halten, aber irgendwann hatte es sich mir in den Kopf gesetzt, dass ich aus meiner Passion ja auch einen Beruf machen könne, da ich ansonsten sowieso keine herausragenden Qualifikationen besitze, zudem auch noch ziemlich faul bin, aber den Drang verspürt hatte meinen Platz unter der arbeitenden Bevölkerung einzunehmen, und sich nach dem Abi der Gedanke breit gemacht hatte, so ein Studium könne vielleicht doch nicht das richtige für mich sein. Verstärkt wurde dieser Gedanke, dass ich auf die Frage hin: „Echt, du schreibst? Kann ich da mal was von lesen?“ Und meiner dazugehörigen Antwort: „Ja klar!“ mit wohlwollenden Kritiken meiner Freunde, wie zum Beispiel: „Das is echt nich schlecht, Mann!“, „Nich übel.“, „Kann man durchaus mal lesen.“ und „Also ich fands zumindestest interessanter als Faust.(sternchenGRINSsternchen)“ angespornt wurde mal eine meiner Sachen an einen Verlag zu schicken und mal zu gucken, was dabei rüberkommt. Ich sah schon die Klappentexte mit den Zitaten renommierter Zeitschriften vor mir, da hagelte es die erste Absage. „Gut“, dachte ich mir, „hast das ja eh immer nur als Hobby gemacht, und deine Freunde mögens, aber für wen schreibste das eigentlich? Für die Welt da draußen oder in erster Linie für dich selbst?“
Tja, mit dem Gedanken war ich auch eine Weile ganz gut gefahren, bis mich sowas wie Ehrgeiz packte- falls Ehrgeiz dieses stechende Gefühl ist, das einen nicht schlafen lässt und einen Gedanken schmieden lässt, einfach zu diesem verdammten Verlag zu marschschieren und dem Lektor mit `ner geladenen Schrotflinte im Anschlag….mal ordentlich die Meinung zu geigen (sternchenGRINSsternchen).
Aus meinen Anflug leichten Ehrgeizes heraus schickte ich also immer mehr Manuskripte an diverse Verleger und kassierte dementsprechend auch immer mehr Absagen ebendieser, bis sich der Wunsch nach Rache breit machte.
„Gründe ich eben meinen eigenen Verlag und bring meinen Kram raus. Die werden schon sehen, was sie an mir gehabt hätten, wenn ich die Rowling mit meinen Verkaufszahlen schlage.“ Naja, Träumereien waren ja noch nie verboten.
Heute hagelte es allerdings gleich drei dieser Absagen, was mich sonst nicht sonderlich gestört hätte, aber da mir ja, wie bekannt, auch noch der Kaffe ausgegangen war brachte es mich nicht gerade dazu auf dem Küchentisch Samba zu tanzen.
Da ein Wochentag war, und Wochentage meistens nicht sehr ereignisreich sind- zumindest in meinem Leben- außer, dass die Geschäfte länger aufhaben, abgesehen von den Samstagen, aber das gehört hier an diese Stelle nun wirklich nicht hin.
Ich setzte mich also hin, zündete mir eine weitere Zigarette an und überlegte, wovon mein neuer Roman, den ich seit einiger Zeit dann doch endlich beginnen wollte, denn nun handeln solle. Viele Ideen hatte ich bisher noch nicht gesammelt, außer, dass es einer der besten Romane werden sollte, die je geschrieben worden waren. Ich wollte etwas völlig neues, was noch keiner vor mir geschrieben hatte, etwas spektakuläres, etwas philosophisches, etwas Gatschunga!- und ein überraschendes Ende musste auf jeden Fall noch mit rein, die Leser stehen auf überraschende Enden. Ich kramte tief in meiner Gedankenkiste, durchwühlte Erinnerungen, lies völlig abstruse Bilder in meinem Hirn umhertänzeln, und kam zu dem Schluss, dass ich entweder an Bücher dachte, die ich schon mal gelesen hatte, oder Filme, die ich schon mindestens ein dutzend Mal gesehen hatte, nur dass ich die Namen vertauscht und die Storys vermischt hatte. Was wollte ich überhaupt? Wollte ich was Lustiges schreiben, `n Thriller, oder doch lieber bei meinem alten Schema bleiben: aus der Ego- Perspektive irgendeinen alltäglichen Scheiß daherlabern? Ich entschied mich erstmal für: gar nichts.
Kaffeepause, ich brauchte dringend einen Kaffee, wobei mir wieder einfiel, dass ich ja gar keinen Kaffee mehr hatte.
Also machte ich mich auf den Weg zu meiner allseits beliebten Lieblings- Vorstadt – Bar in der Fußgängerzone.
