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Die wahrscheinlich verrückteste Geschichte, die du je gelesen hast

Das Schicksal hat mich heute mal wieder nach Lengsdorf geführt, diesen kaum wahrgenommenen, fast vergessenen Teil Bonns, in den niemand geht und aus dem auch einfach niemand zu kommen scheint. (Ich zumindest habe in den mittlerweile fast 10 Jahren, die ich in Bonn lebe, noch nie irgendwen sagen hören, dass er in Lengsdorf wohnt oder dort jemanden besuchen fährt. Ich kannte zwar mal jemanden, der dort arbeitet, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte) ‚ Schicksal‘ ist vielleicht auch ein etwas übertriebener Begriff, denn das Schicksal heißt eigentlich GLS, die mal wieder den hinterletzten Paketshop beliefert haben, den sie kennen .

Wie dem auch sei: ICH WAR HEUTE IN LENGSDORF! Und zwar wieder hier. Und ich muss gestehen, dass ich schon ein wenig nervös war, ob es wieder zu einem kleinen Psychospiel zwischen mir und dem Köter kommen sollte. Das letzte Mal, als ich dort war, lief zwar glatt, aber man sollte immer auf mögliche Katastrophen eingestellt sein.

Zu meiner Erleichterung lag er aber ganz entspannt auf der Straße und zeigte keinerlei Regung, als ich an ihm vorbei lief. Vermutlich ist er mittlerweile auch alt und träge, vermutlich auch fast blind und im Grunde ist es auch egal, denn er rührte sich nicht und ich konnte mein Paket abholen.

Jetzt überlegt der geneigte Leser vermutlich: „Wie geht diese irrsinnige Höllenfahrt wohl weiter? Welchen Kniff hat er auf Lager, der mir gleich völlig die Schuhe auszieht?“ Und tatsächlich habe ich noch einen Trumpf auf der Hand, sonst würde ich mich ja nicht hinsetzen und mir die Zeit nehmen, einen Blogeintrag zu verfassen. Mittlerweile haben sich nämlich die Betreiber des Paketshops (die hauptgeschäftlich Gartenbedarf verhökern) einen Hund zugelegt[!]: Ein monströses, fettes und vor allem grimmiges Vieh, das natürlich direkt aufbellte, als ich schwitzend den Laden betrat. („Fucking hell, das darf doch nicht wahr sein!“) Die Besitzerin hat ihn dann zurückgerufen, aber er knurrte noch einige Minuten weiter, bis ich mit meinem Paket den Laden verließ. Das war schon echter Stress!

Worum es aber eigentlich gehen soll: Lengsdorf. Und davon wollte ich schon die ganze Zeit erzählen, denn dort war ich schließlich heute. Bin dann mit meinem Paket in der Hand die kleinen Straßen entlangspaziert und habe mich plötzlich wie im Urlaub gefühlt. Das soll man jetzt nicht falsch verstehen: nicht, wie in einem coolen Urlaub, sondern eher wie auf einer Klassenfahrt, in der man plötzlich im hinterletzten Kaff festhängt. Tatsächlich habe ich sogar noch mehr Menschen dort gesehen, als ich erwartet hätte, dies waren aber vorwiegend sogenannte „rüstige Rentner“ auf dem Weg zum Einkaufen oder vom Einkaufen wieder nach Hause. Es gibt dort auch keinen klitzekleinen Gemüseladen, in dem Eier aus eigener Haltung verkauft werden und Schnittblumen. Fast wäre ich rein gegangen, weil ich das ja doch sehr charmant finde. War mir dann aber auch zu blöd, schwitzend und mit meinem Paket unter dem Arm, außerdem habe ich noch ein ganzes Paket Eier zu Hause und nur wenig Bedarf an Schnittblumen.

Lengsdorf auf jeden Fall ist eine verdammt öde Gegend, in der jeder Lebenswille wie eingefroren scheint. Hier geht man hin, um sich den gemütlichen Dingen zu widmen und vielleicht lasse ich mich irgendwann einmal dort nieder. In diesem Sinne: vielen Dank, GLS für dieses einmalige Erlebnis!

XOXO, euer Limbo.

P.S.: Ach ja, ich habe noch dieses schöne Bild von ganz vielen Hummeln gemacht.

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