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Opa erzählt von später

Den ganzen Sommer lang habe ich auf den Herbst gewartet. Ich hatte keine Lust mehr auf die schwüle Hitze, auf zwei gute Tage und danach Gewitter. Keine Lust auf die Schlappheit und auf Schwitzen. Keine Lust auf diese Trägheit im Schädel und keine Lust auf lange Tage.

 Jetzt, wo der Herbst allmählich kommt und mit ihm das Geräusch von Blättern, die der Wind über den Asphalt treibt  und Luft, die frühmorgens schon nach Eis riecht, wird mir bewusst, dass ich eine entscheidende Sache nicht bedacht habe. Mit dem Herbst kommt immer auch mein Geburtstag. In den letzten Jahren war das keine große Sache, ein Tag wie jeder andere, ganz angenehm sogar und nur noch Erinnerung an das emotionale Loch, in das ich fiel, als ich 25 wurde. Sogar die 30 habe ich im vergangenen Jahr sehr gut weg gesteckt.  In diesem Jahr jedoch wird mir schon schlecht wenn ich nur daran denke. Vielleicht, weil die 30 dann hinter mir liegt, plötzlich jung erscheint. 31 ist die Hölle. Plötzlich liegen die 20er nicht mehr nur ein paar wenige Monate, sondern ein ganzes Jahr zurück.

Ich fange wieder an daran zu denken, wo ich stehe. Mit der Diss, mit nem Job, und wo ich im Leben bin. Wo verdammt habe ich eigentlich erwartet zu sein? Und eigentlich – das ist das Paradoxe – bin ich sogar zufrieden, aber irgendwie auch nicht. Die Dinge könnten doch immer irgendwie noch runder laufen, vielleicht noch besser sein. Und auch wenn ich bewusst keinen Druck spüre, der auf mir lastet, niemand der mir sagt: „Tu dies, tu das, du solltest doch mittlerweile eigentlich…“, stelle ich fest, dass ich jeden Tag angespannter aufwache. Der Magen verkrampft sich mir bei dem Gedanken, einfach immer älter und älter zu werden, ein Strudel, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Du könntest jetzt noch ein paar Jahre genau so weiterleben und damit zufrieden sein und eines Tages wachst du auf und bist dann 40. Was, wenn ich momentan an einem Punkt in meinem Leben bin, in dem ich mir eigentlich selbst in den Arsch treten sollte? Dinge tun, auf die ich keine Lust habe, die mich noch nichtmal besonders reizen? Was wenn jetzt die Gelegenheit ist, die Weichen für das zu stellen, das mich vielleicht nicht heute aber in 10 Jahren glücklich macht?  Ich habe mir jetzt jahrelang eingeredet, dass das, was einen glücklich macht automatisch das richtige ist. Aber was, wenn dieses zufrieden-in-den-Tag hinein leben eine Sackgasse ist, für die ich mich irgendwann mal verfluche.

Das sind die Gedanken, die mich in den letzten Wochen begleiten. Dazu die Tatsache, dass ich zu viel arbeite, um Fortschritte bei der Diss. zu sehen und zu wenig, um zu sagen, dass das jetzt anscheinend mein neues Ding ist. Und nebenher fangen die Leute an zu fragen, was ich denn an meinem Geburtstag mache. Ich sage, ich weiß es nicht – und ich weiß es auch nicht, will mir keine Gedanken darüber machen.  Ich freue mich über ein paar nette Worte, von Menschen die ich gerne habe und der Rest ist mir egal. Am liebsten hätte ich, dass mich jemand in den Arm nimmt und mir mal wieder sagt, dass alles gut ist, dass die Dinge richtig sind, wie sie laufen, dass es sich lohnt diesen Weg zu gehen, dass die Zeit schon alles richten wird. Ich will den Nacken gekrault kriegen und dabei gedankenlos wegpennen, diesen Tag einfach friedlich überstehen. Kein großes Procedere, das mich nur immer wieder daran erinnert, was ich mir selbst für ungreifbare Vorstellungen von einer Zukunft mache.

Ich will im Laub liegen und den Herbst angucken, ich will das Eis in der Luft schmecken und die Augen schließen. Ich will schlafen und mit dem Gefühl aufwachen, das alles gut ist wie es ist. Vielleicht muss man nur dran glauben.

Herr L.

Mir kam der Gedanke dieses Blog als Blog zu reaktiveren, keine Videos mehr. Zumindest nicht ausschließlich – und vor allem nicht nur alle paar Monate.

Zunächst habe ich den Einfall ebenso schnell verworfen, wie er gekommen war. Heute war er wieder da und eh ich mich versehe, habe ich ein Word-Dokument offen und tippe. Irgendwas, scheißegal.

Ich befürchte ja, dass ziemlich viel pathetischer Quatsch dabei herauskommen wird, aber auch das soll mir jetzt egal sein. Sollen die Texte ruhig triefen wie Frittenfett, mir ist gerade danach. Die letzten Tage sitze ich viel herum. Ich höre Musik, starre vor mich hin, manchmal nicke ich weg. Der Zustand stört mich nicht einmal. Es ist nicht langweilig und es kommt mir nicht dröge vor. Mich langweilen so viele andere Dinge: Internet, Fernsehen, weggehen, reden. Über allem liegt das Gefühl der Sinnlosigkeit, das ich eigentlich nur aus tristen Herbsttagen kenne. Es ist, als wenn sich eine Leere in mir breit macht, die mir die Freude nimmt, den Schwachsinn zu tun, den ich eigentlich sehr gerne tue. Dabei ist es noch nicht mal eine traurige Leere. Es ist mehr ein melancholisches Gefühl, das es sich gemütlich macht und mit dem ich sehr gerne alleine bin. Das Gefühl, dass irgendwo noch mehr wartet. Etwas von dem ich noch gar nichts weiß und dass ich noch nicht einmal denken kann, weil es noch keine Idee von etwas ist. Alles was ich tue oder nicht tue steht in seinem Schatten und während ich dasitze und nachdenke, versuche ich es zu ergründen, aber da ist keine Antwort. In den guten Momenten denke ich, dass ich mich vielleicht mal wieder verlieben will und mir das selbst nur noch nicht wirklich eingestehen möchte. In den schlechten frage ich mich, ob es sich eventuell so anfühlt, wenn man innerlich vor sich hin stirbt. Gelange ich an einen Punkt, an dem es mir schlichtweg egal ist, irgendwann noch irgendwas für irgendwen zu fühlen? Schlimmerweise bin ich mir noch nicht sicher, welche der beiden Varianten die attraktivere für mich ist. Mittlerweile bin ich in der Lage meine Gedanken umherziehen zu lassen und sie völlig emotionslos zu betrachten, so als wären es die Spinnereien eines anderen. Sie schweben wie Seifenblasen vor mir her und ich versuche sie mit Bildern zu füllen. Mit Bildern die nicht kommen, oder nur dann, wenn ich sie provoziere. Sie haben keinen Bestand. Und wenn ich diese Worte noch mal lese erscheinen sie mir ganz und gar wie die Spinnereien eines anderen.