Genüsslich nippte ich an meinem 3 Euro Latte Macchiato (das wären 6 Mark gewesen, Leute!) und betrachtete das Geschehen um mich herum. Ich überlegte ob ich vielleicht eine Abhandlung über den Untergang des Abendlandes durch kleine fettleibige Jungs mit roten Haaren und diesen „Zündschnüren“ hintendran schreiben sollte, die den ganzen Vormittag nichts besseres zu tun haben als mit ihren Fahrrädern immer in Kreis zu fahren und dabei rumzugröhlen als wären sie Seekuhmännchen während der Paarungszeit, während sich andere Menschen in künstlerischen Schaffenskrisen befanden. Zugegeben, meine Idee erschien mir selbst nicht als die philosophisch anspruchvollste, dennoch hielt ich sie in meinem Notizblock fest.
Vielleicht hätte ich auch eine Satire über gehirnamputierte Hausfrauen schreiben sollen, die dir ihre Einkaufstaschen in den Rücken hauen, wenn sie versuchen ihre dicken fetten Ärsche auf den Stuhl an dem Tisch neben dir zu quetschen, aber auch diese Idee erschien mir in ihrer Umsetzbarkeit als etwas schwierig.
Meinen literarischen Hochpunkt hatte ich so um die Mittagszeit erreicht als ich mir im Kopf einen Roman über den Untergang des Abendlandes durch kleine fettleibige Jungs mit roten Haaren und diesen „Zündschnüren“ hintendran, die den ganzen Vormittag nichts besseres zu tun haben als mit ihren Fahrrädern immer in Kreis zu fahren und dabei rumzugröhlen als wären sie Seekuhmännchen während der Paaarungszeit, während sich andere Menschen in künstlerischen Schaffenskrisen befanden, und deren Mütter, gehirnamputierte Hausfrauen, die dir ihre Einkaufstaschen in den Rücken hauen, wenn sie versuchen ihre dicken fetten Ärsche auf auf den Stuhl an dem Tisch neben dir zu quetschen und sich zudem noch mit ihren noch gehirnamputierten, noch fetteren Freundinnen zum Essen trafen, Nonsens schwafelten und sich nicht darum kümmerten, dass ihre kleinen fettleibigen Jungs mit den „Zündschnüren“ andere Menschen in den Wahnsinn trieben, zu schreiben.
Naja, ich zahlte und hatte diesen Tag schon restlos abgeschrieben, als mir auf dem Weg nach Hause mal wieder die glorreiche Idee kam ausgiebig über mein Dasein und den Sinn des Lebens nachzudenken. Diese Einfälle kommen einem führwahr immer an den besten Tagen dafür. An Tagen, an dem man zu dem Schluss kommt, dass sein eigenes Leben scheiße, dass der anderen viel besser, die Welt ungerecht und das Leben grausam ist. Manchmal denke ich, das Leben ist Vergleichbar mit Musik- gut, es ist ein etwas holpriger Vergleich- aber teilweise trifft er zu. Es gibt da die eher kleinen Lichter und die Superhits, die, die schnell wieder in Vergessenheit geraten, und die, die immer in den Köpfen bleiben. Manchmal, und jetzt passt gut auf, jetzt kommt nämlich der Hammer (sternchenGRINSsternchen), manchmal da komm ich mir vor wie eine B- Seite. Ihr wisst schon, diese Zusatztracks, die immer auf den Singles mit drauf sind. Irgendwie schon bekannt, weil sie ja jeder hört, der die Single kauft, andererseits haben sie es ja nichtmal auf das Album geschafft. Sie sind also zu gut um komplett auf dem Kompost der aussortierten Songs zu landen und dennoch sind sie es nicht wert auf das Album zu kommen- auch wenn viele B- Seiten manchmal besser sind als die Songs, die auf dem Album vertreten sind, aber das ist nur meine Meinung.
Mit diesem Gedanken kroch ich um vier Uhr morgens in mein Bett, unzufrieden, deprimiert, gewaschen hatte ich immer noch nicht, geschweige denn auch nur ansatzweise daran gedacht zu haben Kaffee zu kaufen. Selbst die Kippen waren mir ausgegangen. Das konnte ja nur die Vorfreude auf morgen verschärfen…
Und wenn man mich fragt, dann kann ich heute nur noch sagen: „Ja, ich schreibe jetzt auch Kurzgeschichten. Es ist nicht so, dass mir die Ideen für Romane ausgegangen wären, ich habe nur zu viele Ideen, die jedoch traurigerweise allesamt nichts taugen um einen ganzen Roman zu füllen. Also habe ich beschlossen sie jetzt als Kurzgeschichten und Essays zu sammeln und als patchworkartiges Gebilde zusammenzufügen.“
Aber wie kommt man auf sowas? Wie sei es überhaupt möglich hierbei einen roten Faden zu verfolgen?
„Ich weiß es nicht, und ich mache mir auch gar keine all zu großen Gedanken darüber, entweder es passt oder es passt eben nicht. Die Dinge kommen wie sie kommen. Ich bin da nihilistisch. Ja, ich bin Nihilist geworden, einfach so, von heute auf morgen. Vielleicht hat es auch länger gedauert und ich habe es nur nicht bemerkt, man kann ja schließlich nicht alles wissen.“ *g*

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